Gibraltar
Gibraltar
Flagge Gibraltars
Wappen Gibraltars
Flagge Wappen
Wahlspruch: Keinem Feind eroberbar
(Nulli Expugnabilis Hosti)
Amtssprache Englisch
Hauptstadt keine
Staatsform Britisches Überseegebiet
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II.
Gouverneur Sir Adrian Johns
Regierungschef Chefminister Peter Caruana
Fläche 6,5 km²
Einwohnerzahl 28.750
Bevölkerungsdichte 4.462 (2009) Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt 769 Mio. US-Dollar (2000)
Währung Gibraltar-Pfund (GIP)
Nationalhymne Gibraltar Anthem
Nationalfeiertag 10. September
Zeitzone UTC+1 MEZ
UTC+2 MESZ (März–Oktober)
Kfz-Kennzeichen GBZ
Internet-TLD .gi
Telefonvorwahl +350
Gibraltar ist ein Stadtstaat.
Gibraltar in European Union (zoomed).svg

Gibraltar (englisch [dʒɨˈbɹɒltə], spanisch [xiβɾalˈtaɾ]) ist ein britisches Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel. Es steht unter der Souveränität des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland, die von Spanien nie anerkannt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Karte Gibraltars
Luftaufnahme von Gibraltar
Blick auf die Bucht und Straße von Gibraltar
Ostseite von Gibraltar

Gibraltar liegt an der Nordseite der Meerenge Straße von Gibraltar, an der Europa und Afrika am dichtesten beieinander liegen. Das Territorium umfasst eine Landfläche von 6,5 km2, wobei die Grenze zwischen Gibraltar und Spanien nur 1,2 Kilometer lang ist. Auf der spanischen Seite der Grenze liegt die Stadt La Línea de la Concepción. Die von Gibraltar beanspruchte Meeresfläche reicht bis zu drei Seemeilen vor der Küste.

Geologie

Gibraltar besteht aus einem flachen, größtenteils sandigen Gebiet und dem Felsen von Gibraltar. Der an der Ostseite steil aus dem Meer aufragende Kalksteinfelsen (Upper Rock) fällt schon von weitem über die Bucht von Algeciras ins Auge. Er ist von Nord nach Süd etwa sechs Kilometer lang und 1,2 Kilometer breit. Die Spitze des Felsens erreicht eine Höhe von 426 m. Er besteht hauptsächlich aus im Jura gebildeten Kalkstein und ist damit älter als die benachbarten südspanischen Felsen. Der flache Teil Gibraltars konnte durch Landgewinnung etwas vergrößert werden. Das Material stammt zum großen Teil aus dem Inneren des Felsens, wo es beim Bau der insgesamt etwa 50 Kilometer Tunnel anfiel. Neben den künstlichen Hohlräumen besitzt der Felsen eine ganze Reihe von natürlich entstandenen Höhlen.

Klima

Klimadiagramm von Gibraltar
Gibraltar im Norden und das spanische Festland
Treppen im höher gelegenen Teil von Gibraltar
Berberaffe auf Gibraltar
Moschee am Europa-Point
Blick auf Algeciras
Artilleriestellungen in Gibraltar
Denkmal zum Bau der Great Siege Tunnels, 1782 bis 1783.
Grenzübergang zwischen Spanien und Gibraltar

Das Wetter in Gibraltar wird wesentlich durch den Levante (Ostwind) und den Poniente (Westwind) bestimmt. Diese lokalen Winde entstehen durch das Atlas-Gebirge im Süden und die Sierra Nevada im Norden.

Böden und Flächennutzung

Gibraltar gliedert sich in das Naturschutzgebiet Upper Rock, das Stadtgebiet, die Ostseite und den zu Gibraltar gehörenden Teil des Mittelmeeres, insbesondere der Bucht von Gibraltar.

Das Naturschutzgebiet wurde am 1. April 1993 gegründet und ist heute für Touristen gegen Gebühr zu besichtigen.

