Goldgulden

Der Gulden (von mhd. guldin (pfenni(n)c/florin) ‚Goldmünze‘) ist eine historische Münze (ursprünglich aus Gold, später auch aus Silber) und Währungseinheit mehrerer Staaten. Die reguläre Abkürzung ist fl. oder f. für Fiorino, lat. florenus aureus, französisch Florin. Sie leitet sich vom Florentiner Goldgulden ab, der im 13. Jahrhundert Europa einschließlich England als silberner Florin (= zwei Schillinge) eroberte (siehe weiter unten).

Es gab Gulden in Gold und ab dem 16. Jahrhundert vorwiegend als Silberäquivalent (zum Beispiel als Joachimsthaler Guldengroschen, dem späteren Taler). Guldengroschen oder Guldiner wurden mit unterschiedlichen Gewichten in ganz Europa geprägt. Im deutschen Sprachraum kannte man den Gulden bis zur Einführung der Goldmark im Jahre 1873. Besondere Bedeutung errangen neben dem Reichsgulden der niederländische Gulden, der ungarische Forint sowie der polnische Gulden, der heute noch mit dem Złoty fortbesteht. Man unterschied im 17. bis frühen 19. Jahrhundert genau zwischen dem eigentlichen Goldgulden, dem (rheinischen und süddt.) Silbergulden, dem Taler und dem (virtuellen) Rechnungsgulden. Ein sprachliches Paradoxon bestand etwa in Sachsen des 18. Jahrhundert, wo der Conventionstaler gleich zwei Gulden (halbe Taler) galt, obwohl beide Bezeichnungen historisch eigentlich vom (Gold-)gulden abstammten. Der Goldgulden unterlag im Gegensatz zum Dukat ab der frühen Neuzeit der Münzverschlechterung, was seine Beliebtheit einschränkte.

Goldgulden: Mainz, Erzbischof Johann II. von Nassau (1397–1419), geprägt zwischen 1399 und 1402 in Frankfurt-Höchst; Avers: Johannes der Täufer mit Kreuzzepter, die Rechte zum Segen erhoben; zwischen den Füßen ein Johanniterkreuz. Umschrift: IOH(ann)IS AR(chi)EP(iscop)VSMAGV(n)T(inus) Revers: Vierpass; in der Mitte das nassauische Wappen, in den Bögen die Schilde von Kurmainz, Kurköln, Kurtrier, und von Bayern für Kurpfalz. Umschrift: MONETA OP(p)IDI IN HOIESTEN

Inhaltsverzeichnis

Goldgulden

Die Bezeichnung Goldgulden ist keine Tautologie, sondern dient zur numismatischen Unterscheidung vom in der Neuzeit dominierenden Silbergulden sowie zur Abgrenzung gegenüber dem Gulden als Rechnungsmünze.

Die Ursprünge des Goldguldens

Der Goldgulden aus Florenz (Fiorino) und der Dukat (Zecchine) aus Venedig entstanden aus dem Handel mit Nordafrika (Maghreb). Dort konnten die Kaufleute mit europäischem Silber günstig afrikanisches Gold kaufen. Um das im Silberhandel oder dem noch lukrativeren Salzhandel erworbene Gold mit Gewinn wieder abzusetzen, waren Goldmünzen das geeignete Medium. Goldmünzen stellten in Europa eine Ware dar, da ihr Kurs gegenüber den Silbermünzen zunächst nicht fix, sondern vom Wertverhältnis der beiden Edelmetalle abhängig war. Gold hatte in Europa gegenüber Silber einen erheblich besseren Kurs (1:10 bis 1:12 in Europa, 1:6 bis 1:8 im Maghreb). Auf diese Weise wurden gute Gewinne gemacht, und zugleich gelangte auch ein wertstabiles Zahlungsmittel auf den Markt.

Erste Florentiner Goldgulden („Fiorino“) wurden 1252 geprägt (Gewicht 3,537 g). Die Bücher des Florentiner Münzamtes weisen in guten Jahren einen Ausstoß von bis zu 350.000 Florenen aus, das sind etwa 1,2 Tonnen Gold. Siehe auch Schilling.

