Alexeij Leonow
Alexei Leonow
Alexei Leonow


Land (Behörde): UdSSR (?)
Datum der Auswahl: 7. März 1960
(1. Kosmonauten-Gruppe)
Anzahl der Raumflüge: 2
Start erster Raumflug: 18. März 1965
Landung letzter Raumflug: 21. Juli 1975
Gesamtdauer: 7d 0h 32min
EVA-Einsätze: 1
EVA-Gesamtdauer: 24 min
Ausgeschieden: Januar 1982
Raumflüge

Alexei Archipowitsch Leonow (russisch Алексей Архипович Леонов, wiss. Transliteration Alexej Archipovič Leonov; * 30. Mai 1934 in Listwjanka bei Kemerowo, Russische SFSR) ist ein ehemaliger sowjetischer Kosmonaut und der erste Mensch, der sein Raumschiff verließ und frei im Weltraum schwebte (erste EVA).

Leonow war das achte von neun Kindern eines Bauern und Pferdezüchters aus dem Westen Sibiriens. 1948 siedelte die Familie nach Kaliningrad über. 1953 begann Leonow seine Ausbildung zum Piloten an der Fliegerschule Krementschuk in der Ukraine, die er 1955 mit Auszeichnung verließ. Anschließend wurde er bis 1957 in der Fliegerschule Tschugujew auf Jagdflugzeugen geschult.

Inhaltsverzeichnis

Wostok

Leonow war Leutnant der sowjetischen Luftwaffe, als er 1959 in die engere Wahl für das sowjetische Kosmonauten-Training kam. Mit 19 anderen Piloten bildete er dann ab 7. März 1960 die erste Kosmonautengruppe der UdSSR.

Im Juni 1963 war er Ersatzpilot für Waleri Bykowski beim Raumflug von Wostok 5, dem zweiten Gruppenflug der bemannten Raumfahrt. Leonow war damit ein Kandidat für einen weiteren Wostok-Flug und begann nicht, wie andere Kosmonauten, 1964 das Training für das neue Sojus-Raumschiff.

Woschod

Im Frühling 1964 wurde entschieden, dass weitere Raumflüge mit modifizierten Wostok-Raumschiffen unter der Bezeichnung Woschod starten würden. Der erste Woschod-Flug würde Wissenschaftskosmonauten als Passagiere befördern, während beim zweiten Flug zum ersten Mal ein Kosmonaut sein Raumschiff verlassen würde. Leonow wurde für den zweiten Flug und ab Juli speziell für den Ausstieg ausgebildet. Am 9. Februar 1965 wurde er von den offiziellen Stellen als Besatzungsmitglied mit Ausstiegfunktion bestätigt.

Woschod 2 startete am 18. März 1965 mit Leonow und seinem Kommandanten Pawel Beljajew an Bord. In der Erdumlaufbahn verließ Leonow als erster Mensch sein Raumschiff und schwebte frei im Weltraum. Mit dem Raumschiff war er nur durch eine 4,5 m lange Sicherheitsleine verbunden und schwebte etwa 24 Minuten im Weltraum. Der „Spaziergang“ endete fast in einer Katastrophe, denn durch das Hochvakuum des Weltraumes blähte sich der Raumanzug so auf, dass Leonow fast nicht mehr durch die enge Luke in das Raumschiff zurückkehren konnte. Das Ablassen von Druck aus dem Anzug rettete ihm das Leben. In "Zwei Mann im Mond" beschreibt Leonow den bis zur Panik reichenden Kampf mit der Sicherungsleine während des Weltraumspaziergangs.

Aufgrund von Problemen bei der manuellen Zündung der Bremsraketen landete Woschod 2 weit entfernt vom Zielgebiet, und Leonow und Beljajew mussten zwei Tage in und neben dem Raumschiff warten, bis die Bergungsmannschaften zu ihnen durchgedrungen waren.

