Alexis Carrel
Alexis Carrel

Alexis Carrel (* 28. Juni 1873 in Lyon, (Frankreich); † 5. November 1944 in Paris) war ein französischer Chirurg und erhielt 1912 den Nobelpreis für Medizin.

Alexis Carrel konzentrierte sich vor allem auf die experimentelle Chirurgie und die Transplantation von Geweben und gesamten Organen. Bereits 1902 veröffentlichte er eine Methode zur Verbindung von Blutgefäßen und 1910 zeigte er, wie man Blutgefäße über lange Zeiträume aufbewahren konnte. 1908 demonstrierte er die ersten Ergebnisse zur Organtransplantation und 1935 baute er gemeinsam mit dem Luftfahrtpionier Charles Lindbergh ein Gerät, welches entnommene Organe steril beatmen konnte. Gemeinsam mit dem französischen Chirurgen Theodore Tuffier (1857–1929) führte er erfolgreich eine Reihe von Herzklappen-Operationen durch und konnte Herzmuskelzellen in Kultur züchten.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alexis Carrel wurde als Sohn des Kaufmanns Alexis Carrel und seiner Frau Anne Ricard in Lyon geboren. Sein Vater starb, als er noch sehr jung war. Im Jahr 1890 erwarb Carrel seine licence ès sciences, ein Jahr vorher bereits die licence de lettres an der Universität Lyon. Im Jahr 1900 promovierte er zum Doktor der Medizin an derselben Universität. Seine medizinische Arbeit führt er daraufhin am Krankenhaus von Lyon fort, außerdem war er Universitätsdozent für Anatomie und Chirurgie. 1902 spezialisierte er sich auf den Bereich der Chirurgie am Krankenhaus von Lyon.

Alexis Carrel wechselte 1904 an das Department für Physiologie der University of Chicago unter Professor George Neil Stewart (1860–1930). Von 1906 bis 1912 führte er seine Arbeiten am Rockefeller Institut für medizinische Forschungen fort. Im Jahr 1912 erhielt er den Nobelpreis für Medizin als Anerkennung seiner Arbeiten über die Gefäßnaht sowie über Gefäß- und Organstransplantationen.

Von 1914 bis 1919 diente Alexis Carrel als Major im Medizinischen Armeekorps Frankreichs. In dieser Zeit verbesserte er vor allem die bekannte Wundbehandlung nach Carrel und Dakin. 1939 kehrte Carrel nach Frankreich zurück und übernahm einen Posten im Gesundheitsministerium der Vichy-Regierung in Paris. 1940 wurde er Direktor einer Fondation Carrel zum Studium menschlicher Probleme.

Veröffentlichungen

Die Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart verlegte bis 1957 sein nicht-medizinisches Hauptwerk Der Mensch, das unbekannte Wesen auf Deutsch. Auch Carrels begeistertes Lob für die energischen Maßnahmen der Nationalsozialisten gegen die Vermehrung der Minderwertigen, Geisteskranken und Verbrecherischen wurde unkommentiert nachgedruckt, ein interessanter Fall für Verlagsgeschichts-Forscher.

In seinem Werk spricht er sich gegen die Emanzipation der Frau aus und begründet dies mit biologischen Unterschieden: In ihrem ganzen Ausmaß ist die Bedeutung der Fortpflanzungsfunktion bei der Frau noch nicht erkannt. Diese Funktion gehört unabänderlich zur vollen Entwicklung des Weibes, und es ist deshalb sinnlos, die Frauen gegen die Mutterschaft einzunehmen. Man sollte auch bei jungen Mädchen nicht dieselben geistigen und körperlichen Erziehungsmethoden anwenden oder dieselben Ansprüche erwecken wie bei Knaben.[1]

Carrel orientiert sich deutlich an der Rassenideologie der Nationalsozialisten. Im Buch heißt es, die „weißen Rassen“ hätten die „Vorherrschaft in der Welt“ durch ein überlegene Nervensystem erlangt.[2]

Nachleben

Bis 1994 trug die medizinische Fakultät der Universität Lyon seinen Namen, dann wurde er gelöscht (zu den Gründen siehe den ZEIT-Artikel). In einer Dissertation von 1999 an der Universität Münster für die Promotion zum Dr. med. dent. schrieb der Kandidat in euphemistischer Manier, das Wort „hinrichten“ oder „morden“ dabei sprachlich unelegant vermeidend: Gegenüber Schwerverbrechern vertritt Alexis Carrel die Meinung, diese in humaner und wirtschaftlicher Art einer schmerzlosen Tötung zu übereignen.[3]

Literatur

  • A. C.: Der Mensch, das unbekannte Wesen DVA, Stuttgart, zuletzt 81.–85. Tsd. 1955; Lizenz für List, München 1955 – dort 31.–45. Tsd. 1957
  • Helmut Leonhardt: Alexis Carrell. Der Begründer der Operationstechnik für Gefäßnaht und Organüberpflanzungen. In: Hans Schwerte, Wilhelm Spengler (Hrsg.): Forscher und Wissenschaftler im heutigen Europa. Erforscher des Lebens: Mediziner…. Reihe: Gestalter unserer Zeit Bd. 4. Stalling, Oldenburg 1955, S. 45–52 (wegen der SS-Abkunft der Hrsg. ist eine genaue und kritische Betrachtung des Artikels sehr ratsam)

Weblinks

 Commons: Alexis Carrel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. A. C.: Der Mensch, das unbekannte Wesen DVA, Stuttgart, zuletzt 81.-85. Tsd. 1955; Lizenz für List, München 1950 S.133
  2. Der Mensch, das unbekannte Wesen ebd.; List-Ausgabe 1950, S. 154
  3. Georg Schülke: Leben und Werk Alexis Carrel’s, unter besonderer Berücksichtigung seiner Arbeit mit der Gewebskultivierung und Organkultivierung

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