Die Ausbreitung des Goldguldens

Der Goldgulden geriet durch den Handel in den deutschsprachigen Raum. Die beiden großen Wirtschaftskreise, der mittelmeerische und der hansische, begegneten sich in den Niederlanden und schufen dort ein neues Zentrum, das auch auf Deutschland einwirkte. Mit der Intensivierung des Fernhandels entstand das Bedürfnis nach einem größeren Silber-Nominal oder bzw. Gold-Nominal. Der seit über fünf Jahrhunderten allein geprägte Denar oder Pfennig genügte diesen Anforderungen nicht mehr. Die als Ersatz im Großhandel gebräuchlichen Barren waren dem Fiorino unterlegen, denn größere Geschäfte ließen sich mittels europäisch gängiger Großmünzen mit geringeren Verlusten des Geldwechsels abwickeln.

Weil der Floren nördlich der Alpen so begehrt war und nachgeahmt wurde, bot Papst Johannes XXII. im Jahr 1332 den Florentinern an, alle Nachahmer zu exkommunizieren, falls ihm selbst die Ausgabe von Florenen gestattet würde. Geprägt wurden diese in Avignon.

Erscheinungsbild

Die Umschrift bestimmt, welches die Vorderseite oder die Rückseite ist. Die Vorderseite ist zumeist dem Prägeherrn vorbehalten. Auf der Vorderseite des Floren war ursprünglich eine Lilie abgebildet, das Stadtsymbol von Florenz, auf der Rückseite der heilige St. Johannes. Als die Münze später in den Deutschen Landen eingeführt war, entwickelte sich der heilige St. Johannes zur Vorderseite. Es gibt keinen Zweifel, dass für den mittelalterlichen Menschen einem Heiligen ein weit höherer Rang zukommt als einer Lilie oder einem Wappen.

Um Prägungen verschiedener Territorien zu unterscheiden, entwickelten sich im Laufe der Jahre verschiedene Münzbildnisse. St. Johannes wurde in Mainz 1365 durch einen Bischof ersetzt, die Lilie durch ein Wappen. Darstellungen der Heiligen Petrus, Christus, St. Laurentius, St. Andreas, St. Martin, Madonna und sogar eines Ritters oder stehenden Pfalzgrafen kamen noch im 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts hinzu. Erst im 16. Jahrhundert wurden die Heiligen durch Herrscherbildnisse ersetzt.

Heiligenbildnisse auf Goldgulden

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer ist der erste Heilige, der auf den Goldgulden abgebildet wurde.

Heiliger Johannes mit Kreuzzepter, die Linke zum Segen erhoben mit Wollmantel.

Apostel Petrus

St. Laurentius

Der Heilige Laurentius als Symbol für die Nürnberger Goldgulden.

Der Entwurf zu dem heiligen St. Laurentius auf dem Goldgulden (Literatur: Kellner 10) entstand unter Mitwirkung Albrecht Dürers. Geprägt hat der verantwortliche Münzmeister Dietherr.

Goldgulden in Deutschland

Prag

Der Beginn einer eigenen Goldprägung in Deutschland fällt in das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts. In Deutschland begann hiermit als erster Johann von Böhmen 1325 in Prag. Die Bezeichnung „Floren“ galt nur für die ersten Prägungen mit unverändertem Münzbild, anschließend entstand die Bezeichnung „Gulden“.

Goldgulden: Lübeck 1341; Avers: FLORE-LUBIC; Revers: S.IOHA – NNES.B.

Lübeck

Seit 1339 versuchte Lübeck, sich aus dem Münzregal von 1226 zu lösen. In Verhandlungen unter der Führung des Reichsgrafen Berthold von Henneberg gelang es der Stadt, den Kaiser Ludwig IV. der Bayer (1282 bis 1347) zu einer Ausweitung des Münzregals zu bewegen. Mit der Landshuter Urkunde vom 25. März 1340 wurde die Prägung eines Guldens nach florentiner Aussehen beschlossen. Bis 1342 wurden in der Folge in Lübeck 30.000 Goldgulden (mit einem Rohgewicht von 3,53 g) unter dem Münzmeister Johannes Salenbem, den der Münzherr und spätere Lübecker Bürgermeister Tidemann von Güstrow aus Flandern angeworben hatte, geprägt. Lübeck prägte bis 1675 Gulden in drei verschiedenen Typen.

Rheinland (Rheinischer Münzverein)

Der Rheinische Goldgulden (florenus Rheni) entstand, nachdem die Kurfürsten von Köln, Trier und Mainz ihre Unterstützung bei der Wahl Karls IV. sich mit einem Goldmünzprivileg (das Recht leitete sich aus der Goldenen Bulle ab) belohnen ließen. Trier erhielt das Privileg am 25. November 1346, Köln am 26. November 1346 und Mainz am 22. Januar 1354.

