Alexei I.
Alexei Michailowitsch, 1645–1676 Zar von Russland

Alexei Michailowitsch, "der Sanftmütigste" (russisch Алексей Михайлович; * 19. März 1629 in Moskau; † 29. Januar 1676 in Moskau) war von 1645 bis 1676 Zar und Großfürst von Russland.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Festigung der Dynastie

Der zweite Zar aus der wachsenden Dynastie Romanow bestieg als Jugendlicher den Thron, er war vier Monate vor dem Tod seines Vaters Michael I. erst sechzehn Jahre alt. Da sein Vater ihn schon am Neujahrstag 1643 der Öffentlichkeit als Nachfolger präsentierte und in seiner Sterbenacht noch die Herrschaft übergab, war die Nachfolge gesichert und es folgte nun wieder ein Sohn dem Vater auf den Zarenthron.

Regentschaft

In den ersten Jahren seiner Regierung seiner Herrschaft lag die Regierungsgewalt faktisch in den Händen seines Erziehers und Schwagers Boris Morosow.

Mit der Einrichtung des Prikas für geheime Staatsangelegenheiten schuf er ein wichtiges Kontrollorgan, das ihn in die Lage versetzte, die Regierungsgewalt weitgehend selbstständig auszuüben. Seine Regierung ist durch verstärkte Unterdrückung der Bauern und Erhöhung der Steuerlasten gekennzeichnet, was ab 1648 zu Stadtaufständen führte (Moskau, Tomsk, Pskow und Nowgorod). Dadurch sah sich Alexej gezwungen, die Landesversammlung (Semski Sobor) einzuberufen und 1649 ein neues Reichsgesetzbuch, das Sobornoje Uloschenije, zu erlassen, das die Leibeigenschaft zementierte.

Alexeis wichtigster Berater wurde 1651 der Patriarch Nikon. Durch geschicktes Taktieren konnte Alexei den 1648 begonnenen Chmelnyzkyj-Aufstand für sich ausnutzen und übernahm 1654 mit dem Vertrag von Perejaslaw die Schutzherrschaft über das ukrainische Hetmanat. Im daraufhin beginnenden Russisch-Polnischen Krieg 1654-1667 konnten russische Truppen 1654 Smolensk erobern. Nach weiteren russischen Erfolgen im folgenden Jahr griff Schweden in den Krieg ein und Russland konnte das gesamte Großfürstentum Litauen an sich bringen. Ende 1655 schloss Russland mit Polen einen Waffenstillstand und wandte sich gegen Schweden (siehe Russisch-Schwedischer Krieg 1656-1658). Die Belagerung Rigas blieb indessen erfolglos und nachdem der neue Hetman Iwan Wyhowski sich 1658 mit dem Vertrag von Hadjatsch auf die Seite Polen-Litauens gestellt hatte einigte sich Russland mit Schweden auf den Waffenstillstand von Valiesar (1658). Der nunmehr wiederaufgenommene Krieg gegen Polen verlief wechselhaft (Litauen ging wieder verloren), letztlich konnte sich Russland aber 1667 im Friede von Andrusowo Smolensk, Kiew und die Ostukraine sichern. In östlicher Richtung dehnte Alexej sein Reich mit der Eroberung Ostsibierens bis an die Grenze Chinas aus. Das internationale Ansehen in seiner Regierungszeit stieg beträchtlich.

1658 überwarf sich Alexej mit Nikon über der Frage der von diesem eingeleiteten kirchlichen Reformen, der Sitz des Patriarchen blieb danach für acht Jahre unbesetzt. Der Konflikt führte 1666 zur Spaltung der russisch-orthodoxen Kirche.

Alexej gelang es auch, die Rechte der Landesversammlung nach und nach wieder auszuschalten. Durchgreifend waren seine Reformen im Militär und in der Wirtschafts- und Handelspolitik. Seine wichtigsten Berater in späteren Jahren waren Afanasi Lawrentjewitsch Ordin-Naschtschokin und Artamon Sergejewitsch Matwejew.

Währenddessen hatte sich 1662 die Moskauer Bevölkerung erneut zum Aufstand erhoben. Der Kampf der unterdrückten Bauern entlud sich schließlich im Bauernkrieg unter Stepan Rasin von 1670/71, der allerdings rasch niedergeworfen wurde. Die Verhängung der Todesstrafe wird noch am Tage der Urteilsverkündung vollstreckt. Der Mythos aber ließ Stanka Rasin zum Helden eines sehr bekannten Volksliedes werden.

Nachkommen

1647 vermählte er sich als 18-Jähriger in erster Ehe mit Maria Miloslawskaja (* 1626 † 1669) , die ihm zahlreiche Kinder schenkte. Schwer traf den Zaren 1670 der Tod des fast 16-jährigen Zarewitsch Alexej, zumal der zweite lebende Sohn Fjedor schwächlich und der dritte Sohn Iwan gar geistesschwach war. Schon ein Jahr zuvor im Jahr 1669 war die Zarin verstorben, die ihm insgesamt dreizehn Kinder geboren hatte.

  • Dimitri (* 22. Oktober 1648; † 6. Oktober 1649), Zarewitsch von Russland,
  • Eudoxia (1650–1712), Großfürstin von Russland,
  • Marfa (* 26. August 1652; † Juli 1707), Großfürstin von Russland,
  • Alexej (* 5. Februar 1654; † 17. Januar 1670), Zarewitsch von Russland,
  • Anna (* 23. Januar 1655; † 9. Mai 1659), Großfürstin von Russland,
  • Jewdokija (* 19. Februar 1656; † 10. Mai 1718), Großfürstin von Russland,
  • Sofia (* 5. September 1657; † 3. Juli 1704), Großfürstin und Regentin von Russland,
  • Katharina (* 26. November 1658; † 1. Mai 1718), Großfürstin von Russland,
  • Maria (* 18. Januar 1660; † 20. März 1723), Großfürstin von Russland,
  • Fjodor III. (* 30. Mai 1661; † 27. April 1682), Zar von Russland,
  • Feodossija (* 28. Mai 1662; † Dezember 1713), Großfürstin von Russland,
  • Simeon (* April 1665; † 19. Juni 1669), Großfürst von Russland,
  • Iwan V. (* 27. August 1666; † 20. Januar 1696), Zar von Russland und
  • Jewdokija (*/† 18. Februar 1669), Großfürstin von Russland.

1671 heiratete er, in der Hoffnung einen gesunden Zarewitsch zu zeugen, in zweiter Ehe Natalja Naryschkina (1651–1694), die ihm drei Kinder gebar:

  • Peter I. (* 30. Mai 1672; † 28. Januar 1725), Zar von Russland,
  • Natalja (* 25. August 1673; † 18. Juni 1716), Großfürstin von Russland, und
  • Feodora (* 4. April 1674; † November 1675), Großfürstin von Russland.

Literatur

  • Vallotton, Henry: Peter der Große.Eugen Diederichs-Verlag, München 1978, ISBN 3-424-01315-3.
  • Massie, Robert K.: Peter der Große. Sein Leben und seine Zeit. Fischer, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-596-25632-1
  • Hans-Joachim Torke (Hrsg.), Die russischen Zaren 1547 - 1917, Verlag C.H. Beck, München, 1999, ISBN 3-406-42105-9
  • Fedorowski, Wladimir: Die Zarinnen - Rußlands mächtige Frauen, Serie Piper, München 2002, ISBN 3-492-23700-2

Weblinks


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