Alexander Alexandrowitsch Romanow

Alexander III. Alexandrowitsch (russisch Александр III Александрович; * 26. Februarjul./ 10. März 1845greg. in Sankt Petersburg; † 20. Oktoberjul./ 1. November 1894greg. in Liwadija auf der Krim) aus dem Haus Romanow-Holstein-Gottorp war vom 2. Märzjul./ 14. März 1881greg. bis zu seinem Tod Zar des Russischen Reiches.

Alexander III.

Inhaltsverzeichnis

Familie und Nachkommen

Alexander III. war der zweite Sohn von Alexander II. von Russland und dessen erster Gemahlin Marie von Hessen-Darmstadt. Seit dem 28. Oktober 1866 war er mit Dagmar von Dänemark verheiratet, die folgende Kinder gebar:

  • Nikolaus II. (* 18. Mai 1868; † 16. Juli 1918), Zar von Russland,
  • Alexander (* 26. Mai 1869; † 20. April 1870), Großfürst von Russland,
  • Georgi (* 27. April 1871; † 28. Juli 1899), Großfürst von Russland,
  • Xenia (* 25. März 1875; † 20. April 1960), Großfürstin von Russland,
  • Michail (* 22. November 1878; † 12. Juli 1918), Großfürst von Russland, und
  • Olga (* 1. Juni 1882; † 24. November 1960), Großfürstin von Russland

Biografie

Die Ermordung Alexanders II. verfolgte die beiden nächsten Zaren wie ein Gespenst. So zog der neue Zar mit seiner Familie in ein gut bewachtes Hochsicherheitsschloss in den Petersburger Vorort Gattschina, gründete 1881 den Sicherheitsdienst Ochrana und erließ im Mai 1882 die judenfeindlichen Maigesetze. Eine wichtige Rolle spielte für ihn der konservative Jurist Konstantin Pobedonoszew, der als sein persönlicher Berater und als graue Eminenz fungierte.

Alexander III. glaubte nicht an eine Revolution und liebte keine Reformen. Er hob beinahe alle Liberalisierungsvorschläge seines Vaters auf, obwohl er die Leibeigenschaft nicht wieder einführen konnte. Er erweiterte die Machtbefugnisse der Polizei, und zunehmend mehr Anarchisten, Populisten und sozialistische Revolutionäre wurden kurzerhand nach Sibirien deportiert. Allmählich zog er sich so die Feindschaft aller Klassen in Russland zu. Erneut flackerte überall der Terror auf.

Alexander III. mit seiner Familie im Jahr 1893

1888 entging Alexander III. nur knapp einem Attentat. Auf der Rückkehr von einer Reise in den Kaukasus wurde der Zar mit seiner Familie am 29. Oktober 1888 bei Borki (zwischen Asow und Charkow) zusammen mit seiner Entourage von einem Eisenbahnunfall betroffen. Der kaiserliche Zug entgleiste und stürzte einen Abhang hinunter. Die Ursache konnte nicht geklärt werden. Als das Dach des Speisewagens auf die Fahrgäste zu stürzen drohte, hob Alexander das Dach mit seinen Schultern an, bis sich alle in Sicherheit gebracht hatten. Die kaiserliche Familie kam mit dem Schrecken davon. Diese übermenschliche Anstrengung hinterließ nach Meinung der Ärzte bleibende Schäden an seinen Organen. Sechs Jahre danach erkrankte der Zar an einem schweren Nierenleiden.

1889 fand auf Initiative Alexanders III. die Eröffnung des „Russischen Museums“ statt. Unter seiner Herrschaft erlebte Russland das Zeitalter der Industrialisierung. Während die technische Modernisierung Einzug hielt, blieben aber die Ressentiments gegenüber der jüdischen Minderheit erhalten − seine Regentschaft war geprägt von antisemitischen Pogromen.

Außenpolitisch hatte Russland unter seiner Herrschaft Landgewinne in Zentralasien und im Fernen Osten am Pazifik zu verzeichnen. Während seiner 13jährigen Herrschaft entstand als längste Eisenbahnstrecke der Welt die Transsibirische Eisenbahn, die den europäischen Teil Russlands mit seinen Ostgebieten verbindet. Nach Alexanders Tod 1894 ging der Zarenthron an seinen ältesten Sohn Nikolaus II.

Literatur

  • Sylvain Bensidoun: Alexander III : 1881–1894. – Paris : Sedes, 1990
  • E.M. Almedingen, Die Romanows – Geschichte einer Dynastie, Russland 1613–1917, Ullstein, Frankfurt/M., 1992, ISBN 3-548-34952-8
  • Gudrun Ziegler: Das Gold der Zaren, Heyne, ISBN 3-453-17988-9

Siehe auch

Weblinks



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