Gabriel de Riqueti Graf von Mirabeau

Honoré Gabriel Victor de Riqueti, Marquis de Mirabeau (* 9. März 1749 in Bignon bei Nemours, Département Loiret; † 2. April 1791 in Paris) war ein französischer Politiker, Physiokrat, Schriftsteller und Publizist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Mirabeau war Abgeordneter und Wortführer des Dritten Standes in den Generalständen und eine der führenden Personen während der Anfangszeit der Französischen Revolution. Mirabeau war 1790 Präsident des Jakobinerclubs und hielt 1791 den präsidialen Vorsitz der Nationalversammlung.

Gabriel de Riqueti Graf von Mirabeau

Da Mirabeau keine finanzielle Unterstützung durch seinen Vater erhielt, ging er als junger Mann zum Militär. Er wohnte seit 1771 in Paris, wo er 1772 Marie Emilie de Marignane heiratete. Er wurde auf Anzeige seines Vaters von Ludwig XV. von seinen Besitzungen verbannt und 1775 verhaftet.

In der Haftzeit, während der er das Gefängnis verlassen durfte, lernte er Marie Thérèse de Monniers kennen. Beide verliebten sich in einander und flüchteten in die Schweiz. Er wurde wegen Ehebruchs in Abwesenheit zum Tode verurteilt und 1777 verhaftet. Es gelang ihm, sein Todesurteil annullieren zu lassen. Er musste aber bald wieder ins Exil gehen, nachdem er sich in einen Prozess zwischen seinen Eltern einschaltete. Er ging nach Preußen und soll dort Mitglied des Illuminatenorden mit dem Ordensnamen 'Adramelech/Leonidas' geworden sein, letzteres ist aber nicht sicher belegt und wurde möglicherweise als Gerücht in die Welt gesetzt um eine Verbindung zwischen dem Illuminatenorden und den Jakobinern herzustellen. Er wohnte auch in Holland, wo er in Amsterdam Freimaurer wurde. Später zog er nach London.

Das politische und literarische Werk

Die in England existierende konstitutionelle Monarchie gefiel Mirabeau so sehr, dass sie für ihn bald das ideale Gesellschaftsmodell darstellte.

Bei den Wahlen zu den Generalständen im Mai 1789 wurde er Abgeordneter des Dritten Standes. Durch seinen Aufenthalt in England sah Mirabeau den Adel und die Kirche als Haupthindernisse der Freiheit. Er war maßgeblich an der Abschaffung der Privilegien des Adels und der Einziehung der Kirchengüter beteiligt. Den König sah er aber weiterhin als notwendig an.

Seine Popularität erlitt einen weiteren Rückschlag, als seine engen Beziehungen zum König bekannt wurden. So ließ sich Mirabeau seinen Lebensunterhalt vom französischen Königshof bezahlen. Mirabeau wurde trotzdem am 30. Januar 1791 Präsident der Nationalversammlung.

Parallel zu seinen politischen Aktivitäten fertigte der schriftstellerisch begabte Mirabeau im Verborgenen einige erotische Werke an, die bis heute einen großen Anklang finden. Als „Le Rideau levé, ou l'Education de Laure“ (Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung) 1786 anonym erschien, hatte Mirabeau bereits ein abenteuerliches Leben hinter sich, das ihn mehrmals entweder hinter Gittern sah oder als gefeierten Redner im Gerichtssaal, wenn es galt, den eigenen, angeblich unschicklichen Lebenswandel zu verteidigen. Er konnte sich folglich keinen Ärger mehr leisten und entschied sich seine erotischen Bücher nicht unter dem eigenen Namen zu veröffentlichen. Lauras Erziehung führt den Leser in die noch heile Welt der besseren Stände am Vorabend der Französischen Revolution. Das Buch schildert die Erziehung und das Leben eines jungen Mädchens von der ersten erotischen Begegnung bis zu Orgien, bei denen nichts ausgelassen wird. Sein Roman ist eins der freizügigsten erotischen Bücher der Aufklärung, mit dem Mirabeau für sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung der Geschlechter plädiert sowie für die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen geistiger mit körperlicher Liebe. Nur dadurch entsteht seiner Meinung nach das vollkommene Glück. Dieses Weltbild passt in das philosophische Selbstverständnis der Aufklärung, welches die größtmögliche Glückseligkeit der Menschen als Ideal sah. Lauras Erziehung wurde in mehrere Sprachen übersetzt und wird bis heute - auch in Deutschland - neu verlegt. Zu einem weiteren Klassiker der erotischen Literatur der Aufklärung wurde auch „Hic-et-Haec“ (1798).