Der Rheinische Goldgulden war bis in die Neuzeit von zentraler Bedeutung für das deutsche Geldwesen. Er entwickelte sich zur verbreitetsten Fernhandelsmünze in Böhmen, Ungarn, Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Spanien und Frankreich. Nicht nur Gold-, sondern auch Silbermünzen wurden in ihrem Wert nach rheinischen Gulden bewertet und damit ihr Kurs (Zahlwert) festgesetzt.


Goldgulden in Österreich

In Österreichischen Urkunden beginnen sich ab etwa 1330 Geschäftsabschlüsse mit Florentiner und Ungarischen Goldgulden zu mehren.

Judenburg

Die ersten Goldgulden auf Österreichischem Boden wurden von Herzog Albrecht II. (1330–58) um 1350 im steirischen Judenburg geprägt, das sich gerade im Laufe des 13. und 14. Jahrhunderts zu einem bedeutenden innerösterreichischen Wirtschaftszentrum entwickelte und vor allem für den venezianischen Handel bedeutsam war. Das Gold für die Judenburger Guldenprägung kam aus den Hohen Tauern, wo die Salzburger Erzbischöfe die Bergrechte besaßen, diese jedoch meist an private Gesellschaften verpachtet hatten.

Eine umfangreiche Guldenprägung der Österreichisch- steirischen Herzöge war die Albrechts II.. Bei seinem Nachfolger, Herzog Rudolf IV. (1358–65), ist bereits ein deutlich schwächerer Prägeausstoß festzustellen. Auch Rudolf führte den Florentiner Typus vorerst unverändert weiter, stellte dann jedoch auf einer zweiten Emission die Anfangsbuchstaben seines Namens neben die Figur des Täufers ein typologisches Detail, das wohl aus der parallellaufenden Pfennigprägung in Wien und Graz übernommen wurde. Unter Albrecht III. (1365–95) erfolgte schließlich die Umstellung der österreichischen Gulden mit einer Darstellung des Wappens Österreichs und der Steiermark auf dem Avers.

Der Umfang der Guldenprägung Albrechts III. war sehr gering, und musste, vermutlich wegen mangelnder Rentabilität der Goldbergwerke, eingestellt werden. Sie mussten schließlich gegen die hochwertigen ungarischen Goldgulden, aufgrund der rentableren Goldvorkommen, konkurrieren.

Salzburg

Neben Albrecht III. ließ auch der Salzburger Erzbischof Pilgrim II. von Puchheim (1365–96) Goldgulden in seiner Salzburger Münzstätte prägen, nachdem er unmittelbar nach Amtsantritt 1366 von Kaiser Karl IV. das Recht erwirkt hatte, Goldgulden mit eigenem Zeichen zu schlagen.

Görz

Die Goldgulden der Görzer Grafen zu Lienz, die vermutlich um 1350 unter dem Grafen Heinrich III. (1338–63) und Meinhard VII. (1338–85) zu prägen begann.

Der älteste Görzer Gulden-Typus ist ein Florentiner Typus und führt neben der Lilie nur die allgemeine Umschrift COMES GORICIE. Das Rosenwappen der Münzstätte Lienz, ist in die Avers-Legende integriert. Ab 1363/64 erfolgte auch in Lienz die Umstellung auf den Wappen-Typ.

Hall

Erzherzog Sigismund von Tirol (1427–1496) auch als „der Münzreiche“ genannt, prägte ab 1478 in Hall eigene Goldgulden.


Reichsmünzen

Auch die deutschen Könige und Kaiser ahmten den Goldgulden nach. Der Reichserbkämmerer König Sigismunds (1410–1437), Konrad von Weinsberg, setzte ab 1418 eine umfangreiche Prägung von Goldgulden in den königlichen Münzstätten Frankfurt, Dortmund, Nördlingen und Basel in Betrieb. Das Revers zeigte einen Reichsapfel, deswegen wurden die Reichs-Goldgulden auch als Apfelgulden bezeichnet.

