Alkatiri
Marí Bin Amude Alkatiri (2006)

Dr. Marí Bin Amude Alkatiri (* 26. November 1949 in Dili) war von 2002 bis 2006 der erste Premierminister von Osttimor, seit der endgültigen Erlangung der Unabhängigkeit.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Familie

Der Muslim Alkatiri ist der Nachfahre von jemenitischen Arabern, die am Ende des 19. Jahrhunderts von Hadramaut nach Osttimor auswanderten. Marí Alkatiri gehört der dritten in Timor geborenen Generation an. Die arabischen Einwanderer verbreiteten im Laufe der letzten Jahrhunderte den Islam in Südostasien, vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung und erreichten in diesen Ländern hohe Positionen in der Gesellschaft. Die Alkatiri bilden einen der größten und bekanntesten Stämme des Jemen. Dieser Stamm zog im 15. Jahrhundert von Sanaa nach Hadramaut, wo sie das Kathiri-Sultanat gründeten. Das Sultanat ging mit Ende der britischen Kolonialzeit unter und ging in der Volksdemokratische Republik Jemen 1967 auf.

Verheiratet ist Marí Alkatiri mit Marina Alkatiri. Während Alkatiris Zeit als Premierminister war sie Botschafterin für Osttimor in Mosambik. Marís älterer Bruder Djafar Alkatiri war gleichzeitig Botschafter in Malaysia.

Marís anderer Bruder, der Wirtschaftsexperte Tomás Bin Amude Alkatiri ist mit der Schwägerin von Nicolau dos Reis Lobato verheiratet. Allerdings hatte die sonst in Osttimor üblichen politischen Allianzen auf verwandtschaftliche Ebene hier keine große Wirkung. Tomás war ein glühender Unterstützer der APODETI.

Leben

Frühe Jahre

Alkatiri wuchs mit seinen zehn Geschwistern als Sohn des verarmten Amude Alkatiri in Dili auf und ging hier auch zur Schule. Bereits in jungen Jahren stritt er für die Unabhängigkeit der Kolonie Portugiesisch-Timor. Im Januar 1970 gründete er gemeinsam mit anderen Bürgern die Movimento para a Liberação de Timor-Leste (Bewegung für die Befreiung Osttimors). Alkatiri ist das einzige noch lebende Mitglied dieser Befreiungsbewegung. Im gleichen Jahr ging er nach Angola, um ein Studium zum Landvermesser an der Angolanischen Schule für Geographie zu absolvieren. Danach studierte er Jura an der Eduardo-Mondlane-Universität in Lourenço Marques, der heutigen Hauptstadt Mosambiks Maputo. Zurück in Portugiesisch-Timor arbeitete Alkatiri als Verwaltungsbeamter im Bauamt.

Der Weg zur ersten Unabhängigkeit

Nachdem die Nelkenrevolution im April 1974 die Militärdiktatur in Portugal beendete, wurden in Osttimor Parteien und politische Organisationen zugelassen. Am 20. Mai 1974 wurde die sozialdemokratische Partei Assoçiação Social Democrata Timorense (ASDT) gegründet und Alkatiri zu deren Generalsekretär ernannt. Im September des Jahres nannte sich die ASDT in FRETILIN um, mit dem Ziel die Unabhängigkeit der Kolonie Osttimor zu erreichen. Alkatiri wurde Mitglied des Zentralkomitees und war zuständig für Internationale Angelegenheiten. Zwar entließ Portugal seine Kolonien in die Unabhängigkeit, doch Indonesien versuchte sich das kleine Osttimor einzuverleiben, aber es gab auch Gruppierungen wie die UDT, die weiter zu Portugal gehören wollten. Die FRETILIN setzte sich schließlich bei den ersten freien Wahlen im 13. März 1975 mit 55 % durch. Die indonesische Armee verletzte immer wieder die Grenze zu Osttimor und drohte unverhohlen mit einer Invasion, was zur Gründung der FALINTIL, der Nationalen Befreiungsarmee Osttimors, am 20. August führte. Alkatiri organisierte den Aufbau der Armee mit. Zudem wurde Alkatiri damit beauftragt im Ausland für die Sache Osttimors zu werben. Er reiste im November nach Afrika um Hilfe gegen den Einmarsch Indonesiens zu erhalten. Als er zurückkehrte wurde Alkatiri zum Vorsitzenden der Verfassungskommission ernannt, die die neue Verfassung ausarbeiten sollte. Am 28. November 1975 erklärte die FRETILIN die Unabhängigkeit Osttimors und Alkatiri wurde zum Staatsminister für Wirtschaft und Soziales ernannt.

