Alfred Ehrhardt
Alfred-Ehrhardt-Stiftung in Berlin

Alfred Franz Adolf Ehrhardt (* 5. März 1901 in Triptis; † 28. Mai 1984 in Hamburg) war ein deutscher Fotograf und Dokumentarfilmer.

Leben

Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Gera studierte Ehrhardt Musik mit Fachgebiet Orgel am Seminar Weißenfels. In den Zwanziger Jahren trat er als Organist in Norddeutschland auf. Von 1924 bis 1930 arbeitete er als Lehrer für Kunsterziehung, Musik, Gymnastik und Leichtathletik am Landerziehungsheim Gandersheim des Reformpädagogen Max Bondy. Die Schule zog 1929 nach Dahlenburg. Sein Unterricht konzentrierte sich auf das Künstlerisch-Tänzerische mit den Vorbildern Rudolf von Laban und Mary Wigman. 1926/27 fertigte er außerdem die Malereien in der Krypta der Klosterkirche Lamspringe an, die in der Zeit des Nationalsozialismus übermalt wurden und nach dreijähriger Restaurierung (2007-2010) wieder besichtigt werden können.

1928/29 studierte er, beurlaubt vom Schuldienst, am Dessauer Bauhaus bei Josef Albers und Oskar Schlemmer. Er entwickelte eine Freundschaft mit Wassili Kandinski. Im Oktober 1930 berief Max Sauerlandt Ehrhardt an die Landeskunstschule Hamburg, die im Sinne des Bauhauses reformiert werden sollte, als Dozent für Materialstudien. 1931 zeigte der Kunstverein Hamburg eine Ausstellung seiner Gemälde, Zeichnungen und Drucke, die einzige zu Ehrhardts Lebzeiten. Er heiratete erstmals, die Tochter einer Bankiers-Familie. 1932 erschien sein Buch Gestaltungslehre. Die Praxis eines zeitgemäßen Kunst- und Werkunterrichts, außerdem wurde sein erster Sohn geboren. 1933 wurde Ehrhardt entlassen, da seine Bauhaus-Nähe von den Nationalsozialisten als kulturbolschewistisch eingestuft wurde. Seine Ehe scheiterte und er wechselte als Dozent an eine dänische Kunstschule. 1934 fand er eine Stelle als Organist und Chorleiter in Cuxhaven; er unternahm dort erste Foto-Exkursionen ins Watt zwischen Scharhörn und Neuwerk, später auch in die Kurische Nehrung. Aus diesen Fotografien zeigte der Kunstgewerbe-Verein Hamburg 1936 und 1937 in mehreren Ausstellungen über 100 Exponate; die Ausstellungen wurden in mehreren deutschen Städten gezeigt, später auch in London, Paris, Stockholm und Kopenhagen. Der Hamburgische Staat kaufte einige der Werke und der erste von bis zum Kriegsende 13 Bildbänden erschien.

1937 begann er Dokumentarfilme zu drehen, zunächst über das Wattenmeer, Island, Flandern sowie Böhmen und Mähren im Auftrag staatlicher Stellen. Ehrhardt heiratete 1938 Lieselotte Dannmeyer, 1942 wurde ihr Sohn Jens Ehrhardt, später Vermögensverwalter und Fondsmanager geboren. Nachdem Ehrhardts Hamburger Haus durch die Bombenangriffe zerstört wurde, wohnte er in einem Landhaus des Fabrikanten Georg Hartmann, dessen Kunstsammlung er fotografierte. Er fertigte auch Fotografien des Frankfurts vor der Zerstörung durch alliierte Bombenangriffe für dessen Bildband Alt-Frankfurt. 1948 gründete er die Filmproduktion Alfred-Ehrhardt-Film, sein erster Dokumentarfilm über den Bordesholmer Altar war auf der Biennale Venedig erfolgreich. Bis 1974 fertigte er weitere etwa sechzig Dokumentarfilme, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden; alleine viermal erhielt er einen Bundesfilmpreis:

  • 1951: Goldener Pokal für Ernst Barlach Teil 1 als besonders wertvoller Kulturfilm
  • 1952: Silberne Schale für Spiel der Spiralen als wertvollster Kultur- und Dokumentarfilm
  • 1953: Regiepreis in Silber für Portugal als weiterer besonders wertvoller Kulturfilm
  • 1954: Lobende Anerkennung mit Urkunde für ihn als Produzent und Regisseur von Schicksal und Vermächtnis

Sein Sohn Jens Ehrhardt gründete die Alfred Ehrhardt Stiftung, die sich der Erforschung seines Nachlasses und der Vermittlung seines Werkes durch Ausstellungen und Publikationen widmet. Bis 2009 hatte die Stiftung ihr Domizil im Kölner Forum für Fotografie. Im Februar 2010 ist die Stiftung nach Berlin umgezogen.

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