Geschichte Malis

Der westafrikanische Staat Mali ist wie die meisten Staaten Afrikas in seiner heutigen Form erst aufgrund kolonialer Grenzziehungen entstanden. Mali liegt in der Sahelzone südlich der Sahara, umgeben von Mauretanien, Senegal, Guinea, Elfenbeinküste, Burkina Faso, Niger und Algerien. Das heutige Staatsgebiet war vom 5. bis ins 16. Jahrhundert ein wichtiges Handels- und Kulturzentrum, vor allem die Regionen um das innere Nigerdelta und um Kidal im Osten waren kulturelle Schwerpunkte. Die Reiche Ghana, Mali und das Reich der Songhai gründeten ihren Wohlstand auf dem Handel, die Städte Timbuktu, Djenné und Gao entwickelten sich zu Zentren von Bildung und kultureller Blüte. Erst durch die marokkanische Invasion im 17. Jahrhundert und die spätere französische Kolonialisation verlor Mali an Bedeutung und wurde in der Gegenwart zu einem der ärmsten Länder der Welt.

Karte Afrikas, Mali hervorgehoben

Inhaltsverzeichnis

Quellenlage

Da es in fast allen afrikanischen Reichen - so auch in der Geschichte Malis - lange Zeit keine Tradition der Geschichtsschreibung im abendländischen Sinne gab, erfolgte die Überlieferung mündlich durch Erzählungen. Weitere Quellen ergaben sich durch Berichte der islamischen Handelspartner und Eroberer, die aufgrund der langen und umfangreichen Handelstradition der Reiche in umfangreicher Zahl vorliegen. Während der Kolonialzeit wurde die Geschichte der Völker und Länder wenig bis gar nicht beachtet.

Vorgeschichte

Karte Malis

Die Besiedelung der Region seit mindestens 35.000 Jahren ist durch archäologische Funde gesichert. Ein früheres Auftreten des Menschen ist sehr wahrscheinlich, aber nicht nachgewiesen. Die ersten Spuren einer nomadisierenden Viehzüchterkultur finden sich um 4.000 v. Chr., Ackerbau dürfte etwa seit 2.000 v. Chr. praktiziert worden sein, erste Städte erschienen ab 300 v. Chr. und die Nutzung von Eisen und Kupfer begann im ersten Jahrhundert n. Chr.

Antike und Völkerwanderungszeit

In der Zeit der Römer und Phönizier pendelten Berber-Händler auf den Trans-Sahara-Routen westlich von Marokko über Mauretanien und weiter nach Süden durch den Fezzan bis nach Mittel-Niger und zum Tschadsee, wobei sie die Kultur der ansässigen Bevölkerung merklich beeinflussten.

Dieser Handel endete mit der Invasion der Goten und Vandalen und wurde erst mit der Ankunft des Islam wieder belebt, der auch Neuerungen in Gesetzgebung und Kultur mit sich brachte.

Mali als Handelszentrum der islamischen Welt

Das Gebiet, auf dem sich heute Mali und zu einem geringeren Teil auch Niger und Senegal befinden, bildete im Mittelalter eines der bedeutendsten Handelszentren in der gesamten islamischen Welt. Einige seiner Handelsstädte - insbesondere Djenné, Timbuktu und Gao - wurden als Zentren von Reichtum und kulturellem Glanz weltberühmt und sind von einer Mystik umgeben, die sich über die Jahrhunderte hinweg bis heute erhalten hat. Andere, wie zum Beispiel Kumbi und Audagost, die in jener Zeit nicht minder berühmt waren, sind inzwischen nur noch als Ruinen am Rande der Sahara vorhanden.

Der Aufstieg dieser Städte geht nicht unwesentlich auf die Ausbreitung des Islam zurück, der in jenen Tagen zur Religion des Handels wurde, obschon er von den Bewohnern des Sahel-Gebietes im 15. und 16. Jahrhunderts vielfach nur angenommen wurde, weil er kommerziell von Vorteil war. Während der gesamten Zeit blieb der jeweilige traditionelle Glaube von entscheidender Wichtigkeit und hat sich bei Stämmen wie den Dogon, Songhai und Mossi bis heute erhalten.

