Allerseelenschlacht
Schlacht im Hürtgenwald
Teil von: Zweiter Weltkrieg
Karte der Operationen im Raum Hürtgenwald.
Karte der Operationen im Raum Hürtgenwald.
Datum 6. Oktober 194410. Februar 1945
Ort Hürtgenwald, Deutschland
Ausgang Sieg der USA
Konfliktparteien
Befehlshaber
Courtney Hodges Walter Model
Truppenstärke
120.000

1st Inf.Div. „Big Red One“
4th Inf.Div. „Ivy Division“
8th Inf.Div. „Golden Arrow or Pathfinder“
9th Inf.Div. „Octofoil“
28th Inf.Div. „Keystone“
78th Inf.Div. „Lightning“
83rd Inf.Div. „Thunderbolt“
104th Inf.Div. „Timberwolves“
82nd Abn.Div. „All American“
3rd Arm. Div. „Spearhead“
5th Arm. Div. „Victory“
7th Arm. Div. „Lucky Seventh“

unbekannt

12. Volksgrenadierdivision
47. Volksgrenadierdivision
89. Infanteriedivision
272. Volksgrenadier- division
275. Infanteriedivision
344. Infanteriedivision
353. Infanteriedivision
3. Fallschirmjägerdivision
116. Panzerdivision „Windhund“

Verluste
Gesamtzahl 32.000 (geschätzt) Gesamtzahl unbekannt, ca. 12.000 (geschätzt)

Die Schlacht im Hürtgenwald bezeichnet eine Reihe von drei Abwehrschlachten der Wehrmacht gegen die angreifende US Army im Gebiet der Nordeifel gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Kämpfe um den Hürtgenwald zählen zu den erbittertsten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges überhaupt. Einzelne Aspekte wurden von Heinrich Böll literarisch verarbeitet.

In der amerikanischen Erinnerungskultur spielt diese Schlacht, an der auch Ernest Hemingway und Jerome D. Salinger teilnahmen, eine wesentliche Rolle. Sie gilt nach der Einnahme von Aachen als erste größere Feldschlacht der Amerikaner auf deutschem Boden überhaupt, wurde als längste Schlacht der US Army allgemein bezeichnet und in den Gefallenzahlen mit der Schlacht von Gettysburg und dem gesamten Vietnamkrieg verglichen. Eine 1985 stattgefundene deutsch-amerikanische Gedenkveranstaltung auf einem benachbarten Soldatenfriedhof in Bitburg führte zur Bitburg-Kontroverse.

Inhaltsverzeichnis

Landschaft

Ort der Schlacht ist der Hürtgenwald, ein 140 km² großes Waldplateau nord-östlich der belgisch-deutschen Grenze, südlich von der Linie Aachen-Düren und westlich der Rur gelegen. Es besteht aus den Forsten Merode, Wenau, Hürtgen und Roetgen mit dichten Wäldern, unbewaldeten Hügeln, tiefen Taleinschnitten und dünner Besiedlung.

Vorgeschichte

Nach der Landung in der Normandie am sog. D-Day (6. Juni 1944) kämpften die westlichen Alliierten im Rahmen der Operation Overlord darum, dort eine feste Basis aufzubauen und die Deutschen aus Nordfrankreich zurückzudrängen. Zunächst konnten die Alliierten nur geringe Geländegewinne erreichen. Erst mit der Operation Cobra (auch als „Durchbruch bei Avranches“ bezeichnet; 24. Juli bis zum 4. August 1944) gelang es, die deutschen Stellungen im Westen des Invasionsbereiches zu durchbrechen. Im folgenden motorisierten Bewegungskrieg in Nordfrankreich konnte durch das unerwartet schnelle Vorrücken der alliierten Streitkräfte deren Nachschub schließlich nicht mehr sichergestellt werden und der Vormarsch geriet im Raum Aachen vor dem Westwall ins Stocken. Das gab den Deutschen Gelegenheit, ihre schwer angeschlagenen Truppen zu reorganisieren und Verteidigungsstellungen zu errichten. (siehe auch: Deutsche Westfront 1944/1945)

Ziel der deutschen Abwehr war es, einen alliierten Durchbruch zum Rhein zu unterbinden, um dadurch den Aufmarschraum für die geplante Ardennenoffensive zu bewahren. Die Alliierten wollten zwischen Aachen und Monschau in einem Waldgebiet bei Hürtgen (heute Gemeinde Hürtgenwald im Kreis Düren) durchbrechen und den entlang der Rurfront stehenden deutschen Verbänden in die Flanken fallen. Umgekehrt fürchtete man, im Falle eines schnellen Stoßes zum Rhein im Flachland weiter nördlich Flankenangriffen aus der Eifel ausgesetzt zu werden. Deshalb versuchte man einen Frontalangriff durch die unwegsame Bergregion, welche die Verteidiger begünstigte.

