Gegenpapst Benedikt XIII.

Benedikt XIII. (* 1342/43 in Illueca, Aragón; † 29. November 1422 in Peñíscola), eigentlich Pedro Martínez de Luna y Gotor oder Pedro de Luna, auch Papa Luna genannt, war Gegenpapst (Papst avignonesischer Obödienz) von 1394 bis 1422.

Leben

Pedro de Luna, Professor des Kirchenrechts in Montpellier, wurde 1375 durch Gregor XI. zum Kardinal erhoben. 1376 begleitete er Gregor XI. nach Rom und beteiligte sich nach dessen Tod an der umstrittenen Papstwahl von Urban VI. (8. April 1378). Er hielt zunächst vergleichsweise lange zu Urban VI., wechselte dann aber im Sommer zu den abgefallenen Kardinälen und nahm, nachdem er sich von der Ungültigkeit der Wahl überzeugt hatte, am 20. Sept. 1378 an der Wahl Clemens’ VII. teil. Da sich Urban nicht zum Rücktritt bewegen ließ, war damit das Schisma vollzogen. Clemens VII. konnte Rom und den Vatikan nicht erobern und musste 1379 seine Kurie auf Einladung des französischen Königs wieder nach Avignon verlegen. Als Legat Clemens’ VII. sorgte de Luna vor allem dafür, dass sich jener in Spanien durchsetzte und gewann alle vier hispanischen Königreiche (Kastilien, Portugal (bis 1385), Aragón und Navarra) für die avignonesische Obödienz.

Nach dem Tod von Clemens VII. (16. Sept. 1394) wurde er ohne Gegenstimme zu dessen Nachfolger gewählt (28. Sept. 1394) und nannte sich Benedikt XIII. Schon bald kam es zu Differenzen über den Weg zur Wiederherstellung der Einheit der Kirche: Frankreich und einige der Kardinäle forderten den Rücktritt beider Päpste (via cessionis), Benedikt XIII. hingegen erstrebte den Weg der juristischen Auseinandersetzung bei einem Treffen beider Kontrahenten (via justitiae). Die kompromisslose Rücktrittsforderung des Papstes in Rom, Bonifaz IX. (1389–1404), verhinderte jegliche Verhandlungen und nach vier ergebnislosen Jahren versuchte Frankreich die Abdankung Benedikts XIII. durch Gehorsamsentzug, Belagerung des Papstpalastes und Gefangenschaft zu erzwingen (1398–1403). Am 12. März 1403 gelang Benedikt die Flucht. In den folgenden Jahren scheute er keine Strapazen, seine Unionsbestrebungen umzusetzen, doch alle Anstrengungen, ein Treffen mit einem seiner Kontrahenten (Bonifaz IX., Innozenz VII. (1404–1406) und Gregor XII. (1406–1415)) zu erreichen, waren vergeblich. Als Frankreich ihm im Mai 1408 erneut den Gehorsam entzog, musste Benedikt aus Italien in spanisches Hoheitsgebiet fliehen und berief ein Konzil nach Perpignan (1408). Dieses bat ihn trotz Anerkennung seiner Rechtmäßigkeit als einziger vicarius Christi um die Abdankung. Da er jedoch an seinem Anspruch festhielt, verlor er zunehmend seine Gefolgschaft.

Inzwischen hatten sich die von Benedikt XIII. abgefallenen Kardinäle mit denen Gregors XII. verbunden und ihrerseits ein Konzil in Pisa einberufen (1409). Da keiner der beiden Päpste erschien, wurden sie als Häretiker und Schismatiker abgesetzt (5. Juni 1409). Die von den Kardinälen erhoffte Kompromisslösung zur Beendigung des Schismas mit der Wahl Alexanders V. (1409–1410) scheiterte an der Rücktrittsweigerung beider Päpste: nun gab es drei Päpste.

Das Konzil von Konstanz (1414–1418) bestätigte das Urteil von Pisa (26. Juli 1417) noch einmal und setzte schließlich dem Großen Abendländischen Schisma mit der Wahl Martins V. (11. Nov. 1417) ein Ende. Benedikt beharrte kompromisslos und unbeugsam auf der Legalität seines göttlichen Amtes und verbrachte seine letzten Jahre in Isolation und Einsamkeit in der Festung Peñíscola. Kurz vor seinem Tod ernannte er noch vier Kardinäle, um seine Nachfolge – von ihm als Sukzession des wahren römischen Papstes verstanden – auch weiterhin zu sichern. Diese konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen: drei von ihnen wählten Gil Sánchez Muñoz (Clemens VIII. (1423–1429)) der vierte Bernard Garnier (Benedikt XIV.).

Literatur

  • Quellennachweis für das Geburtsdatum: Vat. Arch. Reg. Avinion. 147 (Innozenz VI., tom 27) fol. 280.
  • Michael Seidlmayer: Peter de Luna (Benedikt XIII.) und die Entstehung des Großen Abendländischen Schisma, SFGG, R. I,4, Münster 1933, 206-247.
  • Dieter Girgensohn: Ein Schisma ist nicht zu beenden ohne die Zustimmung der konkurrierenden Päpste. Die juristische Argumentation Benedikts XIII. (Pedro de Luna), AHP 27, 1989, 197-247.
  • Dieter Girgensohn: Benedikt XIII, LTK3 2, 208.
  • Barbara von Langen-Monheim: Die Informatio seriosa Papst Benedikts XIII. Stufen einer kirchenpolitischen Denkschrift von 1399 bis zum Konzil von Perpignan 1408, Dissertation, Aachen 2004. PDF

Weblinks

Siehe auch: Liste der Päpste - Liste der historischen Gegenpäpste - Päpste namens Benedikt


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