Garter Day

Garter Day
Der Duke of Marlborough in der Ordenstracht des Hosenbandordens. Das Ordensband wird unter dem linken Knie getragen.

Der vom englischen König Eduard III. 1348 gestiftete Hosenbandorden (Orden des blauen Hosenbandes, Orden des Heiligen Georg in England, Hochedler Orden vom Hosenbande, Order of the Garter, The Most Noble Order of the Garter) ist neben dem schottischen Distelorden (The Most Noble Order of the Thistle) der exklusivste Orden Großbritanniens und einer der angesehensten Europas.

Inhaltsverzeichnis

Ordensträger

Ordensträger sind der Monarch, der Prince of Wales und maximal 24 weitere vom Monarchen eingesetzte Ritter, wobei aber Mitglieder des Königshauses und ausländische Ritter nicht mitzählen. Anlässlich ihres 80. Geburtstages ernannte Königin Elisabeth II. im April 2006 ihre Söhne Andrew, Herzog von York, und Edward, Earl of Wessex, zu Rittern des Hosenbandordens.

Kandidaten für den Orden sind Persönlichkeiten, die sich um das Königreich oder den Souverän verdient gemacht haben.

Entstehung

Der Hosenbandorden wurde vom englischen König Eduard III. am 19. Januar 1348 gestiftet (nachdem die Stiftung bereits 1344 angekündigt worden war). Der Orden war König Artus' legendärer Tafelrunde nachempfunden. Eduard versuchte mit diesem Orden, die wichtigsten Ritter des Königreichs fester an sich, den König, zu binden. Zu den ersten Ordensrittern gehörte sein Sohn Edward of Woodstock, genannt „Der schwarze Prinz“.

Bezeichnung

The Ceremony of the Garter (1901) von Albert Chevallier Tayler zeigt die legendäre Szene, auf die die Gründung des Hosenbandordens zurückgeht: König Edward III. hat das Strumpfband seiner Geliebten aufgehoben, das sie verloren hatte, und wird es nun als sein eigenes bezeichnen.

Die englische Bezeichnung des Hosenbandordens ist order of the garter, wobei garter eigentlich ein Strumpf- oder Knieband bezeichnet, wobei „Hosenband“ aber auch mit dem heute eher gebräuchlichen „Straps“ übersetzt werden kann. Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt. Der galantesten Legende zufolge verdankt es die Bezeichnung einem Vorfall beim Tanz des Königs Eduard III. mit seiner Geliebten, der Gräfin von Salisbury. Diese verlor ihr blaues Strumpfband. Der König entkrampfte die entstandene peinliche Situation dadurch, dass er das Strumpfband aufhob und sich selbst an das eigene Bein band. Dabei soll er laut ausgerufen haben: „Honi soit qui mal y pense“ (ein Schelm, wer Böses dabei denkt), das Motto des zukünftigen Ordens. Nach einer anderen Erzählung soll sich der Souverän nach dem Missgeschick der unglücklichen Gräfin schirmend mit ausgebreitetem Mantel vor sie gestellt haben, als sie das Hosenband wieder befestigte, während er, sich dem Hofstaate zuwendend, eben den bekannten Spruch: „Böses dem, der Böses denkt!“ getätigt haben soll. Zum einen sei dies Zeichen seiner ritterlichen Gesinnung und der daraus erwachsenden Pflicht, in Bedrängnis geratene Menschen zu schützen, gewesen. Zum anderen wäre es Ausdruck der Courtoisie, mit der ein Troubadour schöne Frauen ohne sexuelles Verlangen zu verehren pflegte. Das Motto dürfte sich aber in Wahrheit eher auf Eduards Anspruch auf den französischen Thron bezogen haben.

Schutzpatron, Ordensämter

Die Amtsträger des Ordens (von links nach rechts): Sekretär (verdeckt), Gentleman Usher of the Black Rod, Herold, Registrar, Prälat, Kanzler.

Schutzpatron des Ordens ist der Heilige Georg.

Der Orden hat sechs Ämter: Prälat, Kanzler, Registrar, Herold, Ordensdiener (usher) und Sekretär. Als Prälat fungiert stets der Bischof von Winchester, einer der höchsten Geistlichen der Church of England. Das Amt des Kanzlers wird jeweils von einem Träger des Ordens ausgeübt. Registrar ist der Dekan von Windsor Castle. Das Amt des Herolds (Garter Principal King of Arms) ist dem Vorsteher der obersten heraldischen Autorität in England, des College of Arms, übertragen. Einer der Mitarbeiter des Colleges übt das Amt des Sekretärs aus. Als Ordensdiener fungiert der Gentleman Usher of the Black Rod, in der Regel ein hochrangiger pensionierter Offizier, der den Souverän auch im House of Lords vertritt.

