Alemán Coloneiro

Alemán Coloniero ist ein niederalemannischer Dialekt des Deutschen, welcher hauptsächlich in Colonia Tovar, Venezuela gesprochen wird. Als Eigenbezeichnung findet man in Tovar folgende Namen: Dialecto, Ditsch, Alemán, Alemannisch, Patua.

Der Dialekt ist, wie auch andere alemannische Dialekte, für nur Standarddeutsch sprechende Personen schwer verständlich. Alemán Coloniero ist die Sprache der Nachfahren deutscher Siedler, die 1843 größtenteils aus der Gegend um den Kaiserstuhl nach Venezuela auswanderten. Die Siedler wurden durch den italienischen Geografen Augustin Codazzi vornehmlich in Endingen am Kaiserstuhl und Wyhl im Auftrag des venezolanischen Staats geworben. Am 18. Dezember 1842 verließen 80 Familien, insgesamt 389 Personen, die badische Heimat und bewältigten in drei Wochen zu Fuß die Strecke von 380 km über Straßburg nach Le Havre. Mit dem Schiff erreichten sie Venezuela im April 1843.

Der Dialekt hat sich aus dem Südbadischen sowie einem geringen Einfluss einiger anderer Dialekte Süddeutschlands, Österreichs und der Schweiz entwickelt. Die meisten Sprecher beherrschen auch die Amtssprache Spanisch, wodurch auch diverse spanische Lehnwörter im Alemán Coloniero enthalten sind. Dieser Dialekt neben der offiziellen Muttersprache Spanisch wird in Colonia Tovar von knapp 3000 und in der Region von 16000 Menschen beherrscht. Die Nachfahren der Siedler sind durch Schulbesuch und Heiraten längst in Venezuela integriert.

In den alten Familien (Guth, Rudman, Ruh, Misle, Herig, Muttach) wird das Alemán Coloniero nicht nur sehr gut gesprochen sondern auch an die nächstfolgende Generation weitergegeben. Es ist nicht vorherzusehen, ob der Dialekt noch in ein bis zwei Generationen gesprochen wird, jedoch erkennen die Tovarer, dass sie damit ein bedeutendes Kulturgut besitzen und versuchen nun alles, um den Dialekt zu erhalten. Die Mehrheit der noch alemannisch sprechenden Menschen der Colonia Tovar konnten das Herkunftsland ihrer Vorfahren bisher nicht besuchen. Sie wollen sich aber ihrer kulturellen Wurzeln bewusst bleiben. Daher sind Austauschprogramme mit der ehemaligen Heimat angedacht. Wegen der alemannischen Fastnacht, des Fachwerk-Baustils, der Kuckucksuhren, des Schinkens, des Eisbeins mit Sauerkraut und der Erdbeertörtchen sowie der mitunter folkloristisch gekleideten Frauen wird die Gegend von vielen Touristen aus dem übrigen Venzuela besucht.

Unterricht des Deutschen/ Alemannischen

Die Bedeutung der Schule in der Colonia Tovar ist von besonderer Wichtigkeit. Bis 1942, als die Colonia Tovar zum Municipio mit Tovar als Hauptstadt erklärt wurde, stellte man fest, dass die Mehrheit der über 15-jährigen spanisch weder schreiben noch lesen konnte. Dies und die Abgeschiedenheit sind zwei Hauptgründe, warum sich der Dialekt erhalten hat. Als der venezolanische Staat jedoch davon erfuhr, wurde das venezolanische Schulsystem und mit diesem die spanische Sprache eingeführt. Den Schülern wurde von nun an verboten, in der Schule das Alemannische zu "schwätze". Sie bekamen Schläge auf die Hände, wenn sie es dennoch taten. Auch wurde ihnen eingeredet, der Dialekt sei keine Sprache, sondern er sei (fälschlicherweise) Patois und damit schlecht. Durch die Anbindung der Colonie an den restlichen Staat wurde der Einfluss des Venezolanischen auf die Tovarer noch stärker. Es wurde und wird seit dem stets versucht, Deutsch als Unterrichtssprache verwenden zu dürfen, doch bis jetzt hat der Staat den Schulen keine Erlaubnis für einen bilingualen Unterricht oder Deutsch als erste Fremdsprache erteilt. So dürfen nur Privatlehrer sowohl den Dialekt als auch das Standarddeutsch unterrichten.

War die nichtvorhandene Schulbildung mit dem nichtvorhandenen Spanisch ein Grund dafür, dass der Dialekt erhalten geblieben ist, so ist das nun auf Spanisch vorhandene System für den Verlust des Dialektes zum großen Teil verantwortlich.

Literatur

Es wird ein Wörterbuch Alemannisch-Tovarer Dialekt und ein Sprichwörterbuch erscheinen. Des Weiteren existieren folgende Arbeiten, die die Sprache der Colonia Tovar zum Thema haben:

  • Hernandez, Marlene Elanco: Introducción al analisis gramatical del Aleman de la Colonia Tovar. Universidad Central de Venzuela. Caracas 1987.
  • Redlich Perkins, Renate: Tovar German. Linguistic study of a German century alemannic dialect spoken in Venezuela. University Microfilms International. Ann Arbor, Michigan, London 1978.
  • Da Rin, Denise: Die deutsche Sprache in der Colonia Tovar (Venezuela) - Eine soziolinguistische Untersuchung. München 1995.
  • Kanzler, Samuel Briceño: La Colonia Tovar y su gente. Tovar, o. J. (Titel in deutsch übersetzt: Die Colonia Tovar und ihre Menschen).

Weblinks


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