Allee (Heilbronn)

Die Allee ist die zentrale Nord-Süd-Verkehrsachse in der Innenstadt von Heilbronn. Die 700 m lange vierspurige Straße, die sich zwischen dem Heilbronner Stadttheater am Berliner Platz und dem Wollhausplatz erstreckt, geht auf eine im Jahr 1753 längs außerhalb der Stadtmauern angelegte Linden- und Roßkastanienallee zurück, die nach der Verfüllung der Stadtgräben 1846 erneuert wurde und zunächst eine nach Osten nur locker bebaute Promenade war. Ihre heutige Bebauung entstand, als nach der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg überwiegend Geschäftshäuser beiderseits der Straße errichtet wurden. Um 1970 erhielt die Allee durch den Abriss des alten Stadtbads und des alten Stadttheaters ihren heutigen Verlauf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Auf dem Plan von 1858 bildet die Allee (rot markiert) noch die östliche Begrenzung der Stadt Heilbronn
Die alte Harmonie an der Allee wurde 1876–1878 erbaut
1903 war die Stadt bereits weit östlich über die Allee hinausgewachsen
Blick von der Kreuzung Kaiserstraße / Allee nach Norden zum Shoppinghaus (1979)

Entstehung der Allee

Das mittelalterliche Heilbronn war seit dem 12./13. Jahrhundert nach allen vier Seiten von Stadtmauern umgeben. Die Allee folgt dabei dem Verlauf der Stadtmauer im Osten, die dort wie auch im Süden und Norden außerhalb noch einen Graben aufwies. Im Westen bildete der Neckar eine natürliche Begrenzung. Stadttore bestanden nach Norden, Süden und über die Neckarbrücke nach Westen, aber zunächst nicht nach Osten zur heutigen Allee.

1753 ließ Bürgermeister Gottlob Moriz Christian von Wacks eine Linden- und Roßkastanienallee nach allen Seiten hin jenseits des Stadtgrabens anlegen. Nach dem Übergang der Stadt an Württemberg 1802 begann die Siedlungsausdehnung jenseits der Stadtmauern. 1808 wurde die Stadtmauer durch den Abbruch des Adelbergerturms erstmals nach Osten durchbrochen. Das dadurch entstandene neue Tor (Neutor) wurde später Karlstor genannt, der Stadtgraben vor dem Tor wurde 1809 aufgefüllt und ein Übergang nach Osten geschaffen. 1819 entstand mit einer Gartenwirtschaft, die später zum Heilbronner Aktientheater ausgebaut wurde, das erste Gebäude auf der Ostseite dieser Allee.

Die Stadtmauern wurden nach 1809 sukzessive weiter abgebrochen und die Trümmer in den Stadtgraben verfüllt. Auch sonstiger Schutt wurde dort abgeladen. 1846 gründete sich eine Aktiengesellschaft, die die Verschönerung des Stadtrands zum Ziel hatte. Auf ihre Initiative wurde der aufgefüllte Stadtgraben an der Nord- und insbesondere der 700 Meter langen Ostseite der Altstadt in eine 45 Meter breite Grünanlage mit Rasen, Büschen, Bäumen und einem von Bänken gesäumten Promenadenweg umgewandelt. Auf beiden Seiten der Grünanlage entstanden ca. 8 Meter breite Fahrbahnen. Diese neue Allee von 1846 ersetzte die Anlage von 1753, auch die Bäume der alten Allee wurden dabei gefällt.

Nachdem die Stadt Heilbronn bis 1855 deutlich über die mittelalterlichen Grenzen hinausgewachsen war, wurde eine Neueinteilung der Viertel und eine Neubezeichnung der Gebäude nötig. Anlässlich dieser Neueinteilung wurde die Bezeichnung Allee auch zum offiziellen Straßennamen, wobei zunächst noch in Obere und Untere Alleestraße und Obere und Untere Allee unterschieden wurde. Auf der Westseite (Alleestraße) befanden sich die Altbauten der mittelalterlichen Innenstadt, unter diesen einige Handwerksbetriebe, auf der Ostseite (Allee) überwiegend großzügige villenartige Wohngebäude. Von 1873 bis 1877 entstand an der südlichen Allee die Heilbronner Synagoge. 1876 bis 1878 entstand nördlich davon beim Aktientheater die städtische Festhalle Harmonie, 1892 entstand am südlichen Ende der Allee das Stadtbad am Wollhausplatz. Die Allee war zu dieser Zeit noch eine reine Promenade ohne Verkehrsbedeutung, da zunächst noch Sülmerstraße und Fleinerstraße die angestammte Nord-Süd-Verkehrsachse darstellten. Die wichtigste Kreuzung auf der Allee war anfangs die Kreuzung mit der Karlstraße, der zunächst wichtigsten West-Ost-Achse.

