Allee der Gerechten unter den Völkern
Die Halle der Namen

Yad Vashem (gelegentlich auch in der Schreibweise Jad Waschem oder Yad Washem), offiziell: „Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust“, ist die bedeutendste Gedenkstätte an die nationalsozialistische Judenvernichtung. Sie liegt in Jerusalem und wurde am 19. August 1953[1] durch einen Beschluss der Knesset als eine staatliche Behörde gegründet. Yad Vashem wird jährlich von über zwei Millionen Menschen besucht.

Inhaltsverzeichnis

Denkmal und Name

Eingangsbereich

Yad Vashem (hebr. יד ושם für „Denkmal und Name“) erhielt seinen Namen nach Jesaja 56,5: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“

Die Gedenkstätte umfasst folgende Abteilungen:

Museum zur Geschichte des Holocaust

Das „Museum zur Geschichte des Holocaust“ dokumentiert in neun unterirdisch angelegten Galerien die Geschichte der Judenverfolgung. Anhand von Videoinstallationen, Fotografien, Exponaten, Dokumenten und Kunstwerken wird der Völkermord an den europäischen Juden dargestellt. Die Ausstellung ist chronologisch geordnet und beginnt beim jüdischen Leben in Europa vor dem Holocaust, geht dann über den aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland, den Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung jüdischen Lebens in Polen, die Ghettos (mit dem Nachbau der „Ulica Leszno“, der Hauptstraße des Warschauer Ghettos) zur Vernichtung in den Konzentrationslagern. Hieran schließen sich der Widerstand und die Todesmärsche an. Die Ausstellung endet mit der Situation der Überlebenden, ihrer Suche nach Angehörigen, dem Leben in DP-Camps und der Auswanderung nach Israel oder in andere Länder. Hierbei werden auf mehr als 100 Bildschirmen Videos mit Aussagen Überlebender des Holocaust vorgestellt.

Der Neubau des Museums (Architekt: Mosche Safdie) wurde im März 2005 eröffnet.

Denkmäler in Yad Vashem

Das weitläufige Gelände umfasst eine Vielzahl von Skulpturen und einzelnen Gedenkstätten. Besonders seien erwähnt:

Halle der Erinnerung

Halle der Erinnerung

Die „Halle der Erinnerung“ (hebr: אוהל יזכור, Ohel Jizkor) mit der Gedenkflamme für die Opfer des Holocaust. Diese Flamme ist in Form eines zerbrochenen Bronzekelchs ausgeführt und steht in der Mitte der Halle. Davor befindet sich eine Steinplatte, unter der Asche aus den Konzentrationslagern begraben ist. In der Halle sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager in den Boden eingraviert, die exemplarisch für alle Orte der Vernichtung stehen.

Architekt: Aryeh Elhanani

Allee der Gerechten unter den Völkern

Gedenktafel

Die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ ist gesäumt von Bäumen, die für die „Gerechten“ gepflanzt wurden. Mit den Gerechten unter den Völkern sind nichtjüdische Personen und Organisationen gemeint, die sich dem Nazi-Regime widersetzten, um Juden zu retten. Ihre Namen und ihre Herkunftsländer sind neben den Bäumen auf Tafeln vermerkt. Beispiele hierfür sind Oskar Schindler, Chiune Sugihara, Berthold Beitz oder Giorgio Perlasca. Das Projekt wurde 1963 begonnen.

Garten der Gerechten unter den Völkern

Der Garten der "Gerechten unter den Völkern"

Im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ werden seit 1996 für nichtjüdische Retterinnen und Retter Platten mit ihren Namen angebracht. Hier finden auch die Verleihungszeremonien des Ehrentitels für diese Personen statt.

Denkmal für die Kinder

Das „Denkmal für die Kinder“ ist dem Gedenken an die 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kinder gewidmet. Das Denkmal ist als unterirdischer Raum angelegt, in dem Kerzen in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Im Hintergrund werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der Kinder von einem Tonband abgespielt.