Die Stadt Gibraltar erstreckt sich auf dem schmalen Streifen der Westseite, wo der Felsen flacher zum Meer abfällt. Während die Westseite stark bevölkert ist, leben auf der Ostseite nur wenige Menschen in den beiden Dörfern Catalan Bay und Sandy Bay. Im Norden der Halbinsel befinden sich an der Grenze zu Spanien der Flughafen, einige militärische Einrichtungen und ein Friedhof für Gefallene aus den Weltkriegen. Im Nordwesten ist ein modernes, mit Hochhäusern bebautes Viertel entstanden, in dem auch eine Marina und Terminals für Fähren gebaut wurden. Südlich davon findet sich am Ufer der Militärhafen und ein Industriegebiet, wo zum Beispiel einige Trockendocks vorzufinden sind. Das touristische Zentrum im Westen ist die Main Street und die umliegenden Straßen und Plätze, die teilweise autofrei sind.

Da es keine natürlichen Süßwasservorkommen gibt, wurde lange Zeit Regenwasser aufgefangen und, wo möglich, Salzwasser verwendet. So entstand beispielsweise 1908 ein 130.000 m2 großes Auffangbecken für Regenwasser auf der Ostseite der Halbinsel, das allerdings vor einigen Jahren abgebaut wurde. Heute wird das benötigte Süßwasser durch Meerwasserentsalzung produziert.

Fauna und Flora

Neben dem Naturschutzgebiet Upper Rock ist auch das gesamte Meeresgebiet von Gibraltar seit dem 1. Januar 1996 unter Schutz gestellt.

Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, an dem Affen (Tierart: Berberaffe oder Magot, Macaca silvanus) freilebend vorkommen. Deswegen nennt man Gibraltar auch den „Affenfelsen“. Die Affen werden zwar allgemein als freilebend bezeichnet; der Sache nach sind es aber mittlerweile Haustiere, die regelmäßig von Menschen gefüttert werden.

Sehenswürdigkeiten

  • Der Fels von Gibraltar mit dessen Aussichtspunkten
  • Die Affen: Die Herkunft dieser Tiere ist nicht genau geklärt, wahrscheinlich wurden sie irgendwann aus Marokko von Menschen eingeführt. Allerdings waren Berberaffen früher auch in Süd- und Mitteleuropa heimisch, die Affen von Gibraltar könnten also auch von europäischen Vorfahren abstammen. Eine Legende besagt, dass die britische Herrschaft in Gibraltar beendet sei, sobald der letzte Affe den Felsen verlassen hätte. Hintergrund dieser Legende ist eine Geschichte aus der Zeit der Belagerung Gibraltars von 1779 bis 1783 (während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges): Damals sollen die Engländer von den Tieren vor einem Nachtangriff der Spanier und Franzosen gewarnt worden sein. Der britische Premierminister Winston Churchill ließ Berberaffen aus Marokko importieren, um den vermutlich wegen Inzucht kränkelnden Affenstamm wieder zu stärken, und hatte damit Erfolg.
  • Die Tropfsteinhöhle St. Michael's Cave
  • Die Gorham-Höhle mit Neandertaler-Funden.
  • Die in den Felsen geschlagenen Verteidigungsanlagen der Belagerung von 1779–1783 (Great Siege Tunnels)
  • Die Tunnelanlage und Geschützstellungen aus dem Zweiten Weltkrieg.
  • Die „Main Street“ zum Einkauf weitgehend steuerfreien Alkohols und preisgünstiger Tabakwaren.
  • Im Süden der Stadt liegt der kleine Trafalgar-Friedhof der bei der Schlacht von Trafalgar verwundeten britischen Matrosen, die in den folgenden Wochen und Monaten im Lazarett von Gibraltar verstarben.
  • An der Südspitze des Felsens, dem Europa Point, stehen der 1841 eröffnete Leuchtturm von Gibraltar (Gibraltar Trinity Lighthouse) und eine Moschee. Die Südspitze der iberischen Halbinsel befindet sich allerdings nicht hier, sondern rund 25 km südwestlich (→ Punta de Tarifa).
  • In den 1990er Jahren wurde mit der Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee eine der größten Moscheen in einem nichtislamischen Land errichtet.

