Guaman Poma de Ayala
Waman Puma de Ayala, Selbstporträt, beim Aufzeichnen von Geschichten der Bewohner Perus. Die unterschiedlichen Gewänder weisen darauf hin, dass sie aus verschieden Regionen und Bevölkerungsschichtenstammen.

Felipe Waman Puma de Ayala, auch Guaman Poma de Ayala (* 1534 oder um 1550 in San Cristóbal de Suntuntu, heutige Provinz Lucanas im Departement Ayacucho; † um 1615) war ein Schriftsteller indigener (Quechua-) Herkunft im heutigen Peru. Sein Werk "Nueva Corónica y buen gobierno", verfasst auf Spanisch und zum kleineren Teil Quechua, ist eine ausführliche Darstellung des Lebens der Inka sowie der Conquista, der Eroberung durch die Spanier.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Geburtsjahr

Felipe Guaman Poma de Ayala, auch einfach bekannt als Waman Puma, war Sohn einer adligen Familie aus der peruanischen Provinz Huamanga (Ayacucho) und sprach Quechua als Muttersprache. Als Kind oder Jugendlicher lernte er die spanische Sprache, in welcher er auch das Lesen und Schreiben erlernte. In seinem Manuskript von 1615 beschrieb er sich als "achtzig Jahre alt", woher auf das Geburtsjahr 1535 geschlossen wird, mitten in der Zeit der Eroberung Perus durch die Spanier. Möglicherweise diente die Zahl achtzig lediglich als Metapher für hohes Alter, denn viele andere Stellen in seinem Text weisen eher auf ein Geburtsjahr um 1550 hin.

Kampf um sein eigenes Hab und Gut

Eine Reihe von Urkunden aus dem 16. Jahrhundert zeigt, dass Waman Puma in den siebziger Jahren spanischen Priestern als Übersetzer für Spanisch und Quechua diente in deren Kampagne zur "Ausrottung des Götzendienstes" in ländlichen Regionen Perus. Waman Puma taucht selbst in einigen Klageschriften aus den späten neunziger Jahren als Kläger auf, wobei er mit der Begründung seiner Abstammung versuchte, Land und ein politisches Amt im Chupas-Tal zurückzuerlangen. Er verlor jedoch sämtliche Prozesse. Darüber hinaus wurde 1600 seine gesamte Habe enteignet, und er musste die Orte verlassen, die er vorher als indianischer Adliger regiert hatte.

Waman Pumas Hauptwerk: die Chronik

Waman Puma war desillusioniert über die Behandlung der einheimischen Bevölkerung der Anden durch die spanische Kolonialmacht nach der Eroberung (Conquista). Sein großes Werk, El primer nueva corónica y buen gobierno ("Die erste neue Chronik und gute Regierung"), das fast 1200 Seiten umfasst, ist die längste nachhaltige Kritik an der spanischen Kolonialherrschaft überhaupt von einem indianischen Autor während der Kolonialzeit. Die zwischen 1600 und 1615 geschriebene Chronik richtet sich an den König Philipp III. von Spanien, dem sie die Ungerechtigkeiten der Kolonialherrschaft darstellt, und bezeichnet die Spanier als fremde Siedler in Peru: "Es ist unser Land, denn Gott hat es uns gegeben."

Die Chronik ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert, zum einen im Hinblick auf die geschickte Kombination von Texten mit Zeichnungen (398 Seiten bestehen aus ganzseitigen Zeichnungen), zum anderen, weil hier ein Adliger aus einem von den Inkas unterworfenen Volk die Conquista beurteilt (während die meisten anderen aus der Kolonialzeit überlieferten Meinungsäußerungen Einheimischer vom Adel aus der Inkahauptstadt Cusco stammen), drittens schließlich, weil der Autor viele Wörter und Phrasen aus seiner Muttersprache Quechua in seinem ansonsten auf Spanisch geschriebenen Werk verwendet. Sie ist der einzige erhaltene Text mit Abbildungen des Lebens der Inkas vor der Eroberung durch die Spanier und ist darum eine unschätzbare Quelle für Historiker, Archäologen und Anthropologen.

Das Original der Chronik wird mindestens seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts in der Dänischen Königlichen Bibliothek aufbewahrt, ist jedoch erst seit 1908 öffentlich zugänglich. Eine Faksimile-Ausgabe in Paris gibt es seit 1936. 1980 veröffentlichten John Murra, Rolena Adorno und Jorge Urioste eine gründliche Transkription des Textes in Mexiko-Stadt. Seit 2000 gibt es die digitale Ausgabe der Dänischen Königlichen Bibliothek.

Bedeutung und Schreibweise des Namens

Der Name Waman Puma (in moderner Quechua-Rechtschreibung) bedeutet auf Quechua "Falke Puma". In spanischer Orthographie wird er traditionell Guaman Poma geschrieben, aber auch Guamán Poma (dies mit einer falschen, spanisch beeinflussten Endbetonung; richtig ist die Betonung auf der ersten Silbe). Er selbst benutzte seinen Quechua-Namen immer in Verbindung mit seinem spanischen Taufnamen Felipe (Phelipe) und dem Familiennamen eines verschwägerten spanischen Conquistadors, Luis Ávalos de Ayala. Waman Puma schreibt in seinem Buch über die Symbolik all seiner Namen.

Siehe auch

Werke

  • El primer nueva corónica y buen gobierno (1615)

Literatur

  • John Murra, Rolena Adorno, Jorge Urioste: Felipe Guaman Poma de Ayala, Nueva crónica y buen gobierno. Siglo XXI, Ciudad de México 1980, ISBN 84-7679-054-6
  • Felipe Guamán Poma de Ayala: Die Neue Chronik und gute Regierung / El Primer Nueva Corónica Y Buen Gobierno. Faksimileausgabe und Übersetzung, Hrsg. v. Ursula Thiemer-Sachse, übersetzt von Ulrich Kunzmann, Verlag Karsten Worm Infosoftware, ISBN 3-932094-41-7 (private Nutzung), ISBN 3-932094-42-5 (institutionelle Nutzung)
  • Ib Michael, Paven af Indien, Kopenhagen 2003 (deutsche Übersetzung: Der Pabst von Indien) (historischer Roman über Felipe Guamán Poma de Ayala mit magischem Realismus-Einschlag)

Weblinks


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