Alfred Saupe
Alfred Saupe.

Alfred Saupe (* 14. Februar 1925 in Badenweiler; † 3. August 2008 ebenda) war ein deutscher Physiker, der grundlegende Arbeiten auf dem Gebiet der Flüssigkristalle leistete.

Saupe, Sohn eines Badenweiler Hoteliers, besuchte die Grundschule in Badenweiler und anschließend das Gymnasium in Müllheim. 1943, im vorletzten Schuljahr, wurde er zunächst zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, kam später zur Luftwaffe und schließlich zu den Fallschirmjägern. Januar 1945 gelangte er in den Niederlanden in britische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung 1948 absolvierte er 1949 das Abitur am Freiburger Berthold-Gymnasium und begann ein Physikstudium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Sowohl seine Diplom- als auch seine Doktorarbeit fertigte Saupe in der Flüssigkristallgruppe von Wilhelm Maier an. In dieser Zeit entstand seine grundlegende Arbeit zum nematisch-isotropen Phasenübergang (Maier-Saupe-Theorie). Nach der Promotion 1958 blieb er weiter am Physikalischen Institut der Uni Freiburg und beschäftigte sich zunächst experimentell und theoretisch mit UV-Spektroskopie an Flüssigkristallen and entwickelte die Methode, mittels des Freedericksz-Übergangs elastische Konstanten nematischer Flüssigkristalle zu bestimmen. 1961 wechselte er für ein Jahr an das Freiburger Institut für Elektrowerkstoffe (dem späteren Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik), darauf wurde er Assistent von Maier. Er heiratete im Jahr 1963 und hatte drei Kinder. In dieser Zeit begann Saupe, sich mit NMR an Flüssigkristallen zu beschäftigen. 1965, nach dem Tode seines Mentors Maier, wechselte er zu Hans-Joachim Cantow (* 1923) ans Freiburger Institut für Makromolekulare Chemie, das eines der weltweit ersten supraleitenden NMR-Spektrometer besaß. Hier betrieb er zusammen mit Cantow NMR-Spektroskopie an Polymeren und konnte sich 1967 in Physikalischer Chemie habilitieren.

1968 ging Saupe als Gastprofessor an das Liquid Crystal Institute der Kent State University, wo er nach zwei Jahren eine Dauerstelle als Professor für Physik annahm. Dort arbeitete er weiter auf dem Gebiet der NMR, sowie unter anderem über chirale smektische Phasen und über elastische Eigenschaften nematischer Flüssigkristalle. Nach seiner Emeritierung 1992 war Saupe bis 1997 Leiter der Max-Planck-Arbeitsgruppe „Flüssigkristalline Systeme“ in Halle. Seine letzten Jahre verbrachte er, am Parkinson-Syndrom erkrankt, an seinem Geburtsort.

Für sein Werk erhielt Saupe diverse Preise und Ehrungen, u.A. den Nernst-Preis der Deutschen Bunsengesellschaft (1974), den Humboldt-Preis (1987, Gast am Max-Planck-Institut für Polymerforschung), und eine Einladung ans Wissenschaftskolleg zu Berlin (1998).

Literatur

  • Patricia E. Cladis, Peter Palffy-Muhoray, Alfred Saupe (Herausgeber): Dynamics and Defects in Liquid Crystals: A Festschrift in Honor of Alfred Saupe, CRC Press, 1998

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Alfred Saupe — Infobox Scientist name = Dr. Alfred Saupe imagesize = 200px birth date = birth date|1924|2|14 birth place = Badenweiler, Germany death date = death date and age|2008|8|3|1924|2|14 death place = Badenweiler, Germany nationality = German field =… …   Wikipedia

  • Saupe — ist der Familienname folgender Personen Alfred Saupe (1925–2008), deutscher Physiker Bernhard Saupe (* 1976), österreichischer Schriftsteller Christian Gottlob Saupe (1763 1819), deutscher Komponist Hugo Saupe (1883–1957), deutscher Politiker… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Sau — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Liquid crystal — Schlieren texture of liquid crystal nematic phase Liquid crystals (LCs) are a state of matter that have properties between those of a conventional liquid and those of a solid crystal.[1] For instance, an LC may flow like a liquid, but its… …   Wikipedia

  • Lipburg — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Schweighof (Badenweiler) — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Sehringen — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Nekrolog 3. Quartal 2008 — Nekrolog ◄◄ | ◄ | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 Nekrolog 2008: 1. Quartal | 2. Quartal | 3. Quartal | 4. Quartal Weitere Ereignisse | Nekrolog (Tiere) |… …   Deutsch Wikipedia

  • Liquid crystal display — LCD redirects here. For other uses, see LCD (disambiguation). Reflective twisted nematic liquid crystal display. Polarizing filter film with a vertical axis to polarize light as it enters. Glass substrate with ITO electrodes. The shapes of these… …   Wikipedia

  • The Humboldt Prize — The Humboldt Prize, also known as the Humboldt Research Award, is an award given by the Alexander von Humboldt Foundation to internationally renowned scientists and is currently valued at € 60.000 with the possibility of further support during… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”