Innerstädtische Promenade

1897 wurde die vom Marktplatz kommende Kramstraße zur Allee durchbrochen und in Kaiserstraße umbenannt. Im selben Jahr wurde der Straßenbahnbetrieb in Heilbronn aufgenommen, der ebenfalls über diese Kreuzung floss, womit diese zur bestimmenden Verkehrskreuzung der Allee wurde, der sich die Karlstraßenkreuzung unterordnete. 1899 gab es nur noch Allee als einheitlichen Straßennamen, und die Gebäude wurden neu nummeriert. Die Baulücken auf der Ostseite wurden größtenteils weiter mit villenartigen Wohnhäusern geschlossen, auf der Altbau-Westseite ging das Handwerk zurück und siedelten sich nun verstärkt Geschäfte und Gastwirtschaften unter den Wohnhäusern an.

1911 bis 1913 wurde am nördlichen Ende der Allee das Stadttheater Heilbronn erbaut. Die letzten Baulücken wurden bis etwa 1930 geschlossen. Die Zahl der Geschäfte an der Allee hatte sich seit der Jahrhundertwende kaum erhöht, da die Allee im Gegensatz zu den Ladenstraßen Kaiserstraße, Sülmerstraße und Fleinerstraße weiterhin Promenandencharakter hatte. Lediglich einige Handels- und Bürohäuser auf der Ostseite der Straße sowie die 1931 erbaute Neue Post waren hinzugekommen. Noch 1934, als die Straße bereits in Adolf-Hitler-Allee umbenannt war, wird sie im städtischen Adressbuch als „parkartiger Wandelgang“ bezeichnet.

Beim Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 wurde die gesamte Innenstadt von Heilbronn und damit auch fast sämtliche Gebäude längs der Allee zerstört. Lediglich das Haus Allee 18 und die Neue Post konnten voll, das Stadttheater provisorisch wiederhergestellt werden.

Hauptstraße seit dem Zweiten Weltkrieg

Bei den Planungen zum Wiederaufbau der Stadt ab 1947, deren Neubebauung grundsätzlich den alten Straßen und Quartieren folgte, erkannte man das Potential der Allee als Durchgangs- und Geschäftsstraße. Der Verkehrsplan von Karl Gonser von 1947 sah einen die Innenstadt umfahrenden Alleenring vor, dessen östliche Hälfte von der Allee gebildet werden sollte. Wegen einer unüberbrückbaren Engstelle im Nordwesten (heutige Kranenstraße) ließ sich der Alleenring zwar nicht vollständig verwirklichen, die Allee wurde aber dennoch zur innerstädtischen Hauptstraße ausgebaut, über die nun der ehemals durch Sülmer Straße und Fleiner Straße fließende Nord-Süd-Durchgangsverkehr geleitet wurde. Der Verkehr wurde dabei zunächst von Neckarsulm kommend um den Berliner Platz und das Stadttheater auf die Allee geleitet und am südlichen Ende um das Stadtbad herum auf die Wilhelmstraße, die Verlängerung der Fleiner Straße.

Auf der Westseite der Straße entstand wie zuvor eine Mischbebauung aus Geschäftshäusern und Wohn- und Geschäftshäusern, auf der zuvor überwiegend von Wohnvillen geprägten Ostseite entstand dagegen kein einziges Wohnhaus mehr, sondern ausschließlich öffentliche Gebäude und Geschäftshäuser, darunter u. a. das Einrichtungshaus Karl Kost. Am südlichen Ende der Allee wurde am Wollhausplatz 1950 das Stadtbad wiederaufgebaut, hier befand sich eine Haltestelle für mehrere Busse. In den 1950er Jahren schlossen sich wieder die meisten Baulücken. Die Festhalle Harmonie wurde bis 1958 neu erbaut, das ehemalige Synagogengrundstück wurde mit einem Kino- und Geschäftshaus überbaut.

Blick vom Shoppinghaus auf den Südteil der Allee

Am 18. Juli 1970 wurde das alte Stadttheater gesprengt, wodurch bis 1978 der Straßenverlauf am Nordende zur Weinsberger Straße hin begradigt werden konnte. Die Geradeausführung der Allee zählte zu den großen städtischen Tiefbaumaßnahmen, die Kosten betrugen rund 9 Millionen DM. Das Alte Stadtbad am südlichen Ende der Allee wurde 1972 abgerissen und wich dem Wollhauszentrum mit modernem Busbahnhof.