Demografie

Gibraltar ist eines der dichtest besiedelten Gebiete der Erde. Insgesamt wohnen 28.750 Personen in Gibraltar. Die Bevölkerungsdichte beträgt 4.462 Einwohner pro Quadratkilometer (2009), die unbesiedelten Gebiete von Upper Rock mitgerechnet. Mittels Landgewinnung wird versucht, der Platznot Herr zu werden.

Überalterung ist seit den 1990er-Jahren ein immer größer werdendes Problem. Die Lebenserwartung der Bewohner liegt bei 78,5 Jahren für Männer, und 83,3 Jahren für Frauen.[1] Die Geburtenrate liegt bei jährlich 10,67 Geburten pro 1000 Einwohner. Auf eine Frau kommen im Schnitt 1,65 Neugeborene. Die Kindersterblichkeit liegt bei 0,483 %. Das Bevölkerungswachstum ist mit 0,11 % pro Jahr sehr niedrig.[2]

Ethnien

Die meisten Einwohner Gibraltars sind britischer, spanischer, italienischer oder portugiesischer Herkunft. Alle Gibraltarer haben einen britischen Pass. Die Ausländerbehörde stellt Einwanderern zusätzlich zu ihrer alten Staatsbürgerschaft einen britischen Pass für Gibraltar aus. Gemäß einer Analyse der Familiennamen im Wählerregister von 1995 waren 27% britischer, 24% spanischer, 19% italienischer, 11% portugiesischer, 8% maltesischer, 3% jüdischer und 2% menorquinischer Herkunft. Weitere 4% kamen aus anderen Staaten, während bei 2% die Herkunft nicht eruierbar war.[3]

Religion

Der Großteil der Bevölkerung ist katholisch (über 78%). Das Gebiet Gibraltars bildet ein eigenes Bistum. An zweiter Stelle folgt die Anglikanische Kirche (ca. 7%). Die Diocese of Gibraltar in Europe ist Sitz des anglikanischen Bischofs für ganz Kontinentaleuropa. Für die 4% Moslems steht mit der Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee eine der größten Moscheen Europas als Versammlungsraum zur Verfügung. Weiter wohnen in Gibraltar auch Angehörige weiterer Christlicher Konfessionen (3%), Juden (2%), Hindus (2%) und diverse weitere Religionen. (Alle Zahlen nach der Volkszählung von 2001)[1]

Sprachen

Einzige Amtssprache Gibraltars ist Englisch, die meisten Einwohner sprechen daneben auch Spanisch. Darüber hinaus sprechen viele Einwohner als Umgangssprache Llanito, einen Dialekt, der größtenteils auf andalusischem Spanisch basiert, jedoch auch einige Elemente des Englischen und verschiedener südeuropäischer Sprachen enthält. Obgleich nur Englisch offiziellen Charakter besitzt, sind viele Verkehrs-, Straßen- und Hinweisschilder zusätzlich in spanischer Sprache beschriftet.[4]

Geschichte

Natürliche Höhlen im Felsen von Gibraltar gelten als die letzten Rückzugsgebiete der Neandertaler in Europa. Gesicherte Spuren weisen auf eine Besiedlung der Gorham-Höhle noch vor etwa 28.000 Jahren hin.

Im Altertum galt Gibraltar als eine der Säulen des Herakles. Römische Spuren in Gibraltar (lat. „Mons Calpe“) sind nicht bekannt. Den Römern folgten die Westgoten, die sich der Iberischen Halbinsel bemächtigten.

711 wurde Gibraltar von den muslimischen Arabern und Berbern eingenommen. Der Name Gibraltar stammt aus dem Arabischen (Dschebel Tarik „Berg des Tarik“), nach Tāriq ibn Ziyād, einem maurischen Feldherrn, der die strategische Bedeutung Gibraltars für die Eroberung Spaniens erkannte und als erster Muslim ein Stück Spaniens eroberte. Um etwa 1160 entstand eine erste Festung in Gibraltar, die in den kommenden Jahrhunderten ausgebaut wurde und heute als Moorish Castle bekannt ist. Die Muslime beherrschten Gibraltar bis zur Reconquista 1492 (von 1309 bis 1333 erstmals kastilisch durch Ferdinand IV.).

Am 25. April 1607 fand während des Achtzigjährigen Krieges die Schlacht bei Gibraltar statt. Dabei überraschte eine niederländische Flotte eine in der Bucht von Gibraltar ankernde spanische Flotte und vernichtete sie.