Mirabeau starb am 2. April 1791 plötzlich, sodass man einen Giftmord vermutet. Mirabeau wurde in einem Staatsbegräbnis im Panthéon beigesetzt. Nachdem weitere Beweise seiner Verbindungen zum Königshof gefunden wurden, wurde sein Leichnam im November 1793 aus dem Panthéon entfernt. Sein Bruder ist auf dem Alten Friedhof in Freiburg im Breisgau begraben.

Mirabeaus „Donnerkeil“

Mirabeau ist unter anderem durch seinen Donnerkeil bekannt geworden, mit dem er am 23. Juni 1789 dem königlichen Zeremonienmeister eine Abfuhr erteilte, als dieser die Versammlung der Generalstände auflösen wollte.

Heinrich von Kleist schildert Mirabeaus Donnerkeil in seinem Essay Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden sehr anschaulich:

(...) Mir fällt jener „Donnerkeil“ des Mirabeau ein, mit welchem er den Zeremonienmeister abfertigte, der nach Aufhebung der letzten monarchischen Sitzung des Königs am 23ten Juni, in welcher dieser den Ständen auseinanderzugehen anbefohlen hatte, in den Sitzungssaal, in welchem die Stände noch verweilten, zurückkehrte, und sie befragte, ob sie den Befehl des Königs vernommen hätten? „Ja“, antwortete Mirabeau, „wir haben des Königs Befehl vernommen“ - ich bin gewiß, daß er, bei diesem humanen Anfang, noch nicht an die Bajonette dachte, mit welchen er schloß: „ja, mein Herr“, wiederholte er, „wir haben ihn vernommen“ - man sieht, daß er noch gar nicht recht weiß, was er will. „Doch was berechtigt Sie“ - fuhr er fort, und nun plötzlich geht ihm ein Quell ungeheurer Vorstellungen auf - „uns hier Befehle anzudeuten? Wir sind die Repräsentanten der Nation.“ - Das war es, was er brauchte! „Die Nation gibt Befehle und empfängt keine“ - um sich gleich auf den Gipfel der Vermessenheit zu schwingen. „Und damit ich mich ihnen ganz deutlich erkläre“ - und erst jetzo findet er, was den ganzen Widerstand, zu welchem seine Seele gerüstet dasteht, ausdrückt: „So sagen Sie Ihrem Könige, daß wir unsere Plätze anders nicht, als auf die Gewalt der Bajonette verlassen werden.“ - Worauf er sich, selbstzufrieden, auf einen Stuhl niedersetzte.(...)

Berühmt ist Mirabeau auch für seine Bonmots, etwa: „Preußen ist kein Staat mit einer Armee, vielmehr eine Armee, die einen Staat besitzt“. Bekannt ist außerdem der Spruch, dass Preußen in einer Kanonenkugel geboren wurde.

Bibliografie

  • Essai sur le despotisme
  • Histoire sécrète de la cour de Berlin, (1786–1787)
  • De la monarchie prussienne sous Frédéric le Grand, (1788) (Digitalisate als PDF: Bd. 1/1, Bd. 1/2)
  • Lettres de Sophie
  • Lettres de cachet
  • Le rideau levé (dt.:Der gelüftete Vorhang oder Lauras Erziehung), (1786)
  • Histoire secrète de la cour de Berlin, (1787)
  • Dénonciation de l'agiotage, (1787)
  • Hic-et-Haec, (1798)

Weblinks


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