Alfred von Hölder

Alfred Ritter von Hölder (* 14. August 1835 in Wimpfen am Neckar; † 3. Jänner 1915 in Wien) war ein österreichischer Kommerzialrat, Hof- und Universitätsbuchhändler, Verleger und k.u.k. Hoflieferant.

Leben

Seite von Band 1 des sogenannten „Kronprinzenwerks“ (1886), von Alfred Hölders Buchhandlung betrieben

Alfred Hölder war ab 1858 für die Becksche Universitätsbuchhandlung in Wien tätig. Er übernahm nach dem Tod F. Becks 1860 deren Leitung und heiratete 1862 Becks Tochter. Am 1. April 1862 begründete Alfred Hölder eine Verlagsbuchhandlung für wissenschaftliche Literatur. Seine Tätigkeit umspannte alle Wissenschaftsgebiete.

Hölder war ab 1874 Universitäts- und ab 1876 Hofbuchhändler. Er verlegte eine lange Reihe von Lehrbüchern für Hoch- und Mittelschulen sowie sonstige Unterrichtsliteratur. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch die Medizin zunehmend in Werken behandelt. Eines der ersten Werke von Hölder verlegt waren Spezielle Pathologie und Therapie von Hermann Nothnagel. Bekannt wurde auch das bei Hölder erschienene Monumentalwerk von 24 Bänden Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild (kurz zitiert als Kronprinzenwerk), das unter intensiver Mitwirkung des Kronprinzen Rudolf entstand.

Hölder wurde 1881 nobilitiert. Im Jahr 1911 übergab er die Firma an seinen Sohn, der die Buchhandlung 1920 an J. Pichler und den Verlag 1921 an die Österreichische Industrie- und Handelsbank verkaufte. Durch Fusion mit den Verlagen F.Tempsky und A. Pichler’s Witwe kam der Verlag Hölder-Pichler-Tempsky zustande, heute kurz HPT-Verlag.

Seit 1862 war er auch Besitzer der Beckschen k. k. Hof- und Universitätsbuchhandlung (gegr. vor 1724), seine Söhne, Oskar und Constantin von Hölder, waren Teilhaber dieser Firma.

Werke

Zu den Periodika von Hölders Verlag gehörten vornehmlich:

  • Abhandlungen des archäologisch-epigraphischen Seminares der Universität Wien von O. Benndorf und E. Bormann;
  • Centralblatt für das gewerbliche Unterrichtswesen in Oesterreich von Adolf Müller, seit 1883;
  • Jahreshefte des österreichischen archäologischen Institutes in Wien;
  • Oesterreichische Mittelschule; Statistische Monatsschrift, herausgegeben von der k. k. statistischen Central-Kommission;
  • Tschermaks Mineralogische und petrographische Mittheilungen, herausgegeben von F. Becke;
  • Zeitschrift für das Privat- und öffentliche Recht der Gegenwart von L. Grünhut;
  • Zeitschrift für das Realschulwesen von Czuber, Bechtel und Glöser;
  • Zeitschrift für Schulgeographie von A. Becker;
  • Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes von Karabacek, Müller, Reinisch,
  • das Oesterreichische Sanitätswesen,
  • die Soziale Rundschau und die
  • Wiener Entomologische Zeitung, seit 1882 unter anderen.

Hölder verlegte Lehrbücher für Hoch- und Mittelschulen sowie sonstige Unterrichtsliteratur. Zu dem Autorenkreis gehörten:

  • Josef Bersch mit seinen Handbüchern für Weinbereitung;
  • C. B. Brühl mit Zootomie, ein Atlas von 200 Tafeln mit etwa 4000 vom Verfasser meist nach der Natur gezeichneten und sämtlich von ihm mit dem Diamant in Stein radierten Figuren (1877);
  • C. v. Etzel mit Oesterreichische Eisenbahnen, ein Werk von sechs Bände;
  • K. Weiß mit Geschichtsquellen der Stadt Wien (1877);
  • Wiener Handelsbibliothek, herausgegeben von Carl Porges;
  • Die Geologie von Franz von Hauer, ein Werk von drei Bände sowie geologogische Uebersichtskarten Österreich-Ungarns, ein Werk von 12 Blättern in Farbendruck;
  • Säulenordnung von Al. Hauser, ein Werk von 10 Tafeln;
  • Oesterreichische Gesetze mit Materialien, ein Werk von 44 Bände;
  • das Monumentalwerk von 24 Bänden Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild (kurz zitiert als Kronprinzenwerk), unter Mitwirkung des Kronprinzen Rudolf;
  • F. Müller’s Grundriß der Sprachwissenschaft in drei Bände;
  • Dionýs Sturs Flora der Vorwelt in zwei Bände;
  • sowie naturwissenschaftliche Werke von Claus, Ettingshausen, Haidinger, Neumayr u. a.;
  • Jurisprudenz von Carl Graf Chorinsky, Frydmann, Grünhut, Schiffner, Menger, Sax;
  • das Oesterreichische Staatswörterbuch von Mischler und Ulbrich in drei Bände u. a.;
  • geographische Werke von Holub, Payer, Kreitner, Höhnel, Diener, Drasche, Urlamo usw.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch die Medizin zunehmend in Werken behandelt. Eines der ersten Werke von Hölder verlegt waren Spezielle Pathologie und Therapie von Hermann Nothnagel, in 24 Teilen in 40 Bände gebunden, die in 120, meist umfangreichen Abteilungen erschien und komplett zum Zeitpunkt der Erscheinung 840 Mark kostete. Ferner sind zu nennen:

  • Heymanns Handbuch der Laryngologie und Rhinologie in vier Bände;
  • Scheffs Handbuch der Zahnheilkunde in 2. Auflage ein Werk von vier Bände;
  • Frisch und Zuckerkandts Handbuch der Urologie in drei Bände;
  • Moareks Handbuch der Hautkrankheiten in vier Bände;
  • die Medizinische Handbibliothek, in über 11 Bände und zahlreiche andere.

Literatur

  • Hölder Alfred von. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 359.
  • Verlagskataloge von 1874, 1878 und 1887.
  • Ingrid Haslinger: Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien 1996, ISBN 3-85202-129-4.
  • Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 3. Berlin, Eberswalde 1905, S. 488–489.

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