Alexander Löhr
Alexander Löhr (1939)

Alexander Löhr (* 20. Mai 1885 in Turnu Severin, Rumänien; † 26. Februar 1947 in Belgrad) war ein österreichischer Offizier in der k.u.k. Armee, im Bundesheer der Ersten Republik, in der deutschen Luftwaffe der Wehrmacht und Oberbefehlshaber auf der Balkanhalbinsel. Am Ende seiner Laufbahn war er Generaloberst. Er wurde als Kriegsverbrecher von Jugoslawien unter anderem wegen der unter seinem Kommando ohne Kriegserklärung erfolgten Luftangriffe auf Belgrad („Unternehmen Castigo“) hingerichtet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Löhr schlug die Offizierslaufbahn ein, absolvierte die Theresianische Militärakademie und diente als Leutnant der Infanterie in der Herzegowina, die damals noch zu Österreich-Ungarn gehörte. 1913 wurde er in den Generalstab kommandiert, von dem aus er 1914/1915 Bataillonskommandeur wurde. 1916 wurde Löhr in die Luftwaffenabteilung des österreichischen Generalstabs versetzt. Nach 1918 war er mit dem Aufbau einer österreichischen Luftverteidigung betraut; als Oberstleutnant war er Organisator des Zivilluftschutzes. Seine Erfolge brachten ihm schließlich den Rang eines Generalmajors und den Posten des Leiters für Luftverteidigung im Bundesministerium für Landesverteidigung ein.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde Löhr in die Wehrmacht übernommen und zum Befehlshaber des Luftwaffenkommandos Österreichs, nun als „Donau- und Alpenreichsgaue“ bestellt. Im März 1939 wurde er zum General der Flieger und Oberbefehlshaber der neu aufgestellten Luftflotte 4 befördert, mit der er am Polen- und Balkanfeldzug teilnahm. Am 6. und 7. April 1941 fand unter dem Kommando von General Löhr der Luftangriff auf Belgrad statt, bei dem bis zu 17.000 Menschen ums Leben kamen.[1][2][3] Der Angriff auf Jugoslawien erfolgte am 6. April 1941 ohne Kriegserklärung. Belgrad wurde am gleichen Tag bombardiert, obwohl es von Jugoslawien zur „offenen Stadt“ erklärt worden war. Löhr hatte den Plan zur Bombardierung der Stadt entwickelt der vorsah, durch Spreng- und Brandbomben Großbrände zu verursachen, um der nächtlichen zweiten Angriffswelle die „Zielauffindung zu erleichtern“.[4][5] Die durch einen solchen Angriff hohen Opferraten unter der Bevölkerung der Stadt wurden dabei in Kauf genommen.

Bei der Planung und Durchführung der Luftlandeschlacht um Kreta im Mai 1941 war Löhr Chefplaner und gemeinsam mit Kurt Student Oberbefehlshaber.[6] Löhr, der neben Russisch sämtliche wichtige Sprachen der Balkanhalbinsel bis auf das Griechische sprach, galt auf der einen Seite als besonders gebildeter Offizier der „alten österreichischen Schule“, auf der anderen Seite auch als treuer Anhänger der nationalsozialistischen Idee.

Im Mai 1941 zum Generaloberst befördert, wurde er bis Juni 1942 im Südabschnitt der Ostfront eingesetzt. Am 1. August 1942 schließlich wurde Löhr zum Wehrmachtbefehlshaber Südost und Oberbefehlshaber der auf dem Balkan stationierten 12. Armee bestellt. Seit dem 1. Januar 1943 bis zur deutschen Kapitulation war er Oberbefehlshaber Südost und der Heeresgruppe E. Den Posten als OB Südost musste er allerdings vom 26. August 1943 bis 25. März 1945 an Generalfeldmarschall Maximilian von Weichs abgeben. Löhr selbst war in dieser Zeit nur Oberbefehlshaber der Heeresgruppe E. In seinen Verantwortungsbereich fielen etwa Judendeportationen von den griechischen Inseln.

Am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, befanden sich noch 150.000 Mann der Heeresgruppe Löhr in Jugoslawien. Die letzten Nachhuten der Deutschen waren nur mehr 72 Marschstunden von Kärnten entfernt. Generaloberst Löhr verhandelte in Griffen bei Völkermarkt mit den Briten über eine Überführung der noch auf jugoslawischem Gebiet stehenden Teile der Heeresgruppe nach Kärnten in britischen Gewahrsam, was die Briten jedoch ablehnten. Daraufhin gab Löhr den Befehl zur Kapitulation gegenüber den Jugoslawen. Er selbst wurde von den Briten an Jugoslawien ausgeliefert und musste sich deshalb am 15. Mai mit seinem engsten Stab ins jugoslawische Maribor (Marburg) begeben.[7]

Der jugoslawische Militärgerichtshof verurteilte ihn in einem Schauprozess, der vom 5. bis 16. Februar 1947 dauerte, wegen der Bombardierung Belgrads 1941 zum Tod durch Erschießen. Löhr lehnte ein Gnadengesuch ab. Das Urteil wurde am 26. Februar 1947 vollstreckt.[8] Bei den sechs mitangeklagten Generälen und einem Obersten wurde das Todesurteil durch den Strang vollstreckt.[9]

In der Wiener Stiftskirche erinnert eine Gedenktafel an Alexander Löhr. Dies hat zu Kritik geführt, weil damit die katholische Erzdiözese Wien einen verurteilten Kriegsverbrecher ehrt.[10]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Alexander Pollak: Die Wehrmachtslegende in Österreich. Böhlau, Wien 2002, ISBN 3-205-77021-8, S. 118.
  2. Günter Bischof, Fritz Plasser (Hrsg.): New perspectives on Austrians and World War II. Band 17 von Contemporary Austrian studies. Transaction Publishers, New Brunswick, NJ 2009, ISBN 978-1-4128-0883-5, S. 41.
  3. Janusz Piekalkiewicz: Luftkrieg, 1939–1945. Südwest Verlag, München 1978, ISBN 3-517-00605-X, S. 138.
  4. Walter Manoschek: „Serbien ist judenfrei“: militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42. Band 38 von Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Oldenbourg, München 1995, ISBN 3-486-56137-5, S. 18.
  5. Detlef Vogel: Operation „Strafgericht“. Die rücksichtslose Bombardierung Belgrads durch die deutsche Luftwaffe am 6. April 1941. In: Gerd R. Ueberschär, Wolfram Wette (Hrsg.): Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert. Primus, Darmstadt 2001, ISBN 3-89678-417-X, S. 303–308.
  6. Diakow: Löhr Alexander. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 5, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1972, S. 276.
  7. Walter Manoschek: „Serbien ist judenfrei“: militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42. Band 38 von Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte. Oldenbourg, München 1995, ISBN 3-486-56137-5, S. 23.
  8. Kurt W. Böhme: Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges - Die deutschen Kriegsgefangenen in Jugoslawien 1941–1949, Bd.1/1, München 1962, S.279
  9. Hermann Frank Meyer: Blutiges Edelweiss: die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg. Links, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-447-1, S. 667.
  10. profil 35, vom 24. August 2009.

Literatur

Weblinks

 Commons: Alexander Löhr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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