Alfred Gulden

Alfred Gulden (* 25. Januar 1944 in Saarlouis-Roden) ist ein freier deutscher Schriftsteller, Dramatiker, Lieder- und Filmemacher.

Alfred Gulden vor der Ludwigskirche in Saarbrücken

Inhaltsverzeichnis

Leben

Seine schulische Ausbildung erfuhr Gulden in Saarlouis und ab 1959 in Bischöflichem Konvikt und Regino-Schule in Prüm (Eifel), wo er 1964 sein Abitur ablegte. Danach studierte er Sprechwissenschaft, Theaterwissenschaft und Neuere Germanistik an den Universitäten in Saarbrücken und München. Nach einigen Jahren Unterbrechung nahm er 1970 das Studium in München wieder auf und legte 1972 sein Examen als geprüfter Sprecherzieher ab.

Mitte bis Ende der sechziger Jahre führte Gulden Regie und spielte in diversen Münchnern Kellertheatern u.a. Eugène Ionesco, Edward Albee, John M. Synge und Peter Handke. 1968 gründete er dort eine avantgardistische Theatergruppe "Vorgänge/Vorstellungen". 1969 rief er mit Freunden "Aktionsraum 1" ins Leben, eine Halle für Aktions- und Konzeptkunst sowie für "Arte Povera" in München, die ein Jahr später, nach über 50 Veranstaltungen, aufgegeben wurde. Ende 1970 begründete Gulden in München eine Wohn- und Arbeitsgemeinschaft mit, "A1 Informationen", die eine Druckerei und einen Verlag betrieb. Dort war er in den folgenden zehn Jahren beruflich tätig. Gleichzeitig arbeitete er immer wieder an künstlerischen Projekten mit; so realisierte er u.a. 1975 die "24-Stunden-Aktion" des österreichischen Künstlers Hermann Nitsch, dem wohl wichtigsten Vertreter des "Wiener Aktionismus" (und auch 1998 dessen 6-Tage-Spiel in Prinzendorf).

Gulden war in erster Ehe mit der Amerikanerin Karen Bunjer verheiratet. In München lernte er seine spätere Ehefrau Karin Hubach kennen.

Künstlerische Einordnung

Das Werk Alfred Guldens ist geprägt von dem Spannungsfeld zwischen einerseits heimatlicher Verbundenheit, die sich auch in der literarischen Verwendung seines moselfränkischen Dialektes ausdrückt, und andererseits seiner Weltläufigkeit, die ihn zu längeren Aufenthalten an zahlreichen Orten dieser Welt führte. Er bereiste einige Male die USA (erstmals 1967), mit seinem Roman "Greyhound" (Greyhound Lines) gelang ihm der literarische Durchbruch. In diesem Roman setzt sich Gulden mit dem "American Dream" auseinander, an dessen Inhalten und Ausformungen er sich -mit dem fremden Blick und den Erfahrungen eines Zentraleuropäers- intensiv reibt.

Die Mundart ist für Gulden nicht zweitrangig, sie verfügt für ihn über hochdifferenzierte sprachliche Ausdrucksmöglichkeiten. Eine weitere Besonderheit Guldens liegt in der Eigenwilligkeit seiner Sprache: mit gewagten Sprachexperimenten und in seiner Mundart-Lyrik mit oft sozialkritischem Hintergrund löckt der streitbare Autor häufig wider den Stachel.

Einen hervorgehobenen Platz in Guldens Schaffen nehmen seine Film- und Hörfunkarbeiten ein. Für etliche ARD-Sender, insbesondere für seinen Heimatsender, -Saarländischer Rundfunk- produzierte er im Laufe von Jahrzehnten ein bedeutendes Œuvre aus den unterschiedlichsten Genres. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt dabei auf Beschreibungen von Lebensumständen, von Landschaften und Menschenschicksalen in seinem ihm vertrauten Lebensumfeld, der Großregion (Lothringen - Luxemburg - Saarland - Wallonien - Rheinland-Pfalz.)