Gulden und Dukaten

Mit dem rheinischen Goldgulden wurde der Standard reiner Goldmünzen verlassen, wie ihn Dukat und Floren darstellten. Als Folge einer ständigen Münzverschlechterung wurde der Feingehalt mehrmals herabgesetzt. Er wurde durch Reichssatzungen oder Münzverträge festgestellt. Über deren Einhaltung wachten die Wardeine des Reiches oder die Vertragspartner eines Münzvereins wie des Rheinischen Münzvereins. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde deswegen im Geldverkehr zwischen den ursprünglich wertgleichen Dukaten und Goldgulden unterschieden. Als Dukaten wurden Münzen aus Feingold (23 2/3 Karat) und 3,5 g Gewicht bezeichnet. Anders als bei den Dukaten waren im Fall des Goldgulden neben Kupfer Silberzusätze erlaubt. Dukaten sahen in der Folge rötlicher aus, Goldgulden zeigten einen eher hellgelben Glanz. Ende des 15. Jahrhunderts bestanden die Goldgulden aus 18 Karat 6 Grän Gold, drei Karat sechs Grän Silber und zwei Karat Kupfer. Gold-Gulden wurden bis ins 19. Jahrhundert geprägt.

Erhöhung des Schlagschatzes durch Silberbeimischung

Goldgulden mit sichtbarer Silbertönung

Hier ein Beispiel, wie die Beimischung von Silber den Goldton zurückdrängt. Mit zusätzlichen Beimischungen von Silber ließ sich der Schlagschatz zugunsten des Münzherren und Münzmeisters erhöhen. Goldgulden mit einem hohen Silberanteil wurden auch blaue Gulden genannt.

Der Gulden als Reichswährung

Der Goldgulden stieß die Tür zur Neuzeit auf, denn die numismatisch gerne als Beginn der Neuzeit bezeichnete Talerprägung hat an diesen Verhältnissen kaum etwas verändert und übertrug lediglich Zahlkraft und Geldwert der Goldmünzen in den Bereich der Silbermünzen. Erste Silbergulden wurden als Äquivalente 1486 geprägt und kamen dem Bedürfnis nach einer international handelbaren Großsilbermünze entgegen.

Die Reichsmünzordnung von 1559 schuf neben dem Taler zu 72 Kreuzern auch den „Reichsguldiner“ bzw. „Gulden-Taler“ zu 60 Kreuzern bei einem Metallgewicht von 24,63 g, einem Feingehalt von 930/1000, und einem Silbergewicht von 22,9 g. Das reguläre Erscheinungsbild wurde der Reichsadler mit Reichsapfel auf der Vorder- und die Angabe 60 (für 60 Kreuzer) auf der in der Gestaltung freieren Rückseite. Zur Reichsmünze ließ sich der Gulden der Regelung zum Trotz nicht erheben, Deutschlands nördliche Territorien beharrten auf dem im Wert höheren Taler. In der Folge zerfiel das Reichsgebiet monetär in Gulden- und Taler-Länder, was mit dem Reichsmünzedikt von 1566 fixiert wurde. Der Taler wurde auf 90 Kreuzer gesetzt, so dass der Gulden 2/3 eines Talers entsprach. In Norddeutschland wurden in der Tat 2/3-Taler geprägt. Um 1700 besaß ein Gulden eine Kaufkraft, die heute etwa (als grobe Orientierung) 40–50 Euro entspräche. 1747 mussten beispielsweise in der Grafschaft Sayn-Altenkirchen für einen Gulden ein Meister zwei Tage, ein Geselle etwa 2½ und ein Tagelöhner drei Tage zu jeweils 13,5 Arbeitsstunden an den herrschaftlichen Bauten arbeiten.

Nach der monetären Katastrophe der Kipper- und Wipperzeit zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges festigte sich im Reich das folgende Schema, nach dem im frühen 18. Jahrhundert vier Reichsgulden einen Golddukaten machten, zwei Reichsgulden einem „gemünzten“ oder „Species-Taler“ entsprachen, 1½ Reichsgulden einem Reichstaler der reinen Recheneinheit und ein Reichsgulden schließlich drei Mark Lübisch entsprach:

Reichs-Ducat Speciestaler Reichstaler Reichsgulden Marck Lübisch Kreuzer
1 2 2 2/3 4 8 240
1 1 1/3 2 4 120
1 1 ½ 3 90
1 2 60
1 30

Diese stabile Phase endete 1750 mit der Einführung des Konventionstalers, der sich insbesondere in Österreich und Süddeutschland aufgrund des Konventionsfußes durchsetzte und ursprünglich zwei Reichsgulden entsprach. Aufgrund des geringeren Feingehaltes der Kleinmünzen wurde der Gulden, den es als Münze damals nicht gab, in der Folge jedoch als Rechnungsgulden abgewertet. Ein Konventionsgulden entsprach demnach einem Rechnungsgulden und 12 Kreuzern. Seit 1760 wurde der Münzfuß auf 24 (statt 20) Gulden aus einer feinen Mark Silber festgelegt.

