Gustav Oelsner
„Haus der Jugend“, Berufsschulzentrum und Altonaer Theater
„Arbeitnachweis-Gebäude“ der Stadt Altona, heute Bundesagentur für Arbeit an der Kieler Straße. Der vierflügelige, pavillonähnliche Bau von 1927 wird über einen Innenhof erschlossen. Die Verkleidung der Wandfelder besteht aus Keramikplatten.

Gustav Oelsner (* 23. Februar 1879 in Posen; † 26. April 1956 in Hamburg) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Baubeamter.

Nach Beendigung seines Studiums an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg im Jahr 1900 praktizierte er bei dem Architekten Max Hasak, unter dem er an der Bauleitung beim Bau des Kaiser-Friedrich-Museums mitarbeitete. 1907 wurde er Stadtbauinspektor in Breslau und 1911 Stadtbaurat in Kattowitz. In den Jahren 1924 bis 1933 war er Bausenator und Stadtbaurat in Altona (Elbe). Er erstellte den Generalsiedlungsplan und einen Grüngürtelplan für Altona. Damit konnte eine Parzellierung der Grundstücke am Elbhang verhindert werden. In der Folge wurden mehrere Grundstücke von der Stadt erworben oder gepachtet. Diese sind heute als öffentliche Parks zugänglich. Mit Ferdinand Tutenberg gestaltete er die Elbparks der Stadt und schuf den Elbwanderweg.

Als Vertreter des Neuen Bauens und Zeitgenosse von Fritz Schumacher schuf er das Altonaer Stadtbild prägende Bauten, unter anderem das Berufsschulzentrum am Platz der Republik, das Arbeitsamt an der Kieler Straße und das mittlerweile abgerissene Stadion am Altonaer Volkspark. Seine licht- und sonnendurchfluteten kommunalen Wohnungsbauten an der Bunsenstraße in Hamburg-Ottensen sowie an der Luruper Chaussee in Bahrenfeld gelten dank ihrer klaren Architektur als revolutionär – weshalb sie von den Nationalsozialisten auch als „undeutsch“ angesehen und (z.B. die letztgenannten) durch Spitzdächer verändert wurden. Besonders hervorzuheben ist auch die von ihm entworfene Pestalozzi-Schule in der Kleinen Freiheit in Altona von 1927. Heute gehört dieser Bau zum Stadtteil St. Pauli. Die Großzügigkeit und solide Eleganz der hellen und breiten Treppenhäuser mit den kindgerecht flachen Stufen lassen die Schülerorientierung des Baues im Sinne von Johann Heinrich Pestalozzi schon beim Betreten erkennen. Dieses heute ungenutzte Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz und soll abgerissen werden.

Oelsner verwirklichte darüber hinaus eine Gartenstadt (Steenkampsiedlung in Bahrenfeld) und plante auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise zwei vorstädtische Kleinsiedlungen in Lurup und Osdorf („Fischkistendörfer“), in denen sich Arbeitslose und kinderreiche Arbeiterfamilien auf städtischem Grund in Eigenarbeit von Oelsner entworfene eingeschossige Doppelhäuser mit eigenem Nutzgarten errichteten (1932/1933).

Wegen seiner jüdischen Abstammung wurde Oelsner 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt und floh 1939 in die Türkei. Nach dem Krieg holte ihn Max Brauer 1949 nach Hamburg zurück, wo er im Rahmen der Wiederaufbauplanung an der Gestaltung der Ost-West-Straße und an der Binnenalsterbauordnung mitarbeitete.

Nach Oelsner wurde der Oelsnerring in Osdorf benannt.

Literatur

  • Paul Theodor Hoffmann: Neues Altona. Zehn Jahre Aufbau einer Großstadt 1919-1929 (2 Bände). Jena 1929.
  • Olaf Bartels: Altonaer Architekten - Eine Stadtbaugeschichte in Biographien. Hamburg 1997, ISBN 3-88506-269-0.
  • Christoph Timm: Gustav Oelsner und das Neue Altona. Kommunale Architektur und Stadtplanung in der Weimarer Republik. Hamburg 1984, ISBN 3-921909-27-9.
  • Gustav-Oelsner-Gesellschaft für Architektur und Städtebau e.V.: Gustav Oelsner. Altonaer Bausenator 1924-1933. Ein architektonischer Stadtrundgang. Hamburg 2006, ISBN 3-937904-42-5.
  • Burcu Dogramaci (Hrsg.): Gustav Oelsner. Stadtplaner und Architekt der Moderne. Hamburg 2008, ISBN 978-3-88506-594-4.
  • Peter Michelis: Der Architekt Gustav Oelsner. Licht, Luft und Farbe für Altona an der Elbe. München 2008, ISBN 978-3937904-56-6

Weblinks


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