Hama
arabisch ‏حماة‎, DMG Ḥamā
Hama
Hama (Syrien)
Hama
Hama
Basisdaten
Staat Syrien
Gouvernement Hama
Höhe 280 m
Einwohner 546.604 (2010)
ISO 3166-2 SY-HM
Webauftritt ehama.sy
Politik
Bürgermeister Abdul Razzaq al-Qutainy
Altstadt von Hama
Altstadt von Hama
35.137536.7525

Hama (arabisch ‏حماة‎, DMG Ḥamā, Luwisch Imat, griech. Ἐπιφάνεια, Epiphaneia, in der Bibel Hamath oder Emath) ist die Hauptstadt des Gouvernement Hama in Syrien. Die als konservativ geltende Stadt liegt am Orontes im Zentrum der mittelsyrischen Ackerbauebene an der Fernstraße zwischen Aleppo und Damaskus. Sie gehört zu den ältesten durchgehend besiedelten Städten Syriens.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Die Einwohnerzahl wird für 2010 mit 546.604 berechnet.[1] Für die 1920er Jahre werden 35.000 angegeben, für die 1960er Jahre 130.000, mit Vororten 200.000. In der ersten Hälfte das 20. Jahrhunderts waren wohl knapp ein Fünftel der Bevölkerung Christen.

Geschichte

Dänische Archäologen entdeckten bei Ausgrabungen 1931 bis 1938 an dem in der Stadtmitte gelegenen Haupthügel[2] Siedlungsspuren aus dem 6. Jahrtausend und insgesamt 11 Schichten bis in die islamische Zeit. Der Tell war 336 m lang, 215 m breit und 46 m hoch.

Bauschichten von Hama
Schicht Datierung
nach Ingholt
Kultur
M 5. Jahrtausend
L 2700–2200 v. Chr.
K ca. 3000 v. Chr.
J 2400–2000 v. Chr.
H 1950–1750 v. Chr.
G 1750–1600 v. Chr.
F
E bis 720 v. Chr. aramäisch
D assyrisch bis Hellenistisch
C Römisch
B Byzantinisch
A 950-1400 n. Chr. arabisch

In Hama wurden hethitische Inschriften gefunden. Nach dem Zusammenbruch des Hethitischen Großreichs, etwa vom Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends bis ca. 720 vor Christus, war Hama Hauptstadt und Herrschersitz des aramäischen neo-hethitischen Kleinstaates Hamath, der bis ins Gebiet von Aleppo reichte. 853 v. Chr. trat König Irhuleni (Urhilina) den Assyrern gemeinsam mit anderen Staaten bei Karkara am Orontes entgegen.

Assyrische Herrschaft

Seit der Unterwerfung unter Salmanassar III. (858 v. Chr. bis ca. 824 v. Chr.) stand Hama unter assyrischer Herrschaft. Nach einer Inschrift von Sargon II. hatte Ilubidi, „einer aus dem Troß“, „ein böser Hethiter“ die Macht in Hama an sich gerissen und sich dann mit Arpad, Simirra, Aram und Samaria verbündet. Der assyrische König sammelte seine Truppen in Karkara, der Lieblingsstadt von Ilubi'di, die er belagerte und verbrannte. Ilubidi wurde bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen, „seine Haut rot wie Wolle gefärbt“, und Sargon schuf, wie er sich rühmte, wieder Ordnung und Harmonie in der Region. Die Schindung Ilubi'dis ist im Saal VIII (Platte 25) in Nimrud bildlich dargestellt. Danach zog Sargon gegen Hanunu von Gaza, der bei Rapihu vernichtend geschlagen und gefangen wurde, während sein Verbündeter Re'e,[3] der Tartan des ägyptischen Pharao, zurück nach Ägypten floh.

Zum Ende des Jahrhunderts wurde König Zakkur von Hama durch eine Koalition von Qu'e, Unqi, Meliddu, Ja'udi und Bir-Hadad III. bedroht, aber durch einen Feldzug von Adad-nirari III. gerettet.

Nach einem Aufstand wurde Hama 738 v. Chr. von den Assyrern zurückerobert, aber nicht annektiert, sondern Eni-ilu als Vasallenkönig eingesetzt. Sargon II. eroberte um 721/720 v. Chr. die Stadt endgültig, und ließ König Jahu-Bihdi schinden. Nach 2. Könige 17 in der Bibel siedelte Sargon Bewohner des eroberten Hamath in das 722 v. Chr. neu eroberte Samaria um 719 v. Chr. wurden Itti von Allabria und seine Anhänger von Sargon II. nach Hamath deportiert.

