19. Königlich Bayerisches Infanterie-Regiment „König Viktor Emanuel III. von Italien“

Das 19. Infanterie-Regiment "König Viktor Emanuel III. von Italien" war ein Verband der 10. Infanterie-Brigade der bayerischen Armee. Der Friedensstandort des Regiments war Erlangen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Aufstellung und Entwicklung

Das Regiment wurde am 1. Oktober 1890 als 19. Infanterie-Regiment (ohne Zusatz) aufgestellt.

Das I. Bataillon wurde in Erlangen errichtet aus der

Das II. Bataillon wurde in Aschaffenburg aus dem 2. Jäger-Bataillon, das III. Bataillon in Landshut aus dem 4. Jägerbataillon gebildet.

Erster Kommandeur war Ludwig Edler von Grauvogel, der das Kommando am 1. Dezember 1891 an Joseph Bauernschubert übergab. Im Jahre 1891 nahm das Regiment an einer Parade bei München vor Prinzregent Luitpold und Kaiser Wilhelm II. teil. Im selben Jahr wurde das II. Bataillon nach Erlangen, das III. Bataillon nach Eichstätt verlegt. Im Jahre 1893 wurde das III. Bataillon ebenfalls in Erlangen stationiert, ausgenommen hiervon war lediglich ein Detachement in Lichtenau. Am 1. Oktober 1893 wurde das IV. Halbbataillon mit der 13. und 14. Kompanie aufgestellt. Ab 1897 war das Regiment geschlossen in Erlangen stationiert. Mit dem 1. April 1897 gab das Regiment die 13. und 14. Kompanie an das 21. Infanterie-Regiment ab, bei dem sie als 3. und 4. Kompanie eingegliedert wurden.

Am 13. Mai 1898 wurde König Humbert I. von Italien zum Inhaber des Regiments ernannt, das zugleich die Bezeichnung 19. Infanterie-Regiment "König Humbert I. von Italien" erhielt. Nach dem Tod des italienischen Königs am 29. Juli 1900 wurde am 30. August 1900 sein Thronfolger, Viktor Emanuel III. von Italien, zum Inhaber des Regiments ernannt, was zur Umbenennung in 19. Infanterie-Regiment "König Viktor Emanuel III. von Italien" führte. Im Jahre 1900 nahmen Teile des Regiments an der Expedition nach China teil (Oberleutnant Franz Epp mit 3 Offizieren, 7 Unteroffizieren und 63 Mannschaften). Am 1. Oktober 1913 wurde eine Maschinengewehr-Kompanie aufgestellt. Am 1. April 1914 wurde Oberst Maximilian Drausnick zum Regimentskommandeur ernannt.

Erster Weltkrieg

1914

Im Ersten Weltkrieg trat das Regiment in Verpflegungsstärke von 86 Offizieren, 3.307 Unteroffiziere und Mannschaften sowie 235 Pferden (Stand: 7. August 1914) in Lothringen/Frankreich an. Es war der 10. Infanterie-Brigade, im folgenden der 5. Infanterie-Division und dem III. Armee-Korps der 6. Armee unterstellt. Während der Schlacht in Lothringen (20. bis 22. August 1914) hatte das Regiment seine Feuertaufe, griff von der Linie Han - Armsdorf nach Süden Teile der 68. französischen Reserve-Division, dahinter gestaffelt Teile der 70. französischen Reserve-Division an und stieß bis 21. August morgens ca 15km bis vor Fresnes vor. Bis zum 22. August drang das Regiment weiter bis zur Seille vor, bis dahin hatte es 41 Gefallene und 76 Verwundete zu beklagen.

Die Kämpfe vor Nancy - Épinal vom 23. August bis 14. September 1914 waren geprägt von äußerster Härte und forderten bis Mitte September 1914 Opfer von fast 500 Mann. Ab dem 15. September 1914 war das Regiment zwischen der Maas und der Mosel eingesetzt. Das Regiment erhielt 5 Offiziere, 61 Unteroffiziere und 516 Mannschaften zum Ersatz. Von Woinville aus kämpfte es sich in ausgedehnten Waldgebieten bis zum 25. September 1914 zum Ailly-Wald vor. Am 30. September 1914 erbeutete es 400 Gewehre und nahm mehrere hundert Franzosen gefangen. Das Regiment musste jedoch einige Tage später zurückgenommen werden und grub sich im Wald von Apremont hinter der Höhe "Kuhkopf" ein. Im November 1914 wurde die Gefechtsstärke des Regiments mit 21 Offizieren sowie 1786 Unteroffiziere und Mannschaften angegeben. Der Ausfall der Offiziere machte sich allmählich bemerkbar, zumal als Ersatz erst im Februar 1915 6 Offiziere zum Regiment stießen.

