Halbtrockenrasen


Halbtrockenrasen
Halbtrockenrasen (Mesobromion erecti) auf einem südexponierten Muschelkalkhang in der Rhön, mit reichen Beständen der Gewöhnlichen Kuhschelle.

Trockenrasen oder auch Magerrasen, sind besondere Biotope, die sich an trockenen, nährstoffarmen Standorten ausbilden. Die Artenzusammensetzung des Trockenrasens ist geprägt von niedrigen Rasen-, Kraut- und Halbstrauchpflanzen.

Inhaltsverzeichnis

Standortbedingungen

Trockenrasen entwickeln sich auf trockenen Standorten mit häufig nur gering entwickelten Bodenprofilen. Die Standorte liegen oft auf südlich exponierten Hängen mit guten Drainagebedingungen. Aber auch kiesig-sandige Flachlandböden mit gutem Sickervermögen begünstigen die Entwicklung von Trockenrasen. Das meist schon spärliche Niederschlagsangebot wird schnell abgeführt bzw. verdunstet. Zusätzlich zu den Feuchtebedingungen können derartige Standorte einer verstärkten gravitationsbedingten Massenbewegung am Hang unterliegen (Solifluktion). Als Folge dieser Bedingungen besitzen die vorhandenen Bodenprofile nur einen niedrigen Entwicklungsstand und geringes Nährstoffnachlieferungsvermögen. Aufgrund von Trockenheit und Nährstoffarmut siedeln sich auf Trockenrasen Pflanzenarten an, die eine hohe Trockenheitsresistenz besitzen. Diese Arten sind nicht auf die Trockenheit und Nährstoffarmut angewiesen, sie könnten auch an besser versorgten Standorten existieren. Dort unterliegen sie aber aufgrund ihrer nur geringen Konkurrenzkraft anderen Pflanzen.

Entstehung

Der Trockenrasen als Pflanzengesellschaft an nährstoffarmen Standorten existiert nur in seltenen Fällen wie z. B. an stark den gravitativen Prozessen unterliegenden Hängen natürlich. Viele Vertreter dieses Typs wurden in ihrer Entwicklung begünstigt durch extensive landwirtschaftliche Nutzung (einschürige Mähwiesen oder Schafweiden) auf trockenen, nährstoffarmen Flächen. Als exotische Beispiele können auch Flächen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen genannt werden, hier kam es durch ständiges Aufreißen der Vegetationsdecke sandiger, flachgründiger Standorte als Folge der Fahrtätigkeit von Kettenfahrzeugen zu ähnlichen Entstehungsbedingungen (Beispiel: Mainzer Sand).

Typische Arten

Besonders warme Kalktrockenrasen sind der bevorzugte Standort der Kleinen Spinnen-Ragwurz

Typische Arten im Trockenrasen sind die verschiedenen Arten der Steppenvegetation, aber auch Hochgebirgsarten und Orchideen kommen häufig vor.

Bodentypen

Bodentypen, auf denen sich Trockenrasengesellschaft entwickeln, sind: Syroseme (auf Lockergestein wie z. B. Sand), Rendzinen (auf Kalkgestein), Ranker (auf Silikatgestein)

Untergliederung

Die Vegetationsform Trockenrasen kann, je nach Ausprägung und Standortbedingungen untergliedert werden.

Sandtrockenrasen

Sand-Trockenrasen sind schwachwüchsige, von Gräsern und niedrigwüchsigen Pflanzen beherrschte Pflanzengesellschaften auf verhältnismäßig humus- und nährstoffarmen Sandböden. Die bestimmenden Merkmale dieses Biotops sind die geringe Speicherfähigkeit von Wasser, der geringe Nährstoffgehalt des Bodensubstrats und relativ extreme Temperaturunterschiede. Am Tag kann ein rascher hoher Temperaturanstieg unter Sonneneinstrahlung und nachts eine ebenso schnelle Abkühlung vorkommen.