Die Deutschen waren ihrerseits aus mehreren Gründen am Hürtgenwald interessiert: Er bot eine ausgezeichnete Verteidigungsstellung, und die dahinterliegende Rurtalsperre ermöglichte es, das Rurtal unter Wasser zu setzen und einen befürchteten amerikanischen Durchbruch in der Jülicher Börde zu durchkreuzen. Zudem wurde die Region als Aufmarschgebiet für die bereits in Vorbereitung befindliche Ardennenoffensive benötigt und musste deshalb in deutscher Hand bleiben, wollte man nicht die Geheimhaltung aufs Spiel setzen und sich der Gefahr von Flankenangriffen aussetzen.

Kampfhandlungen

Am Vormittag des 6. Oktober 1944 begann der Vormarsch der zur 1. US-Armee gehörenden 9. US-Infanterie-Division unter dem Oberbefehl des V. US-Corps gegen die deutsche 275. Infanteriedivision auf der gesamten Breite des Angriffsgeländes. In diesem Waldgebiet gelang es jedoch kaum, Ziele für die alliierte Artillerie und Luftwaffe auszumachen. Größtenteils machte das Gelände den Einsatz schwerer Fahrzeuge unmöglich, auch weil es nur wenige Wege gab, die zumeist für schwere Fahrzeuge wenig oder gar nicht geeignet waren. Weiteres Hindernis für die US-Truppen war die genaue Ortskenntnis der Wehrmacht und deren sorgfältige Vorbereitungen von Feuerplänen und -stellungen für Artillerie, Mörser und MGs. Die Verteidiger waren durch das bergige und waldige Gelände im Vorteil, das die amerikanische Überlegenheit an Kriegsgerät weniger zur Geltung kommen ließ, außerdem standen ihnen die Befestigungen des Westwalls zur Verfügung. Zwar war der in den späten 1930er Jahren erbaute Westwall vielerorts verfallen und entwaffnet. Dennoch bot das unübersichtliche deutsche Stellungssystem gute Verteidigungsmöglichkeiten und stellte für Angreifer ein schweres Hindernis dar. Das unebene und stark bewaldete Gelände begünstigte Infiltrationstaktiken und erschwerte den Aufbau einer zusammenhängenden Front. Die Amerikaner litten außerdem unter dem Umstand, dass ihre Mörsergruppen Lichtungen zum Aufbau einer Feuerstellung benötigten, die es vielerorts einfach nicht gab, entsprechend fehlte ihren Infanteristen allzu oft die Unterstützung durch Mörser.

Die US-Soldaten waren dazu gezwungen, einen erbitterten Grabenkrieg zu führen, der für beide Seiten sehr kräftezehrend war. Dabei wirkte sich erschwerend aus, dass die Amerikaner praktisch keine Erfahrung im Gebirgs- und Kleinkrieg besaßen, während die Deutschen damit vertraut waren. Im Wald- und Bergland gab es nur wenig Ansatzpunkte für die Luftwaffe und gepanzerte Fahrzeuge, so dass die Infanterie die Hauptlast der Kämpfe trug. Die Deutschen verwandelten den dichten Wald mit unzähligen Schützenlöchern, Gräben und massivem Einsatz von Minen in eine Festung, in den Bäumen versteckte Scharfschützen (sog. Baumschützen) forderten einen stetigen Blutzoll, und Baumkrepierer (d. h. Artilleriegranaten, die einen Baum in Fetzen rissen und eine Unmenge Splitter erzeugten) erwiesen sich als sehr gefährlich für die ohne ausreichende Deckung vorgehenden Angreifer. Teilweise stellte die deutsche Artillerie ihre Geschosse auch als Luftzündungen ein, so dass ganze Gebiete mit Schrapnells überschüttet wurden. So blieb der Angriff im Wald stecken und die Höhen blieben in deutscher Hand, obwohl die Amerikaner sich den Gegebenheiten recht schnell anpassten. Den Deutschen machten ihrerseits Nachschubschwierigkeiten zu schaffen, die kämpfenden Verbände hatten auf dem Rückzug durch Frankreich schwere Verluste erlitten und Ersatz war kaum verfügbar. Durch den Mangel an Treibstoff und Fahrzeugen musste der Nachschub im unwegsamen Gelände oft mit Trägerkolonnen nach vorn gebracht werden. Nach zehn Tagen erbitterter Kämpfe waren beide Seiten so geschwächt, dass die Kampfhandlungen abflauten. Am Ende der erfolglosen Offensive betrug der Geländegewinn der Amerikaner 2,7 km, die Verluste beliefen sich auf 4500 Mann, während die Deutschen 3200 Mann verloren.