Karawane

Der Reichtum der Handelsstädte basierte in erster Linie auf den Steuern, die auf die Goldtransporte von Westafrika nach Nordafrika und in den Nahen Osten und auf die Transporte von Salz aus den Sahara-Oasen nach Westafrika erhoben wurden. Das Gold aus Westafrika hatte in jener Zeit eine derart große Bedeutung, dass der Gebrauch dieses Metalls als Zahlungsmittel im Mittelalter ohne diese Quelle überhaupt nicht denkbar gewesen wäre. Sogar die Monarchen im weit entfernten England ließen ihre Münzen aus Gold anfertigen, das aus Westafrika stammte.

Die lange Serie der mächtigen Königreiche, die vom 9. Jahrhundert bis zum 16. Jahrhundert in diesem Teil der Welt entstanden und untergingen, wurde erst durch die Invasion aus Marokko beendet. Zeitgleich endete - verursacht durch die europäischen Maritimstaaten - auch das muslimische Monopol über den Handel in Afrika und auf dem Indischen Ozean.

Das Reich Ghana

Hauptartikel: Reich von Ghana
Ungefähre Ausdehnung des Ghana-Reiches

Aus dem Soninke-Stamm im Gebiet des Oberen Niger und des Senegal-Flusses entstand im 5. Jahrhundert das Reich Ghana. Zu dieser Zeit hatte es bereits alle wichtigen Zwischenstationen entlang der westlichen Handelsroute unter Kontrolle. Die Hauptstadt war Koumbi Saleh, 200 Kilometer nördlich von der heutigen Hauptstadt Bamako. Wie alle anderen Reiche, die in diesem Teil der Erde entstanden, gründete auch dieses seinen Reichtum im Wesentlichen auf die Transporte von Gold und Elfenbein von Westafrika zum Mittelmeer und in den Nahen Osten.

Darüber hinaus wurde der Salzhandel von den Sahara-Oasen nach Westafrika kontrolliert. Auch Kupfer, Baumwolle, Werkzeuge und Schwerter (zunächst aus Arabien, später dann auch aus Deutschland), Pferde aus Marokko und Ägypten sowie Kola-Nüsse und Sklaven aus dem südlichen Westafrika passierten dieses Gebiet. Das Reich Ghana war wie die meisten frühmittelalterlichen Reiche fast ausschließlich auf die Herrschaftsausübung des Königs und seiner unmittelbaren Begleiter gegründet. Ein Verwaltungssystem und staatliche Einrichtungen, wie sie in den später entstehenden Reichen Mali und Songhai auftreten sollten, gab es hier noch nicht. Keiner der Ghana-Könige trat zum Islam über, sondern behielt den traditionellen Glauben bei, der auf einer Gemeinschaft der Ahnen, der Lebenden und der noch nicht geborenen Nachfahren basierte.

Der moderne Staat Ghana bezieht seine Namenswahl auf mögliche historische Beziehungen, hat aber territorial nichts mit dem mittelalterlichen Reich zu tun.

Untergang des Ghana-Reiches und Beginn des Mali-Reiches

Hauptartikel: Malireich

Nach mehr als 500-jährigem Bestehen wurde Ghana schließlich im Jahre 1076 von den muslimischen Berberarmeen der Almoraviden zerstört, die aus der Ebene Mauretaniens kamen - sie waren es auch, die das maurische Spanien in Besitz nahmen. Die Almoraviden, ständig auf Raubzug, waren nicht in der Lage, das Reich lange zu halten.

Es folgte eine Phase des Niedergangs, bis 1230 die Hauptstadt Kumbi von einem Stamm aus dem Tekrur-Gebiet im äußersten Norden Senegals eingenommen wurde. Kurz darauf entstand unter der Herrschaft des mansa (König) Sundiata Keitas (? - 1260) ein neues Reich der Mandinka. Sundiata Keita trat zum Islam über. Dies stellte einerseits eine Freundschaftsgeste gegenüber den Handelspartnern im Norden dar, andererseits nutzte er dadurch aber auch die Vorteile von Effizienz und Organisation, die ein Bündnis mit dieser Religion mit sich brachte. Dennoch verdankte Sundiata seinen politischen Erfolg ebenso sehr der Ausnutzung des traditionellen Glaubens wie der des Islam, aber auch dem Umstand, dass die Mandinka die erfolgreichsten Kultivierer der Flüsse Gambia und Casamance waren.

