Alkatraz

Die Insel Alcatraz liegt mitten in der Bucht von San Francisco, Kalifornien in den USA. Sie wurde früher als Standort für ein befestigtes Fort und danach als Hochsicherheitsgefängnis genutzt, dient aber inzwischen lediglich als Touristenattraktion. Alcatraz steht unter der Aufsicht des US National Park Service.

Die 500 Meter lange und bis zu 41 Meter hohe Sandsteininsel diente nicht nur als Standort für ein Gefängnis. Auf der 85.000 m² großen Insel befindet sich auch der älteste Leuchtturm der US-amerikanischen Westküste.

Alcatraz

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Alcatraz
Satellitenbild

Entdeckung

Der spanische Forscher Juan Manuel de Ayala segelte 1775 in die Bucht von San Francisco und gab den Inseln, die er dort vorfand, ihren Namen. Der Name von Alcatraz leitet sich von dem Wort Isla de los Alcatraces („Tölpel-Insel“) ab. Zur damaligen Zeit nisteten viele Tölpel auf der Insel, und auch heute noch ist Alcatraz ein Vogelschutzgebiet.

Ausbau zum Fort und Gefängnis

1846 kaufte John Charles Fremont, der militärische Gouverneur Kaliforniens, Alcatraz der mexikanischen Regierung vom vorigen Besitzer Francis Temple zum Preis von 5.000 Dollar für die Vereinigten Staaten ab. Nach Beendigung des Krieges zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten meldeten allerdings sowohl Temple als auch Fremont Besitzrecht an. Das wurde von den Vereinigten Staaten nicht anerkannt, da Julian Workman, der Schwiegervater von Francis Temple und Vorbesitzer von Alcatraz, seinen Teil des Vertrags, einen Leuchtturm auf der Insel zu errichten, nicht erfüllt hatte und Fremont ohnehin nicht in der Position gewesen sei, die Insel im Namen der Vereinigten Staaten zu kaufen. Somit waren alle Verträge nichtig. Da Mexiko kein Interesse an der Insel hegte, fiel sie an die USA und blieb bis zum heutigen Tage im Besitz der US-Regierung, wird jedoch als öffentliches Land betrachtet.

Infolge des Andrangs an Schiffen, ausgelöst vom Goldrausch im Jahre 1848, und vieler, aufgrund unzureichender Kenntlichkeit und der starken Nebelbildung gesunkenen Schiffe wurde schließlich 1852 der erste Leuchtturm auf Alcatraz errichtet. Die Linse für das Licht kam allerdings erst 1853 aus Frankreich in San Francisco an, und es verging noch ein weiteres Jahr, bis man jemanden gefunden hatte, der die Linse im Turm des Leuchtturmes einbauen konnte. Somit wurde der Leuchtturm erst am 1. Juni 1854 in Betrieb genommen.

Danach begann die militärische Nutzung mit dem Bau von Fort Alcatraz von 1853 bis 1859, das für Kriegsgefangene ab 1861 zum ersten Mal als Gefängnis diente. Eine Gruppe konföderierter Soldaten und die Mannschaft eines konföderierten Handelsschiffes wurden hier während des amerikanischen Sezessionskrieges interniert. 1903 war das Gefängnis so verfallen, dass es geschlossen werden musste. Die Planungen für einen Neubau begannen 1906, wurden aber von dem schweren Erdbeben im gleichen Jahr zurückgeworfen. Der Gefängnisneubau dauerte schließlich von 1906 bis 1911. 1909 wurde der Leuchtturm neu gebaut. Das Fort wurde 1933 aufgegeben.

Hochsicherheitsgefängnis

Wachturm auf Alcatraz
Zellentrakt in Alcatraz
Zelle auf Alcatraz
Zelle auf Alcatraz

Am 12. Oktober 1933 begann schließlich der Umbau in eine Strafvollzugsanstalt, und am 1. Januar 1934 wurde Alcatraz zu einem Bundesgefängnis umfunktioniert. Wegen des eiskalten Wassers in der Bucht und der tückischen Strömung war „The Rock“ (Der Fels) für ein Gefängnis ideal gelegen, da eine Flucht unmöglich schien. Die ersten Gefangenen, 53 Häftlinge aus dem Staatsgefängnis in Atlanta, trafen 1934 ein. Alcatraz fungierte bis 1963 als Hochsicherheitsgefängnis, in dem Gefangene untergebracht wurden, die in anderen Gefängnissen als unverbesserlich und schwierig eingestuft wurden. Unter ihnen befanden sich so bekannte Gangster wie Al Capone (1934–1939), Robert Franklin Stroud (1942–1959), Machine Gun Kelly (1934–1951) und Alvin „Creepy“ Karpis (1936–1962).

