Alexei Shirov
Alexei Schirow, 2007

Alexei Schirow (russisch Алексей Дмитриевич Широв; lettisch Aleksejs Širovs, englisch und spanisch Alexei Shirov; * 4. Juli 1972 in Riga) ist ein lettischer Schachspieler russischer Abstammung. Seit 1995 lebt er in Spanien und vertritt Spanien seitdem international.

Inhaltsverzeichnis


Schachliche Laufbahn

Den Titel eines Schachgroßmeisters errang Schirow im Jahre 1990, wobei er die für den Titel benötigten drei Normen innerhalb von nur neun Monaten erspielte; seine erste Norm im April 1989 bei einem Turnier in Frankreich, seine letzte im Januar 1990 als Vierter bei den „Gausdal Troll Masters“ (Norwegen). Mit 17 Jahren war er damals der fünftjüngste Großmeister überhaupt in der Schachgeschichte.

1998 gewann er in Cazorla einen Wettkampf gegen Wladimir Kramnik mit 5,5:3,5. Dieser Sieg hätte ihn berechtigen sollen, gegen Garri Kasparow einen Titelkampf um den klassischen Weltmeistertitel zu spielen. Dieses Match kam aber nicht zustande, da Kasparow, der sich Schirow deutlich überlegen fühlte und ihn sogar als „Amateur“ bezeichnete, angeblich nicht in der Lage war, Sponsoren dafür zu interessieren. Stattdessen suchte er sich Wladimir Kramnik als Gegner aus, dem er überraschend unterlag.

Im Jahre 2000 wurde Schirow Vizeweltmeister der FIDE.

In Chanty-Mansijsk verlor er am 16. Dezember 2007 das Finale des World Cups gegen Gata Kamsky mit 1,5 zu 2,5 Punkten. Er verfehlte somit nur knapp den FIDE-Weltpokal, gewann aber immerhin als Zweitplatzierter 80.000 USD.

Er gilt als einer der weltbesten Taktiker. Eine 1996 erschienene Sammlung seiner Partien trägt den treffenden Titel Fire on board (Brett in Flammen).

Er befand sich lange Zeit auf Rang 4 der Weltrangliste. Seine aktuelle Elo-Zahl beträgt 2745 (Stand: April 2009). Damit nimmt er Platz 13 der FIDE-Weltrangliste ein.

Privates

1994 heiratete er die Argentinierin Veronica Alvarez. Von 2001 bis 2008 war er mit der litauischen Schachspielerin Viktorija Čmilytė verheiratet.

Positionen aus seinen Schachpartien

Topalow - Schirow, Linares 1998
a b c d e f g h
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Diagramm 1: Schwarz am Zug

Im Turnier von Linares 1998 spielte er gegen Wesselin Topalow einen Zug, der bei einer Umfrage der angesehenen Zeitschrift British chess magazine zum spektakulärsten aller Zeiten gewählt wurde:

Schwarz am Zug verfügt über zwei Bauern mehr, aber wegen der ungleichfarbigen Läufer ist der Gewinn nicht trivial. Zum Beispiel endet die Partie nach dem naheliegenden Zug 47. ... Lf5-e4 remis, da nach 48. g2-g3 Ke6-f5 49. Kg1-f2 der weiße König auf dem Feld e3 eine ideale Blockadestellung erreicht. Schirow spielte daher den auf den ersten Blick absurd erscheinenden Zug 47. ... Lf5-h3!!. Durch dieses Läuferopfer erreicht der schwarze König das Feld e4 und die Freibauern entscheiden. Es folgte 48. g2xh3 (auch die Ablehnung des Opfers rettet Weiß nicht) Ke6-f5 49. Kg1-f2 Kf5-e4 50. Lc3xf6 d5-d4 51. Lf6-e7 Ke4-d3 52. Le7-c5 Kd3-c4 53. Lc5-e7 Kc4-b3 und Topalow gab auf.


Kramnik - Schirow, Linares 1994
a b c d e f g h
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Diagramm 2: Schwarz am Zug

Eine gewagte Kombination spielte Schirow gegen den Weltmeister der Jahre 2000–2007, Wladimir Kramnik, in Linares 1994. Schirow hatte Schwarz und opferte schon früh einen Läufer und bot in der kritischen Diagrammstellung (Diagramm 2) noch einen ganzen Turm an: Er zog 31. ... Te8-e4!?, was er als einzige Chance für Schwarz bezeichnete. Der Turm kann vom Bauern f3 oder dem Springer c3 geschlagen werden, was komplizierte Verwicklungen nach sich zöge. Kramnik entschied sich jedoch für das schwächere 32. Sc3xd5?!, um am Damenflügel Gegenspiel zu bekommen. Nach 32. ... c6xd5 33. c5-c6 Te4xf4 (Tf6xc6? verliert nach 34. fxe4 fxe4 35. Td3-h3) 34. c6xb7 Tf4-e4 35. Ta1-c1 Kg8-h7 war die Stellung unklar, Weiß verlor nach einigen weiteren Fehlern die Partie im 43. Zug. Nachträgliche Analysen ergaben, dass Weiß nach 32. Sc3-e2! das bessere Spiel erhalten hätte. Schirow wollte darauf 32. ... Sg4-e3+ 33. Td3xe3 Tf6-g6 34. Se2-g3 Te4xe3 35. Dd2xe3 Dh2xg3 spielen, in dieser Variante steht Weiß jedoch auf Gewinn. Auch 32. f3xe4 f5xe4 33. Lg2-f3! war möglich, um durch Figurentausch und Rückgabe des Mehrmaterials die Stellung zu vereinfachen. Die Folgen der vielzügigen Abspiele waren aber schwer am Schachbrett bei begrenzter Bedenkzeit zu berechnen.


Werke

  • Fire on Board, Shirov's Best Games, Everyman Publishers 1996, ISBN 1857441508
  • Fire on Board, Part 2: 1997-2004, Everyman Chess 2005, ISBN 1857443829

Weblinks


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