Neben seinem literarischen und filmischen Schaffen betätigt sich Gulden auch als Liedermacher (Musiker und Sänger ); seine Liedtexte schreibt er überwiegend in heimatlicher Mundart. Gulden ist Mitglied im Netzwerk Neue Musik.

Er lebt im saarländischen Wallerfangen und in München.

Preise und Ehrungen

Romane / Gedichtbände

  • Saarlouis Blues. Übersetzung Pierre Leclere. Blieskastel: Gollenstein Verlag, o.J. ISBN 3-935731-14-0
  • Lou mol lo lo laida. Gedichte im Saarlouis-Rodener Dialekt. Mit Fotos von Hans Schork und Michael Nägel. Rothenburg o.d. Tauber: J. P. Peter, 1975. 72 S. mit Schallplatte
  • Root Hòòa un Summaschpròssen. Eine Geschichte in saarländischem Dialekt (Kinderbuch). Mit 11 Bildern von Renate Fürst. Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei & Verl., 1976. 32 S.
  • Naischt wii Firz em Kòpp. Gedichte im saarländischen Dialekt. Rothenburg o.d. Tauber, J.P.Peter-Verl., 1977. (mit Schallplatte)
Neu aufgelegt u. mit Fotos versehen. Blieskastel: Gollenstein, 2003. ISBN 3-935731-41-8
  • Auf dem großen Markt. Erzählungen von einem Ort an der Grenze. Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei & Verl., 1977. 83 S. ISBN 3921646030
  • Da eewich Widdaschpruch. Mundartgedichte. Saarbrücken: Saarbr. Druckerei & Verl., 1978. 96 S. ISBN 3921646049
  • Saarlouis 300 - Historische Revue. Saarbrücken, Saarbrücker Druckerei & Verlag 1980. 107 S.
  • Et es neme wiit freja wòòa. Mundartgedichte und Lieder. Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei & Verlag, 1981. 117 S.
  • Nur auf der Grenze bin ich zu Haus. Aufsätze. Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei & Verl., 1982. 160 S.
  • Greyhound. Roman. München: List, 1982. 222 S. ISBN 3471776311
  • Die Leidinger Hochzeit. München: Paul List, 1984. 210 S. ISBN 3-471-77642-7
  • Vis á vis ma. Gedichte im saarländischen Dialekt. Krefeld: van Acken, 1987. 79 S. mit Schallplatte (Dichten im Dialekt; Bd. 1)
  • Ohnehaus. München: Paul List, 1991. 163 S. ISBN 3471776648
  • Silvertowers. Geschichten aus New York. München: List, 1993. 153 S. ISBN 3471776745
  • Fall tot um - Foutu á mort. Gedichte - Poèmes von Alfred Gulden. Zeichnungen - Dessins von Samuel Rachl. Saarbrücken: Saarlandmuseum, 2000. 40 S., mit zahlr. Abb. in Farbe u. s/w
  • Sans toit. [Übersetzung von "Ohnehaus" ins Französische]. Paris: L'Harmattan, 2003.
  • Dreimal Amerika. Ein Sammelband. [Vereint "Greyhound", "Silvertowers" u. das Drehbuch zu "A Coney Island of my heart"] St. Ingbert: Röhrig-Universitätsverlag, 2004. 377 S. ISBN 3861103532
  • Zwischen Welt und Winkel. Alfred Guldens Werk- u. Lesebuch. Hrsg.: Günter Scholdt. St. Ingbert: Röhrig Univers.Verl., 2004. 308 S., zahlr. Ill. (Schriften der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek ; 8) ISBN 3-86110-352-4
  • Frau am Fenster und andere Geschichten. Blieskastel: Gollenstein-Verl., 2005. 187 S. ISBN 3935731965
  • "Glück auf: ins Gebirg". Gedichte. Ill.: Samuel Rachl. 2007.