In den nächsten 29 Jahren der Nutzung inhaftierte man auf der Insel einige der berüchtigtsten Kriminellen der USA. Insgesamt 1.576 Häftlinge waren auf Alcatraz inhaftiert, davon nie mehr als 302 gleichzeitig. Die Gefängniswachen lebten mit ihren Familien auf der Insel; insgesamt rund 300 Zivilisten, darunter 80 Kinder. 36 Gefangene versuchten in den 29 Jahren zu fliehen, aber es gab keinen bekannten erfolgreichen Ausbruch.

Die Zellen waren 1,52 Meter × 2,74 Meter groß, mit Waschbecken, Toilette und Bett. Hier hielten sich die Häftlinge zwischen 18 und 23 Stunden am Tag auf, alles andere waren Sondervergünstigungen, die nur bei guter Führung gewährt wurden. Auch die Teilnahme am Arbeitsprogramm war eine Sondervergünstigung. Hierbei wurden Verkehrsschilder hergestellt. An der Decke des Speisesaales waren für Notfälle Tränengasbehälter angebracht, die allerdings nie benutzt werden mussten bzw. konnten, da sich viele Wärter des Gefängnisses zur Essenszeit im Speisesaal aufhielten und sie sich so selbst geschadet hätten bzw. nicht hätten eingreifen können. Auch hatte das Gefängnis als einziges im Land Warmwasserduschen, um die Gewöhnung an kaltes Wasser für etwaige Fluchtversuche zu verhindern.

Fluchtversuche

Während den 29 Jahren der Nutzung gelang offiziell niemandem der Ausbruch aus dem Gefängnis. Alle 14 Versuche waren entweder erfolglos oder endeten tragisch, da die Flüchtigen entweder erschossen (6) wurden oder in dem eiskalten Wasser der Bucht von San Francisco ertranken. Die einzigen Haie vor Alcatraz waren dabei Katzenhaie, die Geschichten über sie wurden nur zur Abschreckung verbreitet. Trotzdem verschwanden am 11. Juni 1962 die Insassen Frank Morris und die beiden Brüder John und Clarence Anglin aus ihren Zellen, ein vierter Mann musste aus Zeitgründen zurückgelassen werden. Die drei Männer gruben sich ihren Weg durch die in der salzhaltigen Luft alternden Wände frei. Sie gelangten über den Lüftungsschacht und das Dach des Zellenblocks schließlich nach außen und verschwanden dann mit einem Schlauchboot, das sie aus Regenmänteln selbst gefertigt hatten. Ihr Verschwinden wurde erst am nächsten Morgen bemerkt, als die Flüchtigen bereits einen Vorsprung von über neun Stunden hatten. Vermutlich sind sie in der Bucht ertrunken. Teile des Schlauchbootes und der Schwimmhilfen wurden an Land gespült bzw. von Fischern geborgen. Die Leichen selbst, für die Bucht nicht ungewöhnlich, wurden nie gefunden. Das Gerücht der erfolgreichen Flucht hält sich; manche Leute sagen, sie seien ertrunken, andere sagen, sie hätten es geschafft und fingen ein neues Leben an. Die Untersuchung des FBI zum Fall vermutet aufgrund weiterer Fakten das Gegenteil, allerdings beides jeweils ohne abschließende Beweise. Die Geschichte wurde später als Vorlage für den Film Die Flucht von Alcatraz mit Clint Eastwood genutzt.

Im Dezember 1962 fand eine weitere Flucht statt. Der Bankräuber John Paul Scott schwamm mit Hilfe von aufgeblasenen Gummihandschuhen über eine Stunde durch das eisige Wasser. Man fand ihn halberfroren am Festland, er musste wiederbelebt werden und wurde anschließend wieder zurückgebracht. Der Ruf als ausbruchssicheres Gefängnis war damit erneut erschüttert. Das auch wegen anderer Faktoren problematische Gefängnis wurde wenige Monate später aufgegeben.