Mit der Schaffung der Fußgängerzone im Bereich von Sülmerstraße und Fleinerstraße ab dem Spätjahr 1971 wurde der restliche nord-südliche Durchgangsverkehr aus dem Gebiet der historischen Altstadt auf die Allee verlegt. Bis 1977 betrug die Gesamtfläche der Fußgängerzonen rund 20.000 Quadratmeter.

Im Juni 1971 wurde mit der Allee-Unterführung von der Hafenmarktpassage zur Harmonie der erste Fußgängertunnel mit Rolltreppe an der Allee eröffnet. Eine größere Unterführung mit Ladenzeilen an der Kaiser-/Moltkestraße wurde bereits im darauffolgenden Monat fertiggestellt. 1973 eröffnete der SDR ein Regionalstudio im Shoppinghaus an der Allee. Die Theaterbrache am Berliner Platz wurde 1982 mit dem neuen Heilbronner Stadttheater überbaut. Der eigentliche Berliner Platz, der durch die Änderung der Verkehrsführung nach 1970 keine Verkehrsbedeutung mehr hatte, lag lange Zeit brach und wurde dann mit 2001 eröffneten dem Theaterforum K3 überbaut.

1978 kam am Berliner Platz eine ca. 70 Meter lange Unterführung und 1980 eine weitere Unterführung mit Ladenzeilen an der Hauptpost hinzu. Die beiden Unterführungen bei der Harmonie wurden inzwischen, auch wegen des Ausbaus der Stadtbahn über die Allee, wieder geschlossen. Aus Kostengründen wurde 2005 die Schließung der Hauptpost-Unterführung für 2009 beschlossen.[1]

Im Jahr 2011 begannen die Arbeiten für den Nordast der Stadtbahn Heilbronn, der künftig über die nördliche Allee führen soll.

Filmtheater an der Allee

In den 1980ern bestanden außerdem bis zu 18 Kinos in Heilbronn, von denen sich mehrere an der Allee befanden:

  • Shoppinghaus: Apollo, Astoria, Cinema, Corso, zwei Pornokinos (alle geschlossen)
  • Allee 16: Luxor, Savoy, Scala (alter Name: Smoky), Studio Linse (alle seit 4. Oktober 2001 geschlossen)
  • Allee 4: Universum, City, Cherie, Bambi
  • Rückseite Allee 4: Metropol, Domino, Roxy, MiniMet (alle am 28. Juli 2000 geschlossen, Gebäude inzwischen abgerissen)

Markante Gebäude an der Allee

Die Allee erstreckt sich vom 1982 erbauten Theater Heilbronn im Norden bis zum 1974 eröffneten Wollhauszentrum mit Busbahnhof im Süden. Theater und Wollhaus liegen jeweils westlich der Allee. Dazwischen befindet sich auf der östlichen Straßenseite das 2001 modernisierte Konzert- und Kongresszentrum Harmonie mit Stadtgarten, an den die Kreuzung zur Kaiserstraße bzw. Moltkestraße anschließt, wo sich außer einer Stadtbahnhaltestelle auch drei Bankgebäude mit korrespondierender Architektur befinden: BW-Bank (1952), Dresdner Bank (1952) und Volksbank Heilbronn (1993). Weitere auffällige Gebäude an der Allee sind das 14-stöckige Shoppinghaus von 1971 sowie einige markante Geschäftsgebäude der 1950er Jahre, darunter das Kost-Gebäude (heute Sparda-Bank) neben der Harmonie mit seiner für damalige Verhältnisse ungewöhnlich langen Schaufensterfront, das Hochhaus der Heilbronner Stimme von 1957 und das Kaufhaus Barthel (später: Modehaus Krauß).

Die ehemalige Hauptpost wurde bereits um 1930 als damals drittes Postamt (Neue Post) erbaut und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Ersatz für die zerstörte alte Hauptpost am Neckar zur Hauptpost ausgebaut. Aufgrund der starken Kriegszerstörung der Stadt gibt es an der Allee sonst nur sehr wenig alten Baubestand. Die Ballettschule Münch weist noch ein historisches Portal auf.

Einzelnachweise

  1. Kilian Krauth: Neuer Überweg an der Allee: Postpassage schließt März 2009. In: Heilbronner Stimme vom 7. April 2008

Literatur

  • Roland Reitmann: Die Allee in Heilbronn. Funktionswandel einer Straße. Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1971 (Kleine Schriftenreihe des Archivs der Stadt Heilbronn. Band 2)
  • Kilian Krauth: Heilbronner Allee geht seltsame Wege. In: Heilbronner Stimme. 23. Dezember 2009 (bei stimme.de; dort auch ein Video Zeitreise durch die Heilbronner Allee).
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