Seit dem Ende des Hl. Römischen Reichs 1806 gingen die Währungen getrennte Wege:

Der Münchener Münzvertrag von 1837 brachte eine weitere Anpassung auf 24 ½ Gulden aus einer feinen Mark. Dreieinhalb Gulden entsprachen damit zwei Talern. Mit der Umstellung auf das metrische System 1857 wurde dann der Münzfuß auf 52 ½ Gulden aus einem Pfund Feinsilber angepasst. Doppelgulden, Gulden und Teilstücke wurden noch bis 1870 geprägt. Ab 1876 war der Gulden nicht mehr als Zahlungsmittel im Deutschen Reich zugelassen.

In Österreich-Ungarn wurde 1892 auf die Kronenwährung umgestellt.

Gulden in einzelnen Ländern

Während der Reichstaler als Währungseinheit von ¾ des gemünzten Reichstalers eine europäische Karriere machte, entwickelte sich der Gulden uneinheitlich in Europas Währungssystemen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick für das frühe 18. Jahrhundert – Bewertungen konkurrierender europäischer Gulden gegenüber dem Reichsgulden:

3 Reichsgulden = 5 Niederländische Gulden Marteau-Umrechnungswerkzeug
2 Reichsgulden = 1 Polnischer Gulden Marteau-Umrechnungswerkzeug
6 Reichsgulden = 43 Genfer Gulden Marteau-Umrechnungswerkzeug

Österreich

Der Gulden war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden = 100 Kreuzer). Es gab von 1870 bis 1892 8- und 4-Gulden-Stücke als Goldmünzen, 2- (ab 1859), 1- (ab 1857 bzw. schon früher) und 1/4-Gulden-Stücke als Silbermünzen. Ab 1857 wurden im Unterschied zu den anderen deutschen Staaten aus 500 g Silber 45 Gulden geprägt (45-Gulden-Fuß).

Ungarn

Für den ungarischen Reichsteil der Habsburgermonarchie wurden ab 1868 Guldenmünzen mit der Bezeichnung Forint geprägt. 1892 wurde mit Einführung der Goldwährung der Gulden in zwei Kronen umgewechselt, aber noch weiter im Verkehr belassen.

1946 wurde der ungarisch Forint heißende Gulden als Landeswährung eingeführt.

Danzig

1923 bis 1939 war der Danziger Gulden die Währung der Freien Stadt Danzig.

Polen

2,5 niederländische Gulden

Das polnische Wort „Złoty“, das seit der Renaissance bis 1831 gebräuchlich war und ab 1926 (von 1918 bis 1926 hieß die Währung „Marka Polska“ –- polnische Mark) wieder die polnische Währung bezeichnet, ist eine Übersetzung des Wortes „Gulden“.

Niederlande

In den Niederlanden wurden seit 1601 Gulden geprägt. Der Niederländische Gulden wurde 2002 durch den Euro abgelöst. Lediglich die niederländische Landeszentralbank (oder Dienstleister wie GFC) wechseln noch bis 2012 Gulden in Euro. In Form des Niederländischen Guldens verbreitete sich der Gulden bis nach Asien und Südamerika. Surinames Gulden wurde 2003 vom Suriname-Dollar abgelöst. Es überlebten der Antillen-Gulden auf den Niederländischen Antillen und der Aruba-Florin.

Siehe auch: Coselgulden, Blauer Gulden

Schweiz

In der Schweiz war der Gulden im Mittelalter als Zahlungsmittel weit verbreitet. Einige Städte und Landesherren prägten eigene Gulden, die regional als Zahlungsmittel verbreitet waren, z. B. der Churer Gulden (romanisch „Rensch“) im heutigen Graubünden oder der Landgulden im 15. Jahrhundert. Zwischen 1803 und 1850 verwendeten die Kantone Graubünden, Glarus, Luzern, Schwyz, Zürich, Uri und St. Gallen den Gulden als kantonale Währung. Die Unterteilung sowie der Wechselkurs schwankte dabei beträchtlich.

  • Glarus, Luzern, Schwyz, Zürich: 1 Gulden – 40 Schillinge
  • Graubünden: 1 Gulden – 60 Kreuzer – 70 Bluzger
  • Uri: 1 Gulden – 40 Schillinge – 240 Angster

1850 wurde in der Schweiz der Schweizer Franken als Einheitswährung eingeführt, die trotz heftigem Widerstand der Anhänger des Gulden-Systems in der östlichen Schweiz nach dem Franken-System gestaltet wurde, das vor allem in der westlichen Schweiz verbreitet war.

