Hafiz Al-Assad
Assad ca. 1987

Hafiz al-Assad (arabischحافظ الأسد‎, DMG Ḥāfiẓ al-Assad, auch Hafis el Assad) (* 6. Oktober 1930 in Kardaha; † 10. Juni 2000 in Damaskus) war Präsident von Syrien von 1971 bis 2000. Als Offizier putschte er 1961 gegen die Union mit Ägypten; sein „linker“ Nationalismus suchte meist die Unterstützung der Sowjetunion.

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung

Assad gehörte der Religionsgemeinschaft der Alawiten an. Als erstes Mitglied seiner Familie erwarb er eine höhere Schulbildung. Da die Familie nicht genug Geld für die Universität aufbringen konnte, besuchte er 1951 die Militärakademie. Dort wurde er – teilweise in der Sowjetunion – zum Piloten ausgebildet.

Parteikarriere

Assad trat schon als 16jähriger in die nationalistisch-sozialistische Ba'ath-Partei ein und gewann in ihr durch seinen militärischen Aufstieg an Einfluss. Bald setzten sich jedoch die Panarabisten durch und führten Syrien 1958 in die Vereinigte Arabische Republik mit Ägypten unter Gamal Abdel Nasser. Assad opponierte gegen diesen Staatenbund, weil durch deren Verstaatlichungspolitik die ägyptische Dominanz wuchs. Mit anderen jungen Offizieren putschte er 1961, die Union wurde aufgelöst. Ab 1963 bildete die Ba'ath-Partei die Regierung und Assad stieg zum Luftwaffenchef auf.

Aufstieg zum Staatspräsidenten

1966 wurde Assad nach einem neuen Putsch Verteidigungsminister und der eigentlich starke Mann der Regierung. Nach dem verlorenen Sechs-Tage-Krieg gegen Israel 1967 diskreditiert, putschte Assad erneut und beseitigte die Zivilregierung, 1971 wurde er Präsident (Wiederwahl 1978, 1985 und 1991). Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 gelang Syrien lediglich die Rückeroberung eines kleinen Teils der seit 1967 von Israel besetzten Golanhöhen.

Assad stützte seine Macht auf die Armee und den allgegenwärtigen Geheimdienst. Er versuchte das Land zu reformieren und verstärkte dessen Militärmacht. Dadurch geriet Syrien jedoch in Gegnerschaft zu den meisten Staaten der Region und wurde international isoliert. Allerdings bescherte Assads Politik Syrien zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit eine beachtliche politische Stabilität. Unter Assads Regierung kam der Libanon 1976 unter syrische Herrschaft. Der Islamismus und die Muslimbrüder wurden unterdrückt, 1982 wurde ihr Aufstand blutig niedergeschlagen (siehe: Massaker von Hama). An diesem Massaker war auch Assads Bruder maßgeblich beteiligt, Rifaat al Assad (* 1937), der lange Syriens „Nr. 2“ war. 1983 putschte Rifaats Miliz (die Verteidigungsbrigaden) und Teile der Armee. Den folgenden Bürgerkrieg gewann der inzwischen herzkranke „Löwe von Damaskus“; sein Bruder musste ins Exil gehen.

In den 1990ern näherte sich Assad dem Westen und den konservativen Staaten Arabiens an. Friedensgespräche mit Israel scheiterten jedoch an seiner Bedingung, die Grenzen von 1967 wieder herzustellen. Im Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran von 1980 bis 1988 unterstützte er den Iran.

Tod und Nachfolge

Einige Monate nach Assads Tod im Jahr 2000 wurde sein von ihm vorgeschlagener zweiter Sohn Baschar al-Assad sein Nachfolger, was für viele als Verstoß gegen die Verfassung gilt. Assads ältester Sohn und eigentlicher Nachfolger Basil al-Assad starb 1994 bei einem Autounfall.

Literatur

  • Moshe Ma’oz / Avner Yaniv (Hg.): Syria under Assad, London, 1986.
  • Patrick Seale: Asad of Syria. The Struggle for the Middle East, IB Tauris, London, 1988, ISBN 1-85043-061-6
  • Martin Stäheli: Die syrische Aussenpolitik unter Präsident Hafez Assad. Balanceakt im globalen Umbruch, Franz Steiner Verlag Stuttgart, 2001, ISBN 3-515-07867-3


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