Hellenistische und römische Zeit

Von Antiochos IV. Epiphanes wurde die Stadt in Epiphania (Epiphaneia) umbenannt. Die Stadt fiel nach der Liquidierung des Seleukidenreichs an Rom. In der Spätantike stammten unter anderem der Kirchenhistoriker Euagrios Scholastikos und der Historiker Johannes aus Epiphaneia.

Mittelalter

Im Jahre 639 eroberten die muslimischen Araber die oströmische Stadt. 1108 eroberte Tankred von Tiberias die Stadt für die Kreuzfahrer, unter deren Herrschaft sie aber nur bis 1115 blieb. 1157 wurde die Stadt durch ein Erdbeben erschüttert und gelangte in der Folgezeit unter die Kontrolle der Zengiden.

Hama wurde 1178 von Saladin erobert und blieb bis 1341 in der Hand seiner Nachkommen, der Ayyubiden, die Hama an die Mamluken verloren. In dieser Zeit war Hama ein wichtiges Handelszentrum geworden. 1401 wurde die Stadt von den Timuriden zerstört.

Neuzeit

1516 kam die Stadt dann an die Osmanen und blieb es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Lediglich von 1831 bis 1839 war sie in der Hand der Ägypter unter Muhammad Ali Pascha.

Reisende des 19. Jahrhunderts beschrieben den überaus konservativen Geist der Bevölkerung von Hama.

Der Herrschaft der Franzosen als Mandatsmacht des Völkerbundes folgte 1946 die Unabhängigkeit Syriens.

International wenig bekannt ist das Massaker von Hama von Februar 1982, bei dem die syrische Armee unter Verteidigungsminister Mustafa Tlas die Stadt bombardierte, weil Mitglieder der Muslimbrüder Hama zum Widerstandszentrum gegen die Regierung ausgebaut hatten. Dabei wurden, insbesondere in der historischen Altstadt, große Verwüstungen angerichtet und schätzungsweise 30.000 Menschen kamen zu Tode. Diese Ereignisse sind bis heute ein völliges Tabu in Syrien.[4]

Als ein Zentrum der Proteste in Syrien 2011 rückte Hama in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Am 31. Juli 2011 rückten in einer blutigen Aktion syrischer Sicherheitskräfte Panzer in die Stadt ein und es starben über 100 Menschen.[5]

Sehenswürdigkeiten

Noria

Berühmt ist Hama vor allem durch seine riesigen Wasserräder (Norias) am Orontes. Hama weist nach Damaskus und Aleppo den größten Gebäudebestand aus osmanischer Zeit auf. Das Stadtpalais Qasr al-Azm wurde im 18. Jahrhundert errichtet. Es ist der älteste erhaltenen Gouverneurspalast in Syrien aus osmanischer Zeit.

Das DAI Damaskus hat das Projekt Topographical Survey of the Old Town of Hama gestartet, dabei widmen sich die Forscher vor allem der Baudokumentation.

Könige von Hamath

  • Urhilina (luwisch)/Irhuleni (assyrisch) um 850 v. Chr.
  • Uratami um 840 v. Chr.
  • Eni'el, zur Zeit von Salmanassar III., (858 v. Chr. bis ca. 824 v. Chr.)
  • Zakkur um 805
  • Ilubidi, ein Usurpator, ein „böser Hethiter“, um 700
  • ab 738 Eni-ilu als assyrischer Vasallenkönig
  • Jahu-Bi'di (Jeho-bidi)[6] bis 721
  • ab 721/720 assyrische Provinz

Söhne und Töchter der Stadt

Siehe auch

Epiphanias

Literatur

Weblinks

 Commons: Hama – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Syrien: Die wichtigsten Orte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung. World Gazetteer.
  2. Harald Ingholt: The Danish Excavations at Hama on the Orontes. American Journal of Archaeology 46/4, 1942, Seiten 469–476.
  3. K. Lämmerhirt: Re'e In: RlA Nr. 11, 2007, Seite 288.
  4. Silke Lode: Hama, Ort der Grabesstille. In: Süddeutsche Zeitung, 24. März 2011, abgerufen am 1. August 2011.
  5. Entsetzen über Massaker der Armee. In: taz, 1. August 2011, abgerufen am 1. August 2011.
  6. A. Malamat: Aspects of the Foreign Policies of David and Solomon. Journal of Near Eastern Studies 22/1, 1963), Seite 7.

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