Aldo Manuzio

Aldus Pius Manutius, auch Aldo Manuzio, der Ältere, (* 1449 in Sermoneta oder Bassiano; † 5. Februar 1515 in Venedig) war ein venezianischer Buchdrucker und Verleger.

Portrait von Aldus Manutius nach einem Gemälde von Giovanni Bellino

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach Studien in Ferrara, Rom und Verona richtete er im Alter von etwa 40 Jahren in Venedig eine Druckerei ein, deren Produkte die Welt der Bücher revolutionieren sollten. In der dortigen Biblioteca Marciana stand die umfangreichste Sammlung an griechischen Manuskripten zur Verfügung (aus der Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204). Mit einem Kreis begabter Typographen machte er sich an die Veröffentlichung dieser Manuskripte. Seine Ausgaben, die sogenannten Aldinen, waren innovativ u.a. durch ihr kleines, dem Oktav in etwa entsprechendes Buchformat, das relativ preisgünstig hergestellt werden konnte. Ab etwa 1494 erschienen bei ihm die ersten Drucke der Welt in griechischen Lettern. Mit seinen Drucken griechischer und lateinischer Werke der Antike und humanistischer Autoren wie Pietro Bembo und Francesco Petrarca leistete Manutius einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung des Humanismus in Europa und zur Wiederentdeckung der Antike in der Renaissance.

Es wurde gelegentlich behauptet, er sei an den Folgen eines Mordanschlags gestorben, während andere berichten, er habe sich infolge von Überarbeitung eine Krankheit zugezogen, an der er nach einigen Monaten starb. Auch das Todesdatum wird unterschiedlich angegeben (5., 6. oder 8. Februar 1515).

Nach seinem Tod führten seine Schwager Druckerei und Verlag fort, bis im Jahr 1533 sein Sohn Paulus die Leitung übernehmen konnte.

Werk

Manutius war eine treibende Kraft bei der Wiederentdeckung der antiken Literatur durch die Renaissance und machte gleichzeitig aus dem Handwerk eine Kunst.

Er unterhielt in seinem Haus eine gelehrte Gesellschaft (auch Akademie genannt), die die Redaktion dieser Texte besorgte. Bedeutende Humanisten, darunter Hieronymus Aleander, Pietro Bembo, Erasmus von Rotterdam, Johannes Reuchlin, gehörten zu seinem Freundeskreis. Ab 1495 verlegte er fünf Bücher des Aristoteles, es folgten Werke von Theokrit, Aristophanes und Vergil, Juvenal, Petrarca, Martial, Thukydides, Sophokles und Herodot, Euripides, Homer, Pindar und Platon. Sein berühmtester Druck war wohl die Hypnerotomachia Poliphili des Francesco Colonna (1499) mit exzellenten Holzschnitten. 1502 verlegte er die Divina commedia von Dante Alighieri.

Auch als Typograph hatte Manutius wesentlichen Einfluss auf die noch junge Kunst des Buchdruckes. Die in den damaligen Druckereien übliche „gotische“ Schrift (die aus Handschriften abgeleitet war) ersetzte er durch neue, kunstvolle Lettern - die aldinischen Typen, heute "Antiqua" genannt. In der Ausgabe des Vergil von 1501 verwendete er erstmals die Kursivschrift (angelsächsisch italic genannt), deren Erfindung dann sein Schriftschneider Francesco Griffo für sich reklamierte, nachdem dieser 1502 im Streit von Manutius geschieden und zu dessen Konkurrent Gershom (Girolamo) Soncino gewechselt war.

Für die typographische Gestaltung Interpunktion wurden seine Ausgaben der Werke Bembos und Petrarcas u.a. durch die regelmäßige Verwendung des festen Punktes am Satzende und durch die Formgebung für das Komma zur Markierung von Perioden innerhalb des Satzes wegweisend.

Vom Priestermönch Makarije, der die erste Druckerei Südosteuropas betrieb, wird angenommen, dass er in der Druckerei von Manutius gearbeitet und dort sein Wissen erworben hatte.

Das Signet

Druckerzeichen der Aldus-Presse

Das Druckerzeichen der Aldus-Presse zeigt einen Anker und einen Delphin: Der Anker steht als Symbol für die Langsamkeit, der Delphin für die Geschwindigkeit. Die symbolische Bedeutung war dem gebildeten Leser aus den damals außerordentlich beliebten Emblembüchern bekannt. Das hier fehlende Lemma heißt Festina lente, (Eile mit Weile). Es wird Augustus zugeschrieben und ist in Suetons Biographien und den Noctes Atticae des Aulus Gellius überliefert.

Aldus' Signet, das für die Sorgfalt und Schönheit seiner Drucke stand, ist immer wieder von anderen Druckern in Europa kopiert worden.

Sonstiges

Ende des 20. Jahrhunderts wurde Aldus Manutius noch eine späte Ehre zuteil: Die Aldus Corporation, eine Firma, die 1985 das Layoutprogramm PageMaker auf den Markt brachte und damit Desktop Publishing (DTP) den Weg bahnte, nannte sich nach dem venezianischen Drucker. Im September 1994 fusionierte Aldus mit Adobe Systems und ist damit jetzt ebenfalls Geschichte.

Buchseite von Francesco Colonna's Hypnerotomachia Poliphili, gedruckt von Aldus Manutius

Literatur

  • Lowry, Martin: The world of Aldus Manutius. Business and scholarship in Renaissance Venice. Oxford 1979.
  • Lowry, Martin J. C.: Aldus Manutius and Benedetto Bordon. In search of a link. In: Bulletin of the John Rylands University Library of Manchester, 66, (1983/1984).
  • Bibliotheca Aldina. A collection of one hundred publications of Aldus Pius Mautius and the Aldine Press, including some valuable Aldine conterfeits. Roma 1991.
  • Aldo Manuzio e l'ambiente veneziano. 1494-1515. (Libreria Sansoviniana, 16. Juli - 15. September 1994.) A cura di Susy Marcon e Marino Zorzi.(Venezia 1994)
  • Cooper-Richet, Diana: La redécouverte des éditions aldines au XIX siècle. Antoine Augustin Renouard, bibliophile, collectionneur et passeur culturel. In: The Renaissance in the Nineteenth Century. Hrsg. Yannick Portebois. Toronto 2003.
  • Schück, Julius: Aldus Manutius und seine Zeitgenossen in Italien und Deutschland, Hamburg 1862.

Weblinks


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