Nachdem die spanischen Habsburger die Vorherrschaft in Europa am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 verloren hatten, kämpften Niederländer und Engländer darum. Dies war die Zeit der Englisch-Niederländischen Seekriege. Die vier Seekriege fanden in der Zeit zwischen 1652 und 1784 statt, wobei es zeitweilig immer wieder zu Friedensschlüssen und gemeinsamen Aktionen gegen Dritte kam. So begann beispielsweise der Zweite Englisch-Niederländische Seekrieg 1664, als ein niederländischer Geleitzug in der Straße von Gibraltar von den Engländern überfallen wurde. Eine dieser gemeinsamen Aktionen war die Eroberung Gibraltars am 4. August 1704 durch Prinz Georg von Hessen-Darmstadt im Spanischen Erbfolgekrieg an Bord der englisch-holländischen Flotte unter Admiral Sir George Rooke. Die spanische Besatzung wurde dabei in Abwandlung militärischer Taktik nicht im Morgengrauen, sondern während der Siesta am Nachmittag überrascht. 1713 wurde das Gebiet im Vertrag von Utrecht formell den Briten zugesprochen und ist seit 1830 britische Kronkolonie. Während des Englisch-Spanischen Krieges von 1727–1729 belagerten Truppen von Philipp V. Gibraltar. Zwischen 1779 und 1783 versuchten spanische und französische Truppen erneut, die Festung zu erobern (Great Siege). In dieser Zeit wurden die ersten Tunnel, die sogenannten Great Siege Tunnels, gegraben.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Zivilbevölkerung Gibraltars umgesiedelt. In dieser Zeit wurde der Felsen in eine unterirdische Festung für bis zu 15.000 Soldaten umgewandelt. Die unterirdischen Tunnel, die sogenannten World War II Tunnels, können heute in Teilen besichtigt werden. Ziel dieser Befestigung war es, einem möglichen Angriff der deutschen Wehrmacht begegnen zu können. Diese hatte auch mit einem ersten Operationsentwurf vom 20. August 1940 die Eroberung des Stützpunktes geplant. Das Unternehmen Felix wurde jedoch nie durchgeführt, da Spanien neutral blieb. Vor Beginn der anglo-amerikanischen Invasion Französisch-Nordafrikas, der Operation Torch, schlug der US-amerikanische General Eisenhower sein Hauptquartier am 5. November 1942 in Gibraltar auf. Drei Tage später begann die Invasion Marokkos mit 300.000 Soldaten. Letzten Endes blieb Gibraltar der einzige Teil des nichtneutralen westeuropäischen Festlands, der zu keiner Zeit von Deutschland oder seinen Verbündeten besetzt war. Vor Gibraltar kam der Premierminister der polnischen Exilregierung, General Sikorski, bei einem Flugzeugunglück ums Leben.

In Gibraltar leben derzeit etwa 28.750 Einwohner. Seit langem kommt es zu Spannungen zwischen England und Spanien, weil Spanien die Hoheit über Gibraltar wiedererlangen möchte. Die Grenze nach Spanien war von 1969 bis 1985 geschlossen.

Bei einem Referendum am 7. November 2002 (Wahlbeteiligung: fast 90 %) stimmten 99 % der Abstimmenden für einen Verbleib unter britischer Herrschaft. Nur 187 Bewohner waren für eine geteilte Souveränität.

Die Straße von Gibraltar, die das Mittelmeer mit dem Atlantik verbindet, ist für das Militär von großer Bedeutung. Das Vereinigte Königreich unterhält in Gibraltar einen Flottenstützpunkt.

