Alfred the Great
Statue Alfreds des Großen bei Winchester.

Alfred der Große (auch Ælfred von Altenglisch: Ælfrēd) (* zwischen 847 und 849 in Wantage (Oxfordshire); † 26. Oktober 899), ab 871 König der West-Sachsen (Wessex) und ab etwa 886 der Angelsachsen, war der jüngste der fünf Söhne des 858 verstorbenen Westsachsenkönigs Æthelwulf und seiner ersten Frau Osburga. Seine besondere Bedeutung für die englische Geschichte liegt in der Vereinigung der angelsächsischen Königreiche unter der Hegemonie von Wessex.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Statue von Alfred in Wantage

Im Alter von fünf Jahren wurde Alfred nach Rom gesandt, wo er der Angelsächsischen Chronik zufolge von Papst Leo IV "zum König gesalbt wurde". Dies wurde (spätestens im viktorianischen Zeitalter) als vorwegnehmende Krönung zum König von Wessex verstanden. Diese Krönung hätte Leo aber nicht vorhersehen können, hatte Alfred doch zu diesem Zeitpunkt noch drei lebende ältere Brüder. Ein entsprechender Brief von Leo zeigt, dass Alfred zum Konsul ernannt wurde, was später als Investitur (absichtlich oder nicht) missverstanden wurde.

Während der Regierungszeit seiner ältesten Brüder Æthelbald und Æthelbert trat Alfred nicht in Erscheinung. Dies änderte sich, als Æthelred I. den Thron bestieg. Alfred stieg zum secundarius auf, was ihn zu einer Art Mitregenten gemacht haben dürfte. Eine Vereinbarung, die wahrscheinlich auch vom Witan, dem Rat der Großen, gewünscht war. 868 versuchte Alfred noch gemeinsam mit seinem Bruder Ethelred, die einfallenden Wikinger aus Mercia fernzuhalten, scheiterte allerdings. Als sich die Dänen danach Wessex zuwandten, folgte "Alfred's year of battles", das neben weiteren Niederlagen (wie die Belagerung und Schlacht von Reading) auch einige Siege wie die Schlacht bei Englefield und die Schlacht von Ashdown brachte. Im April 871 starb Ethelred wahrscheinlich an einer Verwundung, die er bei der Schlacht von Merton erlitt.

Daraufhin bestieg Alfred selbst den Thron, obwohl Ethelred zwei Söhne hatte, die aber als zu jung für dieses Amt - besonders in dieser kritischen Zeit - angesehen wurden. Die Wikingerangriffe gingen unvermindert weiter. Während eines dieser Angriffe musste Alfred nach Athelney fliehen, wo er ein Heer aushob und den Wikingern 878 bei Edington (Wiltshire) eine empfindliche Niederlage zufügte.

Sein geschlagener Gegner, König Guthrum, ließ sich daraufhin taufen und zog sich in sein Königreich East Anglia zurück. Bis 892 unterblieben Übergriffe der Wikinger, so dass sich Alfred zunächst auf den Festungsbau konzentrierte und sein Reich für einen neuen Angriff rüstete. Durch seine militärische Präsenz und eine geschickte Heiratspolitik dehnte er seinen Einfluss weit in die anderen englischen Königreiche aus. Im Jahre 886 zog er in London ein und setzte seinen Schwiegersohn, Ethelred, als dortigen Statthalter ein.

Die Reiche außerhalb des Danelag erkannten Alfred als ihren obersten König an, was ihm eine unangefochtene Primatsstellung verlieh. Diese Position ausnützend versuchte er um 886, seinen Einfluss auch auf das von König Guthrum regierte Danelag auszudehnen, indem er sich zum Schirmherrn aller Engländer erklärte.

Eine von Alfred geschaffene Kriegsflotte konnte die seit 892 erneut einsetzenden Wikingerangriffe zunächst nicht aufhalten, was sein Reich in eine wirtschaftliche und militärische Krise stürzte. Erst ein Heer der vereinten Königreiche besiegte die Wikinger schließlich.

Nach dem Vorbild Karls des Großen ließ Alfred zahlreiche Klöster gründen. Durch die Neuschaffung von Schulen förderte er das kulturelle und geistige Leben seines Reiches. Mit 36 Jahren lernte er selbst Latein und lud zahlreiche Gelehrte aus dem Frankenreich zu sich nach England ein; er ließ auch Boethius' Trost der Philosophie übersetzen. Die Franken und angelsächsische Juristen begannen unter seiner Regierung mit der Niederschrift des Common Law in einer Gesetzessammlung mit der Bezeichnung Domboc.

Schon bald nach seinem Tod 899 wurde Alfred „der Große“ genannt. Offiziell wurde er nie heilig gesprochen, dennoch verehrten ihn schon bald viele Menschen, und ein Heiligenkult, der sich bis heute überliefert hat, entstand um seine Grablege (zunächst Kathedrale von Swithun, seit 1110 das Benediktinerkloster von Hyde Abbey in Hyde Head).

Alfred ist einer der wenigen angelsächsischen Könige, für die zumindest eine fragmentarische zeitgenössische Biografie existiert: Die einzige Handschrift des Lebens des Alfred blieb bis 1713 erhalten. Der Biograf war ein Waliser namens Asser, der sich mit seinem Text deutlich an Einhards Biografie Karls des Großen orientiert.

Eine Gedenktafel an ihn fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.

Familie

  • Ehefrau: Æthelswitha (* ca. 850/5, † als Nonne in Winchester 5/8. Dezember 905), Tochter Æthelred von Gainas und dessen Gemahlin Edburga, Tochter des Königs Cenwulf von Mercia.
  • Kinder:
    • Edmund (* ca. 870, † vor 899), Mitkönig von Wessex.
    • Eduard (König Eduard der Ältere)
    • Æthelweard (* ca. 880, † 26. Oktober 920/922)
    • Æthelfleda (* ca. 869, † in Tamworth 12. Juni 918), Herrin der Mercier; Ehemann seit 886/7, Æthelred, Graf von Mercia († 911)
    • Elfrida (* ca. 875/7, † Gent 7. Juni 929); Ehemann seit 884/893, Graf Balduin II. von Flandern (* 863/5, † 10. September 918)
    • Ethelgiva († ca. 896), Äbtissin von Shaftesbury, Dorset.

Siehe auch: Haus Wessex

Literatur

  • Sekundärliteratur
    • Richard Abels: Alfred the Great. War, Culture and Kingship in Anglo-Saxon England (The Medieval World). London 1998 (hervorragende biographische Darstellung).
    • C. P. Wormald: Alfred der Große. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 1, Sp. 409f. (Literatur und Quellen).
  • Belletristik:

Weblinks


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