Mutmaßliche Ausdehnung des Malireiches im 13. Jahrhundert

Dieses neue Reich, Mali, mit der Hauptstadt Niani erreichte unter Mansa Musa (1307 / 1312 - 1337) seine größte Flächenausdehnung, als es sich vom Atlantik bis an die Grenze des heutigen Nigeria erstreckte. Zu dieser Zeit etwa erreichte auch der Transsaharahandel seinen Höhepunkt. Das Reich unter Mansa Musa war derart wohlhabend, dass dieser Herrscher, als er auf einer Pilgerfahrt nach Mekka durch Ägypten kam, dort den Wert des auf Gold basierenden ägyptischen Dinars mit seinen großzügigen Goldgeschenken auf Jahre hinaus ruinierte.

Musas Herrschaft stellte eine Periode der Stabilität und des Wohlstandes dar, und in diese Zeit fällt auch der beginnende Aufstieg Timbuktus und Djennés zu Zentren von Bildung und kultureller Blüte. Musa holte Architekten aus Arabien, die in diesen Städten neue Moscheen bauen sollten, und er verbesserte die Verwaltung, indem er sie methodischer aufbaute. Der tatsächliche Beginn einer Staatsverwaltung kam allerdings erst mit dem Aufstieg der Songhai. Bemerkenswert war der starke Einfluss, den Sklaven als königliche Administratoren zeitweise im Mali-Reich auf die Regierung ausübten.

Aufstieg der Songhai

Hauptartikel: Songhaireich
Reich Songhai
Große Moschee von Djenné in traditioneller Lehmbauweise

Die Songhai, obwohl ursprünglich Vasallen des Mansa Musa, hatten bis 1375 einen starken Stadtstaat mit Zentrum in Gao aufgebaut und waren in der Lage, die malische Oberherrschaft abzuschütteln und selbst zu Anwärtern des Reiches zu werden. Im Jahre 1400 waren sie stark genug, die malische Hauptstadt Niani zu plündern, und 1464 machten sie sich unter der Führung von Sunni Ali schließlich daran, das Sahel-Gebiet systematisch zu erobern, was den Niedergang des Mali-Reiches einläutete. Dieser ereignete sich endgültig unter Alis Nachfolger, Askia Mohamed Ture, der aus Mekka zurückkam, ausgestattet mit dem Recht, im West-Sudan als Kalif des Islam zu agieren. Ture trieb seine Armeen im Westen bis an die Atlantikküste und im Osten bis nach Kano voran, wobei er die Hausa-Staaten überrannte. Anschließend eroberte die Songhai-Armee die Oasen von Aïr und siedelte dort - in den Festen der Tuareg - Gruppen von Songhai an, deren Nachfahren noch heute dort leben.

Wie die Mali-Herrscher traten auch die Songhai-Herrscher zum Islam über, trafen aber gleichzeitig sorgfältige Maßnahmen zur Bewahrung der traditionellen Religion der Bauern auf dem Land. Worin das Songhai-Reich das Mali-Reich übertraf, war die Schaffung einer Staatsverwaltung mit Hilfe von für über einen längeren Zeitraum eingesetzten Provinzialgouverneuren, der Aufbau einer Berufsarmee und die Bildung einer Berufsmarine am Niger, mit der begonnen wurde. Sympathiequelle und Machtgrundlage der frühen Songhai-Herrscher waren die Bauern auf dem Land gewesen, doch an ihre Stelle traten allmählich die von Moslems dominierten Handelsstädte. Genau hierin lag aber auch die entscheidende Schwäche der Reiche dieser Region, denn ein solches Arrangement funktionierte nur solange, wie die Herrscher sich auf das islamische Glaubenssystem, auf eine zentralisierte Herrschaftsform und auf weiträumigen Handel und Kredite verlassen konnten. In Krisenzeiten stellten diese auf Städte gegründeten Reiche dagegen eine leichte Beute dar. Genau hierin lag auch der Grund für den rapiden Zusammenbruch des Songhai-Reiches, der sich nach einer marokkanischen Invasion und der darauf folgenden internen Revolte von Untergebenen im Jahre 1591 ereignete.