Am 18. September 2006 schlossen der Außenminister von Spanien und der Europaminister des Vereinigten Königreichs, Miguel Ángel Moratinos und Geoff Hoon, sowie der Chief Minister Gibraltars Peter Caruana in Córdoba einen Vertrag zur Zusammenarbeit. Darin wird festgelegt, dass ein neues Terminal des Flughafens von Gibraltar gebaut wird, so dass der Flughafen auch von spanischer Seite aus genutzt werden kann. Am 16. Dezember 2006 gab es dann zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder einen regulären Linienflug von Spanien nach Gibraltar. Außerdem wurden Regelungen über das Telefonnetz, die Kompensation von spanischen Arbeitern, die nach der Schließung der Grenze 1969 ihre Arbeit verloren hatten, und eine Erleichterung der Grenzkontrollen auf der Landseite getroffen. Weiterhin soll eine Dépendance des Instituto Cervantes in Gibraltar eröffnet werden. Am 21. Juli 2009 stattete Außenminister Miguel Ángel Moratinos, als erster Vertreter der spanischen Regierung seit Beginn der britischen Souveränität über Gibraltar, der Halbinsel einen offiziellen Besuch ab.

Trotz der verbesserten Zusammenarbeit zwischen Spanien und dem britischen Überseegebiet kam es in jüngster Vergangenheit zu Konfrontationen bezüglich der Souveränität über die angrenzenden Gewässer. Spanien erkennt nur eine kleine Zone rund um den Hafen von Gibraltar als britisch an und beruft sich dabei auf den Vertrag von Utrecht, das Vereinigte Königreich beansprucht eine Drei-Meilen-Zone. Dies führte jüngst zu Zusammenstößen zwischen der spanischen Guardia Civil und britischen Patrouillenbooten.[5] Am 18. November 2009 kam es zu einem diplomatischen Konflikt, als ein Schnellboot der britischen Marine sieben Seemeilen südlich von Gibraltar Schießübungen auf eine Boje mit der spanischen Fahne durchführte; der britische Botschafter Giles Paxman entschuldigte sich wenig später für „mangelndes Urteilsvermögen und fehlende Sensibilität“ der Schiffsbesatzung.[6] Die Situation verschärfte sich weiter, als am 7. Dezember 2009 ein Schiff der spanischen Guardia Civil bei der Verfolgung mutmaßlicher Drogenschmuggler bis in den Hafen von Gibraltar vordrang. Die spanischen Sicherheitskräfte machten die zwei Insassen des flüchtenden Schnellbootes dingfest, wurden aber ihrerseits von britischen Polizisten verhaftet. Der spanische Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba entschuldigte sich wenig später bei Gibraltars Chief Minister Peter Caruana für das „nicht korrekte Verhalten“ der spanischen Sicherheitskräfte. Diese wurden noch am selben Tag wieder auf freien Fuß gesetzt.[7]

Politik

Verhältnis zum Vereinigten Königreich

Gibraltar ist ein Überseeterritorium des Vereinigten Königreichs. Es hat eine eigene Regierung, welche die Aufgaben der Selbstverwaltung erfüllt. Sie umfasst alle Bereiche außer Verteidigung, Außenpolitik und innere Sicherheit, die vom Vereinigten Königreich übernommen werden. Staatschefin ist die britische Königin, die in Gibraltar durch einen Gouverneur repräsentiert wird. Der Gouverneur ist gleichzeitig der Oberbefehlshaber der Armee und der Polizei. Der momentan amtierende Gouverneur, Sir Adrian Johns, wurde 2009 ernannt.

Im November 2006 stimmten über 60 Prozent der gibraltischen Bevölkerung für eine neue Verfassung, die mehr Souveränität vorsieht, insbesondere im Justizwesen.

Verhältnis zu Spanien

Abstimmungsplakat zum Volksreferendum von 2002

Seit 1704, als die Englische Krone die Herrschaft über die Halbinsel errang und im Vertrag von Utrecht 1713 zugesichert bekam, versuchte Spanien die britische Kolonie zurückzuerobern. Im 18. Jahrhundert wurde das mit militärischen Mitteln versucht, nämlich in den drei Belagerungen von 1704, 1727 und 1779–1783, allesamt erfolglos. Im 19. Jahrhundert waren weitere militärische Aktionen gegen Großbritannien infolge seiner weltweiten politischen und militärischen Dominanz aussichtslos und unterblieben daher.[8]

