Alexander Douala-Bell

Alexander Douala-Bell (* 3. Dezember 1897; † 1966 in Douala; deutsche Schreibweise Duala-Bell) war König des Duala-Volkes in Kamerun und Königlich-Württembergischer Offizier.

Leben

Alexander Douala-Bell wurde am 3. Dezember 1897 im Raum Douala als ältester Sohn des Königs Rudolf Manga Bell geboren. Kamerun war zu diesem Zeitpunkt deutsche Kolonie. Kaiser Wilhelm II. wollte, dass die deutschen Überseegebiete auch in Berlin stärker präsent sind. So wurde der damals vierjährige Prinz Alexander an den deutschen Kaiserhof gebracht, um höhere Bildung zu erlangen und einen Eindruck von der Kolonialmacht Kameruns zu bekommen. Prinz Alexander lernte schnell: Erst Deutsch, dann Französisch, Englisch und Spanisch, sowie Russisch, aber auch Lateinisch, Altgriechisch und Hebräisch. Der gläubige Christ las täglich ein Kapitel des Neuen Testamentes in der griechischen Urfassung. Auch militärisch erhielt er eine umfassende Ausbildung: Er stieg zum Offizier des Ulmer Ulanen-Regimentes auf. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als deutscher Offizier in der verbündeten Türkei und half 1915, den britisch-französischen Angriff auf die Dardanellen gemeinsam mit den Türken abzuwehren.

Ein Jahr zuvor war in seiner fernen Heimat Kamerun sein Vater, Rudolf Manga Bell, hingerichtet worden. Durch den Vertrag von Versailles wurde Kamerun französisch. Alexander Douala-Bell kehrte daraufhin in das ihm fremd gewordene Kamerun zurück, jedoch ohne seine Frau Andreá Berroa, Tochter eines kubanischen Pianisten und einer deutschen Frau, die in Europa blieb. Als die Franzosen zur Vollendung der Eisenbahnlinie Douala-Yaoundé ganze Volksstämme zur Zwangsarbeit rekrutierten, griff der inzwischen König gewordene Douala-Bell ein und erhob seine Stimme. Sein Ruf wurde gehört und Zwangsarbeit in Kamerun abgeschafft. Auch um seinen Familienbesitz musste er in einem 18 Jahre andauernden Gerichtsprozess kämpfen. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Alexander Douala-Bell auf der Seite Frankreichs. Er lernte seinen Sohn Emmanuel kennen, als er ihn in Dakar besuchte. Beim Gegenbesuch in Douala kam es zu einem Streit, der dazu führte, dass König Alexander seinen Sohn erschoss und ins Gefängnis kam. In der Nachkriegszeit konnten alle französischen Kolonialgebiete Abgeordnete nach Paris schicken. Alexander Douala-Bell, der aus der Haft entlassen, als Kandidat aufgestellt war, erzielte bei dieser Wahl fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

1966 starb Alexander Douala-Bell in seiner Heimat. Ihm wurde ein Staatsbegräbnis zu Teil, an dem nach offiziellen Angaben mehr als 150.000 Kameruner teilnahmen. Während er in Kamerun als „Vater des Vaterlandes“ bezeichnet wurde, wurde sein Tod in der deutschen Presse fast nicht wahrgenommen.

Literatur

  • Malaria-Prophylaxe und kolonialer Städtebau: Fortschritt als Rückschritt von A. Wirz; Gesnerus 37; 1980, S.215-234
  • Christliche Mission und deutscher Imperialismus von H.Gründer; S.159-169
  • Histoire du Cameroun von Engelbert Mveng; Paris 1963; S.344

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