Die marokkanische Invasion

Das Vordringen der Marokkaner und der atlantische Handel führten zu einem Bedeutungsverlust Malis, auch wenn einzelne Karawanenstrecken weiterhin betrieben wurden. Auch die religiöse Bedeutung der großen Städte als Zentren des staatstragenden Islam ging zurück. Nach 1660 errichteten die Bambara in der Region Ségou einen Staat, der seine Glanzzeit unter Biton Kulibali (1712 - 1755) hatte. Neben anderen regionalen Mächten gab es zu dieser Zeit kein Territorium und keinen Staat Mali. Mit der Ausbreitung des Islam in Afrika unternahm Amadu Hammadi Bubu zu Beginn des 19. Jahrhundert den Versuch, das muslimische Massina-Reich in Mali zu errichten. 1818 eroberte er Timbuktu und Djenné. Al-Haddsch Omar, der im Jahre 1851 einen Dschihad im Futa Toro begonnen hatte, setzte diesen Dschihad im heutigen Mali fort und nahm Ségou und Massina ein. Es gelang ihm aber nicht, die Bambara und die Fulbe zu befrieden. Nach Omars Ermordung bestand das Reich weiter. Sein Sohn und Nachfolger Ahmadu geriet schließlich in Konflikt mit Frankreich, das sein Kolonialreich 1891 auf die Region ausweitete, und Amadu musste ins Exil gehen.

Französische Kolonie

1883 drangen französische Kolonialtruppen auf das Gebiet des heutigen Mali vor und besetzten Bamako. 1890 nahmen sie Ségou ein und drangen immer weiter ins Landesinnere vor, teilweise gegen die Weisung der französischen Regierung. 1894 unterwarfen sie schließlich durch General Joseph Joffre Timbuktu. 1904 gliederte Frankreich es der Kolonie Französisch-Sudan an. Wie auch in anderen französischen Kolonien wurden hier die Bewohner allmählich zum Anbau exportbestimmter Produkte, in erster Linie Erdnüsse, Baumwolle und Gummi arabicum, gezwungen, und zwar zunächst durch Zwangsarbeit, später durch die Erhebung von Steuern. Wie im benachbarten Obervolta, dem heutigen Burkina Faso, stellt das Erbe dieser auf Exporternten statt auf Nahrungsmittelernten konzentrierten Politik bis zum heutigen Tag innerhalb der Landwirtschaft des Landes ein immenses Problem dar. Bereits 1893 setzte Frankreich einen zivilen Gouverneur ein. Der Widerstand gegen die Besetzung, vor allem durch Samory Touré vom Stamm der Malinke, endete aber erst etwa 1898. Teilweise basierte die Kolonialherrschaft auf den alten Autoritäten, teilweise wurden aber auch rücksichtslos neue regionale Herrscher eingesetzt. Mali war danach bis zur Unabhängigkeit Teil von Französisch-Westafrika. Bei Wahlen 1956 konnte Modibo Keïta zum einen in der Malischen Territorialvertretung zum anderen auch in der französischen Nationalversammlung einen Sitz gewinnen. Keita und seine Partei, die US-RDA, strebten daraufhin in Richtung Unabhängigkeit. Am 24. November 1958 wurde Sudan autonome Republik innerhalb der Communauté Française. Am 25. März 1959 schloss es sich mit Senegal zur Mali-Föderation zusammen.

Unabhängiges Mali

Die Mali-Föderation wurde am 20. Juni 1960 unabhängig. Die Grenzziehung zwischen den Teilstaaten war willkürlich durch das französische Kolonialterritorium vorgegeben und hielt sich nicht an Traditionen, Völkerschaften, gewachsene Beziehungen oder Feindschaften. Dementsprechend trat Senegal am 20. August desselben Jahres aus der Föderation aus, und am 22. September 1960 wurde der verbliebene Teil als Republik Mali formell selbständig.

