Allerstedt
Allerstedt
Gemeinde Kaiserpfalz
Koordinaten: 51° 15′ N, 11° 27′ O51.25361111111111.443055555556Koordinaten: 51° 15′ 13″ N, 11° 26′ 35″ O
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Eingemeindet nach: Wohlmirstedt
Postleitzahl: 06642
Vorwahl: 034672

Allerstedt, früher auch Allerstädt geschrieben, ist ein Ortsteil der Gemeinde Kaiserpfalz in Sachsen-Anhalt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Allerstedt erstmals im Breviarium Sancti Lulli, einem Verzeichnis der Güter des vom Erzbischof Lullus († 786) von Mainz gestifteten Klosters Hersfeld, als Alarestede in den schriftlichen Quellen erwähnt.[1]

Kaiser Otto III. schenkte am 30. November 998 dem Kloster Memleben die civitas Uuihi, die Burg und Herrschaft Wiehe, im Wisichgau (Gau Wigsezi, Wiehegau) und mehrere umliegende Dörfer, darunter auch Alehsteti sowie ausgedehnte Weinländereien bei Wiehe. Teil der Schenkung sind ebenfalls aldiabus campis vineis - dies ist zugleich die erste Erwähnung des Weinbaus an der Unstrut. [2]

Der Bischof Thietmar von Merseburg berichtet in seiner Chronik zum Jahre 1015 von einer domus nimis lapidibus firmata, einem mit Steinen gebauten Haus, in der villa Elerstidi. Hier soll der bei einem Mädchenraub in der Burg Beichlingen verwundete Werner von Walbeck, der 1009 abgesetzte Markgraf der Nordmark, ein Jahr zuvor verstorben sein.[3]

Mit Hartnidus de Alrestete erscheint 1157 erstmals ein Vertreter der Ministerialenfamilie von Allerstedt, die sich nach dem Ort benannte.[4]

1822 standen 87 Häuser in Allerstedt, in denen 420 Einwohner lebten.

Sehenswürdigkeiten

Reste der Burg Allerstedt liegen am Südwestrand des Dorfes auf einem leicht nach Westen ansteigendem Gelände mit dem Flurnamen Die Burg, auch Untergut Allerstedt genannt. Es handelt sich um eine etwa 65 mal 35 Meter große Fläche auf einer flachen Erhöhung, die durch zwei breite und tiefe, teilweise verschliffene Gräben und einen dazwischenliegenden Wall abgetrennt wird. Der äußere Graben wird als Hohlweg genutzt. An der Nordostecke der Burg hat sich der Stumpf eines Bergfrieds mit sorgfältig gearbeitetem Quadermauerwerk in Gipsmörtel erhalten, der wohl im 12. Jahrhundert entstanden ist und zur Ministerialenburg gehörte. Reste des erwähnten Steinhauses des 11. Jahrhundert sind nicht bekannt. Auch dessen Lage ist nicht gesichert, zumal ausführlichere historische, archäologische oder baugeschichtliche Untersuchungen bislang ausstehen.

Literatur

  • Hermann Größler: Führer durch das Unstrutthal von Artern bis Naumburg. Teil I. Mitteilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a.S. 1892, 84–149, hierzu S. 113 mit Grundriß Abb. 3.
  • Hermann Größler: Führer durch das Unstruttal von Artern bis Naumburg für Vergangenheit und Gegenwart. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Finke, Freyburg 1904; Reprint 2. Aufl. Dingsda-Verlag, Querfurt 1995, ISBN 3-928498-04-5, S. 48–50.
  • Louis Naumann: Geschichte des Kreises Eckartsberga. Eckartshaus-Verlag, Eckartsberga i.Th. 1927, S. 353–354.
  • Paul Grimm: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg. Handbuch vor- und frühgeschichtlicher Wall- und Wehranlagen 1(Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte / Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin Bd. 6). Akademie-Verlag, Berlin 1958, hierzu v. a. S. 266 f. Nr. 413.
  • Reinhard Schmitt: Burgen des hohen Mittelalters an der unteren Unstrut und um Naumburg. Zum Stand der Forschung. In: Burgen um Freyburg und Naumburg. Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt Sonderheft. Halle/Saale 1996, S. 6–48 hierzu S. 9 f.

Einzelnachweise

  1. UB Hersfeld I, 1, Nr. 3.
  2. MGH DD OIII 305. Digitalisat: http://mdz10.bib-bvb.de/~db/bsb00000443/images/index.html?id=00000443&seite=758.
  3. Thietmar VII, 5. Digitalisat.: http://mdz10.bib-bvb.de/~db/bsb00000870/images/index.html?id=00000870&nativeno=838.
  4. UB Pforte I Nr. 14.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Allerstedt (Adelsgeschlecht) — Die Familie von Allerstedt war ein altes, früh erloschenes, thüringisches Reichsministerialengeschlecht aus dem gleichnamigem Ort Allerstedt. Inhaltsverzeichnis 1 Geschichte 2 Wappen 3 Literatur 4 Siehe auch …   Deutsch Wikipedia

  • -stedt — Das Suffix stedt beziehungsweise städt als Bestandteil von Ortsnamen stammt von Wohnstätte (bewohnter Platz) ab. Diese Orte waren meist altdeutsche Gründungen; slawische Gründungen tragen dieses Suffix in der Regel nicht. Besonders häufig kommt… …   Deutsch Wikipedia

  • -städt — Das Suffix stedt beziehungsweise städt als Bestandteil von Ortsnamen stammt von Wohnstätte (bewohnter Platz) ab. Diese Orte waren meist altdeutsche Gründungen; slawische Gründungen tragen dieses Suffix in der Regel nicht. Besonders häufig kommt… …   Deutsch Wikipedia

  • Werner von Walbeck — (* um 980/85; † 11. November 1014 in Allerstedt) war Graf von Walbeck und 1003 bis 1009 Markgraf der Nordmark. Er war der älteste Sohn des Grafen Lothar und der Godila von Rothenburg (Tochter von Graf Werner I.). Obwohl Werner beim Tode seines… …   Deutsch Wikipedia

  • Wohlmirstedt — Gemeinde Kaiserpfalz Koordinaten …   Deutsch Wikipedia

  • Werner, Margrave of the Nordmark — Werner (also Wirinher or Werinharius ; died 11 November 1014) was the Margrave of the Nordmark from 1003 until 1009. He was a cousin of the contemporary bishop and historian Thietmar of Merseburg. Werner was the eldest son of the Margrave Lothair …   Wikipedia

  • An der Finne — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Berlstedt — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Grafschaft Rabenswalde — Die Ursprünge der Grafschaft Rabenswalde liegen am Anfang des 11. Jahrhunderts in der Herrschaft Wiehe[1] . Zu dieser Zeit übergab Heinrich III. die Burg und Herrschaft Wiehe mit allen zugehörigen Ortschaften diese als Reichslehen an die Grafen… …   Deutsch Wikipedia

  • Hohe Schrecke — p1p5 Hohe Schrecke Höchster Gipfel Wetzelshain[1] ( …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”