Alexisbad
Die Kuranlage in Alexisbad

Alexisbad ist ein Ortsteil von Harzgerode in Sachsen-Anhalt. Der im Tal der Selke im Harz auf 325 m Höhe gelegene Ort hat 42 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Petrus-Kapelle Alexisbad

Am Standort des heutigen Alexisbad gründete der Abt Hagano 975 das Kloster Hagenrode. Es war eine Tochterzelle des Klosters Nienburg, die Ortschaft Hagenrode eine der ältesten Siedlungen im Unterharz. Das Kloster Nienburg erhielt 993 von König Otto III. das Recht, in Hagenrode einen Markt und eine Münzstätte zu errichten. Dieses Recht wurde 1000 erneuert. Ab 1000 gehörte es zur Schutz-Vogtei des Adalbert von Ballenstedt, Vater des ersten Askaniers Esico von Ballenstedt (990–1060). Am 24. Mai 1179 wurde es als Propstei der Benediktiner unter den Schutz Papst Alexanders III. gestellt und in seinen Besitzungen bestätigt. Die Mönche verließen das Gebiet jedoch später, um sich bei Naumburg anzusiedeln. Im Bauernkrieg wurden Dorf und Kloster 1525 zerstört und die Ländereien fielen nach der Reformation an die anhaltischen Landesherren.

Zur Entwässerung der Harzgeroder Gruben des Silberbergbaus wurde ein Stollen nahe Hagenrode getrieben, aus dem ab 1692 Schwefelkies (Pyrit) gewonnen wurde. Wegen Unwirtschaftlichkeit verfiel der Stollen später wieder. Unter Friedrich Albrecht nahm man ab 1759 die Pyritgewinnung wieder auf, um durch Destillation Schwefel zu erzeugen. 1766 wurde die Heilkraft des Wassers untersucht und zwei Jahre später wegen seines Eisen-, Bittersalz- und Kocherde-Gehalts erstmals für Kuren verwendet. 1772 wurde der Badebetrieb mangels Gästen wieder eingestellt.

Unter Herzog Alexius wurde das Wasser des Stollens 1809 erneut untersucht und wegen seines Gehalts an Iod, Fluor und Eisen empfohlen. Der wieder auflebende Kurbetrieb führte zur Gründung einer Brunnendirektion, Errichtung einer Badeanstalt, einer Spielbank und schließlich zur Entstehung von Alexisbad. Bekanntester Kurgast des überregional bekannten Kur-, Bade- und Erholungsortes war 1820 Carl Maria von Weber. Architektur und Ortsplanung gehen auf den Architekten Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) zurück.

Nach Schinkels Entwurf wurde auch das in entsprechendem Stil 1822 erbaute Schweizerhaus errichtet. Es wurde bei US-amerikanischem Artilleriebeschuss im Mai 1945 stark beschädigt, die Ruine später abgerissen.

Im frühen 19. Jahrhundert bestand eine nur sonntags geöffnete Spielbank, die mit ihrem Mindesteinsatz von 8 Groschen vor allem einfache Leute besuchten.[1] Der Betrieb wurde nach dem Glücksspielverbot durch die Paulskirchenversammlung (in Kraft 1. Mai 1849) eingestellt.

In Alexisbad traf sich am 12. Mai 1856 die Gründungsversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure.

Der Bahnhof von Alexisbad.

Die Steine des alten Dorfes nutzte man 1870 zum Bau des Hotels Klostermühle, das ab 1912 auch Strom für Alexisbad lieferte. In der DDR dienten die Anlagen als Ferienheim.

Der Schriftsteller Walter Kempowski beschrieb Alexisbad im Kapitel „Harzreise“ seines Romans „Tadellöser & Wolff“, nannte den Ort jedoch „Sophienbad“. Er beschrieb seine Kindheitserlebnisse während des Sommerurlaubs 1939 in Alexisbad, wo Familie Kempowski im „Offiziersheim“ als Feriengäste wohnte. Dieses „Offiziersheim“ ist erhalten und in einen Hotelkomplex integriert.

Bauwerke

Ein noch heute erhaltenes Teehäuschen (1815) der ehemaligen Herzogin wurde nach deren Ableben zur evangelischen Petrus-Kapelle umgebaut.

Ortsteile

  • Stahlhammer
  • Drahtzug
  • Klostermühle
  • Schneidemühle

Bahnhof

Doppelausfahrt von zwei Dampflokomotiven aus dem Bf Alexisbad

Seit 1887 bildet der Bahnhof Alexisbad den Betriebsmittelpunkt der schmalspurigen Selketalbahn. Hier treffen sich die Strecken von Gernrode, Harzgerode und Hasselfelde.

Auch setzen die Harzer Schmalspurbahnen hier im Gegensatz zur Harzquerbahn keine Dampflokomotiven der Baureihe 99.23–24, sondern viele verschiedene Einzelgänger ein. Ein besonderer Höhepunkt ist eine Doppelausfahrt von zwei Dampflokomotiven, die aber nur noch mit Sonderzügen stattfindet.

Das Bahnhofsgebäude ist nicht mehr in Benutzung und geschlossen.

Vor dem Bahnhof befindet sich ein kleiner Busbahnhof mit vier Bushaltestellen, von denen die Q-Bus Nahverkehrsgesellschaft die größeren Ort und Städte Ballenstedt, Quedlinburg, Harzgerode und Güntersberge erreichbar macht.

Tourismus

Köthener Hütte

Die Wirtschaft des Ortes ist vom Tourismus geprägt. Im Ort bestehen mehrere Hotels, Pensionen und Gaststätten. Wanderwege führen in die nähere landschaftlich schöne Umgebung. Typische Ausflugsziele sind die Verlobungsurne, der Luisentempel und die Köthener Hütte.

Literatur

  • Nils Niklasson: Bericht über eine Ausgrabung auf dem Gelände des früheren Klosters Hagenrode im Unterharz, in: Anhaltische Geschichtsblätter 13. 1937. S. 81–89

Einzelnachweise

  1. Blaha, Dr. v.; Chabert, Benazet und die Gebrüder Blanc, oder die Geheimnisse des Roulettespiels und der deutschen Spielbanken; Grimma und Leipzig ²[circa 1850]
51.649411.117

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