Alejandro Lerroux

Alejandro Lerroux García (* 4. März 1864, La Rambla, Córdoba; † 25. Juni 1949 Madrid) war ein zentristischer spanischer Politiker, der den Partido Radical während der Zweiten Republik leitete.

Leben

Als junger Mann agitierte er als Nachfolger von Manuel Ruiz Zorrilla in den Reihen der radikalen Republikaner. Als Journalist praktizierte er einen demagogischen und aggressiven Stil in den von ihm geleiteten, diversen Publikationen (El País, El Progreso, El Intransigente und El Radical).

Seine populistischen und antiklerikalen Reden wie auch seine Interventionen in verschiedenen Kampagnen gegen die Restaurationsregierungen machten ihn ziemlich populär unter den Arbeitern Barcelonas, die später die Basis seiner treuen Wählerschaft bildeten. 1901 wurde er erstmals als Abgeordneter gewählt, erneut bei den Kandidaturen der Unión Republicana (Republikanischen Union) 1903 und 1905, die er zusammen mit Nicolás Salmerón gegründet hatte. Nach dessen Übertritt in die Koalition Katalanische Solidarität 1906 gründete Lerroux 1908 seine eigene Radikal Republikanische Partei (Partido Republicano Radical) und führte den Kampf gegen den wachsenden katalanischen Nationalismus. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges optierte die Mehrheit der spanischen Politiker aller Parteien für die spanische Neutralität. Allein Lerroux und der Liberale Conde de Romanones plädierten für einen spanischen Kriegseintritt auf Seiten der Alliierten. Bei verschiedenen Gelegenheiten musste er ins Exil gehen: Erstmals um seiner Verurteilung nach einem 1907 veröffentlichten Artikel zu entgehen, 1909 floh er vor der Repression während der tragischen Woche aus Barcelona, bei der jóvenes bárbaros (dt. junge Barbaren), Jugendliche seiner Partei, sich vandalierend betätigt hatten.

Nach seiner Rückkehr nach Spanien akzeptierte er die republikanisch-sozialistische Verbindung, mit der er 1910 erneut zum Abgeordneten gewählt wurde. Als eine Reihe von Skandalen bis hin zu Korruptionsvorwürfen platzte, in die Lerroux verwickelt war, entfernte ihn dies von seiner Barceloneser Wählerschaft, bis er 1914 seinen Wahlkreis wechselte und für Córdoba kandidierte. Unter der Diktatur von Miguel Primo de Rivera 1923 bis 1930 war seine Partei 1929 durch die Absplitterung ihres linken Flügels geschwächt, der sich zu den Radikalsozialisten um Marcelino Domingo Barrio formierte. Dennoch nahm er weiter aktiv an der Politik teil, engagierte sich im Revolutionskomitee, das den Sturz von König Alfons XIII. und die Proklamation der Zweiten Republik 1931 vorbereitete.

Während der Republik erlangte er eine führende politische Rolle. Er war Teil der republikanischen Koalition, die die Reformen von Premierminister Manuel Azaña 1931–1933 etwa im Agrarsektor sowie beim Heer unterstützte. Lerroux trat 1931 als Minister in Azañas Kabinett ein. Am 19. November 1933 wurde Lerroux Premierminister, hauptsächlich weil der Präsident nicht den Leiter der CEDA, José Maria Gil Robles zum Premierminister ernennen wollte. Lerroux verband sich im Oktober 1934 aus Sorge vor der Revolution mit der rechten Opposition und wurde so von 1933 bis 1936 Teil der konservativen Mehrheit, die die Macht übernahm. Von 1933 bis 1935 wurde er drei Mal Premierminister und übernahm 1934 das Kriegsministerium, 1935 das Außenministerium.

Die Linke betrachtete den Eintritt der CEDA in die Regierung als Machtergreifung des Faschismus und reagiert mit Generalstreiks, Landbesetzungen und der Unabhängigkeitserklärung Kataloniens. Nach dem sich Lerroux selbst an der Unterdrückung des Arbeiteraufstands in Asturien und der Unabhängigkeitsbestrebungen in Katalonien 1934 beteiligt hatte, war er in der öffentlichen Meinung durch den Estraperlo-Skandal gänzlich diskreditiert, seine Allianz mit der politischen Rechten zerbrach und selbst seine Position innerhalb der eigenen Partei war geschwächt. Der Sozialist Indalecio Prieto, nie um eine bissige Formulierung verlegen, kommentierte dies mit: „Lerroux und seine Freunde tragen die Ministerien mitsamt dem Bodenbelag davon.“

Bei den Wahlen 1936 wurde er nicht mehr als Abgeordneter wiedergewählt, so dass er es bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs vorzog, sich aus der Gefahrenzone nach Portugal zu bringen. 1947 kehrte er nach Spanien zurück, wo er zwei Jahre später starb.


Vorgänger Amt Nachfolger
Manuel Azaña Ministerpräsident Spaniens
1933
Diego Martínez Barrio


Vorgänger Amt Nachfolger
Diego Martínez Barrio Ministerpräsident Spaniens
1933–1934
Ricardo Samper


Vorgänger Amt Nachfolger
Ricardo Samper Ministerpräsident Spaniens
1934–1935
Joaquín Chapaprieta



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