Erst in den 1950er-Jahren unternahm der damalige spanische Diktator Francisco Franco neue Versuche, Gibraltar zu annektieren, wobei er sogar den Exilpräsidenten Spaniens, Claudio Sánchez Albornoz, auf seiner Seite hatte.[9] Seither fanden mehrere Verhandlungsrunden statt, die aber ebenfalls zu keinen definitiven Lösungen führten. In zwei Volksabstimmungen, in denen in Gibraltar über einen Wechsel zu Spanien entschieden werden konnte, wurden die Vorschläge überaus deutlich verworfen: Am 10. September 1967 mit 12.138 zu 44 Stimmen[10] und am 7. November 2002 mit 17.900 zu 187 Stimmen. 2002 war „nur“ über eine gemeinsame Anteilnahme der Souveränität über Gibraltar zwischen Spanien und dem Vereinigten Königreich abgestimmt worden. Durch verschiedene Repressalien hatte sich Spanien bei den Einwohnern Gibraltars auch unbeliebt gemacht, darunter die jahrelange komplette Schließung der Grenze (vom 9. Juni 1969 bis am 4. Februar 1985[11]), danach oft lange Wartezeiten am Grenzübergang, Beschränkungen beim Zugang zu Telekommunikationsmitteln oder Versuche, Gibraltars Bevölkerung von der Teilnahme an internationalen Sportanlässen ausschließen zu lassen.[8] Zwischen 2009 und 2011 gab es auch immer wieder kleinere Grenzzwischenfälle in den Hoheitsgewässern.[12]

Spanien war zwar von den Vereinten Nationen in dem Bestreben, die Souveränität über Gibraltar zu bekommen, unterstützt worden, da Gibraltar offiziell noch eine aufzulösende Kolonie ist[8], nach diesen Abstimmungen hat allerdings Jim Murphy, britischer Minister, klar gemacht, dass das Vereinigte Königreich nichts ohne die explizite Zustimmung der Gibraltarer tun würde[13]. Außerdem sei der Status Gibraltars umstritten, und somit auch sein Status als Kolonie. Inzwischen sieht die UNO Gibraltar als ein bilaterales Problem zwischen Großbritannien und Spanien an und überlässt es diesen Staaten, eine Lösung zu finden.[8]

Politisches System

Die Bevölkerung Gibraltars wählt ein fünfzehnköpfiges Parlament, das House of Assembly, das sich nur aus Abgeordneten der beiden stärksten Parteien zusammensetzt: Die Partei mit den meisten Stimmen bekommt acht Parlamentssitze, der „beste Verlierer“ erhält sieben. So gibt es nie eine Koalition und die Regierungspartei wechselt oft. Der Führer der Mehrheitsfraktion wird vom Gouverneur zum Regierungschef (Chief Minister) ernannt. Außer dem Chief Minister besteht die Exekutive noch aus dem Finanzminister und dem Justizminister. Zurzeit ist Peter Caruana von den Gibraltar Social Democrats (GSD) Chief Minister. Er wurde 1996 gewählt und 2000, 2003 sowie 2007 wiedergewählt. Die Gibraltar Socialist Labour Party (GSLP) ist in der Opposition. Beide Parteien sind für Gibraltars Selbstregierung und weigern sich, Vereinbarungen mit Spanien zu treffen, wobei die GSLP traditionell radikaler ist.

Status innerhalb der EU

Aus Sicht der Europäischen Union sind die Einwohner Bürger des Vereinigten Königreichs und Gibraltar Teil der EU. Es gibt jedoch einige spezielle Regelungen[14]:

Im Jahr 2003 erhielten die Bewohner Gibraltars durch den European Parliament (Representation) Act 2003 das Wahlrecht für das Europäische Parlament. Gibraltar gehört bei den Europawahlen zum Wahlgebiet Südwestengland, das sieben Vertreter nach Straßburg entsendet. Bei den Wahlen im Juni 2004 nahmen 57,5 % der Wahlberechtigten Gibraltars ihr neues Recht wahr.

Wirtschaft

Die Wirtschaft Gibraltars wird vor allem von Tourismus bestimmt. Neben vielen Tagestouristen übernachten auch immer mehr Touristen in den zahlreichen Hotels. Daneben tragen das Offshore-Finanzwesen sowie Schiffbau und Schiffsreparatur mit jeweils etwa 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. An vierter Stelle steht der Telekommunikationsbereich, der zu etwa 10 Prozent am BIP beteiligt ist.

