Alice Berend

Alice Berend (* 30. Juni 1875 in Berlin; † 2. April 1938 in Florenz) war eine deutsche Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alice Berend war die Tochter eines Fabrikanten und einer Bankierstochter, ihre Schwester war die Malerin Charlotte Berend-Corinth. Sie besuchte das Gymnasium und schrieb dann ab 1898 Beiträge für verschiedene Zeitungen. Im Jahre 1904 heiratete sie in London John Jönsson, einen einigermaßen erfolglosen schwedischen Schriftsteller. Beide wohnten zunächst in Berlin-Tiergarten, in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in Florenz und danach in Berlin-Zehlendorf, München und Oberstdorf; zwischen 1921 und 1924 hatte sie ihren Wohnsitz in Konstanz. Sie ließ sich schließlich von Jönsson scheiden und heiratete 1926 den Maler Hans Breinlinger.

Berend schrieb seit etwa 1910 eine Reihe von humoristisch bis realistischen Romanen, die häufig im Berliner Bürgertum angesiedelt waren sowie Kinderbücher. Ihre Personenbeschreibungen brachten ihr den Ruf einer „kleinen Fontane“ ein. Ihr erfolgreichstes Werk war "Die Bräutigame der Babette Bomberling" (1915), bekannt sind auch „Die Reise des Herrn Sebastian Wenzel“ (1912), „Frau Hempels Tochter“ (1913) und „Spreemann & Co.“ (1916). Ihre Romane erschienen meist im Fischer-Verlag.

1933 wurden ihre Werke von den Nationalsozialisten auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt[1], ihre letzten beiden Werke konnten nur noch im Ausland erscheinen. Um selbst weiter im Nazi-Deutschland als Künstler tätig zu sein, sagte sich ihr zweiter Mann von ihr los und bekam ihr Vermögen zugeschlagen. Alice Berend war "Taufschein-Jüdin", auch wenn ihr diese Religion wahrscheinlich nie etwas bedeutet hat – beide Ehemänner waren Christen, sie ließ ihre Kinder christlich taufen und trat selbst zwei Jahre vor ihrem Tod zum Christentum über. Im November 1935 emigrierte sie schließlich nach Italien, wo sie drei Jahre später nach langer Krankheit verarmt und vergessen starb – bei ihrer Beerdigung war nur der Pfarrer und die Tochter aus erster Ehe zugegen.

An ihrem letzten Werk hat sie bis zum Tode gearbeitet; ursprünglich von der Autorin vorgesehener Titel war: Naturgeschichte des Spießbürgers. Es wurde erstmalig 1962 veröffentlicht.

Wahrscheinlich ist es dem Arbeitsverbot durch die Nazis in Verbindung mit ihrem frühen Tod geschuldet, dass Alice Berend nach dem Zweiten Weltkrieg selbst Literaturwissenschaftlern kaum noch ein Begriff war und ist. Nur drei ihrer Werke wurden wieder verlegt, alle anderen sind nur noch antiquarisch erhältlich. In Berlin-Moabit erinnert seit 1999 eine Straße an sie.

Werke (Auswahl)

  • Die Reise des Herrn Sebastian Wenzel (1912)
  • Frau Hempels Tochter (1913)
  • Die Bräutigame der Babette Bomberling (1915)
  • Spreemann & Co. (1916)
  • Die zu Kittelsrode (1917)
  • Matthias Senfs Verlöbnis (1918)
  • Der Glückspilz (1919)
  • Einfache Herzen (1919)
  • Jungfer Binchen und die Junggesellen (1920)
  • Muhme Rehlen (1921)
  • Bruders Bekenntnis (1922)
  • Dore Brandt (1909 und 1922)
  • Der Floh und der Geiger (1923)
  • Betrachtungen eines Spießbürgers (1924)
  • Kleine Umwege (1924)
  • Der Schlangenmensch (1925)
  • Die Geschichte der Arche Noah (1925)
  • Das verbrannte Bett (1926)
  • Fräulein Betty, die Witwe (1926)
  • Die goldene Traube (1927)
  • Der Herr Direktor (1928)
  • Die kleine Perle (1929)
  • Herr Fünf (1930)
  • Das Gastspiel (1931)
  • Die gute alte Zeit. Bürger und Spießbürger im 19. Jahrhundert (1962)

Literatur

  • Ursula El-Akramy: Die Schwestern Berend - Geschichte einer Berliner Familie, Europäische Verlagsanstalt Rotbuch Verlag, Hamburg, 2002
  • Alice Berend, in: Richard Drews/ Alfred Kantorowicz (Hg.), verboten und verbrannt. Deutsche Literatur - 12 Jahre unterdrückt, Berlin und München: Heinz Ullstein - Helmut Kindler Verlag, 1947, S. 20 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Alice Berend steht in der Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums als Alice Behrend

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