Auch ein Versuch der Fernsehreihe Mythbusters zeigt, dass entgegen der damaligen Annahme eine Flucht aus Alcatraz theoretisch möglich war. Die nachgestellte Flucht bediente sich der Idee eines Schlauchboots aus Regenmänteln und ließ tatsächlich drei Personen an den Marin Headlands nördlich der Golden Gate Bridge anlanden. Auch die Sendung Galileo versuchte in der Reihe „Galileo eXtrem“, die Flucht nachzustellen. Ein Reporter schwamm die Strecke zum Festland ohne Hilfsmittel in 37 Minuten. Ob Gefangene das auch geschafft hätten ist fraglich, da diese oft in körperlich schlechtem Zustand waren.

Anlässlich seines TV-Specials „Escape from Alcatraz“, im Jahr 1987, ließ sich David Copperfield in einer Zelle einsperren und verblüffte eine Gruppe von Zuschauern mit seinen Tricks.

Fehlplanungen beim Bau

Die Fluchtversuche sind zu einem sehr großen Teil auf Fehlplanungen und Kostenersparnisse zurückzuführen.

Die langsam aber stetig verrottenden Wände zum Beispiel lassen sich auf den Umstand zurückführen, dass die Zellentoiletten nicht mit Süßwasser, sondern mit dem aus der Bucht gepumpten Salzwasser betrieben wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Zu- und Ableitungsrohre zu den Toiletten im Laufe der Jahre stark korrodierten und somit undicht wurden. Durch den ständigen Kontakt der Zellenwände mit salzhaltigem Wasser verrostete nach und nach die Stahlbewehrung im Inneren des Betons übermäßig stark. Zusammen mit der Einwirkung der salzhaltigen Luft führte dies zu einer Schwächung der Bewehrung und zum Aufplatzen des Betons. Des Weiteren wurde auch noch der Fehler begangen, die Zellentüren am Zellenblock D nicht wie bei den anderen Blöcken mit rundem und speziell gehärtetem Stahl zu versehen, sondern aus Geldmangel mit Flacheisen, welches mit einem Eisensägeblatt leicht zu durchtrennen ist.

Schließung des Gefängnisses

Wegen der hohen Betriebskosten und des zunehmenden Verfalls der Anlage durch das Salzwasser, was ständige Instandhaltung der alten Gemäuer notwendig machte, ordnete Justizminister Robert F. Kennedy am 21. März 1963 die Schließung des Gefängnisses an. Seitdem ist die Insel unbewohnt.

Besetzung durch Indianer

Nach der Schließung der Anstalt 1964 waren etwa 40 Indianer, darunter der 26-jährige Russell Means, nach Alcatraz gefahren und hatten dort ein Angebot verlesen, die Insel für 47 Cent pro Acre zu kaufen.[1] Das war der Preis, den Kalifornien zu dieser Zeit Indianern als Ausgleich für unrechtmäßige Landnahme im vorhergehenden Jahrhundert bot. Die Indianer beriefen sich auf einen Vertrag aus dem Jahre 1868, der jedem Indianer die Nutzung von ehemaligem Bundesgebiet zusagte, falls dieses nicht mehr gebraucht würde.

Die Indians of All Tribes (englisch für Indianer aller Stämme), eine Gruppe junger Indianer, besetzte ab dem 20. November 1969 die Insel auf der gleichen Grundlage. In den folgenden Monaten gab es ein großes Presse-Echo und einigen Zulauf von Leuten, die zur Unterstützung einige Tage bis Monate nach Alcatraz kamen. Ideelle und materielle Unterstützung gab es u. a. von den Musikern der Rockband Creedence Clearwater Revival. Im Frühsommer 1971 beschloss die US-amerikanische Regierung, die Insel gewaltsam zu räumen. Der Zeitpunkt schien günstig, weil laut Berichten zur Zeit nur elf bis 15 Indianer auf der Insel ausharrten, aber vermutlich mit dem Einsetzen der Ferien wieder Zulauf von Studenten bekommen würden. Regierungsbeamte machten außerdem geltend, dass der Zeitraum von jetzt bis zur nächsten Wahl lang sei, so dass die Öffentlichkeit die Angelegenheit wieder vergessen würde, selbst wenn es zu unschönen Szenen dabei käme. Am 11. Juni 1971 riegelte die Küstenwache die Insel ab und etwa 30 FBI-Agenten brachten die verbliebenen indianischen Aktivisten, ohne auf Widerstand zu stoßen, aufs Festland.

