Alfred Henke
Alfred Henke

Alfred Henke (* 1. März 1868 in Altona; † 24. Februar 1946 in Wannefeld) war ein deutscher Politiker (SPD, USPD).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Besuch der Volksschule in Bremen absolvierte Henke dort eine Ausbildung zum Zigarrenarbeiter. Von 1888 bis 1891 diente er beim 6. westpreußischen Grenadier-Regiment. Anschließend war er wieder in seinem erlernten Beruf tätig. Er gehörte der Tabakarbeitergewerkschaft an und war Delegierter zu deren Kongressen. Von 1900 bis 1919 war er Redakteur der Bremer Bürger-Zeitung. Von 1919 bis 1922 war er Mitarbeiter der Bremer Arbeiter-Zeitung.

Henke war zweimal verheiratet und hatte sechs Kinder. Nach ihm ist die Alfred-Henke-Straße in Bremen benannt.

Partei

Seit Mitte der 1890er Jahre war Henke in der SPD aktiv. Zunächst war er Distriktsvorsitzender in Altona. Ab 1900 arbeitete er bei der sozialdemokratischen Bremer Bürger-Zeitung, bis 1916 als Chefredakteur. Seine Zeitung war ein Kampfblatt der äußersten Linken in der SPD. Regelmäßige Mitarbeiter waren Franz Mehring, Rosa Luxemburg, Karl Radek, Anton Pannekoek und Henriette Roland-Holst. Henke nahm an vielen sozialdemokratischen Parteitagen und internationalen Sozialistenkongressen teil. 1906 bis 1922 war er Mitglied der Bremer Bürgerschaft, 1912 bis 1918 Mitglied des Reichstages.[1]

Zu Beginn seiner politischen Laufbahn befand sich Henke auf der äußersten Linken der SPD. Auf dem SPD-Parteitag in Jena 1913 stimmte er für die Massenstreikresolution von Rosa Luxemburg.

USPD Patei Vorstand am 5. Dez. 1919. Alfred Henke, vorn ganz rechts

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges trat Henke mit der Minderheit der Reichstagsfraktion gegen die Bewilligung der Kriegskredite auf. Gemeinsam mit den Kreditverweigerern im März 1916 aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ausgeschlossen, gehörte Henke der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft an. Der Parteivorstand der SPD schloss den gesamten Sozialdemokratischen Verein Bremen aus der SPD aus. Unter Ausnutzung seiner finanziellen Anteile am Bremer Parteizeitungsunternehmen bemächtigte sich der Parteivorstand der Bremer Bürger-Zeitung. Chefredakteur Henke wurde ausgewechselt, blieb aber Mitglied der Redaktion. 1917 zählte er zu den Begründern der USPD, deren Beirat er bis 1920 angehörte und auf deren Parteitagen 1919 und 1920 er vertreten war.

In der Novemberrevolution war Alfred Henke einer der Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates in der Bremer Räterepublik. Am 14. November 1919 verkündete Henke im Konventssaal der Börse die Übernahme der Macht in Bremen durch den Arbeiter- und Soldatenrat. Als konterrevolutionäre Truppen auf Bremen marschierten, begab sich Henke am Tage vor dem Angriff zu Verhandlungen mit der Reichsregierung nach Berlin. Er kehrte nicht nach Bremen zurück, sondern ging, nachdem die Räterepublik aufgelöst wurde, als Abgeordneter der Nationalversammlung nach Weimar. Hier wurde Henke als Nachfolger Hugo Haases zu einem der beiden Vorsitzenden der Fraktion der USPD gewählt. Henke lehnte die Vereinigung der USPD mit der KPD ab. Er war bis 1922 Mitglied des Beirats der Minderheits-USPD, nahm an deren Parteitagen teil und wurde mit dem Zusammenschluss von SPD und USPD im gleichen Jahr wieder Mitglied der SPD.

Abgeordneter

Henke gehörte von 1906 bis 1922 der Bremischen Bürgerschaft an. Von 1912 bis 1918 vertrat er den Wahlkreis Bremen im Reichstag des Kaiserreiches. 1919/20 gehörte er der Weimarer Nationalversammlung an. Am 10. Juli 1919 sprach er in der Nationalversammlung für den Antrag der USPD, Volksgerichte einzuführen. Er begründete die Forderung damit, dass nur durch Richter, die vom Volk aus seiner Mitte gewählt werden, die Klassenjustiz überwunden werden könnte. Der Antrag wurde jedoch von den anderen Fraktionen abgelehnt. Nach der Ermordung von Hugo Haase wurde er am 25. November 1919 gemeinsam mit Curt Geyer Vorsitzender der USPD-Fraktion in der Nationalversammlung. Anschließend war er bis 1932 erneut Reichstagsabgeordneter.

Öffentliche Ämter

Henke war im November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrats in Bremen und im Januar und Februar 1919 Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten der Bremer Räterepublik.

Von 1922 bis 1933 war Henke hauptamtlicher Stadtrat und Zweiter Bürgermeister von Berlin-Reinickendorf. Nach der „Machtergreifung“ der Nazis wurde er 1933 aus dem Staatsdienst entfernt und zwangspensioniert. Er lebte während der NS-Zeit in Berlin.

In seinem Nachlass in der Friedrich-Ebert-Stiftung finden sich Briefe von u.a. Karl Radek, Franz Mehring, Anton Pannekoek, Philipp Scheidemann, Karl Kautsky, Clara Zetkin, Paul Frölich sowie Manuskripte, Aufzeichnungen, Sammlungen zur Spaltung der SPD im Ersten Weltkrieg und zur Revolution in Bremen 1918–1919.

Einzelnachweise

  1. Kaiserliches Statistisches Amt (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1912. Heft 2. Verlag von Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin 1913, S. 102 (Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 250).

Literatur

  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1. 

Weblinks


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