Alkmaion von Kroton

Alkmaion (griechisch Ἀλκμαίων; um 500 v. Chr.) war ein griechischer Arzt und Naturphilosoph aus Kroton (heute Crotone in Kalabrien). Er wurde von Autoren der römischen Kaiserzeit (Diogenes Laertios, Iamblichos von Chalkis) zu den Pythagoreern gezählt. Ob dies zutrifft, ist strittig, doch stand er jedenfalls den Pythagoreen zumindest nahe, denn er vertrat im Sinne des pythagoreischen Harmoniekonzepts die Auffassung, dass Gesundheit ein Gleichgewicht (wörtlich isonomía, "Gleichberechtigung") gegensätzlicher Kräfte im menschlichen Körper sei und Krankheit das Ergebnis eines Vorherrschens ("Monarchie") einer der Kräfte. Als Beispiele solcher Kräfte nannte er das Feuchte und das Trockene, das Kalte und das Warme, das Bittere und das Süße. Als eine Ursache für ein Ungleichgewicht bezeichnete er ein Übermaß oder einen Mangel an Nahrung. Die Anzahl der auf das menschliche Leben einwirkenden Gegensatzpaare betrachtete er als unbegrenzt. Hinsichtlich der menschlichen Erkenntnismöglichkeiten vertrat er eine skeptische Position.

Das Buch, das er verfasste, ist nicht erhalten geblieben, doch informieren Angaben späterer Quellen über den Inhalt.

Alkmaion sah im Gehirn das zentrale Organ der menschlichen Wahrnehmung. Folgendes Zitat wurde ihm von Platon und Hippokrates zugeschrieben: Ist es das Blut, mit dem wir denken, oder die Luft, oder das Feuer? Oder ist es keines von diesen, sondern vielmehr das Gehirn, das die Tätigkeit des Hörens, Sehens und Riechens verleiht? Und daraus entsteht dann Gedächtnis und Meinung, und aus Gedächtnis und Meinung .. das Wissen ... Solange das Gehirn unversehrt ist, solange hat auch der Mensch seinen Verstand .. Daher behaupte ich, dass das Gehirn es ist, das den Verstand sprechen läßt.

Wahrscheinlich entdeckte Alkmaion schon rund 2000 Jahre vor Bartolomeo Eustachi die nach diesem benannte Eustachi-Röhre.

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