Alfred Nourney

Alfred Nourney auch bekannt als Baron Alfred von Drachstedt (* 26. Februar 1892 in Nimwegen, Niederlande; † 15. November 1972 in Köln, Deutschland) war ein Passagier der 1. Klasse der Titanic.

Leben

Nourney, Sohn einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters, zählt zu einem der exzentrischsten Charakter der Jungfernfahrt der Titanic. Der 20-Jährige buchte zunächst eine Fahrkarte der 2. Klasse, und betrat am 10. April 1912 in Cherbourg das Schiff. Dennoch ging er kurz darauf zum Zahlmeister, und bat ihn, in die 1. Klasse aufgebucht zu werden. Mit einem Aufpreis von £ 38,00 war dies möglich, und Nourney bezog Kabine D38. Dies mag weniger bedeutsam sein, es sei denn, man berücksichtigt, dass Nourney nun eine neue Identität annahm, und sich Baron Alfred von Drachstedt nannte. Nun wurde er strafbar, denn nach dem Untergang distanzierte sich die wahre Adelsfamilie der von Drachstedts von Nourney. Nur knapp entging Nourney einer Anzeige.

Nourney machte dies nicht wegen Prestigegründen, auch fand er die zweite Klasse nicht passend; Nourney war professioneller Glücksspieler, der nun unter den wohlhabenden Fahrgästen der 1. Klasse die Chance auf viel Geld hoffte. Um sich auf diese „Rolle“ vorzubereiten, hatte er um rund $ 2.130,00 Schmuck, Spazierstöcke, Anzüge und sonstige Sachen gekauft. Dass er dabei sehr geschickt und vor allem schnell vorgegangen sein muss, darauf lässt eine Postkarte schließen, die er am zweiten Tag der Reise von Queenstown aus, seiner Mutter, Adele Wolff, in Köln schickte:

Liebe Mutter, Ich bin so glücklich auf meiner ersten Klasse! Ich kenne schon sehr nette Leute! Einen Brillantenkönig! Mister Astor einer der reichsten Amerikaner ist an Bord! Tausend Küsse, Alfred

Auf der Reise schickte Nourney zwei Funksprüche an Land, die am 13. April, beide um 22.20 Uhr abgesandt wurden:

  1. Wolff Sachsenring Cöln: Drahtlosen Grus. [ sic ]
  2. Jarkonska Rothgerberbach Cöln: Drahtlosen Kuss in liebe Alfred. [ sic ]

Während der erste Funkspruch an seine Mutter gerichtet war, ging der zweite an eine Frau Jarkonska, die Nourneys Freundin gewesen sein soll.

In der Nacht des Untergangs spielte er gerade mit zwei einflussreichen Männern, William B. Greenfield und Henry Blank im Rauchsalon Karten, als die Kollision mit dem Eisberg erfolgte. Nourney selbst, wie auch die beiden Männer konnten um 0:45 Uhr in Rettungsboot 7, dem ersten Boot, das in der Nacht zu Wasser gelassen wurde, entkommen.

Nun zeigte sich Nourneys wahres Gesicht. Er trug, vermutlich als einziger Passagier der Ersten Klasse einen Revolver bei sich, um, wenn es Probleme gegeben hätte, mit Gewalt Zugang zu einem der Boote zu bekommen. An Bord der RMS Carpathia gönnte er sich teilnahmslos ein Frühstück, und zog sich in den Raucherraum zurück, um sich hier auf einem Stapel Bettdecken, der für die Überlebenden gedacht war, gemütlich niederzulassen. Einige Frauen jedoch vertrieben ihn. Ein Telegramm, das er an seine Mutter senden wollte, blieb aufgrund der Funksprüche, die Harold Cottam, der Funker der Carpathia und Harold Bride, überlebender Funker der Titanic zu meistern hatten, ungesendet.

Wolff, Cöln Sachsenring: Titanic gesunken! Gerettet an Bord von Carpathia. Cunard Line. Vollständig mittel und kleiderlos. Alfred. [ sic ]

Nourney verlor all seine Habe, und zusätzlich 750 Mark in jener Nacht. Nur einige Mark hatte er bei sich, als er in New York City ankam. Darum kehrte er wenige Wochen später auf einem Schiff nach Europa zurück; er ließ sich zunächst in Paris und später in Bad Honnef nieder. Nourney wurde Vertreter bei Daimler-Benz, und in den 30ern Teilnehmer bei Motorsportrennen. Auch war er Mitglied im Tennisclub „Rot-Weiß“ von Bad Honnef. Er heiratete und hatte zwei Töchter.

In den 60er Jahren wurde er vom Süddeutschen Rundfunk über seine Erfahrungen auf der Titanic interviewt. Das Geräusch von 1500 ertrinkenden Menschen beschrieb er als eindringliche Sirene.

Alfred Nourney starb im Alter von 80 Jahren in Köln.


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