1915

Bis März 1915 hatte es insgesamt einen Verlust an 83 Offizieren und 2552 Mann als Tote und Verwundete. Durch wiederholten Ersatz hatte das Regiment wieder eine Stärke von 79 Offizieren, 3255 Unteroffiziere/Mannschaften und 228 Pferden. Ab Mai 1915 hieß das Regiment wegen des Eintritts Italiens in den Krieg gegen die Achsenmächte nur noch 19. Infanterie-Regiment. Im Wald von Apremont verblieb es bis 5. Oktober 1915, wo es seine Stellungen weitgehend halten konnte. In der Herbstschlacht in der Champagne (8. Oktober bis 10. November 1915) war das Regiment zunächst im Rahmen der 5. Infanterie-Division als Reserve bereit gehalten. Mitte Oktober 1915 wurde es nun in die Stellungen westlich der Höhe Butte du Mesnil beordert. Nach schwersten feindlichen Artilleriefeuer überrannten am 24. Oktober französische Truppen die vordersten Linien. Aus den halb verschütteten Gräben und Unterständen hervor kommend warf das Regiment im Gegenstoß den Feind wieder aus den Gräben, säuberte die Linien bis zum nächsten Tag und nahm 5 französische Offiziere und mehrere hundert Mann gefangen. Das Regiment hatte bei diesen heftigen Kämpfen relativ geringe Ausfälle von weniger als 300 Mann.

1916

Von 10. Dezember 1915 bis 16. Juli 1916 war es wieder im Wald von Apremont eingesetzt. Im Januar 1916 wurde eine Pionier-Kompanie in Stärke von 263 Mann aufgestellt. Unter den 73 Gefallenen des Zeitraums war auch der Regimentskommandeur Oberst Drausnick (28. Februar 1916). Am 17. März 1916 wurde Oberstleutnant Anton Ritter von Staubwasser zum Regimentskommandeur ernannt. Vor den Gefechten im Artois von 17. Juli bis 30. August 1916 hatte es eine Gefechtsstärke von 74 Offizieren und 2971 Mann sowie 17 Maschinengewehre im Bestand. Vom 6. bis 20. September 1916 war das Regiment zur Verteidigung von Ginchy am linken Flügel der 5. Infanterie-Division eingesetzt. Englische Truppen griffen am 9. September an und konnten in den Ort eindringen, wurden aber noch am selben Tag wieder zurückgeschlagen. Am 15. September 1916 stürmten die Engländer, zum ersten Mal unterstützt durch Tanks, westlich von Ginchy durch die Stellungen des rechten Nachbarn (14. Infanterie-Regiment), so dass auch das Regiment aus der Front herausgelöst werden musste. Die Gesamtverluste nach 3 Wochen betrugen 1234 Mann an Toten, Verwundeten, Vermissten, Kranken und Verschütteten. Am 6. Oktober 1916 übernahm Oberstleutnant Alfred Schuster das Kommando über das Regiment. Am 9. Oktober 1916 erfolgte die Errichtung der 2. und 3. Maschinengewehr-Kompanie, die jeweils aus 2 Offizieren, ca. 80 Mann und 16 Pferden bestand. Neben den 16 deutschen MG wurden auch 2 russische und 3 französisiche Beute-MG verwendet. hinnehmen.

