Allergische Kontaktdermatitis
Klassifikation nach ICD-10
L23 Allergische Kontaktdermatitis
Allergisches Kontaktekzem
ICD-10 online (WHO-Version 2006)
allergisches Kontaktekzem in Folge eines Wundverbandes

Unter einem Allergischen Kontaktekzem versteht man in der Medizin eine besondere Ausprägungsform einer Allergie. Sie äußert sich ausschließlich mit ekzematösen Veränderungen an der Haut. Als Auslöser können je nach Lokalisation unterschiedliche Stoffe in Frage kommen. Nickelkrätze ist z. B. eine Hautallergie mit ekzematösem Erscheinungsbild, die bei häufigem bis ständigem Kontakt mit nickelhaltigen Legierungen, Nickelsalzen und deren Lösungen auftritt. Bei Brillengestellen zeigt sie sich am Nasenrücken, bei Schmuck an den Stellen, an denen er getragen wird (Ringfinger, Hals), bei Galvaniseuren an den Händen. Als Berufskrankheit ist Nickelkrätze melde- und behandlungspflichtig. Eine vergleichbare Berufskrankheit ist die Maurerkrätze (Chromatallergie).

Inhaltsverzeichnis

Ursache

Ein allergischer Hautausschlag bei Kontaktallergie findet sich bei einer verzögerten Überempfindlichkeitsreaktion (Typ IV nach Coombs und Gell). Als Auslöser kommen meist inkomplette Antigene, sogenannte Haptene, bevorzugt fettlösliche Substanzen mit niedriger Molekülmasse vor. Diese lagern sich in der obersten Hautschicht, der Epidermis, an Eiweißmoleküle (Proteine) an. Dadurch werden sie zum Vollantigen. Im Gegensatz dazu wird die allergische Entzündung bei anderen allergischen Erkrankungen wie der atopischen Dermatitis oder dem Heuschnupfen durch Protein-Antigene ausgelöst[1].

Einmal zum Vollantigen gewandelt aktivieren die auslösenden Substanzen in der Epidermis Langerhans-Zellen. Diese wandern anschließend zu lokalen Lymphknoten, wo sie mittels verschiedener Botenstoffe (Zytokine) Lymphozyten stimulieren, die sich dann als Gedächtniszellen in kleinste Blutgefäße der Haut einlagern. Diese Sensibilisierung dauert etwa acht bis 21 Tage und verläuft ohne erkennbare Symptome. Erst nach einem Zweitkontakt wandeln sich die antigenspezifischen Gedächtniszellen in sogenannte Effektorzellen um und bilden wiederum verschiedene Botenstoffe, die zum Einwandern weiterer Entzündungszellen und vermehrten Austritt von Flüssigkeit in die Zellzwischenräume (interzelluläres Ödem) bis hin zur Bläschenbildung in der Epidermis führt.

Häufigkeit

Obwohl eine Kontaktallergie eine häufige Erkrankung darstellt, ist es schwierig, fundierte bevölkerungsbasierte Daten zu erstellen. Schätzungen beziehen sich auf die Häufigkeit von Verschreibungen der krankheitsspezifischen Medikamente und Verkaufszahlen von Hauttests zur Diagnosestellung. Daraus ergeben sich eine geschätzte Rate von 1,7 bis 7 Neuerkrankungen/1000 Personen im Jahr. Für einen Neunjahreszeitraum wird die Erkrankungshäufigkeit mit 4 bis 16 % angegeben. Bezogen auf die häufigsten einzelnen auslösenden Substanzen sind in Deutschland schätzungsweise 1,9 bis 4,5 Millionen Menschen gegen Nickel und zwischen 1,4 und 3,4 Millionen Menschen gegen Duftstoffe sensibilisiert. [2] Die Daten des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (IVDK) belegen, dass die Häufigkeit von Sensibilisierungen kontinuierlich ansteigt, obwohl man berücksichtigen muss, dass es sich dabei um klinische und nicht um bevölkerungsbezogene Daten handelt. [3]

Symptome

Grundsätzlich kann eine Kontaktallergie unter allen Erscheinungsformen eines Ekzems auftreten. Angefangen von einfachen Hautrötungen über Knötchen bis hin zu Bläschen, die mit nässenden oberflächlichen Hautdefekten (Erosionen) aufgehen und schließlich zu Krusten führen, kommen vor. Die Ausprägung der Veränderung steht in keinem eindeutigen Verhältnis zur Menge der auslösenden Substanz und reicht oft über die eigentliche Kontaktfläche hinaus. Der Verlauf kann langjährig und immer wiederkehrend sein, solange das auslösende Allergen nicht gefunden wird, beziehungsweise wenn es nur schwer gemieden werden kann.

Diagnose

Die Diagnose ergibt sich aus der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), den ekzematösen Hautveränderungen und der typischen Lokalisation. Bei Erscheinungen im Gesicht muss man besonders auf die Anwendung von Salben, Crémes, Augentropfen, Kontaktlinsenflüssigkeit und Kosmetika achten. Symptome an den Handgelenken, am Hals, an den Ohrläppchen oder an der Nabelregion können beispielsweise durch Nickel oder Kobalt in Modeschmuck oder Metallknöpfen ausgelöst sein. Besteht ein konkreter Verdacht, welche Stoffe die Kontaktallergie auslösen, stehen zur Bestätigung industriell gefertigte standardisierte Pflastertests (Epikutantests) zur Verfügung. Mit diesen werden die Allergene auf die Haut aufgebracht und zwei Tage belassen. Anschließend erfolgt ein erstes Ablesen der Hautreaktion. Da es sich aber um eine Reaktion vom verzögerten Typ handelt, muss der Test nach weiteren zwei Tagen nochmals abgelesen werden.

Therapie

Obwohl die Entstehung der allergischen Entzündung schon bis in die molekularen Einzelheiten der Botenstoffe sehr genau verstanden werden, stellt die Vermeidung der auslösenden Allergene (Allergenkarenz) immer noch die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit dar. Eine Hyposensibilisierung, wie sie bei Inhalationsallergien durchgeführt wird, ist für Kontaktallergien noch nicht etabliert. Das Ekzem muss somit symptomatisch nach allgemeinen Prinzipien behandelt werden. Nässende Stellen werden mit feuchten Umschlägen und wasserhaltigen Salben, chronisch trockene Veränderungen mit fetthaltigen Crémes behandelt. Kurzfristig können auch cortisonhaltige Präparate eingesetzt werden. Aktuelle Forschungen richten sich auf Substanzen, die an unterschiedlichen Stellen in den allergischen Entzündungsprozess eingreifen sollen und gezielt in die Haut eingebracht werden können. [1]

Prognose

Auch bei konsequenter Allergenkarenz halten die Sensibilisierungen oft über mehr als zehn Jahre an. Bei erneuter Exposition tritt immer wieder ein Hautausschlag auf. Somit ist die Prognose bezüglich einer definitiven Heilung eher als schlecht einzustufen.

Quellen

  1. a b P. Saint-Mezard et al.: Allergic contact dermatitis. In: Eur J Dermatol 2004; 14: 284-95 PMID 15358566
  2. A. Schnuch et al.: Epidemiology of contact allergy: an estimation of morbidity employing the clinical epidemiology and drug-utilization research (CE-DUR) approach. In: Contact Dermatitis 2002; 47:32-39 PMID 12225411
  3. W. Uter et al.: Epidemiology of contact dermatitis. The information network of Departments of Dermatology (IVDK) in Germany. In: European Journal of Dermatology 1998; 8:36-40 PMID 9649674

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