Das Gibraltar-Pfund hat nur einen symbolischen Wert, da der Umrechnungkurs zum britischen Pfund immer 1:1 beträgt. Deswegen wird auch oft mit britischen Pfund bezahlt, jedoch weniger mit dem Euro.

Postwesen

Für Postdienstleistungen war in Gibraltar seit dem Jahr 1886 das „Gibraltar Post Office“ zuständig. Im Jahre 2005 wurde ihm von der britischen Königin Elisabeth II. der Titel „Royal“ verliehen, so dass das Postwesen in Gibraltar nun in der Hand des „Royal Gibraltar Post Office“ liegt. Damit ist die Postgesellschaft von Gibraltar das einzige Postunternehmen außerhalb des britischen Mutterlandes, dem der Titel „Royal“ zuerkannt wurde.

Postamt in Gibraltar

Das Royal Gibraltar Post Office gibt eigene Briefmarken heraus, deren Nominalwert in Gibraltar-Pfund (GIP) ausgewiesen werden. Aufgrund der geographischen Limitierung sind die Briefmarken des „Royal Gibraltar Post Office“ bei Touristen und Sammlern sehr beliebt. Die Briefmarken weisen häufig das Motiv der britischen Königin Elisabeth II. auf.

Postsendungen von Gibraltar in das Ausland (Ausnahme Spanien) werden zunächst nach London geflogen und von dort aus in ihre Bestimmungsstaaten weitertransportiert. Postsendungen für Spanien werden hingegen an der Landesgrenze der spanischen Post übergeben. Die gleiche Vorgehensweise gilt ebenfalls in umgekehrter Richtung für Postsendungen aus dem Ausland nach Gibraltar. Das Hauptpostamt ist in der Main-Street 104 zu finden.

Verkehr

Die Start- und Landebahn des Gibraltar Airport führt über eine Straße

Gibraltar verfügt über einen eigenen Flughafen, den Flughafen Gibraltar. Es handelt sich dabei um den weltweit einzigen Flughafen, dessen Landebahn eine zweispurige Straße kreuzt.

Gibraltar ist einer der weltweit bedeutendsten, in jedem Fall aber der umsatzstärkste Nachschubplatz für Schiffsdiesel im Mittelmeer. Im Jahre 2005 liefen 6.662 hochseetaugliche Schiffe den Hafen an, 90 % von ihnen zum Tanken.

In Gibraltar verkehren insgesamt fünf Buslinien (2,3,4,9 und 10).

Obgleich Gibraltar unter britischer Oberhoheit steht, gilt hier, wegen der Größe und seiner Nähe zu Spanien, seit dem Jahre 1929 der Rechtsverkehr.

Von der Innenstadt zum Felsen (Upper Rock) gibt es eine regelmäßig verkehrende Seilbahn mit einer Zwischenstation.

Kultur

Die gibraltische Kultur ist stark beeinflusst durch die britische, die spanische und auch die marokkanische Kultur.

Wichtige Bands aus Gibraltar sind Breed 77 und No Direction.

Nationalfeiertag

Der gibraltische Nationalfeiertag wird am 10. September begangen. Viele Häuser werden mit der Flagge Gibraltars und rot-weißen Luftballons verziert und für jeden Bürger wird ein Ballon „in die Luft entlassen“. Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist dann in den Nationalfarben gekleidet.

Bekannte Gibraltarer

Sport

Die Fußballnationalmannschaft von Gibraltar existiert schon seit 1895 und hat unter anderem beim FIFI Wild Cup den dritten Platz belegt. Es wird zudem jährlich eine nationale Meisterschaft ausgespielt.

Wie auch in anderen Sportarten (zum Beispiel im Cricket, Rugby) kämpfen die Nationalmannschaften Gibraltars um internationale Anerkennung. Die Sportarten Rugby und Cricket haben sich auf Grund der Historie Gibraltars etabliert. In Cricket wird am europäischen Wettbewerb teilgenommen.