1917

Danach verlegte das Regiment nach französisch Flandern bei Fromelles, wo es bis 12. Juli 1917 blieb. In dem Zeitraum sind lediglich 79 Mann gefallen, so dass sich das Regiment wieder gut erholen konnte (Gefechtsstärke: 80 Offiziere und 2180 Mann, 29 MG). Beim Sturm auf das von den Engländern kurz vorher eroberte Fresnoy am 8. Mai 1917 wurde das I. Bataillon als Sturmbataillon auf die Ortschaft eingesetzt. Der Gegenangriff brachte als Beute 15 Lewis-MG, 2 MG 08, 4 Minenwerfer, 80 Gewehre, 1000 Schuss Munition und 14 Brieftauben ein, zudem nahm es 5 englische Offiziere sowie 300 Unteroffiziere und Mannschaften gefangen. Wegen eines Geländegewinns von 500 m musste das Bataillon 93 Tote, 351 Verwundete und 57 Vermisste Nach minder schweren Kämpfen bei Biache im Artois, bei Fresnes und Oppy im Frühsommer 1917 wurde das Regiment nach Flandern verlegt und ging mit einer Stärke von 87 Offizieren, 2717 Mann, 255 Pferden sowie 28 MG am 7. August 1917 südostwärts von Fortuin in Stellung. Der am 16. August 1917 vorgetragene englische Angriff scheiterte vor dem Regiment in jeder Hinsicht, zumal es keinen Fuß breit Boden aufgab. Allerdings war dies ein blutiger Erfolg, das I. Bataillon war nur noch 4 Offiziere, 42 Unteroffiziere und 225 Mann stark, bei den anderen Bataillonen war die Personallage nicht wesentlich besser. Das Regiment verblieb in Flandern bis 3. Dezember 1917, dabei wurde die Gefechtsstärke (Stand: 6. Oktober 1917) mit 68 Offiziere und 1901 Mann angegeben. Zudem hatte das Regiment 32 MG.

1918

An der Michaelschlacht nahm das Regiment vom 20. bis 29. März 1918 teil. Es kam von Baralle-Marquion antretend bis nach Bucquoy, was dem Regiment 15 Offiziere und 650 Mann kostete, dabei fiel auch der Kommandeur Oberstleutnant Alfred Schuster (27. März 1918). Am 8. April 1918 wurde Major Julius Melchor zum Regimentskommandeur ernannt. Im August 1918 kämpfte das Regiment zwischen Arras und Albert, danach an der Römerstraße, wobei vor allem das II. Bataillon schwer getroffen wurde (5 Offiziere und 155 Mann), so dass die 6., 7. und 8. Kompanie zu einer Kompanie zusammengefasst werden musste. Am 9. August 1918 trat das Regiment zum Angriff auf Rosières an, wurde von überlegenen englischen Truppen zurückgewiesen. Am 20. August 1918 musste es auf eine Stellung ostwärts von Lihons ausweichen. Bis zum 1. September 1918 schmolz das II. Bataillon auf 2 Offiziere, 14 Unteroffiziere und 65 Mann zusammen. Anfang September 1918 war das Regiment im Zuge der Siegfried-Stellung vor Hargicourt eingesetzt. Am 18. September 1918 griffen die Engländer im südlichen Abschnitt des Regiments an, brachen ein und zwangen es, Hargicourt aufzugeben und auf eine Stellung 3 km weiter hinten zurückweichen. Von 29. September bis 14. Oktober 1918 kämpfte das Regiment bei Cambrai und wurde hier bei zwar erfolgreichen Gegenstößen weiter dezimiert (89 Gefallene, Anzahl der Verwundeten nicht bekannt). Anschließend verlegte es in die Hermannstellung nördlich Tournai, wo es nur 4 Mann an Gefallene verlor. Während der Rückzugskämpfe vor der Antwerpen-Maas-Stellung von 5. bis 11. November 1918 gelangte das Regiment in die Gegend von Grammont. Am 12. November 1918 marschierte es in Richtung Heimat ab und erreichte am 14. Dezember 1918 die Garnisonsstadt Erlangen.

Gesamtverluste

Während des ersten Weltkriegs hatte das 19. Infanterie-Regiment zu beklagen an

  • Toten: 64 Offiziere, 1 Sanitätsoffizier, 317 Unteroffiziere und 2353 Mannschaften
  • Vermissten: 1 Offizier, 9 Unteroffiziere und 134 Mannschaften
  • durch Krankheiten/Unfall Verstorbenen: 1 Offizier, 12 Unteroffiziere und 99 Mannschaften

Am Ende des Krieges befanden sich 22 Offiziere, 2 Sanitätsoffiziere, 117 Unteroffiziere und 998 Mannschaften in Gefangenschaft.

Tradition nach 1918

Die Tradition des Regiments übernahm in der Reichswehr das Ausbildungsbataillon (13. -16. Kompanie) des (bayerischen) Infanterie-Regiments 21 in Erlangen.

Literatur

  • Konrad Krafft von Dellmensingen, Friedrichfranz Feeser, "Das Bayernbuch vom Weltkriege 1914-1918", I. Band, Chr. Belser AG, Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1930
  • Wegner, Günter, Deutschlands Heere bis 1918, Band 10 Bayern, Biblio Verlag, Osnabrück 1984

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