Alfried Krupp Krankenhaus
Alfried Krupp Krankenhaus 2009

Das Alfried Krupp Krankenhaus im Essener Stadtteil Rüttenscheid wurde auf Initiative der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Jahre 1980 neu errichtet und ist heute ein Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Duisburg-Essen. Davor blickt es auf eine längere Tradition zurück und gehört heute zur Themenroute 5 der Route der Industriekultur.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erstes Lazarett

Durch die beiden bisherigen Krankenhäuser der schnell wachsenden Industriestadt Essen (Huyssens-Stiftung und Elisabeth-Krankenhaus) konnten nicht mehr alle Verwundeten behandelt werden. Deshalb ließ Alfred Krupp bereits im Sommer 1870, zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges (1870/1871), gleich neben der Gussstahlfabrik in einem Arbeiterwohnheim ein einfaches Krankenhaus einrichten. Gleichzeitig entstand auf seine Initiative hin ein Barackenlazarett mit etwa 100 Betten ganz in der Nähe, an der heutigen Lazarettstraße. Es war im November 1870 in Betrieb gegangen und bestand aus drei parallel angeordneten Gebäuden nach Vorbild der Lazarettbaracken des amerikanischen Bürgerkrieges. Darin war je ein langgestreckter Krankensaal für 34 Patienten, für die es zusammen einen Rauch- und einen Speisesaal gab. Zu den drei Gebäuden gehörten das Pförtnerhaus, Verwaltungsgebäude und ein Waschhaus. Schon am 16. November 1870 war das Barackenlazarett erstmals voll belegt.

Krankenhaus und Erholungshaus

Offiziell erhielt die Firma Fried. Krupp 1872 von der Preußischen Regierung die Konzession zum Betrieb eines Krankenhauses für die Arbeiter der Gussstahlfabrik in den Gebäuden des ehemaligen Lazaretts. Am 22. Dezember 1886 wurde die Konzession einer erweiterten Krankenanstalt für Frauen und Kinder erteilt. Am 12. Februar des folgenden Jahres wurde ein Vertrag zwischen der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern und der Firma Fried. Krupp über Pflege von Frauen und Kindern geschlossen, für die kurz darauf zwei Pavillons mit 52 Betten errichtet wurden. Bald erhielt das Krankenhaus nach und nach ein Heilbad, eine Chirurgie und 1896 bereits einen Röntgenapparat.

1897 ließ Friedrich Alfred Krupp zusätzlich zu dem Werkskrankenhaus ein Erholungshaus für Genesende am Altenhof bei den noch heute erhaltenen Pfründnerhäusern errichten. Mit Zustimmung der Kaiserin trug es den Namen Kaiserin-Auguste-Viktoria-Erholungshaus. Im Februar 1906 stiftete Margarethe Krupp für die Erweiterung des Erholungshauses eine Million Mark, so dass auch hier Frauen und Kinder aufgenommen wurden. Die ehemalige Gemeindeschule an der Lazarettstraße, unweit der dortigen Krankenanstalten, wurde 1907 angekauft und für Krankenhauszwecke umgebaut. 1912 wurde am Altenhof das Arnoldhaus als Wöchnerinnenklinik errichtet. 1920 entstanden die Kruppschen Krankenanstalten als Zusammenschluss der Krankenhausgebäude in der Lazarettstraße und der Wöchnerinnenklinik am Altenhof. Von nun an dienten diese Krankenanstalten auch Nicht-Werksangehörigen. Die ehemalige katholische Kapelle der alten Krupp-Siedlung Altenhof ist heute die wieder errichtete Krankenhauskapelle.

1937 erhielt die Krankenanstalt an der Lazarettstraße ein neues Verwaltungsgebäude, das heute mit dem Torhaus noch in Teilen erhalten ist. Ein Jahr später wurden das Frauenerholungshaus am Altenhof sowie andere Erholungsgebäude in Reservelazarette umgewandelt, da im Ersten Weltkrieg nicht mehr genug Platz für Verwundete in den Essener Krankenhäusern vorhanden war.

