Alfred Kröner Verlag

Der Alfred Kröner Verlag wurde 1904 gegründet und hat seinen Sitz in Stuttgart. Zum Verlagsprogramm zählen Nachschlagewerke, Schlüsseltexte der Geisteswissenschaften und das Taschenbuchformat.

Inhaltsverzeichnis

Verlagsgeschichte

Vorgeschichte

Die Verlagsgründung geht auf den Stuttgarter Verleger Adolf von Kröner (1836–1911) zurück. Kröner war Inhaber der J. G. Cottaschen Buchhandlung, zu der er 1897 den Architekturverlag Arnold Bergsträsser (Darmstadt) erworben hatte. 1898 hatte er den technisch-naturwissenschaftlichen Teil der Cotta'schen Buchhandlung sowie den Bergsträsser-Verlag seinem Sohn Alfred Kröner (1861–1922) übergeben, der 1903 mit dem Erwerb des Emil Strauß Verlags (Bonn) einen neuen Akzent setzte: er war nun Verleger von Wilhelm Wundt, David Friedrich Strauß oder Emile Durkheim.

Gründung des Alfred Kröner Verlages und Entwicklung unter Kröner

1904 gründete Alfred Kröner in Stuttgart seinen Alfred Kröner Verlag. Sein verlegerisches Interesse an den damals noch wenig bekannten Werken Friedrich Nietzsches führte zum Zerwürfnis mit dem Vater, so dass er 1907 mit seinem jungen Verlag nach Leipzig zog, um dort ungestört die aktuellen Entwicklungen vor allem der Philosophie, Soziologie, Psychologie und Religionskritik in seinem Verlagsprogramm vorzustellen.

1910 erschien als erster Höhepunkt dieses fortan konsequent erweiterten Verlagszweiges Nietzsches Philologica 1866-1877. Es war der erste Band der 1926 abgeschlossenen zwanzigbändigen Nietzsche-Ausgabe, die so genannten Großoktavausgabe. Mit den Beständen des Emil Strauß Verlags hatte Kröner auch dessen »Volksausgabe« übernommen, steifkartonierte Hefte in Großoktav, in der 1899 so populäre Werke wie Ernst Haeckels Welträtsel oder Charles Darwins Abstammungslehre erschienen waren. Kröner ersetzte die billigen, aber kärglich ausgestatteten Broschüren durch blaue Leinenbände in Kleinoktav und führte sie als Kröners Taschenausgabe (KTA) weiter, deren Maße zum Musterformat fast aller Taschenbuchverlage geworden sind.

Mit dieser Taschenausgabe begründete Alfred Kröner die heute noch gültige Firmenphilosophie, Schlüsseltexte der Geistes- und Kulturwissenschaften in soliden und zugleich preisgünstigen Ausgaben einem möglichst breiten Leserkreis zu erschließen. Daneben erschienen allgemein verständliche Gesamtdarstellungen bestimmter Epochen und Themen sowie Wörterbücher, bis heute die drei Grundtypen von Kröners Taschenausgabe. Bis zu seinem Tod 1922 brachte Alfred Kröner 21 Bände heraus.

Entwicklung unter Wilhelm Klemm und dessen Nachfolgern

1922 übernahm der Lyriker Dr. med. Wilhelm Klemm, ein Schwiegersohn Kröners, die Geschäftsführung des Verlags. Er brachte bis zu seinem Berufsverbot im Jahre 1937 wegen »politischer Unzuverlässigkeit« über 100 neue Titel der Taschenausgabe heraus. Klemm setzte neue Akzente durch die Edition literarischer und philosophischer Texte des Mittelalters (Augustinus, Thomas von Aquin) und durch die Herausgabe der philosophisch-ökonomischen Frühschriften von Karl Marx unmittelbar vor Hitlers Machtergreifung.

1937 wurde der Verlag nach Stuttgart zurückverlegt und von Herbert Hoffmann weitergeführt. Bald nach Kriegsende erschien eine Reihe von Werken, die inzwischen hohe Auflagen erzielt haben, wie die Deutsche Literaturgeschichte (Band 196, 1949) von Fritz Martini.

1950 übernahmen die Enkel des Verlagsgründers, Arno Klemm und Walter Kohrs, die Leitung des Verlags, der 1976 in ihren Besitz überging. Sie sahen ihre Hauptaufgabe in der Weiterführung und im planmäßigen Ausbau der Taschenausgabe, die inzwischen nahezu die Bandnummer 500 erreicht hat. Daneben erfolgte der Ausbau des literaturwissenschaftlichen und historischen Programms.

Heutiges Profil

1989 ist mit Dr. Imma Klemm-Ortheil, der Frau von Hanns-Josef Ortheil, die Generation der Urenkel des Verlagsgründers in die Geschäftsführung eingetreten. Ausgebaut wurde besonders der Bereich der Philosophie. Kontinuierlich entwickelt wird seit 1997 die Reihe der Darstellung von Hauptwerken der politischen Theorie, der Geschichtsschreibung, der Soziologie und der Ethnologie. Daneben steht gleichrangig die Pflege der Backlist durch regelmäßig aktualisierte Neuauflagen. Ab 2008 erscheinen Bücher in Großdruck.

Klage gegen die Fernuniversität Hagen

Zum 3. Dezember 2010 verklagte der Verlag die Fernuniversität Hagen wegen Urheberrechtsverletzung.[1] Mit dieser geht der Verlag gegen die Verfügbarmachung von 91 Seiten eines Titels aus dem Verlag über die elektronische Lernplattform der Universität vor.[2] Der Fall ist von wissenschaftspolitischer Bedeutung, da er grundsätzlich die Reichweite der Urheberrechtschranke § 52a UrhG (Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung) thematisiert.

Siehe auch: Handbuch der historischen Stätten

Literatur

  • Verlagschronik. Alfred-Kröner-Verlag Stuttgart : 1904 - 2004. Kröner, Stuttgart 2004, ISBN 3-520-70501-X.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Börsenverein: Urheberrechtsverständnis von Hochschulen gefährdet Zukunft von Lehr- und Fachbüchern, 11. Januar 2011
  2. PDF-Version der Klageschrift

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