Alfred Kunze

Alfred Kunze (* 8. September 1909 in Leipzig; † 19. Juli 1996 ebenda) war deutscher Fußballspieler und Fußballtrainer in der DDR. Er gilt als Vater der „Leutzscher Legende“.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Spieler, Lehrer, Trainer und Soldat (1926–1945)

Alfred Kunze wuchs im Leipziger Stadtteil Stötteritz auf und begann dort auch 1926 seine Fußballkarriere beim Arbeitersportverein VfL Südost Leipzig. Als 24-Jähriger musste er 1933 den Verein wechseln, da die Nationalsozialisten die Arbeitersportvereine verboten hatten. Zusammen mit seinem Bruder ging Alfred Kunze zu Wacker Leipzig, wo er als Läufer bis 1938 aktiv war. Danach beendete ein komplizierter Beinbruch seine Laufbahn als aktiver Fußballspieler. Da er bereits zwischen 1929 und 1933 ein Lehrerstudium absolviert hatte, konnte er eine Tätigkeit als Volksschullehrer aufnehmen. Die Begeisterung zum Fußball ließ ihn jedoch nicht los, und so übernahm er 1940 das Training seines alten Vereins Wacker Leipzig. Diese Tätigkeit musste Kunze bereits 1941 nach der Einberufung zur Wehrmacht aufgeben.

Fußballfachmann in der jungen DDR (1948–1952)

Für Alfred Kunze war der Zweite Weltkrieg erst 1948 zu Ende, als er aus britischer Gefangenschaft entlassen wurde. Er ging in seine Heimatstadt Leipzig zurück und übernahm das Training bei der TSG Leipzig-Stötteritz. Im Juli 1950 berief ihn der Deutsche Sportausschuss, das oberste Sportgremium in der DDR, in den Fachausschuss Fußball. Zwischen 1950 und 1952 war Kunze als Fußballdozent an der Leipziger Sporthochschule DHfK tätig. 1951 betreute Kunze eine DDR-Fußballauswahl in zwei inoffiziellen Länderspielen gegen Polen. Beide Spiele, die zur Vorbereitung des offiziellen Länderspielverkehrs ab 1952 dienten, gingen sowohl in Berlin mit 0:3 als auch in Leipzig mit 1:4 verloren.

Fiasko mit Vorwärts Leipzig/Berlin (1952/53)

1950 war als zentrale Sportgemeinschaft der Volkspolizei die Sportvereinigung VP Leipzig gegründet worden. Später von der Kasernierten Volkspolizei übernommen, sollte die Fußballsektion der SV zu einer DDR-Spitzenmannschaft ausgebaut werden. Dazu wurden im Herbst 1952 sehr zum Unmut des Leipziger Fußballpublikums zahlreiche Spitzenspieler des Lokalrivalen und DDR-Fußballmeisters 1951 Chemie Leipzig abgeworben. Mit Beginn der 2. Halbserie der Spielzeit 1952/53 wurde der bisherige Trainer Heinz Krügel entlassen und durch Alfred Kunze ersetzt. Wenige Wochen später veranlasste die Sportvereinigung Vorwärts, der die inzwischen auf Vorwärts KVP Leipzig umgetaufte Mannschaft unterstand, den Umzug nach Berlin. Bei diesem ganzen Durcheinander gelang es Kunze nicht, eine homogene Mannschaft zu formen, und so musste die Armeemannschaft Vorwärts Berlin aus der höchsten DDR-Fußballklasse Oberliga absteigen.

Erster Erfolg mit Chemie Leipzig (1953–1955)

Nach Leipzig zurückgekehrt, übernahm Kunze mit der Saison 1953/54 die Rumpfmannschaft von Chemie Leipzig, die nach dem Aderlass zugunsten der Armeemannschaft die abgelaufene Spielzeit nur mit Platz 8 beendet hatte. Hier entfachte er zum ersten Mal den Geist von Leutzsch, stachelte den Ehrgeiz der Zurückgebliebenen an und führte die Mannschaft überraschend zur Vizemeisterschaft. Anschließend wurde erneut Unruhe von Außen in die Mannschaft hineingetragen. Die DDR-Sportführung hatte beschlossen, innerhalb der einzelnen zentralen Sportvereinigungen Schwerpunktklubs zu bilden. Für die SV Chemie war der Standort Halle bestimmt worden, und die Leipziger Chemie-Spieler wurden aufgefordert, sich dem neuen SC Chemie Halle-Leuna anzuschließen. Nach einigem Hin- und Her erreichten die Spieler jedoch, beim neuen Leipziger Klub SC Lokomotive Leipzig unterzukommen, wo auch Alfred Kunze wieder das Training übernahm. In dieser Mannschaft fehlten indes frühere Stützen von Chemie Leipzig wie Günter Busch, Heinz Schoppe, Lothar Vetterke und Werner Walter, und so landete Lok Leipzig am Ende der Saison 1954/55 auf dem enttäuschenden 11. Platz, während der neue Lokalrivale SC Rotation Rang 3 erreicht hatte.