Modibo Keïta, der erste Präsident des Landes, brachte Mali schnell auf einen sozialistischen Kurs und setzte dem französischen Imperialismus Widerstand entgegen. Die Franzosen mussten ihre Militärbasen im Land abbauen, und 1962 verließ Mali den Franc-Verbund und setzte eine eigene Währung ein (1967 kehrte das Land allerdings in den Verbund zurück). Staatseigene Gesellschaften wurden gegründet und die Industrialisierung gefördert.

Etwa vier Jahre später jedoch zwangen Misswirtschaft und exzessive Bürokratie die Regierung dazu, strenge Maßnahmen anzukündigen. Dies wurde von der breiten Öffentlichkeit nur zögernd akzeptiert, weil auch ihr nicht verborgen blieb, dass nach wie vor Profite gemacht wurden. 1968 wurde Keita in einem unblutigen Putsch durch das Comité Militaire de la Libération Nationale unter Führung von Oberst Moussa Traoré gestürzt. Bis Ende der 80er Jahre wurde das Land von den Anführern dieses Coups regiert. 1978 gab sich Mali eine neue Verfassung mit einem Einparteienregime, die Zweite Republik. Ab 1980 zwang zunehmender Druck der westlichen Geldgeber, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank die Regierung zu innenpolitischen und ökonomischen Reformen, die allerdings der Bevölkerung hohe Opfer abverlangten. Entsprechend waren die Militärs nicht besonders beliebt und bei verschiedenen Anlässen wurde das Regime von Studenten- und Arbeiterorganisationen herausgefordert. Besonders der Tod Modibo Keitas in der Gefangenschaft 1977 provozierte im ganzen Land spontane Demonstrationen.

Als Teil der Sahelzone war Mali in den 1970er Jahren von den verheerenden Folgen der Dürrekatastrophe massiv betroffen. Die Dürre verwandelte riesige Gebiete einst als Weide- und Ackerland nutzbarer Flächen in Wüste, was zu großen Verlusten an Ernte und Vieh führte. Zugleich bedeutete sie für die vielen Wüstennomaden das Ende eines jahrhundertealten Lebensstils. Die Angehörigen dieser Nomadenstämme bevölkern heute als Flüchtlinge die malischen Städte.

Ende 1985 eskalierte ein Streit mit dem Nachbarstaat Burkina Faso, um den wenige km² großen Agacher-Streifen zum offenen Krieg. Dieser Konflikt wurde jedoch bereits nach 10 Tagen eingestellt und schließlich durch einen von beiden Staaten akzeptierten Urteilsspruch des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag endgültig beigelegt.

Im Jahre 1988 wurden die islamische Stadt von Djenné und das historische Stadtbild von Timbuktu in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

1989 bis 1994 kam es zu einem Bürgerkrieg mit den Tuareg im Norden des Landes. 80.000 Menschen mussten aus ihrer Heimat fliehen, 2.000 starben. Hintergrund waren - neben der Dürre - auch die Rückkehr vieler ausgewanderter Gastarbeiterfamilien aus der Erdölindustrie Algeriens und Libyens, die in diesen Jahren einen Niedergang erlebten. Als die versprochenen Wiedereingliederungshilfen ausblieben kam es zu Protesten, die mit Verhaftungen und Folter beantwortet wurden. Die Tuareg griffen zu den Waffen, überfielen Polizeistationen und planten die Gründung einer Widerstandsorganisation. Das staatliche Militär schlug mit brutaler Gewalt auch gegen unbeteiligte Zivilisten zurück. So wurden im Mai 1991 zahlreiche Geschäfte von Tuareg in Timbuktu verwüstet, in anderen Städten führende Tuareg ohne Prozess erschossen. Mit dem Frieden 1992 wurde den Opfern dieser Politik erst die Rückkehr, nach und nach auch die Aufnahme in die Verwaltung und die Armee ermöglicht. Auf die zugesicherte Autonomie warten sie allerdings noch bis heute.