Zweiter Weltkrieg und die Folgen

Im Zweiten Weltkrieg mussten die Krankenanstalten in die Essener Innenstadt umziehen, denn durch Luftangriffe der Alliierten 1944 auf die benachbarte Gussstahlfabrik, die viele Rüstungsgüter herstellte, wurde das Krankenhaus an der Lazarettstraße völlig ausgebombt und konnte nicht mehr wiederaufgebaut werden. Die Erholungshäuser im Altenhof dienten während des Krieges ebenfalls als Behelfslazarette und konnten nach teilweiser Zerstörung wiederaufgebaut bzw. renoviert werden. In den Nachkriegsjahren konnte nicht mehr als ein behelfsmäßiger Betrieb aufrechterhalten werden, da medizinische Ausrüstung und Hygiene nicht mehr den modernen Anforderungen gewachsen waren.

Krankenhaus-Neubau in Rüttenscheid

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der letzte Inhaber der Firma Krupp, gab 1963 die Planung für den Neubau eines Krankenhauses in Auftrag. Zur Verwirklichung dieser Pläne kam es jedoch nicht mehr, da er 1967 verstarb. Danach ruhte das Projekt, bis 1969 Berthold Beitz, als Kuratoriums-Vorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, einen Neubau nach neuesten medizinischen Kenntnissen am Altenhof beschloss. Bereits 1971 ging die Trägerschaft des Unternehmens Krupp an die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung über. 1977 wurde der Grundstein für den am 20. August 1980 in Betrieb gegangenen Neubau gelegt. Man begann mit knapp 800 Mitarbeitern in einem Haus mit 560 Betten und elf Kliniken.

Heutiger Krankenhausbetrieb

Neues Ärztehaus, 2008 errichtet

Das Alfried Krupp Krankenhaus ist ein Krankenhaus der Regelversorgung.[1] Nach wie vor gibt es elf Kliniken, die sich heute in Anästhesie, Chirurgie, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohren (HNO), Kardiologie, Nephrologie, Neurochirurgie, Neurologie, Orthopädie, Radiologie und Neuroradiologie und Radioonkologie aufteilen. Es werden 573 Planbetten gezählt. Pro Jahr werden knapp 22.800 Patienten stationär und rund 24.500 Patienten ambulant behandelt[2]. Die heute rund 1.200 Mitarbeiter betreuen den ärztlichen Dienst, die Pflege, die Medizintechnik, den Versorgungsdienst, die Technik, die Verwaltung und eine Kindertagesstätte mit etwa 100 Betreuungsplätzen. Zusätzlich werden hier etwa 30 Zivildienstleistende eingesetzt. Ausbildungsplätze werden in den drei Ausbildungsstätten Krankenpflegeschule, OTA-Schule und Physiotherapieschule angeboten. Neben einem Schwesternwohnheim gehören auch 86 Mietwohnungen zum Krankenhaus.

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist heute Alleingesellschafterin der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Krankenhaus gGmbH.

Seit November 2004 kooperieren das Alfried Krupp Krankenhaus in Rüttenscheid und das Evangelische Krankenhaus Lutherhaus in Steele. Beide Häuser bleiben rechtlich selbständig, medizinisch und wirtschaftlich aber wachsen sie zusammen.

Zum 1. Januar 2008 erwarb die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Krankenhaus gGmbH alle Geschäftsanteile der Evangelisches Krankenhaus Lutherhaus gGmbH in Steele. Der Verbund beider Krankenhäuser erhält zunächst den Namen Alfried Krupp Klinikum Essen, wobei beide bisherigen Kliniknamen als Zusatz geführt werden.

Seit dem 1. Oktober 2008 lautet der einheitliche Name für beide Kliniken Alfried Krupp Krankenhaus, als Namenszusatz werden die Stadtteile genannt, in denen sich die Klinikstandorte befinden: Alfried Krupp Krankenhaus Rüttenscheid und Alfried Krupp Krankenhaus Steele. Rechtlich bleiben die beiden Krankenhausträger als eigenständige Gesellschaften bestehen.

Quellen

  1. Bericht zur Zertifizierung 2005 (PDF 514 kB)
  2. Qualitätsbericht 2004 (PDF 1,07MB)

Literatur

  • Franz Josef Brüggemeier, Die Krupp’schen Krankenanstalten (1870-1914), Herzogenrath 1990, ISBN 3-921801-53-2

Weblinks

 Commons: Alfried Krupp Krankenhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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