Alexander III. (Russland)
Kaiser Alexander III. von Russland auf einem Gemälde von Iwan Kramskoi (1886)

Alexander III. Alexandrowitsch (russisch Александр III Александрович; * 26. Februarjul./ 10. März 1845greg. in Sankt Petersburg; † 20. Oktoberjul./ 1. November 1894greg. in Liwadija auf der Krim) aus dem Haus Romanow-Holstein-Gottorp war vom 2. Märzjul./ 14. März 1881greg. bis zu seinem Tod Kaiser[1] von Russland.

Inhaltsverzeichnis

Familie und Nachkommen

Alexander III. war der zweite Sohn von Alexander II. von Russland und dessen erster Gemahlin Marie von Hessen-Darmstadt. Seit dem 9. November 1866 war er mit Dagmar von Dänemark verheiratet, die folgende Kinder gebar:

  • Nikolaus II. (* 18. Mai 1868; † 17. Juli 1918), Kaiser von Russland
  • Alexander (* 7. Juni 1869; † 2. Mai 1870), Großfürst von Russland
  • Georgi (* 9. Mai 1871; † 10. Juli 1899), Großfürst von Russland
  • Xenia (* 6. April 1875; † 20. April 1960), Großfürstin von Russland
∞ 6. August 1894 Großfürst Alexander Michailowitsch „Sandro“
  • Michail (* 4. Dezember 1878; † 13. Juni 1918), Großfürst von Russland
  • Olga (* 13. Juni 1882; † 24. November 1960), Großfürstin von Russland
∞ 9. August 1901 Peter Friedrich Georg von Schleswig-Holstein-Gottorf, Prinz von Oldenburg, annulliert
∞ 1. November 1916 Nikolai Kulikowski

Biografie

Die Ermordung Alexanders II. verfolgte die beiden nächsten Kaiser wie ein Gespenst. So zog der neue Kaiser mit seiner Familie in ein gut bewachtes Hochsicherheitsschloss in den Petersburger Vorort Gattschina, gründete 1881 den Sicherheitsdienst Ochrana und erließ im Mai 1882 die judenfeindlichen Maigesetze. Eine wichtige Rolle spielte für ihn der konservative Jurist Konstantin Pobedonoszew, der als sein persönlicher Berater und als graue Eminenz fungierte.

Alexander III. glaubte nicht an eine Revolution und liebte keine Reformen. Er hob beinahe alle Liberalisierungsvorschläge seines Vaters auf, obwohl er die Leibeigenschaft nicht wieder einführen konnte. Er erweiterte die Machtbefugnisse der Polizei, und zunehmend mehr Anarchisten, Populisten und sozialistische Revolutionäre wurden kurzerhand nach Sibirien deportiert. Allmählich zog er sich so die Feindschaft aller Klassen in Russland zu. Erneut flackerte überall der Terror auf.

Alexander III. mit seiner Familie im Jahr 1893

Seine Krönung in Moskau fand am 27. Mai 1883 statt. 1888 entging Alexander III. nur knapp einem Attentat. Auf der Rückkehr von einer Reise in den Kaukasus war der Kaiser mit seiner Familie am 29. Oktober 1888 bei Borki (zwischen Asow und Charkow) zusammen mit seiner Entourage von einem Eisenbahnunfall betroffen. Der kaiserliche Zug entgleiste und stürzte einen Abhang hinunter. Die Ursache konnte nicht geklärt werden. Als das Dach des Speisewagens auf die Fahrgäste zu stürzen drohte, hob Alexander das Dach mit seinen Schultern an, bis sich alle in Sicherheit gebracht hatten. Die kaiserliche Familie kam mit dem Schrecken davon. Diese übermenschliche Anstrengung hinterließ nach Meinung der Ärzte bleibende Schäden an seinen Organen. Sechs Jahre danach erkrankte der Kaiser an einem schweren Nierenleiden.

1889 fand auf Initiative Alexanders III. die Eröffnung des „Russischen Museums“ statt. Unter seiner Herrschaft erlebte Russland das Zeitalter der Industrialisierung. Während die technische Modernisierung Einzug hielt, blieben aber die Ressentiments gegenüber der jüdischen Minderheit erhalten − seine Regentschaft war geprägt von antisemitischen Pogromen.

Außenpolitisch hatte Russland unter seiner Herrschaft Landgewinne in Zentralasien und im Fernen Osten am Pazifik zu verzeichnen. Während seiner 13jährigen Herrschaft entstand als längste Eisenbahnstrecke der Welt die Transsibirische Eisenbahn, die den europäischen Teil Russlands mit seinen Ostgebieten verbindet. In seine Herrschaftszeit fiel auch der Versuch des Kosaken Nikolai Ivanovich Ashinov, 1889 in Sagallo in Französisch-Somaliland/Dschibuti (Nordostafrika) eine russische Präsenz zu errichten. Alexander III. distanzierte sich jedoch bald von diesem Vorhaben, um die Beziehungen zu Frankreich nicht zu belasten.

Nach Alexanders Tod 1894 ging der Kaiserthron an seinen ältesten Sohn Nikolaus II über.

Siehe auch

Literatur

  • Sylvain Bensidoun: Alexander III : 1881–1894. – Paris : Sedes, 1990
  • E.M. Almedingen, Die Romanows – Geschichte einer Dynastie, Russland 1613–1917, Ullstein, Frankfurt/M., 1992, ISBN 3-548-34952-8
  • Gudrun Ziegler: Das Gold der Zaren, Heyne, ISBN 3-453-17988-9

Weblinks

 Commons: Alexander III. von Russland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Im zeitgenössischen Sprachgebrauch als auch im Ausland blieb es bis 1917 üblich, weiter vom Zaren zu sprechen und hat sich im Bewusstsein der Nachwelt erhalten. Was man damit traf, war nicht der geltende Würdeanspruch des Kaiserreichs, sondern die Fortlebung der spezifisch russischen Wirklichkeit, in Form des Moskauer Zarenreiches, das als Grundlage des neuen Imperiums diente. Dies führte im 19. Jahrhundert zu einer nicht quellengerechten Begriffssprache in der Literatur und zu einem überkommenen Begriffsapparat in der deutschen Literatur. in: Hans-Joachim Torke: Die russischen Zaren, 1547-1917, S.8; Hans-Joachim Torke: Die staatsbedingte Gesellschaft im Moskauer Reich, Leiden, 1974, S. 2; ; Reinhard Wittram: Das russische Imperium und sein Gestaltwandel, in: Historische Zeitschrift Bd. 187, H. 3 (Jun., 1959), S. 568-593, S.569.


Vorgänger Amt Nachfolger
Alexander II. Kaiser von Russland
1881–1894
Nikolaus II.

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