Exil

Am 4. Dezember 1975 reiste Alkatiri mit einer Delegation aus Osttimor ab, um weitere internationale Unterstützung für sein Land zu bekommen. Doch drei Tage nach seiner Abreise überfiel Indonesien das militärisch unterlegene Osttimor. In den ersten Monaten der Besatzung starben tausende Menschen. Alkatiri konnte nicht nach Osttimor zurück und widmete sich fortan als Exil-Chef der FRETILIN der Aufgabe, die unrechtmäßige Besatzung seines Landes zu beenden. Noch im selben Monat erreichte er eine Verurteilung Indonesiens vor dem UN-Sicherheitsrat. Er ließ sich in Mosambik nieder und versuchte jahrelang mit Hilfe der UNO Osttimor von der indonesischen Besatzung zu befreien. 1977 übernahm Alkatiri das Amt des Außenministers der Exilregierung von José Ramos-Horta, der nun Sprecher der Exilregierung wurde.
Alkatiri lehrte fortan an seiner ehemaligen Universität in Maputo Internationales Privatrecht und Verfassungsrecht. Von 1992 bis 1998 arbeitete er zudem als Rechtsanwalt für eine private Kanzlei. 1995 bis 1998 beriet er das Parlament von Mosambik in Verfassungsfragen.

Rückkehr nach Osttimor

1998 trat der langjährige indonesische Diktator Suharto zurück und ein politischer Wandel setze in dem Land ein. Indonesien ließ im August 1999 nach internationalem Druck ein Referendum über die Unabhängigkeit in Osttimor zu. Der erfolgreiche Ausgang führte zu Übergriffen von proindonesischen Milizen, in dessen Verlauf fast die komplette Infrastruktur Osttimors zerstört wurde. Erst durch Eingreifen einer UNO-Friedenstruppe im September wurde den Verwüstungen ein Ende gesetzt. Alkatiri kehrte am 13. Oktober 1999 nach Osttimor zurück und übernahm in den nächsten Jahren verschiedene Aufgaben auf dem Weg zur Unabhängigkeit und des Wiederaufbaus von Osttimor. Unter anderem handelte er einen Vertrag mit Australien über die Ausbeutung der Ölvorkommen in der Timorsee aus. In der zweiten Übergangsregierung war er Minister für Wirtschaft und Entwicklung.

Premierminister

Marí Bin Amude Alkatiri (2002)
Anti-Alkatiri-Demonstration in Dili 2005

Am 20. Mai 2002, am Tag der erneuten Unabhängigkeit Osttimors, wurde Alkatiri von der FRETILIN, die im August 2001 die absolute Mehrheit im Parlament erlangt hatte, zum Premierminister und Minister für Entwicklung und Umwelt ernannt. Außenpolitisch strebte er eine Annäherung (Militärisch, wie wirtschaftlich) an die Volksrepublik China und die linksorientierten Staaten Südamerikas an, wodurch er in Konflikt mit Präsident Xanana Gusmão geriet. Alkatiri hatte mit Popularitätsproblemen zu kämpfen. Zum einen galt er bei vielen als kalter Technokrat, andere warfen ihm vor, dass er 24 Jahre im Exil in Mosambik verbrachte und nicht in Osttimor gegen die indonesischen Besatzer kämpfte. Alkatiri wurde auch für das Ausbrechen der schwersten Unruhen seit der Unabhängigkeit im April 2006 verantwortlich gemacht. Er hatte Soldaten, die gegen ungerechte Behandlungen in der Armee protestierten entlassen, was zu schwere Ausschreitungen in Dili führte. Rufe nach seinem Rücktritt wurden laut, doch blieb es zunächst einmal bei einer Regierungsumbildung, bei der zwei seiner wichtigsten Minister gehen mussten. Zusätzlich brach ein Machtkampf zwischen Alkatiri und Präsident Gusmão aus, wobei sich Alkatiri auf die Polizei und Gusmão auf die Unterstützung des größten Teils der Armee stützen konnte. Forderungen Gusmãos, dass Alkatiri zurücktritt, wurden zunächst von der Regierungspartei zurückgewiesen, wogegen der beliebte Außenminister José Ramos-Horta und der Verkehrsminister protestierten und sich am 25. Juni von ihren politischen Ämtern zurückzogen. Schließlich erklärte Alkatiri am 26. Juni 2006, dass er die Verantwortung für die politische Krise übernehmen wolle und trat zurück. Ramos-Horta wurde am 8. Juli zu dessen Nachfolger ernannt.

Am 17. Oktober veröffentlichen die UN einen Bericht zu den Unruhen, in dem ein Ermittlungsverfahren gegen Ex-Premierminister Alkatiri empfohlen wird. Alkatiri habe es nicht geschafft zu verhindern, dass Waffen an Zivilisten verteilt wurden, obwohl er davon gewusst haben soll. Ermittlungen gegen ihn wurden aber Anfang Februar 2007 eingestellt, was zu erneuten Protesten führte. Alkatiri beschuldigte mehrfach Australien für seinen erzwungenen Rücktritt verantwortlich zu sein.

Alkatiri ist weiterhin der Generalsekretär der FRETILIN und zog bei den Parlamentswahlen am 30. Juni 2007 mit Platz Zwei der Parteiliste in das Nationalparlament ein.

Siehe auch

Quelle


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