Ein amerikanisches Halbkettenfahrzeug bahnt sich den Weg durch die schlammigen Straßen des Hürtgenwalds

Die Allerseelenschlacht

Am Ende war die 9. US-Division durch die überaus harten Waldgefechte abgekämpft und wurde am 26. Oktober durch die 28. Division ersetzt. Dabei beeinträchtigte der Anblick der schmutzig und abgerissen aussehenden Abgelösten den Kampfgeist der weitgehend unerfahrenen Ersatztruppen. Das amerikanische Oberkommando wollte keine Zeit verlieren und plante einen Angriff auf das Dorf Schmidt, das als Kreuzungspunkt vieler Wege und durch seine Höhenlage im so genannten Stolbergkorridor strategisch wichtig war. Der Angriffstermin wurde auf den 31. Oktober angesetzt, musste aber wegen schlechten Wetters auf den 2. November verschoben werden. Die 28. Division wurde dabei um zusätzliche Pionier-, Panzer- und Artillerieeinheiten verstärkt, die beim Durchbruch helfen sollten.

Die Deutschen waren währenddessen nicht untätig gewesen und hatten das Waldgebiet mit zahlreichen Feldbefestigungen und Minenfeldern wieder in eine Festung verwandelt. Im deutschen Oberkommando war man der Ansicht, dass der amerikanische Stoß auf die Rurtalsperren zielte, um mit ihrer Kontrolle eine Überflutung des Rurtales zu verhindern, was einen amerikanischen Vorstoß in dieser Gegend aufgehalten hätte. Dies hätte die Pläne für die bereits in Vorbereitung befindliche Ardennenoffensive gefährdet, ganz abgesehen von der Gefahr eines Flankenangriffs, falls das Bergland in alliierte Hand gefallen wäre, so dass die deutsche Führung der Verteidigung der Talsperren und damit des Hürtgenwaldes hohe Bedeutung beimaß. Die Amerikaner dagegen hatten die Bedeutung der Talsperren noch nicht erkannt und wählten die Angriffsroute wohl hauptsächlich deshalb, um zu verhindern, dass ihre weiter nördlich kämpfenden Truppen bei einem Vorstoß auf den Rhein durch Reserven aus dem Hürtgenwald behindert wurden; das Primärziel war somit das Festhalten des Gegners und das Binden seiner Streitkräfte. Im Bergland waren deutscherseits die 275. Infanteriedivision sowie die 89. Infanterie- und die 12. Volksgrenadierdivision eingesetzt, die 116. Panzerdivision stand als Reserve bereit. Alle diese Verbände waren allerdings stark ausgeblutet und weit unter Sollstärke. So war z. B. die 275. Infanteriedivision auf etwa 5000 Mann zusammengeschmolzen.