Treffen

Im Juni eines jeden Jahres am sog. Garter-Day versammeln sich die Ordensritter in Windsor Castle. Nach einem gemeinsamen Essen in dem Waterloo Chamber bewegen sich alle in einer Art Prozession, angeführt vom Souverän, zum Gottesdienst in die St. George's Chapel, in der jeder Ritter seinen festen Platz hat. Bis zum Ersten Weltkrieg hingen in der Kapelle auch noch die Fahnen der deutschen Ritter des Ordens, die aber 1915 wegen der sich verbreitenden antideutschen Stimmung aus dem Ordensregister gestrichen wurden. Die Verleihung des Ordens gilt als so feierliche Handlung, dass Publikum oder Presse keinen Zugang haben.

Dieser Gottesdienst hat stets folgende Teile:

  • Einführung
  • Nationalhymne
  • Einführung der neuen Ordensmitglieder durch das Ordensoberhaupt Elisabeth II.
  • Vater Unser
  • Segen über die Ordensmitglieder
  • Te Deum Laudamus gesungen.
  • Glaubensbekenntnis
  • Lesung aus der Bibel
  • Beatus vir
  • Danksagung für die Ordensgründung
  • großes Hosenbandgebet
  • Hymne
  • Abschluss-Segen

Insignien

altfranzösisch: „Ein Schelm wer böses dabei denkt“

Die Insignien des einklassigen Ordens bestehen aus einer Ordenskette (Collane) mit Ordenszeichen (The George), einem Bruststern mit St. Georgs-Kreuz und bei Aufnahmefeierlichkeiten zu einer speziellen Tracht (blaue Samtroben mit blauen Samthüten und weißer Feder) noch ein blaues Schnallenband mit dem Motto des Ordens, das von den Männern am linken Knie, von den Frauen (seit 1987 Vollmitglieder) am linken Oberarm getragen wird. Die Ritter werden, sofern sie Briten sind und keinen höheren Titel innehaben, mit „Sir“ angesprochen und können hinter ihren Namen die Abkürzung KG (Knight of the Order of the Garter) oder LG (Lady of the Order of the Garter) (sog. post-nominals) setzen. Die Insignien werden nach dem Ableben des Ritters zurückgegeben.

Frauen im Hosenbandorden

Beim Hosenbandorden war es - anders als bei den großen kontinentalen Orden, dem Orden vom Goldenen Vlies (gegründet 1430), dem Michaelsorden (gegründet 1469) und dem Orden vom Heiligen Geist (gegründet 1578) – in den ersten eineinhalb Jahrhunderten seines Bestehens möglich, dass Frauen aufgenommen wurden. König Eduard III. stellte dies klar, indem er 10 Jahre nach Ordensgründung seine Ehefrau Philippa von Hennegau aufnahm, wobei sie nicht den Titel eines „Knight of the Garter“, sondern den einer „Lady of the Garter“ bekam. Im Jahr vor seinem Tod nahm er seine einzige noch lebende Tochter Isabella – neben seinen Söhnen Edward of Woodstock (1348, † 1376), Lionel of Antwerp, John of Gaunt und Edmund of Langley (alle um 1361), der jüngste Thomas of Woodstock (* 1355) folgte 1380 – ebenfalls in den Orden auf.

Bis 1488 wurden 64 Frauen in den Orden aufgenommen, wobei der Schwerpunkt eindeutig in der Regierungszeit von Eduards Nachfolger Richard II. (König 1377-1399) bzw. der Regentschaft von dessen Vormund John of Gaunt liegt: allein 35 dieser 64 Aufnahmen entfallen auf diese Jahre, wobei auch festzustellen ist, dass in der gleichen Zeit „nur“ 33 Männer dem Orden beitraten. Knapp vier Fünftel der Frauen, 27, wurden in nur vier Jahren aufgenommen, 1378, 1384, 1386 und 1399, während die Aufnahme der 33 Männer kontinuierlich über den gesamten Zeitraum erfolgte. Unter Richards Nachfolger Heinrich IV. kamen im Jahr 1408 noch einmal 9 Frauen dazu, danach versiegte der Zustrom: von 1420 bis 1488 waren es dann in 68 Jahren nur noch 17 Frauen, und mit dem Ende des Jahrhunderts wurde der Orden dann wieder zu einer reinen Männergesellschaft - woran auch die Tatsache nichts änderte, dass England in den folgenden Jahrhunderten lange von Frauen (u. a. Elisabeth I., Victoria) regiert wurde. Erst mit der Aufnahme von Alexandra von Dänemark, der Ehefrau von Victorias Sohn und Nachfolger Eduard VII. im Jahr 1901, wurde dieser Zustand beendet. Heute sind etwa 20 Prozent der Mitglieder des Hosenbandordens weiblich.

Bekannte Mitglieder des Ordens

Peter Carington, 6. Baron Carrington in der Robe des Kanzlers des Hosenbandordens

Siehe auch:

Weblinks



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