Literatur

  • John Stewart Davenport: German Silver Gulden 1559–1763. Frankfurt a.M.: Schulten, 1982. ISBN 3-921302-35-8.
  • Gerhard Schön: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert. Regenstauf: Battenberg Verlag, 2007. ISBN 3-86646-025-2.
  • Joachim Weschke: Die Reichsgoldprägung Deutschlands im Spätmittelalter bis 1450. Dissertation Humboldt-Universität Berlin, Liegnitz 1955.

Rheinland

  • Günter Felke: Die Goldprägungen der rheinischen Kurfürsten 1346–1478; Mainz, Trier, Köln, Pfalz. Köln: Münz-Zentrum, 1989. ISBN 3-9800233-7-0.

Trier

  • Karl Weisenstein: Das Kurtrierische Münz- und Geldwesen vom Beginn des 14. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts – Auch ein Beitrag zur Geschichte des Rheinischen Münzvereins. Koblenz: Numismatischer Verlag Gerd Forneck, 1995. ISBN 3-923708-08-4.

Kurmainz

  • Albert Schlegel: Die kurmainzische Münzstätte Höchst 1377 bis 1461/63. Frankfurt: Verlag Waldemar Kramer, 1991. ISBN 3-7829-0363-3.

Lübeck

  • Rolf Hammel-Kiesow unter Mitarbeit von Dieter Dummler und Michael North: Silber, Gold und Hansehandel – Lübecks Geldgeschichte und der grosse Münzschatz von 1533/37. Lübeck: Archiv der Hansestadt Lübeck, 2003. ISBN 3-7950-1254-6.

Nürnberg

  • Christoph Andreas ImHof: Sammlung eines Nürnbergischen Münz-Cabinets welches mit vieler Mühe so vollstaendig, als moeglich, in wenig Jahren zusammengetragen, und sodann auf das genaueste beschrieben. Nürnberg: Paul Jonathan Felßecker, 1780.
  • Herbert J. Erlanger: Die Reichsmünzstätte in Nürnberg, Nürnberger Forschungen 22. Nürnberg 1979
  • Hans-Jörg Kellner: Die Münzen der Reichsstadt Nürnberg, 2. Auflage, Stuttgart 1991, ISBN 3-9802706-0-2.

Wendischer Münzverein

  • Wilhelm Jesse: Der Wendische Münzverein. Braunschweig: Klinkhardt & Biermann, 1927. Neudruck: Klinkhardt & Biermann, Braunschweig: 1967.

Schweiz

  • Joseph Albrecht: Mittheilungen zur Geschichte der Reichsmünzstätten zu Frankfurt am Mayn, Nördlingen und Basel, in dem zweiten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts, insbesondere während ihrer Verwaltung unter Conrad von Weinsberg, dem Reichs=Erbkämmerer. Heilbronn, 1835.
  • Albert Sattler: Geschichte und Goldgulden der Reichsmünzstätte zu Basel. In: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, 2 & 9). Bulle 1882,
  • Albert Sattler: Die Guldenthaler von Basel. In: Bulletin de la Société suisse de Numismatique, Jg. 4 (1885) Nr. 5/5. Fribourg: Henseler, 1885.
  • Christian Winterstein: Die Goldgulden von Basel. Basel: Schweizer Bankverein, 1977.
  • Martin Körner: Luzerner Staatsfinanzen 1415–1798: Strukturen, Wachstum, Konjunkturen, S. 44–99. Luzern; Stuttgart: Rex-Verlag, 1981. ISBN 3-7252-0398-9.
  • Edwin Tobler: Die schweizerische Münzreform von 1850. In: Münzen und Medaillen aus Mittelalter und Neuzeit: die numismatische Sammlung des Kantons Aargau; S. 100–107. Lenzburg: Historisches Museum Aargau, 1997. ISBN 3-9520146-0-5.

Allgemein

  • Friedrich von Schrötter: Wörterbuch der Münzkunde. Berlin: de Gruyter, 1930; 2. unveränd. Aufl. 1970; S. 245–247
  • Michel Amandry (Hrsg.): Dictionnaire de numismatique. Paris: Larousse, 2001; S. 228. ISBN 2-03-505076-6.

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