Der magere, aber artenreiche Sandtrockenrasen oder Sand-Magerrasen ist vor allem in Landschaften mit eiszeitlich geprägten waldfreien, sandigen Höhenrücken und Moränenzungen anzutreffen. Die lockere, oft auch lückenhafte Vegetation aus Gräsern und niedrig wachsenden Kräutern ist graugrün bis bräunlich gefärbt.

Flora: Typische Pflanzenarten sind u.a. die Sand-Grasnelke, die Heide-Nelke, das Bergsandglöckchen, Fetthennen-Arten und das Acker-Hornkraut. Sand-Magerrasen können außerdem sehr flechtenreich sein.

Fauna: Zahlreiche Tierarten - besondere unter den Insekten - sind an den Lebensraum Sandtrockenrasen angepasst. Darunter sind viele Arten, die auch vegetationsfreie Bereiche in den Magerrasen benötigen, da sich der Sand hier bei Sonneneinstrahlung besonders stark erwärmt. Typische Arten der Sandmagerrasen sind verschiedene Wespen-Arten, etwa die Kreiselwespe (Bembix rostrata). Auch Wildbienen etwa aus der Gruppe der Seidenbienen (Gattung Colletes), Hosenbienen (Gattung Dasypoda) und Sandbienen (Gattung Andrena) nisten gern in Sandmagerrasen. Die Blauflügelige Ödlandschrecke ist eine sehr seltene Heuschreckenart dieses Lebensraums. Nur beim Auffliegen sind die auffällig blau gefärbten Hinterflügel sichtbar. Aber auch viele Laufkäfer, wie der Zierliche Buntgrabläufer (Poecilus lepidus) sind hier zu finden.

Entstehung: Sand-Trockenrasen besiedelten früher aber neben natürlichen Dünenstandorten dynamische Flussauen und ihre Sandflächen, in denen durch Flussbettverlagerungen und Überschwemmungen immer wieder neue Sandflächen entstanden. Durch den seit Ende des 19. Jahrhunderts massiven Ausbau der Unterläufe von Flüssen, die Vertiefung von Fahrrinnen, Uferbefestigungen und Errichtung von Staustufen sind noch verbliebenen dortigen Standorte der Sandtrockenrasen durch Verbuschung als normaler Sukzessionsfolge nahezu verschwunden. Verschiedene Sandstandorte wurden zudem als Baugrund benutzt oder der dortige Sand als Rohstoff abgebaut.

Heute sind Sand-Magerrasen in Mitteleuropa meist in anthropogenen Lebensräumen zu finden, etwa auf extensiv beweideten Binnendünen, am Rand von Flussauen, oder in Hudelandschaften auf basenarmen Sandstandorten. In dieser historischen Kulturlandschaft fanden die Arten der Sand-Magerrasen einen neuen Lebensraum vor und erfuhren eine weite Verbreitung.

Doch auch diese Lebensräume sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr aus dem Landschaftsbild verschwunden, da sie wegen ihrem geringen wirtschaftlichen Nutzen in einer zunehmend intensiv genutzten Landschaft entweder melioriert und gedüngt oder gar nicht mehr beweidet wurden. In einigen Regionen konnten Sand-Trockenrasen Rückzugsgebiete in der Bergbaufolgelandschaft und auf militärischen Übungsplätzen finden.

Eine typische Sand-Trockenrasenflora hat sich im Naturschutzgebiet Windmühlenberg in Berlin-Gatow herausgebildet. Mit bis zu zehn Meter mächtigen Sandablagerungen am Hang der Nauener Platte zur Havelniederung bietet der Boden die Voraussetzungen für die Entwicklung dieser Rasenform.