Degradierung und Bewährung (1955–1963)

  • (nach einer Übergangsrunde im Herbst 1955 wurde die Spielzeit bis 1960 dem Kalenderjahr angeglichen)

Die Spielvereinigung Lokomotive versetzte daraufhin Alfred Kunze im Sommer 1955 zum Drittligisten Lok Weimar. Kunze führte die Mannschaft binnen eines Jahres in die 1. DDR-Liga. 1957 war Kunze für ein Jahr Trainer des Zweitligisten SC Wissenschaft Halle. Mit Beginn der Spielzeit 1958 durfte Kunze wieder das Training von Lok Leipzig übernehmen. Die Mannschaft war nach einem Zwischenhoch 1956 vom 3. Platz 1957 wieder in die Mittelmäßigkeit zurückgefallen. Gleich im ersten Jahr brachte er das Team bis in das Endspiel des DDR-Pokalwettbewerbes, wo die Elf jedoch dem SC Einheit Dresden mit 1:2 unterlag. Danach dauerte es noch zwei Jahre, ehe Kunze die Mannschaft erneut auf einen dritten Platz in der Oberliga führen konnte. Nach weiteren Platzierung in der oberen Tabellenhälfte wurde Kunzes Mannschaft erneut Opfer strukturellen Änderungen. In Leipzig sollte es mit dem SC Leipzig nur noch einen Fußballklub geben, dem die besten Leipziger Spieler zuzuführen waren. Der nicht förderungswürdige Rest durfte wie zu alten Zeiten mit Trainer Kunze als Betriebssportgemeinschaft Chemie weiterspielen.

Erneut bei Chemie Leipzig (1963–1967)

Alfred Kunze saß so zu Beginn der Saison 1963/64 wieder einmal mit dem Rest von Leipzig da. Und wie schon 1953 gelang es dem Motivator, die angeblich zweitrangige Mannschaft zur Überraschung aller zur DDR-Meisterschaft zu führen. Nach einem 3. Platz 1965 holte Kunze zu einem weiteren Paukenschlag aus und holte mit Chemie Leipzig am 30. April 1966 durch einen 1:0-Sieg über Lok Stendal den DDR-Fußballpokal. Unter seiner Obhut wurde Manfred Walter zu einem der besten Abwehrspieler seiner Zeit, der 16 Mal in die DDR-Nationalmannschaft berufen wurde. Bernd Bauchspieß erlebte unter Alfred Kunze seine beste Zeit, in der er u. a. 1965 Torschützenkönig der DDR-Oberliga wurde. Beide Spieler gewannen zusammen mit ihrem Mannschaftskollegen Klaus Lisiewicz die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 1964. Seine Erfolge machten Kunze auch über die DDR-Grenzen hinaus bekannt, der TUS Bremerhaven und Tunesien trugen ihm Angebote vor, die er jedoch aus politischen bzw. gesundheitlichen Gründen nicht annehmen konnte. Derweil machte sich die untergeordnete Rolle einer Betriebssportgemeinschaft bei Chemie Leipzig immer deutlicher bemerkbar, der Zufluss talentierte Spieler stagnierte und am Ende der Saison 1966/67 fand sich die Mannschaft auf Rang 12 der Oberligatabelle wieder. Kunze erkannte die Zeichen der Zeit und legte aus freien Stücken das Traineramt nieder.

Der Fußball-Theoretiker (1967–1976)

Der DDR-Fußballverband nahm die Gelegenheit wahr, sich der Dienste des ausgewiesenen Fußball-Fachmanns zu vergewissern und setzte Kunze als Dozent im Wissenschaftlichen Zentrum des DFV ein. Neben seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte Kunze 1977 das Lehrbuch „Fußball“, erarbeitete Lehr- und Ausbildungsprogramme und fungierte in Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft 1974 als Beobachter für die DDR-Nationalmannschaft. 1976 ging Alfred Kunze in den Ruhestand.

Trainerstationen im Überblick

1953 Vorwärts Leipzig/Berlin
1953 - 1955 BSG Chemie / SC Lok Leipzig
1955 - 1956 BSG Lok Weimar
1957 SC Wissenschaft Halle
1958 - 1963 SC Lok Leipzig
1963 - 1967 BSG Chemie Leipzig

Alfred-Kunze-Sportpark (1992)

Noch zu seinen Lebzeiten wurde Alfred Kunze ein Denkmal besonderer Art gesetzt. In Gedenken an seine spektakulären Erfolge wurde am 27. Mai 1992 der Leutzscher Georg-Schwarz-Sportpark, Kunzes langjährige Wirkungsstätte, in Alfred-Kunze-Sportpark umbenannt. Bis 2004 war das Stadion Spielstätte des FC Sachsen Leipzig, dem Nachfolgeverein der BSG Chemie. Nach dem Neubau des größeren Zentralstadions trug die 1. Männermannschaft ihre Heimspiele dort aus, im Alfred-Kunze-Sportpark spielten nur noch die Nachwuchsmannschaften.

Der FC Sachsen Leipzig trug von der Saison 2009/2010 bis zur Insolvenz 2011 seine Heimspiele, mit Ausnahme so genannter „Risikospiele“, wieder im Alfred-Kunze-Sportpark aus.

Werke

Fußball: Ein Lehrbuch für Trainer, Übungsleiter und Aktive. 2. Auflage, Sportverlag, Berlin 1981, ISBN 3328000356.


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