Alexander Altmann

Alexander Altmann (* 16. April 1906 in Kaschau = Košice, heute Slowakei; † 6. Juni 1987 in Boston, USA) war ein orthodox-jüdischer Wissenschaftler und Rabbiner.

Bekannt wurde er durch seine Arbeiten über Moses Mendelssohn, ihm sind aber auch einige wichtige Beiträge zur Erforschung der jüdischen Mystik zu verdanken.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alexander Altmann wurde in Košice, damals Österreich-Ungarn, als Sohn des Rabbiners Adolf Altmann geboren. Sein Vater war später Rabbiner in Salzburg und zuletzt (1920 – 1938) Oberrabbiner in Trier. Dort besuchte Alexander das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Die letzten Jahre wechselte er aber zum Apostelgymnasium nach Köln, weil er sich neben dem Schulbesuch dort auf der Talmud-Thorah-Schule auf dem Hohenstaufenring auf den Besuch des Berliner Rabbinerseminars vorbereiten konnte. Nach dem Abitur 1925 studierte er an der Universität Berlin von 1926 an Philosophie und Deutsche und Englische Literatur. 1931 wurde er mit einer Arbeit über Max Scheler promoviert[1] und im selben Jahr am von Esriel Hildesheimer gegründeten Rabbinerseminar zum Rabbiner ordiniert. Er arbeitete dort selbst von 1931 bis 1938 als Professor und als orthodoxer Rabbiner in Berlin. Nachdem er 1938 vor den Nationalsozialisten geflohen war, arbeitete er von 1938 bis 1939 als kommunaler Rabbiner im englischen Manchester. Dort führte er zusätzlich zu seinen Verpflichtungen als Gemeindeoberhaupt seine unabhängigen wissenschaftlichen Studien fort: Er veröffentlichte eine Übersetzung und Erläuterung von Saadias Emunot we-De'ot. Letztendlich ermöglichten ihm seine wissenschaftlichen Tätigkeiten, das unabhängige Institute of Jewish Studies zu gründen und von 1953 bis 1958 zu leiten. Dort war er Mitarbeiter am Journal of Jewish Studies und den Scripta Judaica. Nachdem er die Zukunft des Institutes abgesichert hatte, indem er es in das University College London eingliederte, nahm er einen Ruf der Brandeis University an. Er arbeitete dort von seiner Berufung zum Professor 1959 bis zu seiner Emeritierung 1976.

Von 1976 bis 1978 war er Gastprofessor in Harvard und an der Hebräischen Universität Jerusalem. Von 1978 bis zu seinem Tod 1987 war er Mitglied des Harvard University Center for Jewish Studies.

Seine Moses-Mendelssohn-Biografie von 1973 ist "DIE Mendelssohn-Biografie des 20. Jahrhunderts". Sie habe "ihren Rang als Referenzwerk zu Mendelssohns Leben und Schreiben bis heute nicht eingebüßt", urteilte Cord-Friedrich Berghahn im Jahr 2011. "Sie ist zugleich ein erstklassiges Findebuch zum Denken und zu den Konstellationen der deutschen Hochaufklärung".[2]

Werke (Auswahl)

  • Gaon, 1946
  • Isaac Israeli, 1958
  • Studies in Religion, Philosophy and Mysticism, 1969
  • Moses Mendelssohn, 1969, Neuausgabe: Moses Mendelssohn: A Biographical Study, London 1998, ISBN 1874774536
  • Herausgeber der Gesammelten Schriften von Moses Mendelssohn, 1977
  • Essays in Jewish Intellectual History, 1981

Literatur

  • Thomas Meyer: "Alexander Altmann. Ein Porträt anläßlich seines 100. Geburtstages am 16. April 2006" In: ASCHKENAS. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden, 15/2005, H. 2, S. 535 -571

Einzelnachweise

  1. Vita ergänzt nach Angaben im Buch zum Apostelgymnasium: Otto Geudtner et alii: Ich bin katholisch getauft und Arier Emons, Köln 1985, S.167 ff
  2. C.-F. Berghahn, Kommentierte Bibliografie zu Moses Mendelssohn, in: H. L. Arnold/C.-F. Berghahn (Hg.), Moses Mendelssohn. München 2011. S. 197.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Alexander Altmann — (April 16, 1906 – June 6, 1987) was an Orthodox Jewish scholar and rabbi born in Kaschau, Austria Hungary, today Košice, Slovakia. He emigrated to England in 1938 and later settled in the United States, working productively for a decade and a… …   Wikipedia

  • Alexander Altmann — Pour les articles homonymes, voir Altmann.  Ne doit pas être confondu avec Alexandre Altmann. Alexander Altmann est un érudit et rabbin orthodoxe du XXe siècle (16 avril  …   Wikipédia en Français

  • ALTMANN, ALEXANDER — (1906–1987), rabbi, teacher, and scholar. His father was adolf altmann (1879–1944), a Hungarian born rabbi who officiated in Trier in 1920–38 and wrote a history of the Jews there and in Salzburg. He died in Auschwitz, together with his wife and… …   Encyclopedia of Judaism

  • Altmann (Familienname) — Altmann ist ein deutschsprachiger Familienname. Bekannte Namensträger Inhaltsverzeichnis A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z …   Deutsch Wikipedia

  • Altmann — or Altman may refer to: * Altmann, a summit of the Appenzell Alps * Altmann of Passau, bishop (1020 1091) * Altman (automobile), Ohio based manufacturer * Altmann (1905 automobile), an early German automobile * Altman Lighting Co., American… …   Wikipedia

  • ALTMANN, ADOLF — (1879–1944), rabbi, historian, philosopher. Born in Hunsdorf, Hungary, Altmann studied at the yeshivot of Hunsdorf and Pressburg, and graduated as doctor of philosophy from Berne University. An early follower of Herzl, he worked for the… …   Encyclopedia of Judaism

  • Altmann — Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom.  Pour l’article homophone, voir Altman. Altmann est un nom propre d origine germanique qui peut correspondre à un prénom masculin, un nom de famille… …   Wikipédia en Français

  • Alexander Pschill — Données clés Naissance 13 juin 1970 (1970 06 13) (41 ans) Vienne, (Autriche) Nationalité …   Wikipédia en Français

  • Alexander Kopylov — Alexander Alexandrovich Kopylov (Александр Александрович Копылов, July 14 1854 ndash;20 February 1911) (or Kopilov ) [ [http://www.classical.net/music/composer/dates/comp1.html Classical Net Composer Data Statistics Birthday List ] at… …   Wikipedia

  • Altmann, Alexander — (1906 88)    Rabbi and scholar of Hungarian origin. He served as rabbi in Berlin and taught philosophy at the Rabbinical Seminary there. In 1938 he settled in Manchester, England, where he founded the Institute of Jewish Studies. In 1959 he… …   Dictionary of Jewish Biography

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”