Gibraltar hat ein eigenes Fußballstadion, in dem sämtliche Ligaspiele sowie Länderspiele ausgetragen werden. Der bekannteste Verein ist wohl Manchester United GIB. Am 8. Dezember 2006 wurde der Fußballverband von Gibraltar vorläufig als UEFA-Mitglied aufgenommen. Eine definitive Abstimmung erfolgte am 26. Januar 2007 in Düsseldorf – dort wurde der Antrag Gibraltars als UEFA-Mitglied abgelehnt.

Medien

Die Gibraltar Broadcasting Corporation (kurz GBC) betreibt einen eigenen Radio- und Fernsehsender für Gibraltar.

Außerdem gibt es verschiedene Tageszeitungen in englischer und spanischer Sprache. Die wichtigsten gibraltischen Tageszeitungen sind „Chronicle“ und „Panorama“.

Seit 1995 existiert die Top-Level-Domain „.gi“.

Literatur

  • Dieter Haller: Gelebte Grenze Gibraltar – Transnationalismus, Lokalität und Identität in kulturanthropologischer Perspektive. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2000, ISBN 3-8244-4407-0.
  • Johannes Kramer: English and Spanish in Gibraltar. Buske Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-87118-815-8.
  • Andrea Neidig: Englisch und Spanisch im Kontakt – Das Yanito in Gibraltar. Eine soziolinguistische Untersuchung. Johannes Herrmann Verlag, Gießen 2008, ISBN 978-3-937983-14-1.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Gibraltar – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Gibraltar – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Census of Gibraltar 2001. Government of Gibraltar (2001). Abgerufen am 2. Dezember 2010.
  2. World Guide - Gibraltar (2009). Abgerufen am 2. Dezember 2010.
  3. Edward G. Archer: Gibraltar, identity and empire. Routledge, 2006, ISBN 0-415-34796-3, S. 36 (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  4. Countries and Their Cultures: Gibraltar. Abgerufen am 2. Dezember 2010.
  5. La Marina inglesa acosa a naves de la Guardia Civil en aguas de Gibraltar, am 16. November 2009 in El Mundo, abgerufen am 19. Dezember 2009 (spanisch)
  6. Affentheater vor Gibraltar weitet sich aus, am 23. November 2009 in der Kleinen Zeitung, abgerufen am 19. Dezember 2009
  7. Briten nehmen in Gibraltar spanische Grenzschützer fest, am 8. Dezember 2009 in der NZZ, abgerufen am 19. Dezember 2009
  8. a b c d Peter Gold: Gibraltar: British or Spanish?. Routledge, 2005, ISBN 0-415-34795-5, S. 326 (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  9. Peter Gold: Gibraltar: British or Spanish?. Routledge, 2005, ISBN 0-415-34795-5, S. 26 (Eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche).
  10. Antonio Cassese: Self-Determination of Peoples: A Legal Reappraisal. Cambridge University Press, 1995, ISBN 0 521 48187 2, S. 208 (Self-Determination of Peoples: A Legal Reappraisal in der Google Buchsuche).
  11. Chronology. Abgerufen am 1. Dezember 2010.
  12. http://www.defensenews.com/story.php?i=6403538&c=EUR&s=SEA
  13. UK Foreign Affairs Committee proceedings
  14. siehe dazu: The official UK Yearbook 2005, p. 79 (rechte Spalte mittlerer Absatz): „The Territory is within the EU, as part of the United Kingdom Member State, although it is outside the common customs system and does not participate in the Common Agricultural or Fisheries Policies or the EU VAT arrangements.“
  15. siehe auch: EuGH, Urteil vom 23. September 2003, C-30/01, Rn. 59

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  • Gibraltar — Gibraltar, 1) britische Festung im spanischen Königreich Andalusien, an der gleichnamigen Meerenge, welche Europa von Afrika trennt, u. auf dem gleichnamigen Vorgebirge gelegen, dessen Name aus dem arabischen Gebel (Gibl ) al Tarik, d.i. Felsen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • GIBRALTAR — mons Hispaniae notissimus, ad fretum Gaditanum, in Austral. Hisp. parte, olim Calpe dictus, Arabice Gibeltarif i. e. mons Tarif inquit Ortel. quasi vero Tarif nomen proprium sit, ac non potius appellativum, extremitatem Latine declarans: plane… …   Hofmann J. Lexicon universale

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