Sonstige Veröffentlichungen

  • Gulden, Alfred / Keller, Peter C.: Saarland [Fotoband]. München: Bucher, 1962. 158 S
  • Gulden, Alfred / Baus, Peter: Der Saargau - Reise in die nächste Fremde. [Bildband]. Mit einem Vorwort von Fred Oberhauser. München: List, 1985. 107 S. ISBN 3471776400
  • Gulden, Alfred/Keller, Peter C.: Saarland. Mit zahlr. farbigen Photographien von Detlef Ihlenfeldt. München: Bucher, 1993. 159 S.
  • Gulden, Alfred / Baus, Peter: Der Saargau. Die wiederentdeckte Nähe. Mit einem Vorwort von Oskar Lafontaine. Homburg: Edition Karlsberg, 1996. 107 S., mit zahlr. Farb-Photographien
  • Onna de langk Bääm [Unter den langen Bäumen]. Lieder und Liedgeschichten. Blieskastel: Gollenstein, 2000. 352 S.
  • Im Juni 2007 wurde von der saarländischen Landesregierung (Chef der Staatskanzlei und Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft) ein Kompendium mit 26 Einzelporträts der Preisträger des Kunstpreises des Saarlandes 1959 - 2006 herausgegeben. Autor der Porträts ist der saarländische Schriftsteller, Dramatiker, Lieder- und Filmemacher Alfred Gulden. Die 26 Porträts sind in einem Schober enthalten. Das Kompendium dient der saarländischen Landesregierung als offizielle Ehrengabe, es ist nicht im Buchhandel erschienen.

Filme (Auswahl)

  • Aktionsraum 1 oder 57 Blindenhunde (1972, WDR)
  • Jeder hat sein Nest im Kopf - Wiederbegegnungen mit Saarlouis (1983, BR)
  • Grenzlandschaft [5 Filme] (1983, SWF)
  • JoHo [d.i. Johannes Hoffmann]. Ein Portrait (1985, SR)
  • Schang heißt Jean heißt Hans. Ein saarländischer Balanceakt. (1991, SR)
  • A Coney Island Of My Heart - Eine Geschichte aus New York (1991)
  • Jo Goldenberg. Ein Schicksal in Paris. (1995, SR)
  • Franz von Papen im Saarland (1997, SR)
  • Kurzfilmreihe "Saarländische Momente" (1997 - 2002, SR)
  • Glück im Unglück. Die Geschichte der Madame Carrive. (1999, BR)

Theaterstücke

  • Naatschicht. Theaterstück. Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei & Verlag, 1979.
  • Saarlouis 300. Theaterstück zur 300-Jahrfeier der Stadt Saarlouis. Saarbrücken: Saarbrücker Druckerei & Verlag, 1980.
  • Splitter im Aug. Uraufführung: Saarländisches Staatstheater, Regie: Lothar Trautmann. Reinbek: Rowohlt-Theater-Verlag, 1984.
  • Mann in Beton. Reinbek: Rowohlt-Theater-Verlag, 1987.
  • Dieses. Kleine. Land. Uraufführung: Saarländisches Staatstheater. Regie: Urs Odermatt. Blieskastel:Gollenstein-Verlag, 2005. ISBN 3-938823-02-X.

Tonträger (Auswahl)

  • Lou mol lo laida (1975)
  • Naischt wii Firz em Kòpp (1977)
  • Lidda fo all Fäll (1977)
  • Aich han de Flämm (1979)
  • Et es nemme wiit freja wòòa (1981)
  • Poway (1987)
  • Vis à vis ma (1987)
  • Da eewich Widdaschpruch (1997)
  • Falltotum (2000)
  • Die Leidinger Hochzeit (Hörbuch auf 6 CDs) (2002)
  • Greyhound (2005)
  • Retour (2006)

Weblinks


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