Der amerikanische Angriff begann planmäßig und gelangte trotz schwerer Verluste schon am 3. November über Vossenack bis nach Schmidt und das benachbarte Kommerscheidt. Starkes gegnerisches Mörser- und Infanteriefeuer konnte im unwegsamen Gelände nicht ausgeschaltet werden, und die vorrückenden Truppen erlitten Verluste durch die ausgedehnten Minenfelder und Baumkrepierer. Von besonderer Bedeutung war dabei der Weg durch die Kallschlucht, die als einzige Nachschubroute von Vossenack nach Schmidt führte. Wegen der schlechten Wege hatten die Angriffsspitzen große Probleme beim Vordringen, insbesondere war es fast unmöglich, Panzer über die schmalen und stark gewundenen Waldwege zu manövrieren. Dieselbe Schwierigkeit behinderte jedoch auch die Verteidiger beim Heranführen von Reserven, so dass der Fall von Schmidt nicht verhindert werden konnte. Allerdings sah die deutsche Führung nun die Talsperren bedroht und stellte ausreichende Kräfte für einen Gegenangriff bereit. Die Amerikaner blieben währenddessen unter ständigem Artilleriefeuer, und die undurchdringliche und unheimliche Waldlandschaft, die immer noch voller gegnerischer Scharfschützen und Kampfgruppen steckte, beeinträchtigte die Kampfmoral der Amerikaner, die sich in den eroberten Ortschaften eingruben.

Die 89. Infanteriedivision der Deutschen führte am 5. November einen energischen Gegenangriff mit Artillerie- und Panzerunterstützung durch die 116. Panzerdivision gegen Schmidt, der nach heftigen Gefechten die Amerikaner unter schweren Verlusten zum Rückzug zwang, der sich streckenweise zur unkontrollierten Flucht auswuchs. Dabei war die Nachschubroute der Amerikaner durch einen gleichzeitigen Angriff auf Vossenack und ständige gegnerische Aktivität auf der Route selbst stark bedroht, und es gelang nicht, alle vorgerückten Truppen wieder herauszuziehen – wer nicht dem feindlichen Feuer zum Opfer fiel, wurde gefangen. In den folgenden Tagen drängten die angreifenden Deutschen die Amerikaner nach und nach in ihre Ausgangsstellungen zurück, dabei erlitten die US-Truppen schwerste Verluste. Aber auch die Deutschen zahlten einen hohen Preis für die Verteidigung der Talsperren: der Angriff auf Vossenack schlug nicht durch, und erst am 8. November konnten die Deutschen das von den Amerikanern geräumte Dorf teilweise besetzen. Zu diesem Zeitpunkt war die Schlacht weiter hinten allerdings längst geschlagen. Auch die Verteidiger entrichteten einen hohen Blutzoll und mussten wertvolle Reserven in die Schlacht werfen. Die Kämpfe waren von äußerster Härte, und zuweilen wurden von beiden Seiten keine Gefangenen mehr gemacht. Schlechte Planung und ein unvermutet starker gegnerischer Widerstand trugen zum Scheitern des amerikanischen Angriffs bei, zusammen mit der Tatsache, dass die frisch eingetroffenen Soldaten der 28. Division in keiner Weise darauf vorbereitet wurden, mit was für Verhältnissen sie es zu tun bekommen würden. Die ausgeblutete Division musste nach diesem Misserfolg aus der Front gezogen und aufgefrischt werden, und die Kämpfe flauten vorübergehend etwas ab. Allein der Kampf um Schmidt kostete die US-Armee 6184 Mann Verluste, die deutschen Verluste lagen bei etwa der Hälfte davon.

Operation Queen

Schwere Infanteriegeschütze im Wald von Hürtgen bei der Abwehr eines der zahllosen nordamerikanischen Angriffe, 22. November 1944

Am 16. November 1944 starteten die 1. (Hodges) und 9. US-Armee (Simpson) eine Großoffensive im Hürtgenwald (Operation Queen), die gleichzeitig an der Rurfront weiter nördlich anlief. In dieser zweiten Phase der Kämpfe sollte die 4. US-Division unter Leitung des VII. US-Corps durch die nördliche Hälfte des Hürtgenwalds brechen und die Rur erreichen. Ihr gegenüber standen nach wie vor drei deutsche Divisionen, alle deutlich unter Sollstärke, die dem 81. Korps angehörten, im Bereich des Hürtgenwaldes immer noch die nun auf 6500 Mann aufgestockte 275. Infanteriedivision mit 150 Geschützen.

