Alfred Richard Meyer

Alfred Richard Meyer oder Munkepunke (* 4. August 1882 in Schwerin; † 9. Januar 1956 in Lübeck) war ein deutscher Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Munkepunke pflegte die Lebensart des Bohemien, er war Gastrosoph, Gourmet und kulinarischer Experte aller lesbaren, eßbaren und trinkbaren Genüsse, außerdem Autor und Conferencier beim Berliner Kabarett „Schall und Rauch“, Lyriker und insbesondere hierbei Wortakrobat, hochgebildeter Bücherwurm, Anhänger des Nacktbadens, Erzähler, antiquarischer Sammler und Verleger – hierbei trat er vor allem als erfolgreicher Entdecker, Herausgeber und Förderer vieler frühexpressionistischer Dichter hervor, wie etwa bei Heinrich Lautensack (Gesammelte Gedichte/1910), Paul Zech (Waldpastelle/1910), Gottfried Benn (Morgue und andere Gedichte/1912), Rudolf Leonhard (Angelische Strophen/1913), Else Lasker-Schüler (Hebräische Balladen/1913), Alfred Lichtenstein (Die Dämmerung/1913) oder Iwan Goll (Der Panama-Kanal/1914). Alle genannten Autoren vertrauten ihre Erstveröffentlichungen Meyer an.

Bereits 1912 stieß Munkepunke weit nach vorn in die Moderne mit F.-T. Marinettis „Futuristische Dichtungen“ (die erste und einzige deutsche Übersetzung Marinettis) und 1913 mit Apollinaires „Zone“ (in Deutschland die erste Apollinaire-Übersetzung).

In Alfred Richard Meyers Verlag in Berlin-Wilmersdorf erschienen nach dem Ersten Weltkrieg auch die ersten drei Gedichtbände, die Joachim Ringelnatz herausgab: Turngedichte, gefolgt von Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid (beide 1920) und Die gebatikte Schusterpastete von 1921. In der Zeit von 1930 bis 1945 war er Geschäftsführer der Notgemeinschaft des deutschen Schrifttums.[1]

Im Oktober 1933 gehörte Meyer zu den 88 Schriftstellern, die das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler unterzeichneten.[1] 1934 war er zusammen mit anderen Literaten wie Georg Harro-Schaeff-Scheefen und Adalbert Jakob bei den Gründern der Max Dauthendey-Gesellschaft in Würzburg. Seit 1935 leitete er die Fachschaft Lyrik in der Reichsschrifttumskammer, seit 1936 war er zusätzlich Referent der in der Reichsschrifttumskammer erfassten Schriftsteller. 1937 trat er der NSDAP bei.[1]

Nachdem seine Berliner Wohnung mitsamt der Bibliothek in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs ausgebrannt war, schlug er sich von Berlin aus nach Lübeck durch, wo er die letzten Lebensjahre verbrachte. Mit seinen in der Nachkriegszeit entstandenen Werken hatte er keinen Erfolg mehr.

Rezeption

Nach Kriegsende wurde Munkepunke Schrift Soldatenbriefe großer Männer (1941) in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[2]

Vom September bis Oktober 2006 fand im Till Eulenspiegel Museum Schöppenstedt bei Braunschweig anlässlich des 50. Todesjahres des Dichters und Verlegers eine Gedenksonderausstellung zum Thema Munkepunke statt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945, S. Fischer, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-10-039326-5, S. 408.
  2. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-m.html

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