Nach diesem Flug verbrachte Leonow viel Zeit auf Vortragsreisen im Ausland.

Das Mondprogramm

In der Folgezeit arbeite Leonow im sowjetischen Mondprogramm. Die Pläne wurden fortwährend geändert, und so wurden wechselnde Kosmonautengruppen zeitweise für eine Mondumrundung, zeitweise für eine Mondlandung ausgebildet. Leonow war die ganze Zeit in diesem Programm und hielt die Position eines Kommandanten inne. Im September 1968 war Leonow als einer von drei Kommandanten in der engeren Wahl für einen Mondflug. Eine Nominierung für den ersten Flug war jedoch fraglich, denn Leonow verscherzte sich Sympathien an höherer Stelle durch drei selbstverschuldete Autounfälle innerhalb von vier Monaten, ausschweifenden Lebenswandel sowie unbedachte Äußerungen gegenüber der internationalen Presse.

Nachdem die USA mit Apollo 8 im Dezember 1968 den Mond umrundeten und mit Apollo 11 im Juli 1969 die erste bemannte Mondlandung durchführten, wurde das sowjetische Mondprogramm beendet. Fortan wurde mehr Wert auf den Bau und den Betrieb von Raumstationen gelegt.

Sojus

An Bord von Sojus
Alexei Leonow

Im Jahre 1971 war Leonow als Kommandant des Flugs Sojus 11 vorgesehen, der zur Raumstation Saljut 1 führen sollte. Aufgrund eines Tuberkulose-Verdachts bei seinem Piloten Kubassow wurde jedoch zwei Tage vor dem Start die komplette dreiköpfige Mannschaft ausgetauscht, was ihm das Leben rettete. Die Ersatzmannschaft von Sojus 11 stellte einen neuen Langzeitrekord im Weltall auf, erstickte aber bei der Rückkehr im Sojus-Raumschiff.

Auch nach diesem Unfall war Leonow als Kommandant eines Raumfluges zu Saljut 1 vorgesehen. Er kam aber zusammen mit seinen Mannschaftskameraden Rukawischnikow und Kolodin nicht zum Einsatz.

Leonow wurde danach als sowjetischer Kommandant für das Apollo-Sojus-Projekt nominiert. Die Vorbereitungen für dieses erste internationale Projekt der bemannten Raumfahrt dauerten mehrere Jahre und erforderten mehrere Reisen zur NASA in die USA. Am 15. Juli 1975 startete er dann zusammen mit Kubassow im Raumschiff Sojus 19 und koppelte zwei Tage später an ein Apollo-Raumschiff an, das mit den US-Astronauten Stafford, Brand und Slayton bemannt war.

Literatur und Malerei, Film

1971 erschien sein Buch Spaziergänger im All, 1980 Ausstieg im Kosmos. 2004 schrieb er zusammen mit dem US-Astronauten David Scott Zwei Mann im Mond . Außerdem beschäftigte er sich mit Malerei. Leonow war als Kosmonautenkünstler bekannt, der Eindrücke aus den Flügen in seiner Kunst verarbeitet habe; Werke von ihm gehören zum Fundus des Kosmonautenmuseums in Moskau. Im Science-Fiction-Film 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen aus dem Jahr 1984, heißt das russische Raumschiff, das zum Jupitermond Europa unterwegs ist, Alexei Leonow.

Werke

  • Alexei A. Leonow, Wladimir I. Lebedew: Der Mensch im Weltall. Die Wahrnehmung von Raum und Zeit im Kosmos. Urania Verlag, Leipzig / Jena / Berlin 1969
  • Alexei Leonow: Spaziergänger im All. Erinnerungen. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1971, ISBN 3-421-01559-7
  • Aleksej A. Leonov, David Randolph Scott, Christine Toomey: Zwei Mann im Mond. ECON Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-430-15975-X

Siehe auch

Weblinks

Belege


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