Bei Auftakt der amerikanischen Offensive erlitten zwei angreifende US-Regimenter schwere Verluste durch die wohlvorbereiteten Deutschen, welche die Angreifer mit starkem Artillerie- und MG-Feuer zurücktrieben. Um Panzerunterstützung zu ermöglichen, begannen US-Pioniere damit, Panzerstraßen durch den Wald zu sprengen. Dennoch blieben Nachschub und Versorgung der Verwundeten ein Problem, so dass der Angriff ab dem 19. November für zwei Tage eingestellt wurde, um Verwundete zu bergen und sich neu aufzustellen. Die Deutschen erhielten unterdessen Verstärkungen von der 344. und 353. Infanteriedivision, und der Widerstand wurde noch härter.

Das V. US-Corps übernahm nun wieder die Leitung, und am 21. November griff die 8. US-Division im Raum des Wehebachs an und rückte langsam bis Hürtgen vor. Trotz starker Überlegenheit kamen die Amerikaner gegen den verbissenen deutschen Widerstand nur langsam voran und konnten Hürtgen erst am 29. November einnehmen. Ein Angriff auf Merode war zwar erfolgreich, ein deutscher Gegenangriff vernichtete jedoch die zwei US-Kompanien, die das Dorf besetzt hatten.

Bestandteile der 8. und 28. US-Divisionen stießen danach auf Brandenberg vor. Sie kamen erneut nur sehr langsam voran. Bis zum 12. Dezember gelang es ihnen, die Orte Gey und Straß zu erobern. Die Deutschen indessen konnten die Amerikaner von den Talsperren fernhalten, bis die Ardennenoffensive am 16. Dezember 1944 begann. Damit fand die Schlacht im Hürtgenwald ein vorläufiges Ende.

Ende der Kämpfe

Huertgen01.ogg
US Truppen im Hürtgenwald

Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive am 10. Januar 1945 wurden die Kämpfe erneut aufgenommen. Die Reserven der Deutschen waren verbraucht, und sie hatten schwere Verluste erlitten, weshalb die Intensität der Kämpfe etwas abnahm und die Angreifer Fortschritte verzeichnen konnten. Am 8. Februar 1945 fiel endgültig der Ort Schmidt, wodurch die Kämpfe im Hürtgenwald endeten. Fünf Monate nachdem die Amerikaner die Westgrenze des Hürtgenwaldes erreicht hatten, standen sie auf der anderen Seite. Jedoch gelang es ihnen vorerst nicht, die Talsperren zu erreichen, bevor die Deutschen sie zur Überflutung des Rurtales öffneten. Erst am 10. Februar fiel der Damm in Schwammenauel in amerikanische Hand, doch da hatten die Deutschen bereits die Talsperren geöffnet, womit der amerikanische Vorstoß auf den Rhein um zwei weitere Wochen verschoben werden musste. Die Kämpfe um den Hürtgenwald zählen zu den erbittertsten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges.

Ausgang

Kreuzigungsgruppe in Vossenack in Erinnerung an die Opfer der Kampfhandlungen
Gedenkstein für Friedrich Lengfeld

Ernest Hemingway, der als Kriegsberichterstatter Augenzeuge der Schlacht im Hürtgenwald wurde, änderte völlig seine Meinung vom Krieg, den er bis zu diesem Zeitpunkt verherrlichte. In seinem Buch „Über den Fluss und in die Wälder“ verarbeitet Hemingway seine Erlebnisse im Hürtgenwald: „In Hürtgen gefroren die Toten, und es war so kalt, dass sie mit roten Gesichtern gefroren…“ Im Amerikanischen wurde der Hürtgenwald als „Hurt-genwald“ (to hurt = verletzen) bekannt und bezeichnete treffend das verschneite Schlachtfeld. Sprengfallen in den Bäumen und Beschuss hatten den Wald in eine alptraumhafte Wüste verwandelt.

Über die Anzahl der Verluste (Gefallene und Verwundete) der US-Armee und der deutschen Wehrmacht gibt es kontroverse Schätzungen und Meinungen. Sicher ist, dass es sich um eine der verlustreichsten Schlachten in Westeuropa im zweiten Weltkrieg handelte. Die Behauptung, dass die US-Armee ähnlich viele Gefallene wie im Vietnamkrieg zu beklagen hatte, entspricht nicht den Tatsachen. Von September bis Anfang Dezember 1944 beliefen sich die amerikanischen Verluste im Raum Hürtgenwald auf ca. 32.000 Soldaten.[1] Quellen der US-Armee geben alleine für den 28. November 6000 Verluste an.[2] Die 1. US-Armee verzeichnete zwischen dem 16. November und 15. Dezember 21.500 Verluste.[2] Das gesamte Gebiet der Schlacht war nach dem Krieg auf Jahre nur schwer zugänglich; starke Verminung machte selbst das Bergen der Toten riskant, das anfangs nur auf Eigeninitiative Julius Erasmus' geschah.