Einige Besetzer, unter anderem John Trudell, traten später dem American Indian Movement bei.

Erschließung für die Öffentlichkeit

Danach gab es Versuche, Alcatraz in ein Kasino umzuwandeln; es fand sich jedoch kein Investor. Die Insel wurde 1972 schließlich als Teil der neu geschaffenen Golden Gate National Recreation Area der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Heute ist Alcatraz eine Touristenattraktion mit über einer Million Besuchern pro Jahr. Der Zellenblock, der Speisesaal, die Bibliothek und der Gefängnishof können besichtigt werden. Darüber hinaus kann im ehemaligem Unterkunftsblock der Wachen eine kleine Gefängnisausstellung besichtigt werden. Durch den eigentlichen Zellenblock wird man mit Hilfe von MP3-Playern in verschiedenen Sprachen (auch Deutsch) geführt. In der englischsprachigen Version sind Originalaufnahmen von Zeitzeugen zu hören, die von ihren Hafterlebnissen berichten.

Gefängnisaufenthalt

Es waren durchschnittlich nicht mehr als 250 Häftlinge gleichzeitig im Gefängnis untergebracht. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit der Häftlinge betrug zehn Jahre, und sie bekamen in dieser Zeit niemals eine Zeitung zu lesen, ein Radio oder einen Fernseher zu Gesicht. Sie durften nur einmal im Monat eine Stunde lang Besuch erhalten. Durch diese Maßnahmen wurden die Häftlinge völlig von der Außenwelt isoliert. Die „fantastische“ Aussicht auf San Francisco und die Golden Gate Bridge verschlimmerte die Haft. Bei Regelverstoß wurde man in Isolationshaft genommen. Man musste 18 Tage in einer Einzelzelle, entweder jeden Tag mit konstanter Beleuchtung oder jeden Tag bei Dunkelheit, verbringen.

Alcatraz hatte zwei Aufgaben:

  1. Übernahme von Unruhestiftern aus anderen Gefängnissen, um Flucht, Gewalt und Selbstmordversuche zu verhindern.
  2. Von Resozialisierung war nie die Rede. Der alleinige Zweck war, Häftlinge zu übernehmen, um sie gebessert wieder in ein anderes Gefängnis zu schicken.

Panorama

Ein Panorama von Alcatraz aus der Bucht von San Francisco aufgenommen
Ein Panorama von Alcatraz aus der Bucht von San Francisco aufgenommen

Adaptionen

Filme

Computerspiele

  • Das Spiel zum Film: Escape from Alcatraz.
  • Shadow Hearts 3 – From the New World, in dem es die Aufgabe der Helden ist, Al Capone aus Alcatraz zu befreien (Was aber einen anachronistischen Fehler darstellt, da Al Capone von 1934-39 (s.o.) dort in Haft war, aber das Spiel im Jahr 1929 spielt).
  • In Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2 – Yuris Rache, ist die Insel Schauplatz der ersten Mission.
  • In dem Spiel Tom Clancy's Rainbow Six 3 gibt es eine Mission auf Alcatraz.
  • Zudem gibt es viele Modifikationen zu Spielen oder Custom-Maps, die sich an Alcatraz orientieren.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Ben Winton: The occupation of Alcatraz: Don’t give us apologies. Give us what we really want. auf www.thenativepress.com (englisch)

Literatur

  • John Arturo Martini: Fortress Alcatraz – Guardian of the Golden Gate. Ten Speed Press, Berkeley, Ca 2004, ISBN 1-58008-626-8
  • Ingo Becker-Kavan: "Alcatraz - Ein Synonym für Abschreckung". Verlag Koenigshausen&Neumann, 1998 und 2009, ISBN 3-8260-1415-4

Weblinks

37.826666666667-122.423333333337Koordinaten: 37° 49′ 36″ N, 122° 25′ 24″ W


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