Alfred Landé

Alfred Landé (* 13. Dezember 1888 in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal); † 30. Oktober 1976 in Columbus, Ohio) war ein deutscher Physiker. Er arbeitete auf dem Gebiet der Quantentheorie und Spektroskopie und entdeckte 1921 den Landé-Faktor.

Leben

Landé stammte aus einem gutbürgerlichen Elternhaus, sein Vater war unter anderem stellvertretender Regierungspräsident in Düsseldorf. Mit fünf Jahren begann er Klavier zu spielen und setzte seine Ausbildung an diesem Instrument bis zu seinem 18. Lebensjahr fort. Auch im naturwissenschaftlichen Bereich sehr begabt, begann er 1908 sein Studium der Mathematik und Physik in Marburg, später in München und Göttingen.

Im Jahre 1913 wurde Landé Assistent von David Hilbert in Göttingen und promovierte 1914. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges verbrachte er einige Jahre als Rot-Kreuz-Helfer an der Ostfront, später in einer wissenschaftliche Sektion, der Artillerieprüfungskommission, die unter der Leitung von Rudolf Ladenburg stand. Anfang November 1918 gelang es ihm und anderen Physikern nachzuweisen, dass nicht alle Elektronenbahnen in Atomen, wie die Planetenbahnen, in einer Ebene verlaufen. Ein Forschungsergebnis, das damals eine Sensation war.

Bis 1925 beschäftigte er sich weiterhin intensiv mit der räumlichen Struktur des Atoms, aber wandte sich 1919 verstärkt der Spektroskopie zu.

Seit 1919 als Privatdozent tätig, übersiedelte er erst 1920/1921 ganz nach Frankfurt am Main. 1922 heiratete er Elisbeth Grünwald, mit der er zwei Söhne hatte. In seiner Frankfurter Zeit entwickelte er die LANDÉsche g-Formel oder Landé-Faktor – einen großen Durchbruch in der Quantentheorie. Im Herbst 1922 wurde er als Extraordinarius nach Tübingen berufen.

Ab 1925-26 begann er sich mit der Quantentheorie der Strahlung, Lichtkohärenz sowie spontaner und induzierter Emission zu beschäftigen. Im Herbstsemester 1929 wurde Landé an die Ohio State University in Columbus eingeladen, um eine Reihe von Vorlesungen zu halten.

Nach einem zweiten Aufenthalt 1930/31 beschloss er sich in den USA niederzulassen und widmete sich fortan vorrangig der Lehre und der Niederschrift von Lehrbüchern. Nach 1954 aber greift er wieder intensiv das Problem der Begründung und Interpretation der Quantentheorie auf, deren vorherrschende Interpretation er bis zu seinem Tod immer wieder in Frage stellte.

Literatur

  • Paul Forman Alfred Landé and the anomalous Zeeman Effect, 1919-1921. Historical Studies in the Physical Sciences, Bd. 2, 1970, S. 153–261.

Weblinks


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