Alexander Eliasberg

Alexander Eliasberg (* 22. Juli 1878 in Minsk; † 26. Juli 1924 in Berlin) war ein jüdisch-russischer Literaturhistoriker, Übersetzer, Herausgeber und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Schaffen

Nach seinem Studium in Moskau emigrierte er 1905 nach München. Dort erschien 1907 seine erste Übersetzung, eine von ihm selbst zusammengestellte und eingeleitete Anthologie zeitgenössischer russischer Lyrik, unter anderem mit Gedichten von Konstantin Balmont, Waleri Brjussow und Iwan Bunin. In München war er auch für die dort ansässigen Verlage Georg Müller und C. H. Beck tätig. Später entfaltete er eine umfangreiche Übersetzungs- und Herausgebertätigkeit für den Leipziger Insel Verlag und gab dort 1922 zusammen mit seinem Bruder, David Eliasberg (1897–1920), in der Reihe Bibliotheca mundi den Russischen Parnaß (Русскiй Пapнac) heraus. Diese in der russischen Originalsprache erschienene Gedichtsammlung vereint Autoren von Lomonossow bis Anna Achmatowa. Auch für russische Titel in der Insel-Bücherei lieferte Eliasberg die Übersetzungen.

Er machte in der Folge eine ganze Reihe neuer russischer Erzähler, Dichter und Publizisten im deutschen Sprachraum bekannt, insbesondere Dmitri Mereschkowski sowie Alexei Tolstoi, Alexei Remisow und Ilja Ehrenburg, dessen Julio Jurenito er ins Deutsche übertrug. Auch deutsche Ausgaben polnisch- und jiddischsprachiger Werke gehen auf ihn zurück, darunter Autoren wie Scholem Alejchem und Jizchok Leib Perez. Er übersetzte Werke klassischer russischer Autoren wie Tolstoi, Gogol, Dostojewski, Puschkin und Tschechow. Eliasberg war mit Thomas Mann befreundet und hat erheblich zu dessen Rezeption russischer Romane beigetragen.

Als kultureller Mittler zwischen russischer und jiddischer Literatur einerseits und deutscher Literatur andererseits gab Eliasberg Anthologien russischer und jiddischer Literatur sowie Werke über die russische Kunst und Literatur heraus. 1915 schrieb er über das Buch Russische Kunst – Ein Beitrag zur Charakteristik des Russentums, das beim Piper Verlag erschien. Seine Russische Literaturgeschichte in Einzelporträts von 1922 blieb lange Zeit ein Standardwerk der deutschen Slawistik.

Seit 1917 war Eliasberg staatenlos. Im Zusammenhang mit einer angeblich deutschfeindlichen Äußerung seiner Frau, die einen Prozess nach sich zog, wurde er 1923 aus Bayern ausgewiesen und ließ sich in Berlin nieder, wo er im folgenden Jahr starb.

Werke (Auswahl)

  • (Hrsg.): Russische Kunst. Ein Beitrag zur Charakteristik des Russentums. München 1915.
  • Russische Literaturgeschichte in Einzelporträts. Mit einem Geleitwort v. D. Mereshkowskij und sechzehn Bildnissen. Beck, München 1922.
  • (Hrsg.): Russische Baukunst. Müller, München 1922.
  • Jiddische Erzählungen. 1963.
  • Des Rebben Pfeifenrohr. 1969.

Literatur

  • Carmen Sippl: Der Übersetzer Alexander Eliasberg (1878–1924) und die russischen Literaten im Exil (Dmitrij Merežkovskij – Ivan Šmelev – Aleksej Remizov). In: Adelbert J. M. Davids, Fedor B. Poljakov (Hrsg.): Die russische Diaspora in Europa im 20. Jahrhundert. Religiöses und kulturelles Leben. Peter Lang, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-631-56932-0, S. 195–213. (Русская культура в Европе / Russian Culture in Europe;  4)
  • Carmen Sippl: Verlage und Übersetzer in der Zwischenkriegszeit. In: Karl Eimermacher, Astrid Volpert (Hrsg.): Stürmische Aufbrüche und enttäuschte Hoffnungen. Russen und Deutsche in der Zwischenkriegszeit. Fink, München 2006, ISBN 3-7705-4091-3, S. 783–803.
  • Carmen Sippl: Die Bibliothek des Übersetzers Alexander Eliasberg: Eine Spurensuche. In: Imprimatur N.F. XVI (2001) 134–143. ISSN 0073-5620.

Weblinks

 Wikisource: Alexander Eliasberg – Quellen und Volltexte

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