Alfred Kubel
Alfred Kubel (links) 1975 mit Bundesratsdirektor Albert Pfitzer

Alfred Kubel (* 25. Mai 1909 in Braunschweig; † 22. Mai 1999 in Bad Pyrmont) war ein deutscher Politiker (SPD), im Jahr 1946 Ministerpräsident von Braunschweig und von 1970 bis 1976 Ministerpräsident von Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Alfred Kubel wurde am 25. Mai 1909 als Sohn eines Klempners und einer Arbeiterin in Braunschweig geboren. Nach dem Besuch der Mittelschule absolvierte er von 1924 bis 1927 sowohl eine kaufmännische Lehre, als auch eine Drogistenlehre in einer Braunschweiger Konservenfabrik. Danach arbeitete er zwei Jahre lang als Handlungsgehilfe im Großhandel. Er kehrte 1929 zu seinem Lehrbetrieb zurück und wurde dort als Industriekaufmann beschäftigt, ehe er 1931 als Hilfsarbeiter zur Firma Voigtländer wechselte. Nachdem er die Prüfung zum Werkmeister bestanden hatte, zog er nach Berlin und arbeitete dort 1933/34 als Handlungsreisender. Anschließend war er als Handlungsbevollmächtigter und Prokurist in der gummiverarbeitenden Industrie tätig.

Kubel war seit 1924 in der sozialistischen Gewerkschaftsbewegung organisiert. 1926 schloss er sich dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK), für den er auch nach 1933 im antifaschistischem Widerstand aktiv war, an. Aufgrund illegaler Aktivitäten wurde er 1937 von der Gestapo verhaftet und anschließend vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. 1944 wurde er zum Volkssturm eingezogen, desertierte aber und tauchte bis zum Kriegsende 1945 unter. Aufgrund erneuter Verfolgung durch die Gestapo gab er Anfang 1945 seine führende Stellung im Gummikonzern auf, um sich der drohenden Verhaftung zu entziehen.

Nach der alliierten Besetzung Westdeutschlands wurde Kubel im April 1945 zum Geschäftsführer der Braunschweig GmbH bestimmt. Zwei Monate später übernahm er als Generaldirektor die Leitung der Deutschen Asphalt AG, der Limmer und Vorwohler Grubenfelder, in Braunschweig, die er bis 1946 innehatte. Von 1955 bis 1957 war er als Leiter der Pressestelle Hannover der Nürnberger Übersee-Post tätig. Er war 1947 Mitbegründer und von 1951 bis 1978 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Messe- und Ausstellungs-AG in Hannover. Außerdem fungierte er von 1977 bis 1985 als Vorsitzender des Kuratoriums des Georg-Eckert-Institutes für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig.

Alfred Kubel war zweimal verheiratet und hatte zwei Töchter aus erster Ehe. Mit seiner zweiten Frau Hilde lebte er seit Anfang der 90er Jahre in einem Seniorenstift in Bad Pyrmont, wo er am 22. Mai 1999 nach langjähriger Krankheit verstarb.

Politik

Kubel trat 1945 in die SPD ein. Er war von 1945 bis 1948 stellvertretender Vorsitzender des SPD-Bezirksverbandes Braunschweig und wurde 1976 Mitglied des Landesausschusses der SPD Niedersachsen. Kubel war von Februar bis November 1946 Mitglied des Ernannten Braunschweigischen Landtages und dort Vorsitzender des Finanzausschusses. Vom 7. Mai bis zum 26. Juni 1946 amtierte er als Präsident des Landtages. Er war 1946/47 Mitglied des Ernannten Niedersächsischen Landtages und wurde anschließend in den Niedersächsischen Landtag gewählt, dem er bis 1955 angehörte. Vom 14. September 1955, als er für den Abgeordneten August Wedekind nachrückte, bis zu seiner Mandatsniederlegung am 2. April 1975 war er erneut Landtagsabgeordneter in Niedersachsen.

Öffentliche Ämter

Kubel wurde am 7. Mai 1946 von der Britischen Militärregierung als Nachfolger von Hubert Schlebusch zum Ministerpräsidenten des Landes Braunschweig ernannt. Dieses Amt hatte er bis zur Auflösung des Landes am 21. November 1946 inne. Nach der Bildung des Landes Niedersachsen wurde er am 9. Dezember 1946 als Wirtschaftsminister in die von Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf geführte Landesregierung berufen. Seit dem 11. Juni 1947 führte er die Amtsbezeichnung Minister für Wirtschaft und Verkehr, nachdem zuvor das Verkehrsministerium aufgelöst und dem Wirtschaftsressort angegliedert worden war. Kubel übernahm am 9. Juni 1948 die Leitung des Ministeriums für Arbeit, Aufbau und Gesundheit, war seit dem 18. September 1950 Minister für Wirtschaft und Arbeit und wechselte am 13. Juni 1951 an die Spitze des Finanzministeriums. Nach der Bildung einer Koalition aus DP, CDU, GB/BHE und FDP schied er am 26. Mai 1955 aus der Landesregierung aus.

Kubel kehrte am 19. November 1957 in die Regierung zurück und wurde von Ministerpräsident Heinrich Hellwege zum Minister für Wirtschaft und Verkehr ernannt. Den von Hinrich Wilhelm Kopf und Georg Diederichs geleiteten Folgeregierungen gehörte er ununterbrochen als Landesminister an. So amtierte er seit dem 12. Mai 1959 als Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, ehe er am 19. Mai 1965 erneut für weitere fünf Jahre die Leitung des Finanzministeriums übernahm. In dieser Funktion war er maßgeblich an der Bildung der Norddeutschen Landesbank beteiligt.

Nach der Landtagswahl 1970, bei der die SPD mit knappem Vorsprung die absolute Mehrheit erzielt hatte, wurde Kubel am 8. Juli 1970 zum Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen gewählt. Daraufhin bildete er eine Alleinregierung aus Sozialdemokraten, die bis zur Landtagswahl 1974 fortbestand. Anschließend regierte er mithilfe einer Sozialliberalen Koalition weiter. Während seiner Amtszeit setzte er sich für die Schaffung des Bund-Länder-Finanzausgleichs ein. Vom 1. November 1974 bis zum 31. Oktober 1975 amtierte er turnusgemäß als Präsident des Deutschen Bundesrates. Kubel plante, wie bereits 1974 angekündigt, einen Generationswechsel im Ministerpräsidentenamt und favorisierte für diesen Posten Finanzminister Helmut Kasimier. Die Koalition verfügte mit 78 Abgeordneten über eine dünne Mehrheit von einer Stimme. Kasimiers Wahl scheiterte an Gegenstimmen aus dem eigenen Lager. Auch im zweiten Wahlgang wurde kein neuer Regierungschef gewählt. Selbst der neuaufgestellte SPD-Kandidat, Bundesbauminister Karl Ravens, konnte sich im dritten Wahlgang nicht gegen den CDU-Kandidaten Ernst Albrecht durchsetzen. Nach der Wahl Albrechts zum Ministerpräsidenten zog sich Kubel sukzessive aus dem politischen Leben zurück.

Ehrungen

Siehe auch

Weblinks


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