Architekt: Moshe Safdie

Halle der Namen

In der „Halle der Namen“, dem letzten Raum im Rundgang des Museums zur Geschichte des Holocaust, werden die Namen und persönlichen Daten der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes gesammelt. Als Grundlage hierfür dienen die Angaben auf „Gedenkblättern“, die von Verwandten und Bekannten der Ermordeten gemacht werden. Oft sind die Gedenkblätter die einzigen Erinnerungen an die Opfer.

Architekt: Moshe Safdie

Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten

Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten

Das „Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten“ erinnert mit einem alten Reichsbahnwaggon an die Transporte in die Konzentrationslager; der Waggon steht über dem Abhang auf einer ins Nichts führenden Brückenkonstruktion und ist ein originaler Transportwagen, der von der polnischen Regierung an Yad Vashem übergeben wurde.

Architekt: Moshe Safdie

Tal der Gemeinden

Tal der Gemeinden

Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wird im „Tal der Gemeinden“ (hebr: בקעת הקהילות, Bik'at haKehilot) auf 107 Steinwänden der über 5000 jüdischen Gemeinden, die während der Shoa ganz oder teilweise vernichtet wurden, gedacht.

Architekten: Dan Zur und Lifa Yahalom

Weitere Einrichtungen in Yad Vashem

Pillar of Heroism, Säule des Mutes
Janusz Korczak Denkmal von Boris Saktsier
  • Das Kunstmuseum (Holocaust Art Museum) beherbergt eine Kunstsammlung von Zeichnungen und Gemälden von Insassen der Konzentrationslager.
  • Die Neue Synagoge zeigt Judaica aus zerstörten Synagogen Europas.
  • Die Bibliothek, die größte Sammlung von Büchern über den Holocaust, umfasst über 87.000 Bände in verschiedenen Sprachen. Architekt: Moshe Safdie
  • Das Archiv umfasst eine Sammlung von über 58 Millionen Seiten Dokumentation und über 100.000 Fotografien.
  • Im „Wald der Nationen“ sind Staats- und Regierungschefs aller Länder dazu eingeladen, einen Baum zu pflanzen. Er wurde 2005 von Horst Köhler eingeweiht.

Weitere Abteilung der Institution sind: Ausbildung, Publikation, Forschung.

Die Internetpräsenz YadVashem.org enthält eine Datenbank mit den Namen und Angaben zur Verfolgung von mehr als drei Millionen Holocaust-Opfern. Die Datensammlung ist Teil eines Projekts, um die Namen aller Opfer und ihre Lebensgeschichten zu dokumentieren. Nach 50 Jahren Recherche repräsentiert diese Datenbank die digitalisierte Version der Forschungsergebnisse. In den letzten zehn Jahren haben mehr als 1.500 Menschen die Daten digitalisiert. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um die umfassendste Datensammlung dieser Art.

In vielen europäischen Ländern gibt es Partnerschaftsvereine, welche die Ziele von Yad Vashem vertreten. So zum Beispiel die Österreichischen Freunde von Yad Vashem: Die österreichischen Freunde von Yad Vashem unterstützen seit 2003 die Ziele von Yad Vashem. Die Aufgaben bestehen im Wesentlichen in der Erinnerung an den Holocaust in Österreich durch spezielle Gedenk- und Erziehungsprojekte. Durch kulturelle Veranstaltungen soll auch die vielerorts verloren gegangene jüdische Kultur wiederbelebt und in Erinnerung gehalten werden.

Siehe auch

Quellen

  • Yad Vashem Gedenkstätte für Holocaust und Heldentum: Besucher-Prospekt

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lexikon des Judentums, Bertelsmann-Lexikon-Verlag, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-05964-2, Sp. 319

31.77444444444435.1752777777787Koordinaten: 31° 46′ 28″ N, 35° 10′ 31″ O


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