Gewässersanierung

Unter dem Begriff Gewässersanierung versteht man die Verbesserung der Wasserqualität und die Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts von stehenden oder fließenden Gewässern. Hinsichtlich Qualität, Belastung und Sauerstoffgehalt werden Fließgewässer nach dem Saprobiensystem beurteilt, stehende Gewässer dagegen nach dem Trophiensystem.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen

Zumeist sind es langandauernde Störungen des ökologischen Gleichgewichts, die zu einer Verschlechterung der Wasserqualität bis hin zum umkippen des Gewässers führen. Jahrelange Einleitung unzureichend geklärter Abwässer, aber auch die Einbringung von Phosphaten, Nitraten, Stickstoff und Pflanzenschutzmitteln über das Grundwasser führen allmählich zu einer übermäßigen Nährstoffanreicherung (Eutrophierung), infolgedessen organische Biomasse aufgrund von Sauerstoffmangel nicht mehr durch aerobe Bakterien abgebaut werden kann. Es entsteht Faulschlamm.

Bei stehenden Gewässern wird dieses Problem durch die Klimaerwärmung weiter verschärft: Im Herbst und Frühling findet keine ausreichende Wasserzirkulation zwischen Sauerstoffreichem Oberflächenwasser und dem Grund des Gewässers mehr statt.[1]

Sanierungsmaßnahmen

Viele Faktoren die das Ökosystem der Gewässer in Schieflage gebracht haben, sind bereits seit einigen Jahren unter Kontrolle.[2] Als Maßnahmen seien hier beispielsweise der Verzicht auf Phosphate in Waschmitteln sowie eine bessere Klärung von Abwässern zu nennen. Die Beseitigung der Ursache alleine kann indes ein über lange Jahre geschädigtes Ökosystem nicht zwangsläufig wieder ins Gleichgewicht bringen. Zur Sanierung geschädigter Gewässer werden daher verschiedene zusätzliche Maßnahmen unternommen:

Reduzierung der Biomasse

Durch das entfernen ufernaher Bepflanzung, Laub, Algen sowie das abmähen von Wasser- und Unterwasserpflanzen wird die Biomasse im Gewässer reduziert.

Abfischen von Überbeständen

Die durch das Überangebot an Nahrung vorhandenen Bestände an Wasserlebewesen werden reduziert.

Biomanipulation

Die Biomanipulation versucht, über die Steuerung der Nahrungskette beispielsweise mit dem Besatz von Spitzenprädatoren wie Hechten eutrophe Seen zu sanieren.

Enstschlammung des Bodens

Tote Biomasse, Faulschlamm und Sedimente werden vom Grund des Gewässers abgetragen.

Reinigung des Wassers durch Absetzung

Die festen Anteile des Sediments werden durch Absetzung vom Wasser getrennt, das gereinigte Wasser wird dem Gewässer wieder zugefügt.

Einbringen von Sauerstoff

Sauerstoffanreicherung des Wassers sowie einbringen von Sauerstoff in den Boden um die Selbstreinigung des Gewässers durch aerobe Bakterien zu fördern.

Reduzierung der Fließgeschwindigkeit bei Fließgewässern

Durch geänderte Uferführung, Uferbebauung und Uferbepflanzung wird die Fließgeschwindigkeit des Gewässers reduziert, und die Selbstreinigung dadurch verbessert.

Sanierung des Bodensees

Ziel aller Maßnahmen ist es letzten Endes, das ökologische Gleichgewicht des Gewässers und dessen Selbstreinigungsfähigkeit langfristig wieder herzustellen. Als herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Gewässersanierung gilt der Bodensee, dessen Sanierung in den 1970er Jahren begann als der See umzukippen drohte, und dessen vollständige Erholung fast 40 Jahre dauerte.[3]

Literatur

  • Jürg Bloesch: Revitalisierung von Fließgewässern. In: Baubiologie 02/2000, ISSN 1420-1895
  • Oliver Grimm, Dietrich Brochardt: Gewässerbezogene Anforderungen an Mischwassereinleitungen. In: Wasser 02/2000, ISSN 1436-9095
  • Maßnahmen zur naturnahen Gewässerstabilisierung. ISBN 3-89554-058-7
  • Winfried Lampert: Biomanipulation – eine neue Chance zur Seesanierung? In: Biologie in unserer Zeit. Band 13 Nummer 3, 2005, S. 79–86. Wiley-VCH Verlag, Wiesbaden, ISSN 0045-205X.
  • Jürgen Mathes, Ilona Korcyynski: Das Sanierungs- und Restaurierungsprogramm der Seen in Mecklenburg-Vorpommern. In: WLB 05/2000, ISSN 0938-8303
  • Paul Seitz: Vegetationsmodelle für naturnahe Gewässerreinigung. In: Stadt und Grün 49/2000, ISSN 0948-9770
  • Peter Schmidt: Gewässersanierung. Fraunhofer Irb, Stuttgart, ISBN 3-8167-3679-3

Einzelnachweise

  1. Bedeutung der Temperatur für die Vollzirkulation
  2. Entwicklung der Fließgewässerbeschaffenheit in Baden-Württemberg (2002) (PDF)
  3. Bodensee – Musterbeispiel für Gewässersanierung 3sat

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