Kalktrockenrasen

Die Standorte des Kalkmagerrasens liegen oft auf südlich exponierten Hängen mit guten Drainagebedingungen. Das meist spärliche Niederschlagsangebot wird schnell abgeführt bzw. verdunstet. Zusätzlich zu den Feuchtebedingungen können derartige Standorte einer verstärkten gravitationsbedingten Massenbewegung am Hang unterliegen (Solifluktion). Als Folge dieser Bedingungen besitzen die vorhandenen Bodenprofile nur einen niedrigen Entwicklungsstand und geringes Nährstoffnachlieferungsvermögen. Den idealen Untergrund bilden flachgründige Kalksteinböden. Die Merkmale des Magerrasens sind schüttere kurze Gräser und eine große Vielfalt an schwachwüchsigen Blumen, wie Küchenschelle, Silberdistel und kleine Enzianarten

Sie sind typisch für das von kontinentalem Klima geprägte südliche Mitteleuropa. Ihr Pendant im von ozeanischem Klima geprägten nordwestlichen Mitteleuropa sind die Heiden, im hochalpinen Gelände die Matte.

Der Kalktrockenrasen gehört zu Mitteleuropas artenreichsten Pflanzengesellschaften. Diese Form des Trockenrasens ist an kalk- oder doch basenreiche Böden gebunden.

Weitere Formen

  • Steppentrockenrasen (Lehm)
  • Übergangsformen mit günstigeren Nährstoff- und Feuchtebedingungen wie Magerrasen und Halbtrockenrasen. siehe auch:Lechtalheiden
  • Silikattrockenrasen
  • Wacholderheide (diese Bezeichnung ist gebräuchlich, sagt aber nichts über die Pflanzengesellschaft aus)
  • Brenne, Trockenrasenbiotop in Auwäldern
Eine Wacholderheide (Enzian-Schillergrasrasen) im Werratal, Thüringen.

Die natürliche Sukzession (Weiterentwicklung) des Trockenrasens führt ihn unter mitteleuropäischen Klimabedingungen hin zu trockenresistenten Waldgesellschaften wie z. B. dem Orchideen-Buchenwald.

Naturschutz/Pflegemaßnahmen

Die genannten Bedingungen machen den Trockenrasen zum Rückzugsgebiet gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Viele Arten der Roten Liste existieren hier. Um den Trockenrasen zu schützen und seine Weiterentwicklung zum Gehölz zu verhindern, müssen die Flächen regelmäßig gepflegt werden. Zu den Pflegemaßnahmen zählen extensive Beweidung (Beweidung durch Schafe) und Entbuschungsmaßnahmen (Entkusselung).

Hinweis: Wesentliche Teile dieses Beitrages entstammen dem Artikel Magerrasen und wurden zur Vermeidung von inhaltlichen Überschneidungen hier eingefügt.

Literatur

  • O. V. Drachenfels: Rote Liste der gefährdeten Biotoptypen in Niedersachsen. In: Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. Band 34, 1996, S. 1–146.
  • G. Jeckel: Syntaxonomische Gliederung, Verbreitung und Lebensbedingungen nordwestdeutscher Sandtrockenrasen (Sedo-Scleranthetea). In: Phytocoenologia. Band 12, Heft 1, 1984, S. 9–153.
  • A. Jentsch, W. Beyschlag, W. Nezadal, T. Steinlein und W. Welß: Bodenstörung – treibende Kraft für die Vegetationsdynamik in Sandlebensräumen. In: Naturschutz und Landschaftsplanung. Band 34, Heft 2/3, 2002, S. 37–44.
  • Heinz-Dieter Krausch: Die Sandtrockenrasen (Sedo-Scleranthetea) in Brandenburg. In: Mitteilungen der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft. Neue Folge Band 13, 1968, S. 71–100.
  • R. Pott und J. Hüppe: Die Hudelandschaften Nordwestdeutschlands. In: Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde. Band 53, Heft 1/2, Münster 1991
  • R. Tüxen: Zur Geschichte der Sand-Trockenrasen (Festuco-Sedetalia) im nordwestdeutschen Alt-Diluvium. In: Mitteilungen der Floristisch-Soziologischen Arbeitsgemeinschaft. Neue Folge Band 8, 1960, S. 338–341.
  • B. Beinlich und H. Plachter (Hrsg.): Schutz und Entwicklung der Kalkmagerrasen der Schwäbischen Alb. Beiheft Veröffentlichungen für Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg, Band 83, 1995

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