Im Hürtgenwald sind heute noch Spuren der Kampfhandlungen zu entdecken. Vielerorts sind Panzersperren zu sehen, auch gibt es eine Handvoll ungesprengter Bunker. Über diese Spuren sind mehrere Bücher, die Frontlinien und Überreste der Schlacht aufzeigen, veröffentlicht worden.

Noch heute werden jedes Jahr durchschnittlich sieben gefallene Soldaten aus dem Boden des einstigen Schlachtfeldes geborgen. Es werden immer noch zahlreiche Minen und andere Sprengmittel in den Kampfgebieten vermutet. Zuletzt wurden am 26. September 2008 die sterblichen Überreste von John Farrell jr. und Edward T. Jones in Schmidt gefunden. Sie gehörten der 28. amerikanischen Infanteriedivision an. Ihre sterblichen Überreste werden zum amerikanischen Ermittlungsdienst nach Hawaii überführt, der die Nachfahren benachrichtigt.

Auf dem Kriegsgräberfriedhof „Hürtgenwald“ steht das einzige Denkmal für einen deutschen Soldaten, das von den ehemaligen Gegnern errichtet wurde: Im Eingangsbereich befindet sich ein Gedenkstein für den deutschen Leutnant Friedrich Lengfeld, der am 12. November 1944 beim Versuch, einen verletzten amerikanischen Soldaten aus dem Minenfeld „Wilde Sau“ zu retten, schwer verletzt wurde und noch am gleichen Tag im Verbandplatz Lukas-Mühle verstarb. Die Gedenktafel wurde von der Veteranenvereinigung des 22. U.S. Infanterie Regiments aufgestellt.

Am 27. November 2007 stellte Achim Konejung seinen Dokumentarfilm über die Schlacht im Hürtgenwald vor, in den er bisher unveröffentlichtes Rohmaterial aus den USA einbaute.

Museum

Einzelnachweise

  1. laut MacDonald (Siegfried Line Campaign, 1963 S. 493)
  2. a b Quellen der US-Armee bei army.mil

Siehe auch

Literatur

  • Charles B. MacDonald: The Battle of the Huertgen Forest. University Of Pennsylvania Press, ISBN 0-8122-1831-0
  • Charles B. MacDonald: The Siegfried Line Campaign. United States Army in World War II: The European Theater of Operations. Office of the Chief of Military History Department of the Army, Washington D.C. 1963
  • Adolf Hohenstein und Wolfgang Trees: Hölle im Hürtgenwald. Die Kämpfe vom Hohen Venn bis zur Rur Sept. 1944 bis Februar 1945. TRIANGEL Verlag, ISBN 3-922974-01-5
  • Heinz Guderian: Das letzte Kriegsjahr im Westen. Die Geschichte der 116. Panzer-Division - Windhund-Division. 1995, ISBN 3-932436-01-6 (Deutscher Alt-General schildert minutiös die Geschehnisse aus deutscher Sicht. Viele militärische Details und Quellenzitate mit Fundstellenangaben)
  • Kurt Kaeres: Das verstummte Hurra. Hürtgenwald 1944-45. Helios-Verlag, Aachen 2004, ISBN 3-933608-50-3
  • Hans Kramp: Rurfront 1944/45, Verlag Fred Gatzen, ISBN 3-923219-00-8
  • Rainer Monnartz: Hürtgenwald 1944/45 - Militärgeschichtlicher Tourenplaner. Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-68-7
  • Alexander Kuffner: Zeitreiseführer Eifel 1933-45. Helios, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-42-7.
  • Denis und Shelagh Whitaker: Endkampf am Rhein - Der Vormarsch der Westalliierten 1944/45 1998, ISBN 3-8289-0291-X
  • Max von Falkenberg: Hürtgenwald '44/45. ISBN 3-936946-18-3
  • Ernest Hemingway: 49 Depeschen; Krieg an der Siegfried-Linie; Collier's, 18. November 1944

Weblinks


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