19-Lachter-Stollen
19-Lachter-Stollen
Geografische Lage
Koordinaten 51° 49′ 26″ N, 10° 16′ 53″ O51.82390833333310.281422222222Koordinaten: 51° 49′ 26″ N, 10° 16′ 53″ O
19-Lachter-Stollen (Niedersachsen)
19-Lachter-Stollen
Lage 19-Lachter-Stollen
Gemeinde Samtgemeinde Oberharz / Bergstadt Wildemann
Kreis Landkreis Goslar
Bundesland Niedersachsen

p2p4

Der 19-Lachter-Stollen (auch Oberer Wildemanns-Stollen oder Getroster Hedwigstollen genannt[1]) ist ein Wasserlösungsstollen des Oberharzer Bergbaus.

Das Mundloch des Stollens befindet sich in Wildemann. Von hier aus erstreckt er sich über eine Länge von 8,8 km bis hinter Clausthal-Zellerfeld. In seinem Verlauf diente der Stollen der Wasserhaltung, also der Ableitung der anfallenden Grubenwässer, der an ihn angeschlossenen Erzgruben des Wildemanner, des Zellerfelder und später auch des Clausthaler Reviers.

Der 19-Lachter-Stollen wurde 2010 als ein Teil des Oberharzer Wasserregals zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wasserlösungsstollen

Der Stollen wurde zwischen 1551 und 1690 in mühseliger Arbeit, anfangs allein mit Schlägel und Eisen, in den Berg getrieben. Der Vortrieb pro Bergmann und Schicht betrug nur zwischen einem und wenigen Zentimetern[2]. Am Ende, bei der Grube Caroline im Burgstätter Zug weit hinter Clausthal-Zellerfeld, bringt der Stollen eine Teufe von 115 Meter ein [1]

Der Name 19-Lachter-Stollen kommt vom „Lachter“, einem Längenmaß aus dem Bergbau. Der Stollen wurde so genannt, da er 19 Clausthaler Lachter (ca. 36 m) unter dem Glückswardstollen lag, welcher wiederum auch 16-Lachter-Stollen genannt wurde, da er 16 Lachter unter dem Frankenscharrn-Stollen, dem Hauptstollen des östlichen Zellerfelder Gangzuges, lag.[1][3]

Anfangs diente der Stollen der Bewetterung des Tiefen Wildemanns-Stollens; er wurde erst später an den höhergelegenen 16-Lachter-Stollen angebunden und zu einem Wasserlösungsstollen umfunktioniert. Zuvor war bereits der 13-Lachter-Stollen, auch Tiefer Wildemanns-Stollen genannt, begonnen worden. Wegen des extrem harten Gesteins ging der Vortrieb der Stollen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran. Der 16-Lachter-Stollen erreichte zuerst die Zellerfelder Grube Rheinischer Wein; erst später folgten 19- und 13-Lachter-Stollen und schafften ein System, das es erlaubte, den Zellerfelder Zug zu entwässern und Schächte bis auf ca. 200 m abzuteufen[1]. Nachdem der 13-Lachter-Stollen angebunden war, fiel der 19-Lachter-Stollen teilweise wieder trocken und konnte befahren werden.

Grube Ernst-August

Die Grauwacke, in die der Stollen getrieben wurde, enthält auch vereinzelte Erzgänge. Insbesondere auf dem ersten Stück nahe Wildemann wurde daher vom Stollen aus auch Erz aufgeschlossen und abgebaut. Hierfür wurde unter anderem in einem Seitenarm des Stollens, dem sogenannten 19-Lachter-Adolph Stollen der Blindschacht Ernst August abgeteuft.[2] Benannt wurde die Grube nach dem damaligen Landesfürsten Ernst August von Hannover. Im Jahr 1680 wurde Ernst-August zu Ehren ein Ausbeutetaler aus dem Silber der Grube geprägt.[4]

Die Grube Ernst-August war bis 1924 in Betrieb, dann wurde sie stillgelegt.

Schaubergwerk

Von Wildemann aus ist heute ein etwa 500 m lange Stück des Stollens bis zum Schacht als Besucherbergwerk zu besichtigen. Der Stollen vermittelt einen guten Eindruck von der Enge unter Tage und der mühevollen Arbeit der Bergleute. Er ist teilweise nur ca. 1,40 m hoch; normal bis groß gewachsene Besucher müssen über weite Strecken gebückt gehen.

Nach einigen hundert Metern Stollenbefahrung bietet sich ein Blick in die gähnende Tiefe des 261,94 m tiefen Blindschachtes und auf eine Radstube mit den Resten eines über 100 Jahre alten Kehrrades von 9 m Durchmesser und 2 m Breite. Des Weiteren ist eine ehemalige Kunstradstube zu sehen, die allerdings 1914 zum Turbinen- und Kompressorenraum modernisiert wurde, sowie ein Maschinenraum mit einer elektrischen Fördermaschine, der ebenfalls aus dem Jahr 1914 stammt.

Literatur

  • Hans G. Dirks: Der 19 Lachter Stollen und die Grube Ernst August in Wildemann. Pieper, Clausthal-Zellerfeld 1989.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Wilfried Ließmann: Historischer Bergbau im Harz. 2. Auflage. Springer, Berlin 1997, ISBN 3-540-62930-0.
  2. a b 19-Lachter-Stollen. Abgerufen am 12. Mai 2009.
  3. Der 19-Lachter-Stollen. Abgerufen am 12. Mai 2009.
  4. Harzer Münzen. Schatzsucher.de, abgerufen am 7. Januar 2011.

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