Demokratisierungsprozess

Seit Beginn der 1990er fand in Mali ein umfassender Demokratisierungsprozess statt. Unruhen und Demonstrationen in Bamako führten im März 1991 zum Sturz Moussa Traorés durch einen "Rat der Nationalen Versöhnung" unter Führung von General Amadou Toumani Touré, der Übergangsstaatspräsident wurde. Im Januar 1992 wurde eine neue Verfassung verabschiedet und begründete so die Dritte Republik. Darauf folgten im März und April erste demokratische Wahlen zur Nationalversammlung. Im Juni 1992 trat der aus direkten Wahlen hervorgegangene Staatspräsident Alpha Oumar Konaré sein Amt an. Trotz weiter anhaltender Unruhen vor allem im Konflikt mit den Tuareg und einem Putschversuch Ende 1993 erscheint Mali nach mittlerweile drei erfolgreich durchgeführten Wahlgängen heute als eine relativ stabile westafrikanische Republik. Die letzten Wahlen fanden 2007 statt. Nach dem Ende der zweiten und verfassungsgemäß letzten Amtszeit Konarés erfolgte ein friedlicher Machtübergang an den ehemaligen General Amadou Toumani Touré, dieser wurde am 29. April 2007 für eine zweite und letzte Amtsperiode wiedergewählt. Bisher wurden auch bereits zwei freie und demokratische Kommunalwahlen abgehalten.

Seit 1999 engagiert sich das Land bei der Stärkung afrikanischer Regionalorganisationen. Ex-Präsident Konaré wurde 2003 zum ersten Vorsitzenden der neu gegründeten Kommission der Afrikanischen Union gewählt. In den Jahren 2000 und 2001 war Mali einziges schwarzafrikanisches Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die Beziehungen zu den Staaten der Europäischen Union sind geprägt durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich aber auch andere Länder haben ihre Beziehungen zu Mali in den letzten Jahren intensiviert. Nach der Anlehnung an den damaligen Ostblock in den Jahren 1960 bis 1968 sehen die USA inzwischen Mali als Stabilitätsfaktor der Region an.

Mali scheint auf dem richtigen Weg zu einer friedlicheren Zukunft zu sein - auch wenn in einigen Gebieten noch Vorsicht für Reisende geboten ist, so etwa im Norden Malis, wo bewaffnete und über die Landesgrenzen hinweg operierende Banden Gefahr bedeuten. Bedingt durch Konflikte in Nachbarstaaten kann es in grenznahen Gebieten zu Gefährdungen kommen.

Siehe auch

Literatur

  • Die Welt 2004. ADAC Länderlexikon. Dorling Kindersley, London 2000, ADAC Verlag, München 2003 (deutsch). ISBN 3899051688
  • Graham Connah: African Civilizations. An Archaeological Perspective. Cambridge Univ. Press, Cambridge 22001. ISBN 0521596904
  • Rudolf Fischer: Gold, Salz und Sklaven. Die Geschichte der großen Sudanreiche Gana, Mali und Son Ghau. Edition Erdmann, Stuttgart 1986. ISBN 3522650107
  • Alain Gallay, Eric Huysecom, Anne Mayor: Peuples et céramiques du Delta intérieur du Niger (Mali). Zabern, Mainz 1998. ISBN 3805317484
  • Westafrika. Mali, Senegal, Gambia, Kapverden. In: GEO Special. Gruner u. Jahr, Hamburg 2000,5. ISBN 357019230X ISSN 0723-5194
  • Peter Heine: Die westafrikanischen Königreiche Ghana, Mali und Songhai aus der Sicht der arabischen Autoren des Mittelalters. Diss. 1971. Univ., Münster 1973.
  • John Iliffe: Geschichte Afrikas. C.H.Beck, München 2003. ISBN 3-406-46309-6
  • Joseph Ki-Zerbo, Djibril Tamsir Niane (Hrsg.): Africa from the Twelfth to the Sixteenth Century. UNESCO General History of Africa S. Vorwort v. M’Bow Amadou-Mahtar. James Currey, Oxford 1997. ISBN 0-852-55094-4
  • Nordafrika. Länder und Völker. Ägypten, Tunesien, Libyen, Algerien, Marokko, Mauretanien, Mali, Senegal, Gambia. Umschau, Frankfurt 1991. ISBN 387070344X
  • Sebastian Schutyser, Ingeborg Flagge, Jean Dethier: Lehm-Moscheen in Mali. Junius, Hamburg 2003. ISBN 3885065207
  • Ibrahim F. Sissoko: Der Demokratisierungsprozess in Afrika am Beispiel von Mali. Kovac, Hamburg 2004. ISBN 383001483X

Weblinks


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